Stagepiano Roland RD-2000 im Test: Multitalent

Die Firma Roland vereint im Stagepiano RD-2000 Physical Modeling, klassische Sample-Sounds und starke Controller-Features. Damit bringt das Instrument alle Voraussetzungen für eine Spitzenposition innerhalb seiner Produktgattung mit.

Neu an der Spitze der Roland-Stagepianos steht das RD-2000, das dem Live-Keyboarder jede Menge praktischer Hilfen an die Hand geben will. So fallen gleich nach dem Auspacken die zahlreichen Dreh- und Schieberegler – allesamt mit LED-Ketten ausgestattet – und zwei

Modulationsräder zusätzlich zum Roland typischen Pitchbend-/Modulations-Joystick auf. Was sonst noch geboten wird, wie schnell man sich zurecht­findet und wie gut das Stagepiano klingt, haben wir an einem Vorserienmodell ausprobiert. Interessant für Umsteiger: Die Live-Sets des RD-800 und die Programs des RD-2000 sind kompatibel. So kann man seine alten Registrierungen am neuen Instrument einfach weiterverwenden.

Outfit

Nach einem Ausflug in die Welt von Kunststoffgehäusen beim RD-800 wechselt Roland beim RD-2000 wieder zu Stahlblech, hält aber das Gewicht: 21,7 kg. Das Design des RD-2000 fällt kantig mit schrägen, klaren Linien aus. Durch die Gehäuseform ergeben sich auch praktische Griffmöglichkeiten, die beim Auspacken und Auf-den-Ständer-Wuchten helfen. Das Metallgehäuse macht wieder einen Schutzleiter nötig, so dass ein Kaltgerätekabel zur Stromversorgung dient. Das wird all jene freuen, die sich mit dem „Rasierer-Kabel“ des RD-800 nicht recht anfreunden konnten. Dafür fällt das Display des RD-2000 nicht mehr ganz so üppig aus: Hier werden nur noch 256 x 80 Pixel in Schwarzweiß geboten, auf Grafiken wird ganz verzichtet.

Rechts des Displays findet man ein Datenrad und Navigations-Buttons, daneben zehn Tone-Kategorie­taster (nummeriert), die auch zur Szenen-Auswahl (ein Schnellregistrierungs-System) dienen. Darüber sind Utility-Taster zum Aktivieren von Programs oder Editor-Funktionen angeordnet, daneben das um Drum-Pattern erweiterte Metronom, der USB-Audio-Recorder/Player und Taster für Split und Transpo­sition.

 

Links des Displays findet man Schalter und Schieberegler für die acht Tastaturzonen und ein neuntes Set für die USB-Audio-Funktion. Die neun Regler lassen sich auch zum Registrieren der Vir­tual Tone Wheel Organ einsetzen. Weiter links sind acht Drehregler angeordnet, die mehrfache Aufgaben erfüllen können. Die nötigen Umschalter sind direkt zugeordnet. Die aufgedruckte Matrix und Status-LEDs geben den schnellen Überblick, außerdem schaltet das Display direkt auf die passende Seite um, sobald man Werte an einem Regler ändert. Kurz danach ist das Display wieder in Ausgangs­darstellung: So soll’s sein.

Neu sind die beiden Modulationsräder, denen – wie den acht programmierbaren Drehreglern – verschiedene Funktionen zugewiesen werden können. In den Programs lässt sich dann festlegen, in welchen Tastaturzonen die dadurch gesteuerten Con­troller angewendet werden sollen. Erfreulich auf dunklen Bühnen: Die Modulationsräder sind beleuchtet.

Das Anschluss-Panel zeigt die erwartete professionelle Vielfalt: Je zwei Line-Ausgänge im Klinken- und XLR-Format (symmetrisch) werden durch zwei Sub-Ausgänge (Klinke) ergänzt. Daneben: der obligatorische Kopfhöreranschluss. Externe Zuspieler können über eine Stereo-Miniklinke direkt auf den Ausgang des Stagepianos geroutet werden. Die Lautstärke wird über den externen Zuspieler geregelt.

Vier Buchsen für Pedale stehen bereit, darunter Dämpfer- und Expression-Pedal und zwei zuweisbare Schalter. Zusammen mit dem neuen Expression-Pedal Boss EV-30 ergeben sich interessante Möglichkeiten: Da das Pedal zwei Anschlüsse besitzt, kann man das RD-2000 zum Beispiel auch so konfigurieren, dass Sounds durch das Expression-Pedal überblendet werden.

Die MIDI-Schnittstelle kann zweifach belegt werden: Entweder man hat das klassische MIDI-Trio (in/out/thru) oder man schaltet den Thru-Port als zweiten Ausgang. So lassen sich unterschiedliche externe Klangerzeuger direkt ansteuern, was Vorteile bei der Signalverzögerung bringen kann. Außerdem an Bord: je eine USB-to-Device- und USB-to-Host-Buchse. Letztere steht für USB-MIDI-Verbindungen bereit, erstere nimmt entweder Speichersticks zum Sichern von Registrierungen oder zum Abspielen von Audio-Playbacks auf.

Zudem lässt sich eine USB-Audio-Funktion aktivieren: Dann arbeitet das Roland RD-2000 als Audio-Interface und kann Audio-Daten mit einem Computer austauschen. Während die USB-MIDI-Funktion weder am iPad noch am Computer nach speziellen Treibern verlangt, muss ein solcher für USB-Audio installiert werden. Dann kann man die Stereosumme des Stagepianos z.B. direkt in der DAW aufzeichnen, oder man überträgt die Sounds von Software-Klangerzeugern digital zum RD-2000 und spielt sie über dessen Ausgänge aus. Eine überzeugende Lösung fürs Bühnen-Setup. Dank der symmetrischen XLR-Ausgänge spart man auch gleich noch die DI-Boxen. Eine weitere USB-Buchse hat lediglich Service-Charakter und dient dem Aufspielen von Updates.

Bei der Tastatur setzt Roland auf die bewährte PHA-50. Die Kunststofftasten sind mit Seitenelementen aus Holz versehen, was für eine schicke Optik sorgt. Die Tastatur lässt sich sehr gut spielen, der Druckpunkt ist angenehm leicht eingestellt. Dank der drei Tastensensoren kann man auch schnell repetieren. Die Oberflächenbeschichtung aus synthetischem Elfenbein/Ebenholz hält die Tasten schön griffig und die Finger beim Spielen angenehm trocken. Weil die Tastatur nicht mit Aftertouch ausgestattet ist, muss man entsprechende Controller-Werte auf anderem Weg senden; der Aftertouch-Controller lässt sich beliebig Drehrädern, Modulationsrädern oder Fußschaltern zuweisen.

Sounds

Zwei unabhängige Sound-Engines werkeln im RD-2000. Die erste basiert auf Rolands V-Piano-Technologie und ist für Pianoklänge zuständig, die über Physical Modeling erzeugt werden. Diese Klang­erzeugung ist voll polyfon. Sound Engine 2 vereint dagegen mehrere technische Ansätze und ermöglicht 128 polyfone Stimmen. Hier finden sich klassische PCM-Samples ebenso wie eine Virtual Tone Wheel Organ, also eine Zugriegelorgel auf Modeling-Basis.

Außerdem enthalten sind Naturinstrumente aus der SuperNatural-Engine. Dazu gehören Pianos, E-Pianos und die typischen Orchesterinstrumente. Das Besondere: Die Sounds lassen sich über eine Editier-Funktion vielfältig bearbeiten. Für die Standardsounds gibt es die GM-typischen Parameter, für die SuperNatural-Sounds fallen sie schon wesentlich üppiger aus. Die meiste Kontrolle hat man über die Klangparameter der Physical-Modeling-Pianos. Hier reichen die Einstellmöglichkeiten bis hinunter auf die Tonebene, wo man für jede Taste Charakter, Stimmung etc. festlegen kann. Den von einigen V-Piano-Enthusiasten geschätzten Parameter Decay-Time findet man jedoch beim RD-2000 nicht.

Zwei Kategorien mit akustischen Pianos sind genauso vorhanden wie zwei Kategorien für E-Pianos. Bei den Klavieren erscheint die Aufteilung mit „Concert“ und „Studio“ jedoch etwas beliebiger als bei den E-Pianos mit „Vintage“ und „Modern“ – vor allem nach Sichtung des jeweiligen Inhalts. Die Modeling-Pianosounds sind durch das Kürzel „MD“ im Display zu erkennen. Man kann diese Sounds nur der Tastaturzone 1 zuweisen. Beim Umschalten reißt deren Ton ab, wohingegen man bei den anderen Sounds einstellen kann, ob beim Umschalten ein gehaltener Ton weiter erklingen soll.

Die Pianosounds mit V-Piano-Technologie machten im Test großen Spaß beim Spielen, denn ihr Klang ist lebendig und dynamisch, die Resonanzen verhalten sich sehr authentisch, wie man das von einem guten Physical-Modeling-Algorithmus erwartet. Durch die zahlreichen Möglichkeiten der Klang­anpassung kann man seinen individuellen Klang formen. Ebensolche Spielfreunde bereiten die E-Pianosounds – pur und in Kombination mit der starken Effektsektion. Nicht zuletzt die Amp-Simation und einige virtuelle Effektgerät-Klassiker tragen ihren Teil dazu bei. Auch die Clavinetsounds profitieren davon.

Roland RD-2000 Demo-Video

Die Zugriegelorgelsimulation lässt sich mit den neun Fadern flüssig registrieren, allerdings wirkt der Sound nicht mehr up to date. Man kann den Sound aber z.B. über den Sub-out ausspielen und eine externe Rotary-Simualtion wie den Neo Instruments Ventilator II oder ein echtes Rotorkabinett einsetzen. Auch bei einigen Naturinstrumenten leistet sich das RD-2000 aus heutiger Anspruchssicht Schwächen z.B. bei Solo-Streichern und einigen Bläsern. Dass die Drums nicht so viel Punch haben, stört bei einem Stagepiano nicht. Positiv bleibt der Eindruck nach dem Durchspielen der zahllosen internen Synthesizersounds, die das RD-2000 für vielfältigste musikalische Stile rüsten. Auf der Website axial.roland.com sollen in Zukunft auch Soundpakete für das RD-2000 angeboten werden. Zwei virtuelle Expansion-Slots sind im Instrument vorhanden.

Vier Multieffektsysteme stehen zur Klangveredelung bereit. Sie lassen sich in den ersten vier der acht Tastaturzonen aktivieren und bieten je 62 Effekttypen. Dazu kommen vier Tremolo/Amp-Simulations-Einheiten mit jeweils sechs Typen. Der globale Reverb-Effekt hält sechs, der Delay-Effekt fünf Typen bereit. Sympathetische Resonanz steht als Effekt nur für die SuperNatural-Pianos zur Verfügung. Für den nötigen Druck des Gesamtausgangssignals sorgen ein 3-Band-Kompressor sowie ein 5-Band-EQ. Letzterer lässt sich auch in Echtzeit über die Drehregler justieren.

Extras

Über USB steht dem RD-2000 ein Audio-Recorder/Player zur Seite. MIDI-Files konnte schon der Vorgänger RD-800 nicht mehr abspielen – schade! Zumindest eine Art Looper auf MIDI-Basis wäre eine praktische Ausstattung für ein Stagepiano. Der Audio-Player ist auf Wav-Dateien beschränkt. Warum das so ist, obwohl doch selbst die billigsten Roland-Keyboards auch MP3 beherrschen, bleibt ein Geheimnis des Herstellers.

Das Metronom des RD-2000 bietet ebenfalls ein Extra: 200 Drum-Pattern sind gespeichert, mit denen Üben und Jammen Spaß machen oder machen sollten, denn leider fällt der Charakter etwas steril, der Drumsound nicht überzeugend aus. Ein Nice-to-have-Feature für zu Hause, weniger für die Bühne.

Alle Einstellungen zu Tastaturzonen, Sound- und Controller-Belegung lassen sich in 300 Registrierungen abspeichern. Roland nennt diese Programs. Sie lassen sich auf USB sichern und wiederherstellen. Damit beim Programmieren keine Idee verloren geht, gibt es 100 Scene-Speicherplätze. Das sind quasi Snapshots aller aktuellen Einstellungen. Ist man zufrieden, kann eine Scene auch in ein Program importiert werden. Praktischerweise wird auch die Anschlagempfindlichkeit gespeichert. So kann man für ein Piano-Program einen harten, für ein Orgel- oder Synth-Program eine weiche Anschlagdynamikkurve wählen, ohne dass man dazu ins System­menü abtauchen müsste.

Fazit

Das Roland RD-2000 ist ein echtes Stagepiano-Topmodell mit sehr guter Tastatur, erstklassigen Sounds und starken Features. Besonders die lebendigen Physical-Modeling-Pianosounds und die starken E-Pianos sprechen neben einer üppigen Synthesizer-Sound-Ausstattung für das Instrument. Zahlreiche weitere Klänge machen den Live-Keyboarder auf der Bühne flexibel. Dabei wird er durch acht Tastaturzonen für interne und externe Soundquellen und eine praktische USB-Audio-Funktion für die Einbindung von Software-Klangerzeugern unterstützt. Dank erweiterter Registrierungen hat man sein Setup jederzeit im Griff.

Wertung

+ Sehr gute Tastatur

+ Erstklassige Piano- und E-Pianosounds

+ Große Soundvielfalt

+ Üppige Ausstattung

+ USB-Audio-Funktion

- Schwächen bei manchen Naturinstrumenten-Sounds

- Player beschränkt auf WAV