Steinway-Manager Manfred Sitz im Interview: Zukunftsmusik

2016 bringt Steinway den selbstspielenden Flügel Spirio. Ein Schritt in Richtung Digitalpianos? Wir sprachen mit Manfred Sitz, Vice President Steinway & Sons Europe.

Manfred Sitz & Steinway Spirio
(Fotos: Steinway)

Wird Steinway in den digitalen Bereich vordringen?

Nicht in den digitalen Bereich mit kleinen Keyboards. Wir haben ja in Amerika im Frühjahr und im Sommer 2015 begonnen, unser Produkt Spirio in Testmärkte zu bringen – ein selbstspielender akustischer Flügel, der aber über die Dynamik und die Akustik des Flügels selbst wiedergegeben wird. Das wird unser Zukunftsprojekt in Europa für dieses Jahr sein.

Also kein erster Schritt in die digitale Richtung?

Nein. Spirio ist für uns im Moment die Entwicklung in Verbindung mit einem nor­malen akustischen Flügel, den man wahlweise akustisch oder digital spielen kann.

Der digitale Pianomarkt schreibt enorme Zuwachszahlen. Sind Sie in einer wirtschaftlich so privilegierten Situation, dass Sie sagen können: brauchen wir nicht?

Nicht als Hersteller. Wir sehen ein, dass unsere Händler Digitalpianos führen, weil sie sagen, sehr häufig würde ein Verbraucher an ihrem Geschäft vorbei gehen, wenn sie es nicht machten. Aber sie
haben auch die Erfahrung gemacht, dass sehr viele Kunden, die das Geschäft betreten und mit einem Digitalpiano beginnen, sich sehr häufig dann doch für den Kauf eines akustischen Pianos entscheiden.

Es gilt nach wie vor: Digitalpianos sind Einsteigermodelle – und wer dran bleibt und wer den wirtschaftlichen Background hat, landet vielleicht bei Steinway?


Ich kann mich erinnern, dass wir die gleiche Diskussion bei meinem Eintritt Anfang der 80er-Jahre hatten: Ob es das Ende der Klavierindustrie sei, wenn die ganzen Keyboards mit all ihren Features kommen. Wir haben damals die Erfahrung gemacht, dass es gut für den Einstieg war, denn das Keyboard hat die Berührungsängste mit dem Tasteninstrument massiv verringert. Man konnte es mit Kopfhörer spielen; man hat die Fehler nicht so gehört. Von daher war es ein Einstieg. Und wenn die Fertigkeiten stiegen, dann ist man auf ein akustisches Piano übergegangen – oder auf ein akustisches mit Stummschaltung, was es ja auch schon gab. Das ist nach wie vor so.

Steinway hat einen neuen Eigentümer. Wie zufrieden sind Sie damit?

Wir sind sehr glücklich mit unserem neuen Eigentümer. Wir haben viele Freiheiten. Außerdem wird kräftig investiert. In den letzten zwei Jahren flossen zehn Millionen in unser Hamburger Werk, in den nächsten zehn Jahren werden weitere 20 Millionen Euro investiert, um den Standort intakt zu halten. Wir wollen hier bleiben. Es ist ein klares Bekenntnis zum Standort Hamburg.