Sven Stagge, Co-Autor der Yamaha KeyboardClass, im Interview

Mit dem Unterrichtskonzept der KeyboardClass will Yamaha für zusätzlichen Musikernachwuchs sorgen. Wir sprachen mit den Autoren Sven Stagge und Roman Sterzik (eigenes Interview) über das Konzept.

Sven Stagge

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das Musizierenim Klassenverband?

Klassenmusizieren in der Schule ist inzwischen eine unverzichtbare Methode für den Musikunterricht. Endlich wird nicht mehr über Musik nur geredet, sondern praktisch musiziert. Klassenmusizieren bringt viele Schülerinnen und Schüler zum Instrumentalspiel, auch die, die sonst vielleicht kein Instrument erlernt hätten. Viele bleiben im Anschluss an die Ausbildungszeit der Musikschule und dem Musikverein als Schüler erhalten.

Wer profitiert vom Klassenmusizieren?

Vom Klassenmusizieren profitieren Lernende und Lehrkräfte gleichermaßen; das praktische Musizieren motiviert. Am Ende eines Unterrichts stehen greifbare musikalische Produkte, die im Schulkonzert und in der Schulöffentlichkeit hörbar werden. Klassenmusizieren ist Nachwuchsförderung par excellence für Orchester und Ensembles in Schulen, Musikschulen und Musikvereinen.

Sind die verschiedenen Lehrpläne überhaupt auf eigene praktische Erfahrungen ausgelegt?

Praktische Kompetenzen werden inzwischen in allen deutschen Lehrplänen/Kerncurricula ausdrücklich gefordert. Allerdings ist das ohne instrumentale Ausbildung nur sehr begrenzt möglich. Oft scheitert es an finanziellen Mitteln der Kommunen zur Anschaffung von Instrumenten für die Schule.

War es schwierig, alle Schularten in allen Bundesländern in ein einheitliches Konzept zu integrieren?

Allein für das Fach Musik gibt es bundesweit über 70 verschiedene Lehrpläne und Curricula. Die KeyboardClass bildet eine Schnittmenge der Anforderungen an 5. und 6. Jahrgänge ab. Im Material sind kreative Workshops enthalten, die weiterführende Anknüpfungspunkte an musikalische Unterrichtsthemen leisten. In höheren Jahrgängen empfehlen wir eine Kombination mit bewährten Schulbüchern.

Haben Sie auch Unterstützung von der Kultusbürokratie oder Kultuspolitik bekommen?

Die Bundesländer haben Förderprogramme für das Klassenmusizieren ins Leben gerufen, so z.B. HAUPTSACHE:MUSIK in Niedersachsen, das musikalische Projekte mit außerschulischen Partnern (z. B. mit Musikschulen und Musikvereinen) fördert. Auch in den Lehrplänen und Curricula wird die Einrichtung von Klassenmusizierkonzepten empfohlen, sofern der Unterricht über das reine Spielen hinausgeht.

Wie sieht es jetzt mit der Unterstützung aus? Wird das Konzept begrüßt oder legt man den Umsetzungswilligen zusätzliche Steine in den Weg?

Die Bundesländer fördern mit ihren Fortbildungsprogrammen für Lehrkräfte aktiv Klassenmusizierkonzepte. So werden zusätzlich zu den regelmäßigen Yamaha KeyboardClass-Seminaren ab Herbst 2014 beispielsweise Klassenmusizierseminare mit Keyboards für Musiklehrkräfte in Bayern durchgeführt.

Welche Lerninhalte stecken konkret im KeyboardClass-Konzept?

Die neuen Kerncurricula fordern den Erwerb musikpraktischer Kompetenzen. Es geht dabei also weniger um konkrete Inhalte, sondern eher um Nachhaltigkeit beim Erwerb von Kompetenzen. Dazu gehören neben musikpraktischen auch affektive und kognitive Kompetenzen. Musiklehre wird als Rezept zum Musizieren verstanden. Darüber hinaus sind zahlreiche kreative Angebote zu finden, etwa die rhythmische Variation einer Melodie oder Stilkunde in Form von Samba- oder auch Dance-Workshops.

Wie ist die erste Resonanz von Seiten der Musiklehrer?

Wir haben bei der Vorstellung europaweit eine erfreulich große Resonanz erfahren. Die ersten KeyboardClasses werden nach den Sommerferien starten, wobei es nicht immer ganze Klassen sein müssen. Stattdessen kann es auch Wahlkurse oder Arbeitsgemeinschaften als Alternative geben. Flexiblität gehört schließlich zum Konzept.