Synthesizer: Warum Klangschrauben wieder Spass macht

Synthesizer erleben einen Boom: Nie zuvor gab es ein derart umfangreiches Angebot an Konzepten und attraktiven Instrumenten für unterschiedliche Anwenderprofile, Spielweisen, Klangbedürfnisse und Geldbörsen. Wie das Klavier oder die Orgel ist der Synthesizer ein Pflichtinstrument für Keyboarder. In diesem Special informieren wir Sie über technische Grundlagen, Historie, Modelle und Marktsituation.

Dass Synthesizer nicht zur Effekthascherei verführen, sondern den Musiker mit ihren eigenständigen Klängen live wie bei der Musikproduktion unterstützen, ist schon seit einigen Jahrzehnten bekannt. Die heutige Synthesizer-Landschaft erschließt sich insgesamt besser, wenn Sie die Historie ein wenig kennen. Ein Startschuss gelang Robert Moog zu Beginn der 1970er mit seinem Minimoog, der wichtige Komponenten eines Modularsystems vereint und mit seinem kompakten Gehäuse inklusive Tastatur überall spielbar ist. Moogs Synthesizer sind bei einigen Hits vertreten, z.B. „Popcorn“ (Hot Butter, 1972), „Autobahn“ (Kraftwerk, 1974), „I feel love“ (Donna Summer, 1977) oder „Cars“ (Gary Numan, 1979). Ein damaliger Mitbewerber heißt ARP Odyssey. Er ist zwar klanglich flexibler, aber weniger charismatisch als der berühmtere Minimoog. Diese monofonen Instrumente liefern Lead- und Bassklänge in vielen klangfarblichen Nuancen.

Etwa Mitte der 1970er erobern polyfone Synthesizer den Markt, bei denen sich Klänge meistens speichern lassen. Jeder Top40-Keyboarder kennt zumindest einen bestimmten Sound: Van Halens Intro bei „Jump“ stammt aus dem Oberheim OB-Xa. Auch bei Toto und anderen Gruppen sind bläserähnliche Klänge von Oberheim erste Wahl. Der Oberheim Four-Voice, produziert von 1974 bis 1979, ist bekannt durch den Fusion-Klassiker „Birdland“ von Joe Zawinul. Der Yamaha CS-80, mit seinem Gewicht von fast 100 Kilogramm ein Monstrum, imponiert beim Soundtrack zu Blade Runner, den Vangelis produzierte. Zu den klassischen Flaggschiffen zählen auch der Memorymoog und der Roland Jupiter-8, dessen Sound bei „Axel F“ zu hören ist. Sequential Circuits ist mit dem Prophet-5 sehr erfolgreich, der als einer der ersten voll programmierbaren Analog-Synthesizer gilt. Im prominenten Einsatz ist er bei Level 42, Peter Gabriel, Depeche Mode und anderen Größen. Firmengründer Dave Smith ist bis heute noch sehr aktiv und produziert immer wieder neue Prophet-Modelle. Und natürlich werden neben den Schlachtschiffen weiterhin monofone Synthesier gebaut, so etwa der großartige Pro One von Sequential Circuits. Etwas kurios ist der 1981 erschienene Bass-Synthesizer Roland TB-303, weil er seinerzeit vollkommen unbeachtet blieb und erst viele Jahre später mit dem Erfolg des Acid-House zur Kultmaschine avancierte.

 

Statement

Mario Schönwälder, Jahrgang 1960, seit Mitte der 1980er Jahre Elektronikmusiker der sogenannten „Berlin Schule“. 1992 Gründer des Labels Manikin Records, auf dem neben seinen eigenen Musikprojekten u.a. Musik von Ashra, Klaus Schulze, Spyra u.v.a. erschienen ist: „Ich bevorzuge die warmen, eher analog klingenden Klänge. Vielleicht habe ich in den 1980er Jahren zuviel Digitales gehört (und ja auch selber gespielt), so dass ich es richtig schön finde, dass die Entwicklung den analogen Klang wieder gefunden hat. Da hat die musikalische Entwicklung in den letzten 25 Jahren sicher einen ganz entscheidenden Anteil daran. Ohne House und Trance wären die analogen Synthesizer vermutlich ganz in Vergessenheit geraten. Ich hoffe, dass der „Analog-Boom“ noch etwas anhält und noch einiges an interessanten – vor allem polyfonen – Klangerzeugern auf den Markt bringen wird. Der Markt der Eurorack-Module beginnt sich aber schon in Richtung Unübersichtlichkeit zu entwickeln. Auf lange Sicht wird es aber wohl nicht noch einmal so einen großen Umbruch wie bei Yamaha DX7 und Korg M1 geben. Hoffentlich!“

 

Digitaltechnik auf dem Vormarsch

Im Laufe der 1980er revolutioniert Digitaltechnik den Synthesizerbau: Yamahas DX-Modelle bringen mit der FM-Synthese neue brillante Klangfarben in die Popmusik. Synthesizer werden immer öfter zur Imitation akustischer Instrumente verwendet. Die nun klassischen Analog-Synthesizer treten deutlich in den Hintergrund. Ohne MIDI-Anschluss sind sie auch nicht mehr kompatibel mit anderen Keyboards und dem Computer. Zunehmend erschwinglich wird digitales Sampling. In Mode kommen Synthesizer, die auf Wellenformen zurückgreifen und ein breites Spektrum akustischer wie elektronischer Klänge abdecken können. Im Volksmund heißen sie „Rompler“, da sie eben auf einem Sample-ROM basieren. Die meisten Geräte verfügen zudem über eine umfangreichere Effektsektion aus Hall, Chorus und weiteren Effekt-Typen. Mit der M1 läutet Korg 1987 sehr nachhaltig die Spezies der Synthesizer-Workstation ein. Yamaha zielt beim SY77/99 zwar auf die Musikproduktion, der Fokus liegt aber auf der FM-Synthese.

Ab Mitte der 1990er Jahre zeichnet sich infolge von Dance, Techno und weiterer elektronischer Popmusik wieder ein Bedarf an klassischen Synthesizern ab. Erstmals mit dem Clavia Nordlead behaupten sich virtuell-analoge Synthesizer. Nicht zu überhören ist, dass analoge Synthesizer nun durchaus anders klingen und verwendet werden als im Pop und Rock der 1980er. Insbesondere die dynamische und intuitive Steuerung von Klangparametern („Filter-Fahrt“) sind nun ein Stilmittel.

Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends gewinnt der Synthesizer als Software-Instrument an Bedeutung. Klassiker wie der Prophet 5 erscheinen plötzlich fotorealistisch auf dem Bildschirm und überzeugen auch klanglich als Plug-in. Als 2010 das Apple iPad erscheint, dauert es nicht lange, bis etliche Synthesizer auf dem Touchscreen landen und für Musiker immer preiswerter werden oder gar nichts mehr kosten.

Heute leben Keyboarder in einem Schlaraffenland. In dieser bunten Welt leben Vintage-Sounds noch immer weiter durch zahlreiche Kopien auf Software-Basis und durch neue Instrumente. Parallel gibt es neuartige Synthesizer, die mit ihrem Soundcharakter besser für aktuelle Musikstile passen: rauer, agressiver, Crunch. Anders als bei den klassischen Synthesizern der 70er und 80er Jahre sind heute zahlreiche Modulationen gefragt, die tempo-synchron verlaufen. Selbst ein statischer Synthesizerklang kann und möchte passend zur Musik dynamisch verändert werden.

Info: Software-Synthesizer & iPad-Apps

Schon lange haben sich Plug-in-Synthesizer auf Softwarebasis im Markt etabliert; das Angebot ist inzwischen kaum noch zu überschauen. Sie müssen zwar nicht alle Produkte kennen oder sogar haben, eines der folgenden Instrumente sollten Sie aber unbedingt probieren: Spectrasonics Omnisphere 2 (Sample-basierter Sound­gigant), U-He Diva (virtuell-analog, emuliert Klassiker), NI Reaktor 6 (virtueller Modular-Synth), Xfer Records Serum (Wavetable-Synthese), Synapse Audio Dune 2 (virtuell-analog), NI Massive (Synth für Dubstep-Sounds). Auf einem Laptop installiert sind diese Instrumente auch live spielbar. Ein Blick in den App Store rentiert sich ebenfalls: Auf dem Apple iPad sind inzwischen zahlreiche Synthesizer angekommen; die Android-Plattform eignet sich für solche Anwendungen aufgrund hoher Latenzen nur bedingt. Unsere Empfehlungen: Moog Animoog, Waldorf Nave, Propellerhead Thor, Arturia Prophet, BeepStreet Sunrizer. Insgesamt ist die Alternative „Synth-App auf dem iPad“ für Musiker reizvoll, die vor allem zu Hause verschiedenartige Synthesizer-Konzepte kennenlernen möchten. Für die Bühne ist der Tablet-PC-Synth nur bedingt zu empfehlen, da es an geeigneter Hardware zur Einbindung hapert.

Äußeres Erscheinungsbild

Die einzelnen Gerätetypen unterscheiden sich bereits optisch: Spätestens seit dem Minimoog sind Synthesizer konventionell mit Tasten und Spielhilfen wie den beiden Handrädern ausgestattet. Monofone und polyfone Analog-Synthesizer treffen Sie mit Tastatur in normaler Größe und auch in einer Miniatur-Version an. Das Design spielt eine wichtige Rolle, wie Industriedesigner Axel Hartmann in seinem Statement auf Seite 75 ausführt.

Synthesizer-Workstations mit bis zu 88 Tasten sind als typische Allrounder inzwischen dünn gesät. Einzige aktuelle Vertreter sind Korg Kronos und Yamaha Montage, letzterer löst seit diesem Jahr die Motif-Serie ab. Einige der Vorzüge sind aufwändige Layer durch Schichten ganz unterschiedlicher Klänge samt Effekte und natürlich die entsprechend hohe Stimmenzahl (Polyfonie). Außerdem bieten Workstations mehrere Syntheseformen unter einer Haube. Und dabei geht es auch komplett ohne Tastatur: Modelle für den Schreibtisch (Desktop-Synthesizer) und fürs 19-Zoll-Rack sind weiterhin heiß begehrt. Kleines Format bedeutet in diesem Fall auch kleiner Preis. Die Bedienung hinkt allerdings manchmal auch hinterher. Die Volca-Serie aus dem Hause Korg erscheint unter den Mini-Synthesizern als Gesamtpaket für den Einstieg.

Ein Segment, das sich unaufhaltsam vergrößert, heißt Eurorack. Doepfer hat diese Bauform praktisch mit seinem modularen Synthesizer A-100 eingeführt und Modularsysteme wieder unters Volk gebracht. In das Eurorack passen alle Module mit entsprechendem 3HE-Rahmen und der gleichen Versorgungsspannung von (-)12 V. Inzwischen finden sich etliche Module vieler bekannter Hersteller. Selbst Moog bedient das Eurorack-Format mit seinem aktuellen Modular-Synth Moother-32.

Roland hat mit dem System-1 das firmeneigene Plug-out-Konzept am Markt. In diesen Synthesizer kann man weitere Plug-ins einladen, ohne dabei einen Computer verwenden zu müssen. Ausgewiesene Control-Synthesizer spezialisieren sich auf die spontane Gestaltung verschiedener Klangparameter. Aktuelles Beispiel: Mit seinem ungewöhnlichen Spielmanual (so genannte „Keywaves“) ist Roli Seaboard (Rise 25 und 49, Grand Stage) eine vielversprechende Ausnahme am Synthesizer-Markt. Die Sounds rekrutieren sich aus dem Software-Synth Equator, dessen Klänge auf das individuelle Spielfeld abgestimmt sind.

Statement

Hans-Peter Henkel, Inhaber von Cool-Webinars: „Wir haben auf der SuperBooth 2016 erlebt, dass im Synthbereich gerade ganz viel in Bewegung und Entwicklung ist. Modularsysteme sind weiter im Kommen, die Musiker wollen wieder „schrauben“ und experimentieren. Die diesbezügliche Anziehungskraft der Yamaha reface-Serie zeigte sich ebenfalls auf der SuperBooth. Für den „klassischen Live Keyboarder“ sind natürlich spezielle Klangerzeuger oder Modularsysteme nur bedingt geeignet. Nicht jeder hat schließlich – wie z.B. Rick Wakeman – einen Keyboard-Techniker, der ihm das schier unüberschaubare Rig einfach nur zum entspannten Spielen einrichtet. Daher werden sicher zunehmend auch Live-taugliche Instrumente entwickelt, die sowohl „Brot und Butter“ auf Sample-Basis als auch eine oder mehrere „echte“ Syntheseformen anbieten. Die Architektur im Yamaha MONTAGE lässt beide Klangerzeugungen so nahtlos miteinander verschmelzen. Schließlich wollen wir in erster Linie mit diesen Instrumenten Musik machen. Meiner persönlichen Meinung nach ist ohnehin die Art der Klangerzeugung für eine Live-Darbietung zweitrangig.“

Subtraktive Synthese als Standard

Schauen wir uns die Klangerzeugung näher an: Fast immer dreht es sich dabei um die Subtraktive Synthese. Die verwandte, virtuell-analoge Synthese (VA) erscheint Mitte der 1990er Jahre mit dem Clavia Nordlead, gefolgt von Access Virus, Roland JP-8000 und Yamaha AN1X. Hier gibt es keine echten analogen Bauteile, die analoge Klangerzeugung wird digital nachgebildet. Noch heute ist VA vielfach vertreten. Ein aktuelles Beispiel liefert Rolands ACB-Technologie („Analog Circuit Behavior“). Bereits in den 1980er Jahren sind komplexere Syntheseformen wie „Frequenz Modulation“ (Yamaha DX7), „LA“ (Roland D-50), „Wave Sequencing“ (Korg Wavestation), „Wavetable“ (Waldorf Microwave) oder „Additive Synthese“ (Kawai K5000) anzutreffen. Vor allem die FM-Synthese ist besonders populär. Mit dem neuen Synth-Flaggschiff Montage setzt Yamaha heute wieder neue Akzente, wie Hans-Peter Henkel betont.

Der Aufbau ist bei den meisten Synthesizern mit Ausnahme der FM-Synthese fast immer gleich. Bekannt ist er als subtraktive Synthese. Das Adjektiv „subtraktiv“ deutet darauf hin, dass der per Oszillator erzeugte Grundsound überwiegend durch das Filter „subtrahiert“ wird. Es werden also Teile des Frequenzspektrums gefiltert. Wichtige Klangbausteine der subtraktiven Synthese sind vergleichsweise einfach zu verstehen: Oszillator, Filter, Hüllkurve und LFO. Der Oszillator ist praktisch der Motor – ohne ihn läuft nichts. Mit seiner Wellenform gibt er den Basisklang vor. Während analoge Synthesizer relativ wenige Wellenformen (Sägezahn, Rechteck, Dreieck etc.) anbieten, übertreffen sich Sample-Player mit einer immer größer werdenden Auswahl an Waveforms, die von Klavieren und Streichern über Drums und Percussions bis zu exotischen Klängen reicht. Der Oszillator, beim Minimoog als VCO (Voltage Controlled Oscillator) bezeichnet, findet sich unter ähnlichem Namen bei Korg, Roland, Yamaha und anderen Firmen wieder.

Im Fokus: Klassische Oszillatoren

Anders als bei Klängen von Arranger-Keyboards und Digitalpianos, die auf Samples basieren, haben Oszillatoren klassischer Synthesizer spezifische Extras. Ein Oszillator liefert jeweils eigenständige Klangfarben, die addiert und gemischt werden, so zum Beispiel eine Sägezahn- mit miner Rechteckwelle. In der Oszillator-Sektion finden sich zudem Dreieck, Pulswelle und Rauschen, wobei die Stimmung spannungsgesteuerter Oszillatoren (VCO – Voltage Controlled Oscillator) leicht schwankt. Der resultierende Grundsound wirkt dabei lebendiger als bei digitalen Klängen auf Sample-Basis.

Zwei Oszillatoren können interagieren: Bei der harten Oszillatoren-Synchronsiation (Hard Sync), die viele Synthesizer anbieten, handelt es sich technisch um eine starre Phasenkoppelung zweier Oszillatoren. Der synchronisierte Oszillator (Slave) bricht jedes Mal mitten in der Periode ab und beginnt von vorne, wenn der (Master-)Oszillator seine Wellenform durchlaufen hat. Akustisch entsteht dadurch der Effekt schneidender Klangfarben, der sich zur Programmierung von Synthleads und mitunter auch für Bässe anbietet.

Stellen Sie noch den Keyboard-Mode von Poly oder Mono auf Unisono, wird der Solo- oder Bassklang perfekt. Solche Oszillator-Sync-Sounds entwickeln eine immense Wucht. „Unisono“ bedeutet, dass alle Stimmen des Synthesizers auf eine Taste gelegt werden. So entsteht ein wuchtiger Sound mit vielen Schwebungseffekten. Der Grad der Verstimmung lässt sich meistens mit einem Parameter (Unisono-Spread) bestimmen. Manche Synthesizer haben verschiedene Unisono-Modes, um etwa nur zwei oder vier Stimmen auf eine Taste schalten zu können.

Klanglich bedeutend sanfter als die Oszillatoren-Synchronisation ist das Modulieren der Pulswelle. Die Pulsschwingung zeigt sich auf dem Oszilloskop mit einer variablen Unter- und Oberkante. Haben die Kanten die gleiche Breite (Verhältnis von 50:50), steht dies für die die bekannte Rechteckwelle (bei Synthesizern auch unter der Beszeichnung „Square“ oder „Rectangular“ zu finden). Je kleiner die Oberkante der Pulswelle wird, desto dünner und spitzer gestaltet sich der Klang.

Mit der Pulsbreitenmodulation (Puls Width Modulation, kurz: PWM) kann nun das Mischungs­verhältnis von Ober- und Unterkante verändert werden. Sinnvoll einsetzen lässt sich die PWM für Schwebungs­effekte mit nur einem Oszillator. Neben PWM und Oszillator-Sync ist auch die Ringmodulation typisch für analoge Synthesizer: Zwei Oszillatoren modulieren sich gegenseitig in der Lautstärke. Es entstehen rauhe, metallische oder allgemein disharmonische Klangfarben.

 

Am Filter scheiden sich die Geister

Über keinen Baustein eines Synthesizers wird so heiß diskutiert wie über das Filter. Verständlich, denn auch leidenschaftliche Kaffeetrinker philosopieren gerne übers ideale Aroma. Das Filter prägt dem Sound am deutlichsten eine individuelle Geschmacksnote auf. Es kann sehr subtil zur „Höhendämpfung“ verwendet werden oder auch plakativ für etwa ein „Filterschmatzen“ bei Analog-Synthbässen oder für breite Sweep-Flächen. Neben dem verbreiteten Tiefpassfilter, das die Höhen schneidet und tiefe Frequenzen durchlässt, sind bei modernen Instrumenten eine Reihe weiterer Filtertypen (vor allem Hoch- und Bandpass) vertreten.

Die Hüllkurve bestimmt einen beliebigen zeitlichen Verlauf des Klangprogramms. Je nach Einstellung kann etwa ein Sound langsam oder rasch einschwingen (Attack) oder ausschwingen (Release). Unterteilt ist der Hüllkurvenverlauf in vier Phasen nach dem ADSR-Modell: „Attack-Decay-Sustain-Release“, also Einschwing-, Abkling-, Halte-, und Ausschwingphase. Serienmäßig an Bord sind jedenfalls zwei verschiedene Hüllkurven, eine für den Lautstärke-, die andere für den Filterverlauf. Eine eventuelle dritte Hüllkurve steuert den zeitlichen Verlauf der Tonhöhe oder – falls frei programmierbar – auch anderer Parameter.

Mehr Bewegung bitte: Der LFO, ursprünglich ein weiterer Oszillator (LFO = „Low Frequency Oscillator“), schwingt relativ langsam und erzeugt normalerweise keine Audio-Frequenz. Sein Einsatz kann äußerst unterschiedlich ausfallen. Klassischerweise sorgt der LFO für die typischen Vibrato- oder WahWah-Effekte, die spontan per Modulationsrad abgerufen werden können. Seit dem Aufkommen von Dance und anderer populärer elektronischer Musik werden LFOs zur Programmierung von rhythmischen (Begleit-)Mustern herangezogen, die synchron zum Songtempo laufen.

Nicht zuletzt ist neben den Effekten (Hall, Chorus, Delay, Verzerrer etc.) auch der Arpeggiator – neben seiner eigentlichen Aufgabe des rhythmischen Akkordzerlegens – inzwischen so versiert, dass er automatisch Filterverläufe oder andere musikalisch interessante Veränderungen ausführen kann und somit zu den Werkzeugen des Sound-Designers zählt.

 

Statement

Axel Hartmann, Industriedesigner, der mit der Gestaltung von Synthesizern Bekanntheit erlangt hat: „Da das Produktdesign nicht nur die reine ästhetische Komponente eines Geräts berücksichtigt, sondern gerade auch den ergonomischen Zugang, halte ich es für einen sehr entscheidenden Faktor eines Synthesizers. Hinzu kommt, dass über das Design eines Instruments oft die Kaufentscheidung gefällt wird – sofern der Funktionsumfang und die klangliche Qualität konkurrierender Instrumente vergleichbar sind. Ein gutes Produktdesign berücksichtigt auch immer den Herstellungsprozess – die Gestaltung sollte also auch eine optimale Konstruktion für den tatsächlichen Bedarf des Herstellers bezüglich angestrebter Verkaufs-Stückzahlen und Herstellungstechniken integrieren. Das ist oft nicht ganz trivial – und daher eine der größten Herausforderungen bei der Realisierung eines jeden Produkts oder eben Synthesizers. Das Produktdesign spielt also einen ganz erheblichen Anteil. Generell sehe ich immer mehr Software-Hersteller ihre Aktivitäten in den Bereich Hardware verlagern. Hier wird es in der Zukunft viele neue Hybridkonzepte geben, die ergonomisch perfekt zwischen Soft- und Hardware abgestimmt sind. Auf jeden Fall bleibt mein Beruf spannend!“

 

 

Kriterien beim Kauf

Sind Sie am Erwerb eines Synthesizers interessiert, müssen Sie mit elektronischen Klangfarben arbeiten wollen und außerdem offen sein für neue Spieltechniken. Vor der eigentlichen Kaufentscheidung sollten Sie sich die folgenden Kernfragen selber beantworten.

  • Die erste Frage lautet: „gebraucht oder neu?“ Wahre Liebhaber werden natürlich alles dieser Welt investieren für ein originales Instrument. Doch ist Vorsicht geboten: Nicht alle Ersatzteile sind heute noch verfügbar, Sie brauchen einen spezialisierten Techniker, und Reparaturen verschlingen letztlich viel Geld. Rudi Linhard (www.lintronics.de) oder Achim Lenzgen (www.synthesizerservice.de) sind zwei Könner ihres Fachs, die Sie bei defekten Synthesizern aufsuchen sollten. Bedenken Sie bitte, dass Vintage Synthesizer nicht für heutige Musik gebaut worden sind und keinen USB-/MIDI-Port und andere Anschlüsse haben, die heute üblich sind.
  • Das zweite Kriterium: Allrounder oder Spezialist? Sie brauchen ein Instrument, das live möglichst flexibel einsetzbar ist. Ein Allrounder sollte mindestens vierstimmig sein sowie Speicherplätze und interne Effekte zu bieten haben. Besitzt das Gerät noch einen Vocoder, ist das natürlich eine sinnvolle Option. Mit einer Synthesizer-Workstation liegen Sie fast immer richtig. Ansonsten schauen Sie nach einem Gerät, das ganz bestimmte Performance- oder Klangeigenschaften aufweist. Mehrere kleine Synthesizer ergänzen sich meist gut im Studio und sind auch finanziell zu stemmen. Wer experimentieren möchte, nimmt ein Modularsystem.
  • Muss es immer Hardware sein? Zumindest im Studiobetrieb spricht viel für ein Software-Instrument. Es lässt sich sehr einfach integrieren, nimmt keinen Platz und kostet erstaunlich wenig. Anstelle des angenehm haptischen Gefühls, mit echten Knöpfen und Reglern zu arbeiten, müssen Sie aber mit einer Maus hantieren. Wenn Sie sich wegen der intuitiven Bedienung für ein Hardware-Instrument entscheiden, müssen Sie dafür brennen, am Instrument ihre eigenen Sounds zu formen. Viele Hardware-Synthesizer haben zwar Speicherplätze, die aber nicht üppig mit feinsten Sounds belegt sind. Bei einem Plug-in haben Sie deutlich leichteres Spiel, denn Sie können zwischen etlichen fertigen Klängen wechseln. Ein Spectrasonics Omnisphere bietet Tausende von Patches in erstklassiger Qualität. Hierauf sollten Sie ein Auge werfen: Manche Hardware-Synthesizer bieten Editoren, die sich als Plug-ins in die DAW einfügen und so zumindest die Sache mit den passenden Klangeinstellungen für ein Songprojekt vereinfachen. Hier haben Sie das Beste von Hard- und Software vereint.

Die unten folgende Marktübersicht hilft ihnen, eine Vorentscheidung zu treffen. Spielen Sie die Instrumente jedenfalls einmal beim Händler an. Ob Sie mit einem Synthesizer länger glücklich werden, zeigt sich aber meist erst nach einigen Monaten. Lassen Sie sich also Zeit – auch bei Synthesizern findet jeder Topf seinen Deckel. Mit unserer laufenden Synthesizer-Workshop-Serie und Produkttests in den nächsten Ausgaben bleiben Sie weiter am Ball und lernen dabei die aktuellen Instrumente näher kennen.

Statement

Yuki Ohta, Korg Japan: „Als einer der Inhouse-Designer bei Korg möchte ich die Frage nach den heute wichtigen Sounds für einen Synthesizer besser an die Musiker stellen. Meiner Ansicht nach sollten Presets nicht von Designern definiert werden, sondern von den Usern. Bei unserem aktuellen Synthesizer, dem Korg Minilogue, ist das so: Wir haben eine Mischung aus den Beiträgen aller Designer, die sich in die Köpfe der User versetzt haben. Ich denke, dass eines Tages alle Synths Wi-Fi haben und dass im Internet eine schiere Masse an Sounds verfügbar ist, die nicht von Menschen, sondern per künstlicher Intelligenz erstellt worden sind. Nichtsdestoweniger wird die Programmierung von Synthesizern und der künstlerische Umgang mit Klängen weiterhin Spaß machen. Schließlich handelt es sich um eine Darstellung der eigenen persönlichen Kunstfertigkeit!“

Hardware-Synthesizer: eine redaktionelle Auswahl im Kurzporträt

Access

Seit 1997 bietet der deutsche Hersteller Access sein Erfolgsprodukt, den virtuell-analogen Synthesizer Access Virus. Unter Dance- und Elektronikmusikern ist sein Klangrepertoire sehr geschätzt. Immer noch aktuell sind die TI-Modelle. „TI“ steht für Total Integration per VST/AU im PC/Mac: TI2 Desktop (ca. 1.666 Euro) oder die Keyboard-Version TI2 Keyboard (ca. 2.200 Euro) sind gestandene Instrumente zu höheren, aber angemessenen Preisen.

Akai

Akai hat einen Namen bei Beat-Produzenten (Akai MPC), weniger als Synthesizer-Schmiede. Zu schma­len Preisen finden sich Produkte, die bei der kreativen Studioarbeit helfen, so die zahlreichen MIDI-Controller von Akai. Ein Klassiker ist der Blaskontroller EWI mit interner Soundquelle. Einen Synthesizer gibt es derzeit: Akai Timbre Wolf (ca. 249 Euro) ist ein kompakter vierstimmiger Tonerzeuger in Keyboard-Form mit 32-Step-Sequencer.

ARP

Im Zuge der Zusammenarbeit mit Korg kehrt ARP im Jahr 2015 mit einem Synthesizer auf den Markt zurück: Der Odyssey (ca. 899 Euro) ist ein komplett rekonstruiertes Modell des Originals, das nun aber mit einem MIDI-in-Anschluss und einem USB-Port ausgestattet ist. Das Gehäuse und das 37-Tasten-Keyboard wurden verkleinert. Insgesamt ein würdevoller Retro-Synth für den kleineren Geldbeutel.

 

 

Arturia

Ursprünglich lieferte der französische Hersteller einen Software-Synthesizer nach dem anderen. Das Produktportfolio wurde aber inzwischen deutlich verändert. Bei den Synthesizern ragen die kleinen monofonen Modelle Micro- und MiniBrute hervor. Der voraussichtlich ab Herbst lieferbare MatrixBrute (ca. 2.000 Euro) ist ein vielversprechender Modular-Synthesizer, der Speicherplätze für Presets anbietet und das Flaggschiff der Brute-Serie darstellt.

Behringer

Newcomer unter den Synthesizern ist der DeepMind 12, Behringers erster Synthesizer überhaupt. Für knapp 1000 Euro liefert er erstaunliche Features: 12 Stimmen, nor­malgroße Tastatur, eine umfangreiche Effektsektion, Arpeggiator, Sequencer, Grafik-Display, iPad-Steuerung, 1000 Speicherplätze. Wenn das Instrument einen soliden Grundsound liefert, könnte es schon bald nach Erscheinen ein Renner werden.

Clavia (Nord)

Seit Mitte der 1990er Jahre bereichert Clavia aus Schweden den Bau virtuell-analoger Synthesizer. Die erfolgreiche „Nord Lead“-Serie steht für puristische Instrumente mit prägnantem Sound und markanter Optik. Den aktuellen Einstieg bietet der Nord Lead A1 (ca. 1.200 Euro) in Rack- oder Tastenversion; Nord Lead 4 ist das noch immer angesagte Topmodell. Dies alles ist nichts für Lifestyle, sondern für seriöse Musiker und Produzenten.

Doepfer

Dieter Doepfer ist eine feste Größe unter den Modular-Synthesizer-Herstellern. Das ausgeklügelte Modular-System A100 ist seit diesem Jahr als tragbare Kofferversion (ca. 2.249 Euro) erhältlich. Im Small-Budget-Sektor bewährt sich der Dark Energy II (ca. 419 Euro) im Desktop-Format. Auf Presets und digitale Bauteile verzichtet Doepfer bei allen Produkten. Hier gibt es pure Analogtechnik für Kenner, die experimentieren wollen.

DSI / Sequential Circuits

Pionier Dave Smith ist unermüdlich. Unter DSI und neuerdings wieder unter dem einstigen Firmennamen Sequential Circuits bietet er hervorragende klassische Synthesizer als Keyboard- und als Rackmodelle. Der Prophet 6 (ca. 2.859 Euro) knüpft an den polyfonen Klassiker Prophet 5 an, während der OB-6 (ca. 2.618 Euro) den typischen Vintage-Sound von Oberheim zurückbringt. Ein Spitzen-Instrument ist auch der klanglich flexible DSI Pro 2 (ca. 1.699 Euro), ein monofoner Synthesizer. Zum kleinen Preis ist seit Jahren bereits der Mopho für etwa 399 Euro erhältlich, ein Modul mit analogen Innenleben.

Korg

Die Traditionsfirma aus Tokio bietet für jeden das Passende: Trendige Synth-Studios wie Korg Gadget behaupten sich auf dem iPad. Die Volca-Serie (Bass, FM, Sample, Keys) umfasst analoge Desktop-Geräte zum kleinen Preis. Der Klassiker MS-20 ist als kompaktes Gerät spielbar. Neu ist der Minilogue, ein vierstimmiger Tasten-Synth mit Effekten, Motion-Sequencer und Speicherplätzen. Das Controller-Keyboard Korg Triton taktile 49 integriert die Sounds des Synth-Workstation-Klas­sikers Triton. Für die Show bietet sich der Umhänge-Synth RK-100S an. Flaggschiff des Hauses ist der Kronos in verschiedenen Modell­varianten; er beherrscht bis zu neun Syntheseverfahren.

Kurzweil

Kurzweil wendet sich an Keyboarder mit pianistischen Ansprüchen. Gut spielbare Tastaturen von Fatar bieten die wenigen, aktuellen Synthesizer-Workstations Kurweil PC­3A7 (76 halbgewichtete Tasten) und PC3A8 (88 gewichtete Tasten mit Hammermechanik). Überzeugende Pianosounds sind unter den fast 1500 Werksklängen vertreten, die auf der VAST- und VA1-Klangerzeugung basieren. Eine der kleineren Besonderheiten ist der Anschluss eines Breath-Controllers.

MFB

Ein Spezialist aus der Hauptstadt: Manfred Fricke produziert schon seit 1979 elektronische Musikinstrumente. Sein aktuelles Sortiment ist klein, aber fein: Neben MFB Tanzbär und Tanzmaus, zwei Drumcomputern, gibt es seit 2014 einen hochwertigen Analog-Synthesizer mit einer 3-Oktaven-Tastatur. Der MFB Dominion 1 bietet drei VCOs, Multimodefilter, Arpeggiator/Sequencer und 128 Speicherplätze – eine Alternative zu den üblichen Klassikern von ARP, Moog oder Yamaha.

Moog

Das Unternehmen mit Kultstatus aktualisiert den klas­sischen Moog-Sound mit verschiedenen Produkten. Objekt der Begierde und Kapitanlage wird der neu erschienene Minimoog (ca. 3.900 Euro) sein. Für den Consumer-Bereich gibt es die Phatty-Serie mit dem beliebten Topmodell Sub 37 (ca. 1.599 Euro). Einen günstigen Modular-Synth als Desktop-Gerät bietet Moog außerdem mit dem Mother-32 (699 Euro). Auch das iPad bestückt Moog mit den tollen Apps „Animoog“ und „Model 15“.

Novation

Der britische Hersteller gefällt durch kleine und sehr erschwingliche Synthesizer mit gewissem Eigenklang. Mit der Bass Station II sind Acid-House-Phrasen schnell kreiert. Die UltraNova ist ein vielseitiger VA-Synth mit Vocoder und einem kleinen Bruder namens MiniNova. Eine Drum-Machine auf VA-Basis ist mit Circuit erhältlich.

Roland

Bis auf Synthesizer-Apps liefert Roland eine gute breite Auswahl an Synthesizern: Das Topmodell ist der JD-XA mit seinem kleinen Bruder JD-Xi, die beide analoge Schaltkreise aufweisen. Weiterhin gibt es den Roland System-1, der firmeneigene Plug-ins laden kann, sowie die Boutique-Serie, die einige Roland-Klassiker (Jupiter-8, JX-3P, Juno-60) als Miniatur nachbilden. Auch sample-basierte Instrumente fehlen nicht und sind prominent mit dem Jupiter-80 zu haben.

Roli

Neue Wege bestreitet der Hersteller Roli aus London. Das in mehreren Größen erhältliche Roli Seabord verkörpert einen USB MIDI-Controller mit speziellem Spielmanual. Für die Klangerzeugung wird ein Software-Synthesizer mitgeliefert. Dieses Gespann aus Hard- und Software kommt für die experimentelle und vor allem artikulationsreiche Performance wie gerufen.

Studiologic

Die italienische Firma ist bekannt für Controller-Keyboards, hat aber auch im Synthesizer-Bereich einen Kandidaten. Der Sledge basiert auf der Waldorf-Engine mit Wavetables bzw. virtuell-analoger Klangerzeugung. Zusätzlich können via Computer eigene Samples importiert werden. Zwei FX-Sektionen (Reverb/Delay sowie Modulationseffekt) und ein Arpeggiator sind an Board. Ein großes Plus ist die große und auch sehr griffige Bedienoberfläche mit 35 Drehreglern zum intuitiven Klangschrauben. Für den Live-Einsatz nützlich ist der Split/Layer-Mode. Die jüngste Version, die Sledge Black Edition, ist zudem ein wahrer Blickfang.

Vermona

Eher unscheinbar ist die kleine Firma Vermona aus dem Osten Deutschlands. Die kompakten analogen Synthe­sizer überzeugen aber klanglich und laden zum Soundtüfteln ein. Aushängeschild ist der Perfourmer MkII (ca. 1.299 Euro), der vier diskret aufgebaute monofone Analog-Synthesizer in einem Desktop-Gerät vereint. Vermona bietet auch noch weitere Retro-Maschinen wie Federhall, Drum­synthesizer oder Filter.

Waldorf

Die Kernkompetenz liegt traditionell bei der Wavetable- Synthese, die bei ganz unterschiedlichen, finanziell attraktiven Produkten geboten wird: Der Waldorf nw1 kommt im Eurorack-Format (ca. 249 Euro), das kb37 ist wiederum ein Keyboard und Controller zum Einbau von Euro­rack-Modulen. Noch immer lieferbar ist der Desktop-Synthesier Blofeld und dessen Keyboard-Variante. Auch als Software-Instrumente (Largo, PPG 3.V und Nave) lässt sich die Wavetable-Synthese ausschöpfen. Andere Spezialisten: Das Desktop-Gerät Streichfett (ca. 239 Euro) widmet sich den klassischen „String Machines“; ein analoger Desktop-Synth mit druckvollen Sounds ist wiederum der Pulse 2 (ca. 469 Euro). Ein Unikat ist das Piano „Zarenbourg“, das über eine dreifache Klangerzeugung (Physical Modeling, FM und Sample Playback) verfügt.

Yamaha

Der japanische Konzern bedient bei Tastatur-Synthesizern vor allem zwei Bereiche: An der Spitze steht der neue Mon­tage, der FM-Synthese und Samples kombiniert und die langjährig erfolgreiche Motif-Serie ablöst. Der MOXF ist eine günstigere Synthesizer-Workstation. Klanglich souveräne Miniatur-Geräte, die Yamahas Historie aufleben lassen, beinhaltet die Reface-Serie mit einem VA- und FM-Synthesizer. Die neuen Modelle der Yamaha MX-Serie bieten die direkte Verbindung zu mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets und lassen sich darüber erweitern. Mit der iOS-App „FM Essential“ werden die Instrumente z.B. um einen FM-Synthesizer mit vier Operatoren und zehn Stimmen erweitert.

Statement

Matthias Sauer, Musiker und Fachautor: „Die aktuelle Marktsituation weckt schiere Begeisterung für Synthesizer. Viele Software-Instrumente bleiben bei der Musikproduktion weiterhin meine erste Wahl, wenn es schnell und effizient gehen muss. Zum Schnuppern sind die iPad-Apps auch nützlich – ich möchte sie keinesfalls missen. Allerdings ermöglichen erst die neuen Hardware-Synthesizer klanglich und haptisch eine individuelle Herangehensweise beim kreativen Sounddesign, wofür man aber viel Zeit und Geduld benötigt. Spannend finde ich die wachsende Nische der kompakten Modular-Synthesizer. Ich kann mich kaum daran erinnern, dass diese Spezies einmal so präsent und preiswert war wie heute. Anstelle von Lifestyle-Produkte und weiteren Replika wünsche ich mir von den großen Herstellern künftig etwas mehr Mut für neue Konzepte. Man sollte nicht nur an den Klassikern festhalten, sondern besser auf die Wünsche der heutigen Musiker eingehen. Diese enorme stilprägende Sprengkraft eines Minimoog, DX7 oder auch M1 vermisse ich ein wenig. Wer kennt und hört schon die Presets der neuen Hardware-Synthesizer bei aktuellen Produktionen heraus?“