Workshop iPad für Musiker (3): Noten

In diesem Workshop zeigen wir Ihnen, wie Sie Ihre Notensammlung mit dem iPad auf die Bühne bringen und welche Vorteile das hat.

iRealBook
Chordsheets aller Jazz-Standards als App: Das iRealBook bietet sie samt Playback-Begleitung.

Von der Ära Gutenberg scheinen sich nun auch Live-Musiker zu verabschieden: Gedruckte Notenblätter und schwere Bücher stehen immer öfter im Schatten digitaler Lösungen. Denn: Tablet-PCs wie das Apple iPad können nebenbei auch das, was Sie von einem eBook-Reader wie dem Amazon Kindle kennen: Noten und Texte darstellen. Mit einem gestochen scharfen 9,7-Zoll-Bild­schirm ist das Notenlesen auf dem iPad wirklich keine Augenwischerei.

Bei der Darstellung von Noten werden selbst Traditionalisten zugeben müssen, dass ein iPad zahlreiche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Papier­version bietet: Sie haben immer und überall Zugriff auf ihr komplettes Notenarchiv. Zudem können Sie Kollegen schnell einmal Ihre eigenen Noten per Mail schicken. Das Abspielen von Noten kann mit entspre­chender Sound-Wiedergabe eines Playbacks oder auch mit einem Metronom-Click geschehen. Kleine Helfer wie Stimmgabel und Stimmgerät sind manch­mal inklusive. So genannte Chordsheets aus Text und Akkordsymbolen lassen sich schnell und einfach transponieren.

Sie benötigen keine separate Notenlampe, denn das Display ist beleuchtet. Im Freien müssen Sie sich nicht über fliegende Blätter ärgern und können Utensilien wie Wäscheklammern zu Hause lassen. Dank VGA-Anschluss und Beamer können Noten und Texte des iPad (1024 x 768 Punkte) auf eine riesige Leinwand projiziert oder auf Ihrem Computer-Bildschirm betrachtet werden, was bei der Arbeit mit Chören, größeren Ensembles oder beispielsweise auch im Schuldienst hilfreich ist.

 

iTunes
Per iTunes können PDFs und andere Dokumente auf das iPad übertragen werden.

Wie die Noten ihren Weg in das iPad finden

Allein mit dem iPad geht es leider nicht; ein Computer und die kostenfreien Apple-Software iTunes sind wichtige Partner. Wie kommen Sie überhaupt an Noten im PDF-Format? Prinzipiell gibt es drei Möglichkeiten: Bequem ist es, wenn Sie Noten bereits im PDF-Format kaufen. Inzwischen gibt es Online-Shops wie zum Beispiel Musicnotes, die speziell für das iPad angepasste Noten anbieten. Besuchen Sie doch einmal die Webseiten www.musicnotes.com oder www.notendownload.com. Dort finden Sie zu vielen Stücken eine Vorschau inklusive einer Hörprobe. Sicherlich werden in absehbarer Zeit auch große Verlage neben der Print-Ausgabe ihre Noten immer öfter digital anbieten.

Zweiter Weg: Wenn Sie mit einem Notationsprogramm arbeiten, können Sie die Stücke als PDF exportieren – auch das ist simpel. In der Praxis sieht es aber häufig so aus: Viele Musiker haben bereits etliche Songbooks oder Einzelnoten im Regal stehen. Diese können Sie technisch recht einfach mit handelsüblichen Scannern digitalisieren. Beachten Sie aber das geltende Kopierverbot für urheberrechtlich geschützte Noten. Als Auflösung reichen 132 dpi, da dies der Auflösung des iPad-Displays entspricht. Eine höhere Auflösung sorgt nur für unnötig große Dateien.
Sind die Noten als PDF auf dem heimischen Rechner oder Laptop vorhanden, stellt sich die brisante Frage, wie sich die notierte Musik zum iPad übertragen lässt. Auch hier führen viele Wege zum Ziel. Eine schnelle und verlässliche Möglichkeit:

Ver­bin­den Sie das iPad per Kabel mit dem USB-Port Ihres Computers und erledigen Sie die Organisation der Dateien per iTunes. Sie starten die Software iTunes, klicken links den Eintrag „iPad“ unter „Geräte“ an und gehen auf „Apps“. Unten auf dem Bild­schirm sehen Sie „Dateifreigabe“ sowie alle Apps, mit denen Sie Dateien austauschen können. Hier lassen sich alle PDF-Dateien und andere Dokumente hinzufügen, die automatisch zum iPad übertragen werden.

Songbook
Texte und Akkorde im ChordPro-Format: Für viele Musiker, die keine Noten brauchen, ist die App Songbook nützlich.

Anwendungen zum Darstellen von Noten auf dem iPad

Im Grunde könnten Sie jeden PDF-Viewer (gut und gratis ist z.B. die App „CloudReader“, etabliert der „GoodReader“) zur Darstellung von Noten verwenden. Allerdings gehen spezielle Noten-Apps noch individueller auf die Bedürfnisse von Musikern ein: Dort gibt es etwa Dal Segno, Coda und andere Sonderzeichen zum Einfügen; Metronom und Sound-Wiedergabe sind weitere Vorzüge. Hilfreich ist auch die Organisation einzelner PDF-Dateien in Set-Listen für den Live-Auftritt.
Inzwischen finden sich einige Anwendungen, die sich auf die Darstellung von Noten-PDFs spezialisieren. Wer keinen Cent riskieren und die Notation per iPad erst einmal probieren möchten, kann dies mit einigen Apps, die gratis herunter geladen werden können. Die App „piaScore HD“ beispielsweise umfasst zahlreiche Stücke von Chopin, Beethoven oder Mozart und ist für Musiker ein Tipp, die gern klassische Klaviermusik spielen. Für das Importieren, Lesen, Bearbeiten und Verwalten von eigens erstellten oder kommerziellen Noten-PDFs sollten Sie folgende kommerzielle Apps in Betracht ziehen: „forScore“, „GigBook“ sowie „unrealBook“ (jeweils 3,99 Euro) und „NextPage“ (7,99 Euro).

Wenn nicht alles notiert sein soll: Liedtexte und Akkorde können flexibel dargestellt und verändert werden. Manche Anwendungen können mehr als PDFs anzeigen. Für Live-Musiker und Sänger sind vor allem Apps sehr nützlich, die Text-Dateien lesen und auch das Cordpro-Format unterstützen, das bei der Notation von Liedtexten mit Akkordsymbolen sehr verbreitet ist. Vor allem Gitarristen und Songwriter dürften diese Sheets von „Chordie“ (www.chordie.com) kennen, die Sie kopieren und letztlich zum iPad übertragen können.

Unter den Apps, die das ChordPro-Format verstehen, gefällt das einfache „SongBook Chordpro“ (5,49 Euro) vom deutschen Hersteller LinkeSoft. Es stellt Texte, Chords und für Gitarristen nach Tabulaturen dar. Noch raffinierter ist die App „OnSong“ (3,99 Euro), weil Sie während der visuellen Darstellung damit noch Playbacks und andere Audio-Dateien abspielen und die Text-/Chordsheets schnell und effektiv für die Darstellung mit einem Beamer oder Bildschirm optimieren können.

GigBook
Das Repertoire sortieren und in virtuelle Notenbände schnüren – GigBook wendet sich an Livemusiker.

Eine gute Nachricht: Sie müssen nicht alle Noten für das iPad selbst mühselig zusammensuchen. Für das iPad eines Jazzers bietet sich die App „iRealBook“ an, die Chordsheets zu allen gängigen Jazzstandards enthält. Sie sehen nicht nur Akkorde, sondern können zur Improvisation noch ein Halbplayback starten, das den gezeigten Akkordsymbolen folgt, und dazu improvisieren. Ähnlich arbeitet die bekannte Software „Band-In-A-Box“. Wenn Sie mehr als die mitgelieferte Swing-Begleitung möchten, können Sie für „iRealBook“ weitere Jazz-Styles (4,99 Euro) und Latin-Styles (2,39 Euro) hinzukaufen. Die App „Hymnal Trinity“ (5,49 Euro) enthält 260 Titel im Chorsatz für moderne Kirchenmusiker, während der Anbieter Musicroom einige Songbooks von den Beatles, Eric Clapton und anderen Größen der Pop- und Rockmusik im Sortiment hat.

Soweit ein paar Beispiele und Eindrücke, die schon eines zeigen: Noten und Songtexte auf dem iPad haben gute Perspektiven. Bereits jetzt können Sie damit ernsthaft beginnen, von Papier auf den Bildschirm umzustellen. Praktisch ist das iPad vor allem für Sänger, Bandmusiker, Chorleiter und Pädagogen, die unterwegs immer ein Archiv an Noten und Texte unterschiedlicher Quellen dabei haben müssen. Wenn Sie der Zuverlässigkeit mancher Apps nicht trauen und in der angespannten Live-Situation lieber Papier blättern als sich von eventuellen Programmabstürzen verunsichern zu lassen: Als umfassendes digitales Archiv bei der Probearbeit und Sessions punkten diese Anwendungen fürs iPad allemal.

Da die vorgestellten Apps nur wenige Euro kosten und wahrscheinlich für viele Jahre dienen werden, können Sie auch riskieren, einige Anwendungen für Notation auf Verdacht herunter zu laden. Dann können Sie in aller Ruhe schauen, mit welchem Programm Sie besonders gut klar kommen.

Natürlich ist es eine Umstellung, denn der Touch­screen ist mit seinem knapp zehn Zoll nun einmal nicht so geräumig wie zwei oder mehrere DIN A4 Blätter. Alles in allem überwiegen die vielen Vorteile gegenüber dem Ordner mit losen Blättern. Machen Sie ihrer Zettelwirtschaft doch bald ein Ende und erwerben Sie die nächsten Noten vielleicht direkt als PDF-Download.

Zubehör-Tipp: Halterung und andere Hilfen

Wenn Sie das iPad zum Notenlesen verwenden, sollten Sie zumindest drei sinnvolle Ergänzungen kennen. Halterung: Zur Befestigung des Tablet-PCs an einem Mikrofonständer hat IK Multi­media mit dem iKlip (ca. 29 Euro) eine flexible Halterung vorgestellt. Wenn es massiver und robuster sein darf, sollten Sie sich den edlen iPad-Butler-Bodenständer (ca. 200 Euro) anschauen. Auch die Zubehörspezialisten von König & Meyer haben inzwischen pfiffige Lösungen vorgestellt (siehe News). Musiker können das iPad aber auch einfach auf einem Notenpult oder auf der Notenhalterung des Klaviers parken.

Umblättern per Fuß: Das AirTurn BT-105 (ca. 79 USD) ist ein drahtlos mit Bluetooth arbeitendes System, mit dem Sie über zwei angeschlossene Fußschalter beliebige Seiten auf dem iPad hin und her blättern können. Das System funktioniert mit Apps wie forScore, MusicReader oder auch OnSong. Stift für eigene Markierungen und Kommentare: Besser als mit den Fingern können Sie Ihre Noten-PDFs mit einem Eingabestift bearbeiten. Gut und preiswert ist der Pogo Sketch Stylus (ca 7,50 Euro) von Ten 1, besser der Just Mobile AluPen (ca. 30 Euro).

Tipp: Einstellungen

Am iPad sollten Sie unter „Allgemeine Einstellungen“ die automatische Sperre zum Notenlesen vorüber­gehend auf „Nie“ setzen. So laufen Sie nicht Gefahr, anstelle auf Noten auf einen plötzlich dunklen Bildschirm zu starren. Deaktivieren Sie zudem die Auto-Helligkeit, um den Touchscreen jederzeit bei voller Leuchtkraft zu sehen.