Test Dave Smith Instruments Prophet 6: Polyfon analog

Ein polyfoner Analogsynthesizer war und ist eine Besonderheit – wenn er von Dave Smith kommt und auf den Namen Prophet hört, gleich doppelt. Wir haben den neuen Prophet 6 auf Herz und Nieren geprüft.

DSI Prophet 6
Der DSI Prophet 6 wurde als geradliniges Instrument mit klassischer Bedienung konzipiert. (Foto: Dave Smith Instruments)

Dave Smith, einer der letzten noch lebenden Synthesizerpioniere, sieht seinen jüngsten Synthesizer Prophet 6 eher als Reminiszenz, denn als Wiederauflage des legendären Prophet 5. Der von 1978 bis 1984 produzierte Prophet 5 von Sequential Circuits war der erste vollständig digital programmierbare polyfone Analogsynthesizer. Neben seiner Speicherbarkeit war es vor allem sein überzeugend voller und knackiger Sound, der dem Gerät Kultstatus bescherte. Erstmals nach dem Ableben von Sequential Circuits zeigt Dave Smith nun ein neu entwickeltes polyfones Keyboard mit vollständig analoger Klang­erzeugung. Der Kreis schließt sich, denn das Instrument trägt auch wieder den Namen Sequential auf seiner Front.

Gegenüber dem Vorfahr fällt der Prophet 6 kleiner und leichter (9,5 kg) aus, aber nicht weniger dekorativ. Umrahmt von edlen Walnussholz-Seitenteilen wartet das Schmuckstück mit einer straffen, anschlagsdynamischen 49-Tasten-Klaviatur mit monofonem Aftertouch und der erhofften Batterie von Reglern und Schaltern auf. Da der Prophet 6 auf LED-Anzeigen statt auf ein LC-Display setzt, geht ein gewisser Retrocharme von der stabilen Kon­­s­truktion mit integriertem Netzteil aus. Das Gerät ist natürlich speicherfähig und verfügt über je 500 Presets und Anwenderspeicher.

Stimmaufbau

Der sechsstimmige Prophet 6 kann immer nur einen Klang erzeugen. Jede Stimme bietet zwei diskret aufgebaute echte VCOs, einen Dreiecks-Suboszil­lator und weißes Rauschen. Die Hauptoszillatoren lassen sich in Halbtonschritten aber ohne Oktavwahlschalter in der Stimmung justieren sowie stufenlos zwischen Dreieck, Sägezahn, und Rechteck überblenden. Dazu ist die Pulsbreite des Rechtecks manuell justierbar.

Oszillator 2 bietet zusätzlich eine regelbare Feinverstimmung, einen LFO-Modus sowie eine Entkopplung vom Keyboard. Schließlich lassen sich beide Oszillatoren auf Knopfdruck synchronisieren. Da der Prophet 6 laut Hersteller sehr stimmstabil arbeitet, hat man ihm eine regelbare Zufallsverstimmung spendiert.

Im Mixer lassen sich Oszillatoren, Suboszillator und Rauschgenerator pegeln – einen Audioeingang gibt es hingegen nicht. Es folgt die Filterabteilung, bestehend aus zwei diskret aufgebauten Sektionen: einem Tiefpassfilter mit 24 dB/Okt., das sich klanglich am SSM-Filter des Prophet 5 Rev. 2 orientiert, und einem dahinter platzierten Hochpassfilter. Beide Filter verfügen über eine regelbare Resonanz, die beim Tiefpass bis zur Selbstoszillation reicht.

Im Signalfluß folgt ein spannungsgesteuerter Verstärker mit eigener Hüllkurve, ebenfalls mit mög­licher Steuerung durch die Anschlagsdynamik. Desweiteren kann man an dieser Stelle die Ausgangslautstärke speichern sowie eine Aufteilung der Stimmen auf das Stereopanorama vornehmen, weshalb ein Stereoausgang vorgesehen ist.

Ergänzend verfügt der Prophet 6 über drei Effektsektionen. Die analoge Distortion ist stereo angelegt und sorgt für regelbare Aggressivität. Hinzu kommen zwei seriell verschaltete Digitaleffekte (24 Bit/ 48 kHz), die sich für Puristen per Knopfdruck komplett aus dem Signalweg entfernen lassen.

Modulatoren

Die Hüllkurven und LFOs arbeiten digital, allerdings mit einer Abtastung im Audiobereich. Laut Hersteller eine Kostenersparnis, die in der Praxis aber leistungsfähiger, verlässlicher und konsistenter arbeitet. Filter- und VCA-Sektionen verfügen über ADSR-Hüllkurven, die bei Bedarf druckvoll und schnell zuschnappen. Der temposynchronisierbare LFO bietet fünf (plus sechs versteckte) Wellenformen. Er arbeitet stimmübergreifend und kann mit einer festen gemeinsamen Intensität auf die Tonhöhe von Oszillator 1 und 2, deren Pulsbreite sowie die Filter gleichzeitig wirken. Dazu lässt er sich über das Modulationsrad einblenden. Auch die Aftertouch-Modulation wird direkt auf dem Bedienpanel zugewiesen: Als Ziele stehen wieder die Tonhöhen beider Oszillatoren sowie der Modulationshub von LFO, der Filterhüllkurve auf Tief- und Hochpassfilter sowie auf den VCA bereit.

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