Test Dexibell Vivo P7: Mobil mit Piano

Portable Digitalpianos sprechen viele Musiker an: Sie sind kompakt und mobil, können aber ohne externe Verstärkung gespielt werden. Zweimal 35 Watt starke Speaker hat Dexibell seinem Vivo P7 spendiert. Was das Instrument sonst noch auszeichnet, haben wir für Sie getestet.

Viel Lob bekam der italienische Hersteller Dexibell im tastenwelt-Test der Ausgabe 5/16 für sein Stagepiano Vivo S7. Die zentralen Merkmale findet man auch in den portablen Digitalpianos P7 und P3 des Herstellers – allen voran die Klangerzeugung. Durch kostenlose Firmware-Updates hat Dexibell den Funktionsumfang seit dem Marktstart inzwischen erweitert, so dass es sich lohnt, nicht nur die eingebauten Lautsprecher der P-Serie unter die Lupe zu nehmen. Stellvertreter im Test ist das P7, das sich nur durch den Tastatur­umfang vom P3 (73 Tasten) unterscheidet.

Outfit

Das Dexibell Vivo P7 kommt im schlichten grauen, aber robusten Stahlgehäuse mit abgerundeten Seitenteilen aus Kunststoff. Pitchbend- und Modula­tionsrad – beim Geschwistermodell S7 schräg oberhalb der Tastatur positioniert – sucht man vergebens. Der Platz wurde wohl für die eingebauten Lautsprecher benötigt. Mit 14,5 kg Masse gehört das Instrument zu den leichteren Vertretern in der Klasse der portablen Digitalpianos.

Als Klaviatur kommt die Fatar TP-100 mit 88 Tasten und drei Sensoren pro Taste zum Einsatz; sie ist dafür verantwortlich, dass das P7 trotz eingebauter Lautsprecher drei Kilogramm leichter ist als das Stagepiano-Modell S7. Auch die leichte TP-100 ist eine gewichtete Hammermechanik-Tastatur, die von Pianisten geschätzt wird. Allerdings fehlt bei ihr die Tastaturbeschichtung aus synthetischem Elfenbein.

Das Spielgefühl insgesamt ist flüssig und recht angenehm. Angesichts der deutlichen Gewichts­ersparnis kann man von einem guten Kompromiss sprechen. Als eines der wenigen optischen Highlights am Instrument kann das rote Filzband oberhalb der Tasten gelten, das etwas Flügel-Feeling aufkommen lässt.

Unterschiede bei den Anschlüssen: Die Digitalpianos P7 und P3 haben zwar USB-MIDI, aber keine MIDI-DIN-Buchsen. Für live-orientierte Keyboarder schränkt dies die Anwendungsmöglichkeiten ein. Damit entfallen auch die vier definierbaren MIDI-Zonen, die man im Geschwistermodell S7 findet, nicht aber Main, Layer und Split. Das P7 hat außerdem einen Pedalanschluss weniger als das S7. Aber der zweite Pedaleingang beim P7 erkennt automatisch, wenn ein Expression-Pedal angeschlossen ist. Man kann also auch beim P7 ein Expression-Pedal verwenden.

Sound

„True to Life Sampling & Sound Modeling“ (T2L) hat Dexibell seine Klangerzeugung genannt, deren Samples mit holofonischem (räumlichen) Aufnahmeverfahren und High-Definition-Auflösung (24Bit/­48kHz) entstehen. Zum Einsatz kommen extra lange Samples mit bis zu 15 Sekunden Dauer in der Anfangsphase, bevor vom Prozessor das Ausklingen – anstelle der Loop-Phase der Samples – modelliert wird. 320 Oszillatoren erlauben 320 polyfone Stimmen. Angesichts dieser hohen Anzahl spricht der Hersteller von einer voll polyfonen Klangerzeugung.

Die Piano-Samples spielen auf höchstem Niveau. Der Vivo-Pianoklang bietet eine große dynamische Bandbreite und schöne Resonanzeffekte. Außerdem gibt es einige Eingriffsmöglichkeiten in alle Klangfarben – entweder am Instrument selbst (Funktion: T2L-Edit) oder über eine kostenlose Editor-App. Ein Apple iPad kann man dazu über Lightning-USB-Adapterkabel direkt an den USB-Port des Digitalpianos anschließen. Neben den Pianosounds treten besonders E-Pianos und Orgel nach vorne. Auch Pads und Streicher haben alles, was man für Splits und Layer braucht.

Insgesamt 79 Klangfarben hält die aktuelle Firmware-Version des P7 bereit. Auf User-Speicherplätzen kann man eigene Klangfarben abspeichern, z.B. editierte Versionen der Werksklänge. Alternativen: Man lädt zusätzliche Sounds aus der kostenlosen Vivo-Library (www.dexibell.com unter „myDexibell“) oder man importiert eigene Samples im Soundfont-Format (Dateiendung .sf2). Das Datenformat ist für Hardware-Sample-Instrumente quasi ein Entwickler-Industriestandard geworden. Es gibt einige Software-Produkte – etwa das kostenlose „Swami“ für Linux oder den Editor „Polyphone“ für Windows-, Mac- und Linux-Computer –, die SoundFont-Dateien generieren können.

Veredelt werden die Sounds durch die üppige Effekt-Sektion: Neben Master-EQ und Master-Reverb mit 24 verschiedenen Hall-Typen stehen weitere sechs Effektblöcke bereit, so dass für jeden Part (Upper 1/2, Lower) zwei individuelle Effekte einstellbar sind. Auch ein Part-EQ gehört dazu. Wer nicht nur alleine spielen mag, kann sich Unterstützung durch die App X-Mure aufs Apple iPad oder iPhone holen. Ersteres bietet eine Begleitautomatik auf Basis von Audio-Loops. Sie wird entweder über das iPad/iPhone, ein beliebiges MIDI-Keyboard oder ein Dexibell-Digitalpiano gesteuert. Im zuletzt genannten Fall bekommt man alle Begleit-Styles frei zur Verfügung gestellt. Sie klingen alle gut, die Funktionen sind aber noch nicht so ausgereift wie bei Begleitautomatiken auf MIDI-Basis.

Fazit

Dexibell Vivo P7 und P3 sind hoch interessante Digitalpianos für den mobilen Einsatz. Mit ihrem geringen Gewicht, günstigen Preis und ihren Klang­eigenschaften, aber auch mit praktischen Lautsprechern fürs Üben und Kleinst-Gigs, kann dieses Instrument viele Freunde finden. Ein Piano muss mit, große Aktivboxen tun nicht Not, weder für den Gig mit einem Chor, noch zum Einstudieren von Chorsätzen oder eine Musiktheater-Probe. Und wenn das Ding auf die Rückbank passt, muss man nicht den Transporter nehmen. Für Kleinwagen- und Fahrradanhänger-Chauffeure bietet sich da auch das P3 an. Es ist nur 112 cm breit und wiegt auch nur 12,5 kg. Auch wenn die S-Modelle noch mehr bieten, werden einige das P3 oder P7 auf der Bühne einsetzen. Die Lautsprecher können dann das Monitoring unterstützen oder ausgeschaltet werden.

Wertung

+ Kompakt und robust

+ Sehr gute Klangeigenschaften

+ Soundfont-Importmöglichkeit

+ Zusätzliche Apps

- Kein 5-poliger MIDI-in/out (nur USB-MIDI)

- Externes Netzteil ohne Zugentlastung