Test: Kawai CN27 und CN37

Kawais Digitalpianos der CN-Serie stehen für hohe Qualität bei erschwing­lichem Preis. Diesem Konzept bleiben auch die beiden Modelle CN27 und CN37 treu. Was sie bieten, haben wir für Sie in Erfahrung gebracht.

Kawai hat die Digitalpianos seiner CN-Serie aufgewertet: Die neuen Homepianos CN27 und CN37 vereinen eine hochwertige Tastatur und überzeugende Pianosounds mit attraktiven Zusatzfunktionen. Mit Preisen zwischen 1200 und 1600 Euro sind die Instrumente im Mittelfeld angesiedelt, bieten aber auch schon einige Qualitätsmerkmale der Oberklasse.

Outfit

Beide Homepianos – CN27 und CN37 – wurden optisch gegenüber ihren jeweiligen Vorgängerinstrumenten überarbeitet, bleiben aber stilistisch dem klassisch-eleganten Stil der Kawai-CN-Serie treu. Erhältlich sind sie jeweils in Schwarz, Weiß und Rosenholz-Optik. Beim Gehäuse des CN27 fällt vor allem der deutlich schlankere Fußbereich auf, außerdem wurde die Pedaleinheit mit den drei Fuß­pedalen um einen Zentimeter nach oben versetzt – im Zusammenspiel mit dem realistisch nachempfundenen Pedalverhalten und der hochwertigen Pedalmechanik eine gute Entscheidung.

Das Gehäuse des CN37 wurde komplett überarbeitet. Auch hier trifft man die schlankere Fußkonstruktion und eine erhöhte Pedaleinheit. Neben einigen geänderten Proportionen im Vergleich zum Vorgänger CN35 macht vor allem das breite und in der Neigung verstellbare Notenpult auf sich aufmerksam. In dieser Form findet man das sonst eher bei den Oberklasse-Modellen der CA-Serie. 

Das Design der beiden Pianos gefällt auf Anhieb und fügt sich harmonisch in jede denkbare Umgebung ein. Die herausziehbare Tastaturabdeckung entspricht funktional und haptisch dem Klassendurchschnitt.

Tastatur

Die Digitalpianos der CN-Serie sind mit einer Tastatur vom Typ Responsive Hammer III ausgestattet, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die federlose Konstruktion mit beweglichen Hämmern und einzeln gewichteten Tasten erzeugt dank Druckpunktsimulation eine sehr konkrete Rückmeldung und lässt sich über den gesamten Dynamikbereich hinweg sehr präzise spielen. Dabei sind natürlich auch verschiedene Abschnitte der Tastatur unterschiedlich stark gewichtet, um dem Spielgefühl eines Flügels möglichst nahe zu kommen. 

Zwar sind die Tasten aus Kunststoff, dennoch fühlen sie sich dank Ivory-Touch-Oberfläche sehr angenehm an. Die elfenbeinartige und Schweiß absorbierende Oberflächenstruktur sorgt da für, dass man sich sofort auf den Tasten wohl fühlt und jederzeit sehr kontrolliert und nuanciert spielen kann. Auch das Repetitionsverhalten kann auf ganzer Linie überzeugen. Kein Wunder, denn mit drei Sensoren wird die Bewegung der Tasten erfasst.

Display

Einer der augenscheinlichen Unterschiede der beiden Homepianos besteht in der Gestaltung des Bedienpanels, insbesondere im Display. Das CN27 ist gegenüber seinem Vorgänger CN25 nun auch mit einer Anzeige ausgestattet, allerdings mit einer eher spartanischen 3-Zeichen-LED-Anzeige links neben der Tastatur. Klänge werden durch mehrfaches Drücken der Kategorie-Taster unter dem Display ausgewählt oder durch die entsprechend belegten weißen oder schwarzen Tasten der Klaviatur, mit denen auch weitere Funktionen aufgerufen werden können.

Deutlich gesteigerten Bedienkomfort bietet dagegen das CN37. Dessen Panel ist nicht mehr in der Mitte, wie bei den Vorgänger-Instrumenten, sondern links neben der Tastatur angeordnet. Das sieht nicht nur wesentlich besser aus, sondern lässt sich mit dem kompakten Bedienblock deutlich besser handhaben. Dabei wird man vom großen LC-Display mit 128 x 64 Pixeln unterstützt.

Zusätzlich verfügt das CN37 über Audio-Ausgänge im Klinkenformat und die Möglichkeit, direkt vom USB-Stick WAV-, MP3- oder MIDI-Files abzuspielen oder aufzuzeichnen. Beide Digitalpianos lassen sich übrigens auch per iPad und entsprechender App bedienen. Dazu werden sie mit Hilfe des eingebauten Bluetooth-MIDI-Moduls mit iPad oder iPhone verbunden.

Klangerzeugung

Als Klangerzeugung dient den Kawai-CN-Pianos die Progressive Harmonic Imaging (PHI) Engine, deren Klaviersounds auf einem 88-Tasten-Sampling basieren. Das CN27 ist dabei mit acht Pianosounds und elf zusätzlichen Klängen wie Orgeln, E-Pianos, Pads und Chören ausgestattet. Wie auch beim CN37 lassen sich Klänge zu Layern kombinieren.

Mehr Klangauswahl bietet das CN37: Hier sind es zehn Pianosounds, ergänzt um 352 Klänge nach dem GM2-Standard. Unter den akustischen Sounds ragen bei beiden Instrumenten besonders die detailgetreuen Reproduktionen des Premium-Flügels Shigeru-SK-EX, des Kawai-EX und des Klaviers K-60 hervor. Der Shigeru-Flügel kann mit einem warmen und noblen Ton begeistern und lässt sich in einer großen dynamischen Bandbreite spielen. Der Kawai-EX hingegen klingt etwas heller und brillanter, was ihm mehr Durchsetzungsfähigkeit verleiht. Der Klavierklang des K-60 hat viel Charakter, der besonders dann zum Tragen kommt, wenn die Musik etwas mehr Retro-Charme vertragen kann. Neben diesen Premium-Klängen sind auch bewährte und beliebte Pianoklänge wie das „Mellow Piano“ oder „Studio Grand“ vorhanden, zudem eine kleine aber gut brauchbare Auswahl an zusätzlichen Tasten­instrumenten wie E-Pianos, Orgeln oder Cembalo.

Seit jeher eine Besonderheit bei Kawai sind die diversen Tuning-Möglichkeiten, die in den Digitalpianos des Herstellers unter der Bezeichnung „Virtual Technician“ zusammengefasst werden: Damit lässt sich der Klang sehr weitgehend beeinflussen, von der Stärke der Saitenresonanz über die Intensität der Pedal- und anderer Nebengeräusche bis hin zur Stimmung einzelner Saiten. Da man aber davon ausgeht, das der typische Besitzer eines solchen Instruments sich lieber auf das Spielen konzen­triert, als auf das Editieren von Parametern, wurden zehn typische Klangprofile wie „klassisch“, „brillant“, „weich“, „resonanzreich“ oder auch „nebengeräuschfrei“ entwickelt, die mittels „Smart“-Modus einfach abzurufen sind. Wer darüber hinaus im „Advance“-Modus noch Details wie die Intensität bestimmter Resonanzen, die virtuelle Öffnung des Flügeldeckels oder das Stretch Tuning beeinflussen möchte, benötigt beim CN27 die passende und kostenlos erhältliche App für die iOS-Plattform. Damit kann man dann 17 Parameter verändern. Am CN37 lassen sich insgesamt 19 Parameter über das Display direkt am Instrument oder über die iOS-App verändern.

Soundsystem

Im Kawai CN27 kommen zwei Lautsprecher mit 12 cm Durchmesser zum Einsatz, die mit jeweils 20 Watt Belastbarkeit über mehr als ausreichende Leistungsreserven ohne jegliches Klirren oder Zerren verfügen. Der Klang ist erstaunlich räumlich und plastisch, allerdings prinzipbedingt in den Tiefbässen etwas schwach, was aber bei Pianoklängen nicht von Nachteil ist. Beim CN37 kommen zusätzlich noch zwei nach oben gerichtete Mitten-Hochton-Lautsprecher zum Einsatz, was in einem ausgewogeneren räumlichen Klangbild resultiert. Die Leistung übersteigt bei weitem, was man sich oder seiner Umwelt zumuten sollte. Der Sound wirkt dabei noch realistischer und erzeugt ein plastisch vor dem Spieler stehendes Klangbild.

Die Wiedergabe über Kopfhörer ist bei Digitalpianos wichtig und oft auch ein maßgebliches Kriterium für den Kauf. Daher hat man sich bei Kawai Gedanken darüber gemacht, wie man die Kopf­hörerwiedergabe möglichst ermüdungsfrei und realistisch gestalten kann. Dazu wurde das „Spatial Headphone Sound System“ (SHS) entwickelt, das auch schon in einige größere Modelle implementiert wurde. Normalerweise klingen Digitalpianos unter dem Kopfhörer nach links und rechts gespreizt. Mit SHS wird eine Klangabbildung ermöglicht, die den Klavierklang virtuell vor dem Spieler abbildet. Dabei sind verschiedene Einstellungsvarianten möglich. Die Wiedergabe kann dabei auch an verschiedene Kopfhörertypen angepasst werden, z.B. Ohr umschließende und offene Hörer, In-Ear- oder auch Ohrkanal-Systeme ebenso wie hochohmige Kopf­hörer. Die beiden CN-Digitalpianos bieten dazu jeweils einen Standard- und einen Mini-Stereoklinkenanschluss.

Extras

Die Zeiten, in denen man MIDI-Geräte mit historisch anmutenden 5-Pol-Kabeln verbinden musste, dürften allmählich zu Ende gehen. Dementsprechend sind auch die beiden neuen CN-Modelle schon ab Werk mit einer Bluetooth-LE-MIDI-Schnittstelle ausgestattet. Dadurch lassen sie sich problemlos ohne Kabel mit iOS-Geräten verbinden, um die Kawai-Apps oder auch andere Musik-Apps zu nutzen. Theoretisch sollten sich die CN-Pianos auch mit Android-Tablets oder -Smartphones verbinden lassen; allerdings weichen einige Android-Geräte vom Google-Standard ab, wodurch diese Funktion dann möglicherweise nicht verfügbar ist. Traditionelle MIDI-in/out-Buchsen und ein USB-to-Host-Anschluss zur Kommunikation mit dem Rechner sind bei den Kawai-Instrumenten übrigens nach wie vor vorhanden. 

Eingebaute Piano-Lessons und Übungsstücke in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bis hin zu Klassikern der Klavierliteratur waren früher fast überall Standard, verschwinden aber zunehmend aus dem Speicher aktueller Instrumente. Kawai bleibt diesbezüglich seiner Linie treu und stattet beide Instrumente mit umfangreicher Übeliteratur aus. Beim CN27 sind 259, beim CN37 gleich 549 solcher „Songs“ dabei. Die Inhalte entsprechen den im Fachhandel erhältlichen Notenwerken.

Das eigene Spiel kann man direkt am Instrument aufnehmen. Dafür stellt das CN35 unterschiedliche Werkzeuge bereit: Da gibt es den internen Song-Recorder, der bis zu zehn Songs mit jeweils zwei Spuren und insgesamt maximal 90.000 Noten speichert. Schließt man einen USB-Stick als Speichermedium an, gibt es weitere Möglichkeiten. Die MIDI-Aufnahme- und Wiedergabe-Möglichkeiten sind dann auf 16 Spuren erweitert. Außerdem gibt es einen Audio-Recorder und -Player. Dieser kann das Spiel entweder direkt aufzeichnen oder MIDI-Songs (interne wie externe) mit Hilfe der Klangerzeugung des Digitalpianos in Audio-Dateien umwandeln. Als Audio-Formate stehen MP3 und WAV zur Verfügung. Das CN27 kann bis zu drei Songs mit je einer Spur und maximal 10.000 Noten aufzeichnen.

Ein weiteres Extra bietet das eingebaute Metronom: Neben den typischen Klick-Rhythmen sind 100 Drum-Grooves enthalten, zu denen sich trefflich in den verschiedensten Stilistiken musizieren lässt.

Fazit

Mit den beiden Homepianos CN27 und CN37 bringt Kawai frischen Wind in die Digitalpianomittelklasse: Die Tastatur ist hervorragend spielbar und wird aufgrund ihres geringeren Eigengewichts vielen Spielern entgegenkommen. Wer nur auf Klavierklänge Wert legt und viel mit Kopfhörer spielt, liegt schon mit dem CN27 richtig. Mehr Klänge, ein besseres Lautsprechersystem, zusätzliche Audioausgänge so­wie die USB-to-Device-Funktionalität machen das CN37 zum klaren Spitzenreiter der Serie. Der Mehrpreis relativiert sich hier schnell. Mit USB, Bluetooth-MIDI aber auch traditionellen MIDI-Buchsen sind beide Piano sehr gut ausgestattet. Man erhält insbesondere beim CN37 sehr viel Digitalpiano fürs Geld und zusätzlich eine Ausstattung, die über dem Klassendurchschnitt liegt.