Test: Modartt Pianoteq 6

Seit zehn Jahren beweist Pianoteq, dass eine akkurate Nachbildung von akustischen Tasteninstrumenten auch ohne Sampling funktioniert. Die aktuelle Version der Piano-Modeling-Software präsentiert sich zudem mit deutlich verbesserten Klangeigenschaften.

 

 

 Im Jahr 2006 ging die französische Firma Modartt mit der ersten Fassung einer neuen Piano-Modeling-Software an den Start. Mit der aktuellen Version Pianoteq Pro 6 wurde das Piano-Modeling klanglich nochmal hörbar verbessert und umfasst als „Studio Bundle“ derzeit fast 50 Instrumente in einem Paket, das Kenner begeistert. Die Franzosen sprechen selbstbewusst von einer neuen Generation an Instrumenten.

Anstelle einer Masse an Samples errechnet Pianoteq in Echtzeit den Klang von Klavieren, Flügeln, Cembali und weiteren Instrumenten. Das Team um den Mathematik-Professor und Restaurator Philippe Guillaume analysiert akribisch auserwählte historische Tasteninstrumente und rekonstruiert sie mit Pianoteq.

Wesentliches Merkmal: Der Klang reagiert auf den Spieler. Es entstehen Sounds, die sich beim Klavierspiel natürlich wie ein akustisches Instrument verhalten. Ein weiterer Vorteil dieser Technologie: Als versierter Anwender greifen Sie selbst in das Klanggeschehen ein.

Pianoteq gibt es in drei Paketen: Die kostengünstigste Version ist Pianoteq Stage (99 Euro), die das Spielen aller Klänge ermöglicht, aber das Editieren nicht erlaubt. Wer Presets abwandeln möchte, kann dies mit Pianoteq Standard (249 Euro). Das ambitionierte Paket Pianoteq Pro (699 Euro) bietet neben dem veränderbaren Obertonspektrum und einer Abtastrate von bis zu 192 kHz das einzigartige Feature „Note-per-note Edit“. Insgesamt 30 Parameter (Lautstärke, Saitenlänge, Stimmung, Hammergeräusch, Position des Tonabnehmers etc.) lassen sich je Klaviertaste individuell bearbeiten. Es ist also möglich, verwegene Ideen zu verwirklichen und sein eigenes Klavier zu bauen.

Was den Speicherbedarf angeht, stellt die Software an den Computer keine nennenswerten Ansprüche, Ladezeiten entfallen, selbst auf betagteren Laptops ist die Performance gut. Pianoteq ist auf drei Betriebssystemen (Windows, Mac OS und Linux) sowohl in einer Stand-alone-Version als auch als Plug-in lauffähig. Bei der Stand-alone-Variante gibt es neuerdings eine Playlist für MIDI-Dateien, ein verbessertes MIDI-Archiv sowie die Option, die Aufnahmen in den Formaten MP3, WAV und FLAC zu exportieren. Das Plug-in unterstützt nun auch das VST3- und VST2-Format.

Pianoteq 6 ist mehr als ein Klavier. Das Programm bietet eine Sammlung an verschiedenen Instrumenten, die mit Saiten erklingen oder mit Klavierklängen verwandt sind. Die Pro-Version enthält alle bisher veröffentlichten Instrumente der Modartt-Entwickler. Bedeutende Klavierbauer wie Steinway, Grotrian Steinweg, Bechstein, Bluethner und Yamaha genehmigten Instrumentkopien.

Bei den E-Pianos erscheinen neben Rhodes und Wurlitzer auch die Modelle der Firma Hohner. Mehr überzeugt die Rubrik der chromatischen Percussion, zu der Vibrafon, Celesta, Marimba oder auch Kirchenglocken zählen. Eine besondere Stärke von Pianoteq sind die authentischen Tasteninstrumente des 18. und 19. Jahrhunderts, darunter die Exemplare der Kremsegg Kollektion (www.schloss-kremsegg.at). Für Liebhaber alter Musik ist dies ein hervorragender Fundus. Von fast allen Instrumenten gibt es klangliche Variationen.

Wer auf der Suche nach avantgardistischen Klängen ist, nutzt weiterhin die Random-Funktion. Ein Mausklick genügt, um sich von dem Software-Instrument mit einem neu errechneten Klangmodell überraschen zu lassen, das meist exotisch oder experimentell wirkt, aber nicht unattraktiv sein muss. Hier spielt das Piano-Modeling jedenfalls einen klaren Trumpf gegenüber den etlichen Sample-Playern aus, die sich auf die Klaviersimulation spezialisieren.

Soundqualität

Die Firma Modartt beruft sich auf einen autorisierten Qualitätsstandard. Die Firma Steinway & Sons soll Klang und Spielbarkeit der virtuellen Instrumente „Steinway Model D“ und „Steinway Model B“ von Pianoteq offiziell genehmigt haben. Beim Probespiel lässt sich die hohe Soundqualität jedenfalls bestätigen. Klanglich wurde Pianoteq in der sechsten Generation deutlich aufgewertet. Die gleichen Passagen klingen mit der neuen Version wertiger als mit dem Vorläufer Pianoteq 5.

Dieser positive Eindruck entsteht, wenn man bei den eigenen Song-Arrangements in der DAW einmal die ältere Version durch Pianoteq 6 ersetzt. Wer skeptisch ist, sollte die Klangvergleiche zwischen Version 5 und 6 hören, die der Hersteller auf seiner Webseite demonstriert (www.pianoteq.com/listen_comparison). Den exzellenten, sample-basierten Bibliotheken wie Spectrasonics Keyscape hinkt der Basisklang noch immer etwas nach, was die Natürlichkeit des Klangs (nicht des Klangverhaltens) betrifft. Allerdings wäre es nicht besonders fair, das Produkt mit beliebten Sample-Bibliotheken zu vergleichen, denn die große Version von Pianoteq versteht sich nicht als ein gewöhnlicher Preset-Player, sondern als Design-Spezialist für ungewöhnliche Pianoklänge.

Für experimentell arbeitende Musiker, akademische Projekte und speziell für Produzenten von Filmmusik und Hörspielen liefert Modartt ein individuelles Klangwerkzeug. Besonders gut: die raren Modelle historischer Cembali und Klaviere sowie die authentisch klingenden Malletklänge. Auch das präparierte Klavier nach John Cage ist ein interessantes Beispiel dafür, welche ungeahnten Möglichkeiten sich mit Pianoteq entdecken lassen.

Fazit

Pianoteq bleibt mit dem Piano-Modeling eine Klasse für sich. Mit rund 700 Euro fällt der Preis für die Pro-Version happig aus, für Profi-Anwender ist es aber wegen des einmaligen Sound-Designs rentabel, um ungewöhnliche, realistisch wirkende Klänge entwickeln zu können. Wer Pianoteq noch immer nicht probiert haben sollte, überzeugt sich anhand der Demo-Version (Stage- oder Standard-Version) von den individuellen Stärken dieser Software. Bisherigen Anwendern ist das Upgrade schon wegen des moderaten Betrags von 29 Euro zu empfehlen. Insgesamt bleibt sich Pianoteq weiterhin treu und punktet mit einer über Jahre konsequenten Produktpflege mit viel Liebe zum Detail – très bien!

Preise: 99 € (Player), 249 € (Standard), 699 € (Pro)

Betriebssysteme: Windows, Mac OS, Linux; Stand-alone-Version oder Plug-in

Info: www.pianoteq.com

Was den Speicherbedarf angeht, stellt die Software an den Computer keine nennenswerten Ansprüche, Ladezeiten entfallen, selbst auf betagteren Laptops ist die Performance gut. Pianoteq ist auf drei Betriebssystemen (Windows, Mac OS und Linux) sowohl in einer Stand-alone-Version als auch als Plug-in lauffähig. Bei der Stand-alone-Variante gibt es neuerdings eine Playlist für MIDI-Dateien, ein verbessertes MIDI-Archiv sowie die Option, die Aufnahmen in den Formaten MP3, WAV und FLAC zu exportieren. Das Plug-in unterstützt nun auch das VST3- und VST2-Format.

Wertung Modartt Pianoteq 6:

+ Konsequente Aktualisierung des bewährten Modeling-Konzepts

+ Hohes Klangniveau, umfassende Soundbibliothek

+ Editierung bei der Pro-Version

 + Vorbildliche Produkt-Updates