Test Nord Piano 3: Noch mehr Piano

Das Nord Piano stand bisher etwas im Schatten von Nord Stage und Nord Electro. Mit der dritten Generation könnte Hersteller Clavia nun auch der Durchbruch bei den Klavierpuristen gelingen.

Es ist vielleicht nur ein Eindruck: Das Nord Piano hatte innerhalb der weit verzweigten Produktfamilie des schwedischen Herstellers Clavia bislang ein wenig Mühe, sich zu profilieren. Doch mit dem neuen Nord Piano 3 wird sich das nun wohl ändern: Es kommt mit deutlich verbesserter Tastatur und einem Speicher von üppigen ein Gigabyte für nachladbare Pianosounds sowie einer mehr als ordentlichen Ausstattung an Samples für alle Lebenslagen.

Ein Dreifachpedal ist im Lieferumfang enthalten. Damit sind nicht nur Halbpedal- und andere Sus­tain­-Pedal-Effekte möglich, sondern auch Sostenuto und (virtuelle) Saitendämpfung. Das Pedal kann darüber hinaus für den Live-Einsatz mit einer Antirutschmatte verschraubt werden, die allerdings beim Auspacken zunächst einen unangenehmen chemischen Geruch absondert.

Auf zwei DVDs wird der aktuelle Soundbestand der Nord Piano Library (ca. 3,8 GB) mitgeliefert, zusätzlich auch der Nord Sound Manager, mit dem sich die Pianosounds in das Gerät übertragen lassen. Eine zweite DVD ist den Synth-Sounds gewidmet und enthält die Nord Sample Library sowie den Nord Sample Editor, mit dem eigene Samples zur Übertragung in das Gerät aufbereitet werden können. Als optionales Zubehör ist ein farblich pas­send matt lackiertes Holzstativ für den Heimgebrauch erhältlich, für den gelegentlichen Transport eignet sich das Nord Softcase mit Rollen, und einen passenden Notenhalter gibt es auch.

Outfit

Wie es sich für ein Nord-Keyboard gehört, ist das Gehäuse in Rot gehalten, die Seitenwangen sind holzgemasert. Das Bedienfeld auf der Gehäuseoberseite stellt – wie immer – die spontane Bedienbarkeit in den Vordergrund und ist mit zahlreichen Tastern, Drehreglern und roten Status-LEDs versehen. Spielhilfen wie Pitchbender oder Modulationsrad gibt

es allerdings nicht. Neu im Nord Piano 3 ist das verbesserte Display, das nicht nur größer, sondern auch besser abzulesen ist. Die dazu passende List-Funktion erlaubt es, im Display schnell durch den Klangbestand zu scrollen; per Organize-Funktion lassen sich Programme unproblematisch an andere Speicherorte verschieben. Über dem Display liegen die Taster für den Keyboard-Split zwischen den beiden Klangeinheiten Piano und Synth sowie die Transpose-Taste.

Die fünf Taster unterhalb des Displays können unterschiedliche Funktionen übernehmen: Zunächst dienen sie zur Soundauswahl. Passend dazu sind die Klänge in Bänke mit je fünf Programmspeichern organisiert. Die Taster 2–5 sind den Menüfunktionen „System“, „MIDI“, „Sound“ und „Pedal“ zugeordnet, die wie gewohnt durch gleichzeitiges Drücken der Shift-Taster aufgerufen werden. Im System-Menü kann man nicht nur die globale Transposition oder das Fine-Tuning verändern, sondern praktischerweise auch die Ausgangsbelegung zwischen Stereo und zweimal Mono wechseln, wobei sich dann die Pianoklänge auf dem linken und die Synths auf dem rechten Ausgang finden.

Hilfreich ist der Live-Mode: Die Programme, die hier abgelegt werden, speichern jede Änderung automatisch und bleiben auch nach dem Aus- und Einschalten genauso erhalten. Das ist in Situationen, in denen Spontaneität gefragt ist, einfach Gold wert. Das Bedienfeld ist optisch gelungen. Es ist unterteilt in die Bedienfelder für Piano- und Synth-Ab­teilung, Effect-1/2- und Delay-Einheit, Equalizer, Amp bzw. Kompressor und die abschließende Hall-Sektion.

Die neue Tastatur des Nord Piano 3 macht schon beim ersten Anspielen einen sehr guten Eindruck. Sie stammt aus dem Hause Fatar, wird aber vom Hersteller intern noch modifiziert und justiert. Ergebnis ist eine wirklich ausgezeichnete Abstimmung auf die internen Sounds und ein sehr flügelartiges Anschlagverhalten. Hervorragend gelungen sind die Tonübergänge im Legato, auch die dynamische Ansprache ist so, wie man es von akustischen Flügeln kennt, ebenso das Repetitionsverhalten. Auffällig sind die etwas lang nachklingenden Noten im Diskant. Auch ohne explizite Elfenbeinsimulation fühlt sich die Tastaturoberfläche gut an, nur eine Druckpunktsimulation fehlt. Dafür sind die vier unterschiedlichen Anschlagsgrade praxisgerecht auf die Bedürfnisse von Tastenlöwen bis zum Piano-Einsteiger abgestimmt.

An der Rückseite findet sich wenig Überraschendes: Die beiden Klinkenausgänge sind unsymmetrisch beschaltet, der Kopfhöreranschluss hält sich hartnäckig an der Geräterückseite, und der Aux-Eingang im Stereo-Miniklinkenformat lässt sich nicht in der Lautstärke regeln. MIDI-in und MIDI-out werden entweder über die klassischen 5-Pol-Buchsen übertragen oder über den USB-Anschluss, mit dem sich auch Sounds per Computer austauschen lassen. An die Sustain-Buchse lässt sich anstelle eines einfachen Tasters auch das mitgelieferte Dreifach­pedal anschließen, und der Anschluss für das Volumen- bzw. Control-Pedal unterstützt nun eine weite Bandbreite einschlägiger Fußregler. Der Einschalter ist durch zwei Plastikwangen geschützt untergebracht, um versehentliches Ausschalten des Geräts zu verhindern – sehr gut. Welches Pedal für Piano bzw. Synthesizer aktiv ist, lässt sich einfach per Taster einstellen.

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