Test Reußenzehn Keyboard Star: Klangveredler

Röhrenspezialist Thomas Reußenzehn stellt jetzt mit dem Keyboard Star einen Stereo-Preamp vor, der Digitalkeyboards mit einem lebendigen, warmen Klangbild bereichert.

Der renommierte Röhrenexperte Thomas Reußenzehn baut im authentischem Schaltungsdesign Röhrengeräte von Mikrofonpreamps bis zu HiFi-Verstärkern; auch spezialisierte Produkte für Hammond-Orgeln und Fender Rhodes finden sich im Sortiment, darunter der fast schon legendäre Organ&Groove-Preamp. Mit dem Keyboard Star sollen nun auch Nutzer von Digitalkeyboards in den Genuss authentischer Röhrensounds kommen.

Zwar gibt es auch Keyboards mit eingebauter Röhre oder Röhrensimulation. Diese hält Reußenzehn allerdings für unzureichend: „Viele solcher Produkte können aufgrund des Schaltungsdesigns gar keinen authentischen Röhrensound erzeugen“. Auch Röhrensimulationen sind seiner Meinung nach im Nachteil, weil sie das dynamische Verhalten nur unzureichend simulieren können.

Aufbau

Der Keyboard Star ist in Handarbeit frei verdrahtet; im handlichen Metallkästchen kommen großzügig dimensionierte Bauteile zum Einsatz. Verfügbar sind zwei Röhren, die mit „Fast Rise“, bzw. „Warm Type“ charakterisiert werden und vom Anwender selbst problemlos ausgetauscht werden können. Eine Röhre sucht man sich beim Kauf aus, der zweite Typ ist dann optional gegen Aufpreis erhältlich.

Röhren dieses weit verbreiteten Typs 12AX7, der in Europa auch durch die Norm ECC83 definiert wird, sind Doppeltriodensysteme mit zwei parallelen Heizsystemen, wodurch sie auch eine Stereo-Verstärkung ermöglichen. So kann der Keyboard Star mono-mono, mono-stereo oder vollstereo betrieben werden. Von einem Ein-Röhren-System sollte man aber keine Wunder erwarten: „Mit einer einzelnen Röhre erreicht man typischerweise eine maximal 30-fache Verstärkung“, so Reußenzehn. Das bedeutet, dass nur leichte Overdrive-Effekte und kaum die typische „warme“ Röhrenzerrung möglich werden.

Klang

Die Röhrenschaltung zeigt hör- und messbare Effekte: Die „Fast Rise“-Röhre sorgte bei einem Fender-Rhodes-Sound für etwas mehr Volumen im Bass, weniger milde Höhen und ein weicheres Klangbild. Dieser Effekt kommt bei eher dünnen Signalen wie einem schlanken Wurlitzer-Sound oder gar einem DX-7-Imitat noch stärker zur Geltung. Die Warm-Type-Röhre zeigte je nach Stellung der Input- und Output-Regler subtile Klangnuancen, insbesondere werden die Mittenfrequenzen präsenter. Minimale Bassanhebungen verleihen dem Klang mehr Wärme.

Der Keyboard Star verleiht dem Sound feinen akustischen Glanz. Der Effekt ist stark abhängig von Ursprungssignal und Input-Output-Verhältnis. Durch das präsentere Signal integrieren sich Keyboards besser in den Bandsound. Bei Vintage-Sounds aktueller Geräte, die oft schon mit Röhrenequipment gesampelt wurden, fällt der Effekt allerdings entsprechend weniger auf, allerdings kann selbst eine integrierte Speaker-Simulation noch von den Obertönen des Keyboard Star profitieren. Grundsätzlich kann der Keyboard Star auch zur Klangfärbung auf beliebige andere Signale angewendet werden;  ein vollwertiger Ersatz für Mikrofonpreamps oder Mastering-Effekte kann und soll er aber nicht sein.

Fazit

Der Reußenzehn Keyboard Star ist die perfekte Einstiegsdroge für alle, die zum günstigen Preis ihre Keyboardsounds mit analogem Charme aufhübschen wollen.

Wertung

+ Authentische Schaltung

+ Lebendiges, breites Klangbild

+ Sehr kompakt

+ Röhren problemlos vom Anwender auszutauschen

Mythos Röhre

Viele Mythen ranken sich um den Röhrensound, jedoch gibt es auch eindeutige Fakten: Röhren beeinflussen den Klang, indem sie je nach Eingangspegel und Aufbau ein mehr oder weniger starkes – technisch gesprochen – Klirren erzeugen. Dieses Klirren entsteht vorrangig durch Verzerrungen, die den geradzahligen Vielfachen der Grundfrequenz entsprechen, mit einer Betonung der ersten Oberwelle. Bezogen auf den Ton C würden also als leise Obertöne die Töne c, c‘, g‘ und so weiter hinzugefügt. Insbesondere durch die mehrfache Oktavverdopplung klingt der Ton satter und fülliger. Noch spannender wird es natürlich bei Akkorden, da hier die Oberwellen aller gespielten Töne interagieren. Darüber hinaus können auch durch Differenzfrequenzen leise „Phantombässe“ entstehen, die wiederum ein eigenes Obertonspektrum besitzen – kurz gesagt: es wird chaotisch. Und genau diese komplexen Frequenzinteraktionen erleben wir als lebendiges Klangbild. Wird die Röhre in die Sättigung gefahren, entsteht ein leichter Kompressionseffekt, der den Klang subjektiv druckvoller macht.