Roland FP-90 im Test: Modeling wird mobil

Mit dem FP-90 hält Rolands SuperNatural-Piano-Modeling-Klangerzeugung Einzug in die Welt der portablen Digitalpianos. Was das Instrument sonst noch mitbringt, um Pianisten für sich einzunehmen, zeigt dieser Test.

Das portable Digitalpiano Roland FP-90 ist ein echter Hingucker geworden: Vollständig versenkte Bedienelemente veredeln das Design und machen den Transport sicherer, denn hier können keine hervorstehenden Teile mehr abbrechen. Auch sonst gefällt das FP-90 mit seinen Rundungen, dem durchgehenden Gitter der Lautsprecherabdeckung und dem modernen Look der Be­dienelemente. Der Test klärt die Frage, ob unter der schönen Haube auch kraftvolle Technik steckt, die in der Praxis überzeugen kann.

Outfit

Das Roland FP-90 ist mit schwarzem oder weißem Gehäuse zu bekommen. Dabei wirkt die schwarze Variante eine Spur edler, während das weiße Digitalpiano im modernen Wohnumfeld sicher eine gute Figur macht. Mobile Musiker werden wohl eher zu Schwarz greifen, weil hier die Gehäuseoberfläche weniger anfällig für Flecken und Griffspuren ist. Ein durchsichtiger Acryl-Notenständer lässt sich mit zwei Rändelschrauben unkompliziert am Instrument befestigen.

Mit dem Ständer KSC-90, ebenfalls in Schwarz und Weiß erhältlich, wird das FP-90 zum Kompaktpiano und kann dann sogar um die Dreifachpedalleiste KPD-90 ergänzt werden. Ansonsten findet das Instrument auf allen für Digitalpianos geeig­neten Keyboard-Ständern und -Tischen Platz. Mitgeliefert wird das halbpedalfähige Einfachpedal DP-10, optional kann man auch das Dreifachpedal RPU-3 anschließen. Mit 23,6 kg Gewicht kann man das Digitalpiano alleine transportieren; trotz aufwändigerer Tastatur ist es sogar um 200 Gramm leichter als das Vorgängermodell FP-80.

 

Bei der Tastatur setzt Roland auf das Modell PHA-50, eine Hybridkonstruktion aus Holz und Plastik, wobei das Holzfurnier an den Tastenseiten nur der Optik und nicht dem Spielgefühl dient. Die Tastatur bietet ein sehr angenehmes Spielgefühl mit dezentem Druckpunkt und liefert dank dreier Tastensensoren auch bei schnellen Repetitionen gute Ergebnisse. Durch eine Oberflächenbeschichtung aus synthetischem Elfenbein/Ebenholz bleiben die Tasten beim Spielen schön griffig, die Finger angenehm trocken.

Zwei Kopfhörerbuchsen findet man vorne links am Gehäuse, die übrigen Anschlüsse hinten. Für Kopfhörer stehen sowohl eine 3,5-mm- als auch eine 6,3-mm-Klinkenbuchse bereit. So spart man sich gegebenenfalls die Adapterstücke, die man im Fall des Falles ohnehin wieder einmal verlegt hat. Ebenfalls an Bord sind Line-Ausgänge (Klinke, L/R), ein Stereo-Line-Eingang (Miniklinke) und ein regelbarer Mikrofoneingang (Klinke, nur für dynamische Mikrofone). Für Pedale stehen die drei Buchsen „Damper“, „Sostenuto“ und „Soft“ bereit, für MIDI-Verbindungen ein klassisches In/out-Duo und eine USB-Buchse. Daneben gibt’s auch noch eine USB-Buchse für Speichersticks und eine ins Digitalpiano integrierte Bluetooth-Schnittstelle, die sowohl MIDI- als auch Audio-Streaming bewerkstel­ligen kann. Seinen Strom bekommt das Roland FP-90 über ein externes Netzteil – das ist zwar nicht ideal für den Bühneneinsatz, aber immerhin ist eine Zugentlastung vorhanden, die verhindert, dass der Niedervolt-Stecker versehentlich aus seiner Buchse gerissen wird.

Sounds

Die Klangerzeugung hat das FP-90 von seinen Geschwistermodellen der HP/LX-Serie aus der Homepiano-Fraktion abbekommen. Sie hört auf den Namen SuperNatural Piano Modeling und zeigt dadurch schon an, dass für die Pianosounds keine Samples zum Einsatz kommen, sondern dass die Klänge in Echtzeit auf Basis komplexer Algorithmen berechnet werden. Physical Modeling heißt die Methode. Dadurch lassen sich die wechselseitigen Beeinflussungen von schwingenden Saiten und dem Gehäuse sowie Mechanik-Geräuschen in einem akustischen Instrument prinzipiell facettenreicher abbilden, als dies durch Samples möglich ist. Und tatsächlich schlägt sich die Klangerzeugung des FP-90 in diesem Feld sehr gut. Bedenkt man zudem, dass erste Musikläden das Instrument für rund 1800 Euro listen, ist man schon beeindruckt, was hier fürs Geld geboten wird.

Zwar finden sich 15 Klangfarben in der Piano-Rubrik des FP-90, jedoch nur die echten Pianosounds entstehen durch Physical Modeling. Cembali und Zusatzklangfarben wie „Magical Piano“ basieren wie die Sounds der übrigen Klangkategorien auf Samples. Insgesamt 350 Soundprogramme (inklusive GM2-Set) bietet das portable Digitalpiano seinen Spielern an. Bei den Physical-Modeling-Sounds ist die Polyfonie unbegrenzt, bei den Sample-Klangfarben beträgt sie 384 Stimmen. Der Ambience-Effekt und die Resonanzen der Pianosounds sind einstellbar, sonst hat man leider keinen Zugriff auf Effekte. Man hört jedoch, dass einige fest in die verschiedenen Klangprogramme integriert sind. Besonders im Falle der E-Pianos ist das schade, wo man doch gerne mit Chorus und einigen anderen Effekten für immer neue Abwechslung im Sound sorgen würde.

Der erste der vier Konzertflügelklänge ist ein für Roland typischer kräftiger Sound mit viel Brillanz. Er verfügt über ein reiches Obertonspektrum und klingt bei starkem Anschlag auch ein wenig scharf. Die Vorteile der Piano-Modeling-Klangerzeugung entfalten sich beim differenzierten Spiel in den unterschiedlichen Lagen. Dabei kann man sehr schön beobachten, wie sich der Klang verändert – und zwar fließend und nicht in klar hörbaren Stufen. Das Dynamikspektrum lässt sich voll ausspielen, und man erhält vielschichtige Klänge – über gute Kopfhörer noch mehr, als über das eingebaute Lautsprechersystem.

Fürs eigene Probespiel empfohlen: Spielt man in den tiefen Oktaven schnelle Tonwiederholungen, kann man hören, wie sich die Schwingungen der virtuellen Saiten bis zum flügeltypischen, metallischen Sirren aufschaukeln. Beim A-B-Vergleich mit dem akustischen Vorbild wird man natürlich leicht Unterschiede feststellen können, dennoch bleibt es beachtlich, wie gut die Klangerzeugung des Roland FP-90 funktioniert.

Video-Demo zum Roland FP-90