Test: Roli Seaboard Block & Touch Block

Die revolutionäre Keyboard-Tastatur Roli Seaboard ist nun auch im Rahmen des Roli-Blocks-Systems, bestehend aus Controllern und dazu passender Software, erhältlich. Die dazugehörigen Steuerungsmöglichkeiten bietet der maßgeschneiderte Touch Block.

 

 

Die Firma Roli hat im Laufe dieses Jahres ein beeindruckendes Ökosystem aus innovativen Hardware-Controllern für Noteneingabe und Software-Steuerung inklusive dazu passender Apps für Rechner und Tablet geschaffen. Wie schon beim ersten Test prognostiziert, hat sich das Roli-System inzwischen bedeutend weiterentwickelt – dies betrifft Hard- und Software gleichermaßen.

Die Kompositions-App Noise für iOS, loopbasiert und anfangs noch recht rudimentär wirkend, hat deutlich hinzugewonnen, insbesondere mit der Sicherung und dem Export der dort erstellten Loops als WAVs zur Weiterverarbeitung in anderen Programmen. Kostenlos ist sie weiterhin erhältlich und auch ohne separate Controller nutzbar.  Mittlerweile werden auch die ersten Android-Geräte unterstützt.

Hardware

Die Roli Blocks sind kleine Kästchen, die über USB mit Strom versorgt werden und per Bluetooth mit Rechnern oder Tablet kommunizieren. Durch eine Magnetvorrichtung werden sie aneinander gedockt. Über diese sog. DNA-Connection können sie sich aber auch gegenseitig mit Strom versorgen und außerdem Daten austauschen, wie z.B. bei der Verbindung eines Touch Blocks mit dem Seaboard Block oder dem Lightpad Block.

Zur Eingabe von Noten, zum Triggern von Loops und vielem mehr gibt es den schon bekannten Lightpad Block, der vor kurzem durch den Lightpad Block M ein Upgrade erfahren hat und der sich vor allem durch eine verbesserte Touch-Oberfläche auszeichnen soll. Der berührungsempfindliche Controller interpretiert eine Fingerbewegung auf fünffache Weise durch Velocity, Glide, Slide, Press (Druckdynamik) und Key-off-Dynamik. Damit lassen sich nicht nur Drumloops oder Drumsounds nach Art einer MPC steuern, sondern auch Noten spielen – dies sowohl chromatisch als auch anhand vordefinierter Skalen.

Brandneu auf dem Markt ist der Seaboard Block, in dessen Preis von rund 330 Euro auch ein umfangreiches Softwarebundle enthalten ist. Dazu gehören neben der Playeredition des Synthesizers Equator die App Blocks Dashboard zur Verwendung mit anderen Audioprogrammen, außerdem die ausgezeichnete DAW Traktion Waveform sowie eine dreimonatige Lizenz von Max MSP, einer Entwicklungsumgebung für Audiosoftware. Beim Seaboard Block  handelt es sich um die kleinste Roli-Tastatur mit der mehrfach preisgekrönten innovativen Tastatur, auf der man mit den Fingern ebenfalls „fünfdimensionale“  Informationen erzeugen kann. Hier kommt eine durchgehende gummierte Oberfläche zum Einsatz.

Anstelle von angrenzenden Tasten wie bei Klavier oder Keyboard sind die Tonhöhen durch erhöhte Flächen definiert, was natürlich zunächst eine gewisse Umgewöhnung erfordert, da man es hier nicht mehr mit einer festen Holz- oder Plastikfläche zu tun hat, sondern mit einem etwas wabbeligen, wenn auch durchaus griffigen Untergrund. Insbesondere beim akkordischen Spiel kann es etwas dauern, bis man ein Gefühl für die Lage der Töne entwickelt hat, zumal die einzelnen Tastenpositionen bei mäßigen Lichtverhältnissen auch schlecht zu erkennen sind.

Seine Stärken entfalten kann der Seaboard Block daher eher bei solistisch genutzten Sounds. Diese lassen sich zudem außerordentlich expressiv spielen: Stufenlose Übergänge zwischen den Tonhöhen sind ebenso möglich, wie Lautstärkeänderungen durch Druckdynamik. Je nach Preset lässt sich zudem durch Verschieben des Fingers auf der Taste auch der Filter steuern. Besonders Blasinstrumente bzw. durch diese inspirierte Synthesizer-Klänge lassen sich mit einer bisher unerreichten Ausdrucksvielfalt spielen.

Die Tastaturabmessungen stellen dabei einen gelungen Kompromiss zwischen regulärer und Minitastatur dar und machen das Instrument auch für Spieler mit großen Händen noch gut nutzbar. Der Bereich von zwei Oktaven reicht für typische Anwendungen bei elektronisch orientierter Musik aus, bei Bedarf lässt sich dieser mit den Oktavtastern links und rechts oben am Gerät auch problemlos verschieben. Traditionelle MIDI-Ausgänge wird man hier aber vergebens suchen: Wie alle Blocks kommunizert auch dieses Gerät nur per USB bzw. Bluetooth mit dem Rechner oder Tablet. Aus Gründen der Latenz sollte man aber nach Möglichkeit immer die USB-Verbindung nutzen.

Zusätzliche Steuerungsfunktionen ermöglichen die ultrakompakt ausgeführten Control-Blocks, die sich ebenfalls magnetisch mit den anderen Eingabegeräten verbinden lassen. Der Live-Block ist für Performance-Situationen ausgelegt, hat also vor allem die Spielbarkeit von Sounds im Blick. Der Loop-Block ist eher für Recording und Komposition konzipiert und bietet Steuerungsfunktionen.

Der neue Touch-Block ist der ideale Gefährte für die Seaboard-Tastatur und den Lightpad Block. Damit lässt sich die Intensität der fünf Ausdrucksparameter intuitiv, schnell und gezielt an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Anschlagstärke kann man stufenweise verringern, erweitern oder per „strike lock“ fixieren. Ebenso kann man mit dem Touch-Block das Portamento zwischen den Tönen reduzieren oder auch gänzlich deaktivieren, so dass es wie vom Keyboard gewohnt mit festen Tonhöhen auf den Tastenbereichen arbeitet.

Die Einstellung für den „Glide“-Paramter bestimmt, wie stark sich Auf- oder Abwärtsbewegungen auf einer Taste klanglich bemerkbar machen, während sich über den „Press“-Taster die Intensität der Druckdynamik anpassen lässt. Im „Piano Mode“ werden die Anzahl der Informationen wie auch Anschlagstärke und Druckdynamik reduziert, wie man das von einem Keyboard gewohnt ist. Allerdings sind in diesem Modus dann auch keine Tasturslides mehr möglich. „Lift“ ist ungefähr gleichbedeutend mit der Key-off-Velocity. Auch deren Intensität lässt sich mit den Plus-Minus-Tastern einstellen.

Eine Kombination aus Seabord Block und Touch Block entspricht somit in ihrer Funktionalität annähernd dem Roli Seaboard Rise 25. Bei diesem sind Tastatur und Steuerungselemente zusammen verbaut, was aber mit rund 850 Euro deutlich teurer ist. Dafür findet man hier ein Plus an gebundelter Software, z.B. die Vollversion des Equator-Synthesizers.

Software

Natürlich lassen sich die Blocks nicht nur mit der Tablet-Software Noise nutzen, sondern auch mit beliebigen anderen Audioprogrammen für Mac oder PC. Da allerdings kaum ein Audioprogramm ab Werk an die fünfdimensionalen Informationen von Lightpad und Seabord Block angepasst ist, kann man die Controller der DAW oder des Software-Synthesizers mit Hilfe der App Roli Blocks Dashboard zuweisen. Das gestaltet sich aber durchaus mühselig, da die MIDI-Controller dabei in der Regel sowohl in der Dashboard-App, also auch am Software-Synth selbst zugewiesen werden müssen.

Der Software-Synthesizer Equator sorgt dagegen für sofort einsetzbare, perfekt an die Steuerungsmöglichkeiten des Seaboard Block angepasste Sounds. Dabei wird die Zahl der Klangparameter sinnvoll durch Makros reduziert, die fünf zum Sound passende Parameter bieten. Beim Erwerb eines Seaboard Blocks erhält man eine Download-Lizenz für die Playerversion des Equator. Die Vollversion kostet rund 180 Euro, damit kann man dann nicht nur Presets abspielen, sondern auch selbst komplexe Programme erstellen.

Da Roli seit kurzem auch im Besitz der Firma Fxpansion ist, wundert es auch kaum, dass deren neuer Software-Synth Strobe 2 mit Anpassungen für die Roli Blocks vorkonfiguriert ist. Die getestete Version konnte zwar mit interessanten Klängen auf Analog-Modeling Basis gefallen, wirkte aber noch nicht stabil und ausgereift: Die Audioausgabe funktionierte erst nach dem zweiten Startversuch, auch veränderte sich beim Wechsel von Programmen das Master Volume. 

Fazit

Seaboard Block ist eine tolle Erweiterung für das Roli-System und auch im Zusammenspiel mit anderen Klangerzeugern oder DAWs empfehlenswert. Die Anbindung muss dann aber meistens noch über die Software Blocks Dashboard vorgenommen werden. Was mit optimaler Anpassung alles möglich ist, zeigen die beeindruckenden Presets des Roli-Synths Equator. Der Preis von rund 330 Euro ist durchaus gerechtfertigt, vor allem in Anbetracht des guten Bundles an enthaltenen Software-Lizenzen. Den Touch Block für rund 90 Euro sollte man auf jeden Fall mit einplanen, um das volle Potenzial des Seaboard Block intuitiv und spontan ausreizen zu können.

 

 

Roli Seaboard Block/Touch Block:

Hardware-Controller-System

+ Innovatives Konzept

+ Sehr ausdrucksstarkes Spiel möglich (Seaboard und Lightboard)

+ Unproblematisches Setup

+ Kabelloses Controllersystem

+ Zusammenspiel mit DAWs

+ Exportfunktion

-          Limitierte Funktionen der Loop-App (Soundvielfalt, Spuren)

 

PREISE: 392 € (Seaboard Block), 106 € (Touch Block), 237 € (Lightpad Block), 261 € (Lightpad Block M), 106 Euro (Touch Block), 118 € (Live/Loop Block), 180 € (Equator, Vollversion)

SOFTWARE: Equator (Synthesizer): Player-Version im Bundle mit Seaboard Block enthalten; Systemvoraussetzungen: ab OS X 10.8 / Windows 7; mindestens Intel Dual Core i5 2.5GHz, 8GB RAM, 2 GB freier Festplattenspeicher für Installation

APP: Noise (Loop-basierte Kompositions-App, kostenlos) für iOS ab 9.0; Systemvoraussetzungen: iPhone 6 oder neuer, iPhone SE, iPad mini4 oder neuer, iPad Air2, iPad Pro (9,7 und 12,9 Zoll)

INFO: http://www.roli.com