TSC Tracktion 7 & BioTek: Musiksoftware im Test

Tracktion ist eine sehr leistungsfähige Digital Audio Workstation (DAW) für den schmalen Geldbeutel, die in der brandaktuellen Version 7 spannende neue Funktionen und Detailverbesserungen bietet. Ebenfalls im Test: der Software-Synth BioTek vom gleichen Hersteller.

Tracktion ist zwar nicht so bekannt wie die Platzhirsche in der DAW-Welt, Logic oder Cubase, kann sich aber einer treuen und wachsenden Nutzergemeinde erfreuen. Denn in punkto Funktionsumfang wird man hier gegenüber den etablierten aber teureren Schlachtschiffen kaum etwas vermissen. Was die Bedienoberfläche betrifft, geht die Tracktion Software Corporation allerdings ganz eigene Wege: Bei Tracktion spielt sich alles auf einer Bildschirmseite ab. Das ist einer der wesent­lichen Unterschiede zu den anderen DAWs, bei denen man doch oft zwischen Bildschirmseiten umschalten muss. Wer sich auf Tracktion einlässt, wird also unter anderem mit einem schnellen Workflow belohnt, Voraussetzung ist allerdings ein Bildschirm mit einer hohen Auflösung.

Konnte schon die Programmversion 6 in unserem Test in Ausgabe 5/2015 vollauf überzeugen, so hat die Tracktion Software Corporation mit der Version 7 noch einmal richtig nachgelegt. Davon können sich auch Neueinsteiger mit Hilfe der kostenlosen Testversion überzeugen. Beim ersten Programmstart wird man Schritt für Schritt durch die Einrichtung geführt, so dass man danach sofort loslegen kann. Anschließend kann man sich dank der automatischen Kontexthilfe schnell mit dem Programm vertraut machen.

Oberfläche

Das User Interface wurde weitreichend verbessert. Schon rein äußerlich macht die neue Farbgebung „blue steel“, bei dem blau und dunkelgrau dominieren, einen gediegeneren Eindruck, als die bisherigen Versionen mit einer etwas willkürlich erscheinenden Farbverteilung. Den größten Teil des Bildschirms macht nach wie vor die Arrangieroberfläche des Edit-Fensters aus. Links findet sich klassischerweise der File-Browser; in der Mitte werden die Tracks (Spuren) mit ihren Bestandteilen, den Clips, dargestellt, und auf der rechten Seite werden auf derselben Höhe Effekte und Output-Einstellungen der Tracks angezeigt. Wie schon früher lassen sich diese auch per Knopfdruck ein- und ausklappen. Praktischerweise wird nun aber per Mausbewegung nach rechts diese Ansicht automatisch geöffnet, was ein schnelleres Arbeitstempo ermöglicht. Dasselbe gilt auch für den Browser für die Dateiverwaltung, der sich nun auch über der Spuransicht anordnen lässt. Damit ist es möglich, mehrere Instanzen des Browsers zugleich sichtbar zu machen.

Wen die Menüzeilen am unteren Bildschirmrand bisher gestört haben, der kann diese nun einklappen, um mehr Platz für die Spurdarstellung zu erhalten. Die entsprechenden Funktionen werden dann durch kleine Symbole repräsentiert und sind per Mausklick erreichbar. Außerdem wurde die Spur-Automation um so genannte Automation Patterns erweitert. Dabei handelt es sich um Muster in Form von Sinus- und vielen anderen Wellenformen, die sich per Auswahlmenü auf den gewählten Abschnitt legen lassen. So lassen sich u.a. blitzschnell temposynchrone Panning- und die beliebten Wobble- und Stutter-Effekte erzielen.

Features

Neue Funktionen machen auch das Arbeiten mit Clips noch einfacher und vielseitiger. Tracktion 7 erlaubt es nun, einzelne Clips, also Abschnitte der Spur, separat mit Effekten zu versehen, was z.B. für Übergänge oder spezielle Songabschnitte interessant ist. In anderen DAWs müsste man dazu die Originalspur kopieren. Diese Clip-Layer-Effekte bestehen aus einer zeitgemäßen Auswahl von Pitch-, Warp-/Time-Stretch- und Stutter-Effekten, die natürlich auch kombiniert werden können. Dazu werden die einzelnen Effekte in einer Layer-Darstellung übersichtlich angeordnet. Die Reihenfolge der Effekte lässt sich auch nachträglich umgruppieren.

Auch die sogenannten Linked Clips in Tracktion 7 sind eine echte Innovation, die jeder schätzen wird, der oft Clips kopiert und diese ggf. nachträglich verändern möchte. Denn jede Änderung im Original-Clip findet sich dann in den per Link verbundenen Kopien wieder. Mit den Clip Layers können mehrere Clips auf unterschiedlichen Spuren, z.B. die eines Drumsets, in ein Clip Layer zusammengefasst werden und anschließend als Paket im Arrangement weiter verwendet werden. Dies kann in der Praxis eine große Zeitersparnis bringen.

Wer oft mit Loops arbeitet, wird die neue Funktion Multi Loop Sync zu schätzen wissen. Oft geht es ja darum, eine Kombination verschiedener Loops zu finden, die gut zusammen funktionieren, seien es nun Drum&Bass-Loops oder diverse Percussion-Spuren, die zu einem Basis-Schlagzeug-Groove passen sollen. Während in anderen Programmen jeder Loop einzeln zugefügt und vorgehört werden muss, kann man in Tracktion 7 über die oben schon beschriebene Multi-Browser-Darstellung verschiedene Loops auswählen, sich diese gleichzeitig anzeigen lassen und diese auch gleichzeitig abspielen, wohlgemerkt perfekt zum Tempo des Songs synchronisiert. Die Loops lassen sich dabei auch individuell starten und stoppen. Hat man eine passende Kombination gefunden, kann man die Loops in einem Rutsch in das Spurfenster ziehen, wobei auch gleichzeitig neue Spuren erzeugt werden.

BioTek

Ein ganz und gar unkonventioneller Synthesizer ist BioTek, der nicht zum Lieferumfang von Tracktion gehört, sondern separat oder im Bundle erworben werden muss. Auch wenn der Zusatz – Organic Synthesizer – zunächst wenig aussagekräftig erscheint, trifft er doch gut das Konzept dieses absolut ungewöhnlich klingenden Plug-ins, das übrigens nicht nur auf der neu entwickelten Acktion-Platform aufbaut, sondern auch als Plug-in in allen anderen Audio-Hosts geladen werden kann, sogar auch unter Linux-Betriebssystemen wie Ubuntu.

Die Klangerzeugung arbeitet mit Instrumenten, die aus vier Layern bestehen, wobei jede dieser Klangschichten auf Drumsounds, Samples aus dem Umwelt- und Industriebereich, analoge und auch komplexe FM-Synthese zurückgreifen kann. Die Ausgangswellenformen lassen sich mit Parametern wie Symmetry, Shape und Saturation weitreichend verzerren; die ansprechend gestaltete Bedienober­fläche spiegelt die dabei resultierende Wellenform grafisch wider. Zusätzlich sorgen vier LFOs mit je acht Sub-LFOs, Arpeggiator-Funktionen, vier Hüllkurven und umfangreicher Effektsektion für extrem abwechslungsreiche und lebendige Sounds. Es lassen sich per MIDI-File auch eigene Schlagzeugpatterns in den Arpeggiator laden.

Das Mapping der BioTek eigenen Sounds orientiert sich praktischerweise weitgehend an der GM-Norm. Wer zu Anfang noch nicht in die Tiefen der Soundprogrammierung vordringen möchte, für den ist die ringförmig gestaltete X/Y-Steuerung genau das Richtige. Dadurch lassen sich durch das Verschieben des Steuerpunkts mit der Maus komplexe Soundveränderungen intuitiv steuern. Das Ergebnis sind vielschichtige, pulsierende Klänge, die sich mit Attributen wie „windig“, „geräuschhaft“ oder „regnerisch“ umschreiben lassen.

Fazit

Mit der Version 7 präsentiert sich Tracktion einmal mehr als ernst zu nehmende DAW, die unbegrenzt viele Audio- und MIDI-Spuren, Automation, Video-Synchronisierung, professionelle Timestreching-Funktionen bietet und vieles mehr. Über diese Standardaufgaben hinaus ermöglichen innovative Funktionen schnelles und übersichtliches Arbeiten. Das macht Tracktion 7 für einen breiten Anwenderkreis interessant, nicht nur für Musiker im Bereich der elektronischen und Loop basierten Musik. Das separat oder im Bundle erhältliche BioTek-Plugin ist eine kreative Spielwiese für alle Soundtüftler und ein heißer Tipp für kommerzielle Sounddesigner, die auf der Suche nach neuen und außergewöhnlichen Klängen im Ambient-Sektor sind. Der Preis ist mit 60 Dollar bzw. 30 für die Upgrade-Version unverschämt günstig. Auch BioTek ist mit regulär 150 Dollar nicht überteuert. Zusätzlich gibt es verschiedene günstige Bundle-Angebote, auch in Kombination mit anderen Tracktion-Plug-ins sowie zeitlich befristete Spezialangebote.

Wertung

Tracktion 7

+ Gute Performance

+ Sehr gute Kontexthilfe

+ Funktionsumfang

+ User freundliches Registrierungskonzept

+ Leicht zu erlernen

+ Sehr günstiger Preis

- Kaum Plug-ins dabei

- Keine deutsche Sprachanpassung

BioTek

+ Vielschichtige Sounds

+ Ausgefallene Klänge

+ Sehr komplexe Klangstruktur möglich

+ Intuitive Bedienung