Test TSC Tracktion 6: DAW bietet viel fürs Geld

Der Software-Sequencer Tracktion erfreut sich unter Musikern als günstige DAW wachsender Beliebtheit. Die aktuelle Version 6 präsentiert sich sehr gereift und ist mit pfiffigen neuen Funktionen ausgestattet.

Tracktion ist genügsam: Während die etablierten Boliden unter den Audio-/MIDI-Sequencern bei der Installation mehrere Gigabyte an Festplattenspeicher verschlingen, begnügt sich das neue Tracktion 6 mit gerade mal 25 Megabyte. Dementsprechend schnell ist das Programm auch installiert. Allerdings bietet Tracktion ab Werk nur eine überschaubare Ausstattung an Plug-ins für die  Audiobearbeitung und keine vollwertigen Software-Instrumente.

Verfügbar ist Tracktion 6 nicht nur für Windows- und Apple-Rechner, sondern auch für Linux-Computer. Unter Ubuntu lässt sich die aktuelle Version mit mehreren Mausklicks über das Software-Center installieren und lief im Test absolut stabil. Die Systembelastung ist äußerst gering, was das Programm insbesondere für schwächere Systeme, Laptops oder betagte Rechner interessant macht. Tracktion kann auf mehreren Rechnern installiert werden,  allerdings kann nur einer davon freigeschaltet sein. Die Freischaltung erfolgt über das Internet. Eine faire und unkomplizierte Lösung, dank derer man keine Dongles mit sich herumschleppen muss.

Features

Tracktion wendet sich vor allem an Musiker, die mit einem leicht verständlichen Programm auf schnellstem Weg zu guten Ergebnissen kommen wollen. Dementsprechend haben sich die Entwickler ganz einem effektiven Workflow verschrieben und gar nicht erst versucht, die Bedienlogik anderer Programme zu imitieren. Besonders auffällig ist zunächst das Konzept einer einzigen Bildschirmseite, auf der die Arbeit mit Tracktion beruht. Man muss also nicht zwischen verschiedenen Bildschirmseiten umschalten. Der Bildschirm sollte dabei aber mindestens 19 Zoll messen; auf 15-Zoll-Notebook-Monitoren gerät die Darstellung schon recht klein.

Audio- oder MIDI-Tracks zu erzeugen ist ein Kinderspiel in Tracktion: Der entsprechende Hardware-Eingang wird auf einen beliebigen Track gezogen: fertig. Ebenso intuitiv gestaltet sich auch das Einbinden von Effekten, die an eine beliebige Stelle der Effektkette gezogen werden können. Eine große Hilfe für Tracktion-Neulinge ist die Pop-up-Hilfe – eine Kontext-Info für jedes Element des Editors, die sich aber auch abschalten lässt.

Der Funktionsumfang ist enorm und steht eta blierten Sequencern wenig nach: Zu den Highlights gehört der sehr gut klingende Timestretch-Algorithmus, der Audiofiles automatisch an das Songtempo anpassen kann. Spuren kann man mit Tags versehen, so dass sich Spuren mit gleichen Tags anzeigen lassen, z.B. „Drums“ oder „Vocals“. Ein globaler Tempotrack fehlt ebenso wenig wie ein Key-Editor im Pianorollenstil, der Noten sehr weit reichend quantisieren kann und z.B. neben der Startposition auch die Notenlänge anpasst.

Das Zusammenstellen von Drumspuren aus verschiedenen virtuellen Instrumenten gelingt mittels „Step Clip“; die nötige Portion „human touch“ kommt per Groove-Edit-Funktionen ins Spiel. Dazu sind auch jede Menge Groove-Templates eingebaut – ideal nicht nur für R&B oder Hip-Hop. Pro Track können verschiedene Takes aufgenommen werden, sogenannte Comps („Composites“). Mit dem „Super-Comp“-Tool kann man daraus sehr einfach die besten Versionen herauspicken und zusammenstellen. Das Ergebnis lässt sich in ein neues Audio-File digital zusammenmischen (rendern). Auch Automationsspuren sind vorhanden, ebenso wie der Import von Videodateien zur Filmvertonung.

Hilfe

Für einen Preis von 60 Dollar muss man Abstriche in Kauf nehmen: Der Verzicht auf einen Noteneditor ist leicht zu verschmerzen. Die Bearbeitungsfunktionen für Audiomaterial beschränken sich auf Basics wie Normalisierung oder Reverse. Neben der sehr guten Kontexthilfe existiert leider kein Nutzerhandbuch im Print- oder PDF-Format. Allerdings gibt es im Netz viele Videos, die den Umgang mit dem Programm erklären. Ein englisches Praxisbuch kann als Betaversion heruntergeladen werden. Wer die Software vor dem Kauf ausprobieren möchte, kann die aktuelle Version mit gelegentlichen Störgeräuschen und eingeschränktem Funktionsumfang installieren.

Über die Marketplace-Funktion können zusätzliche Plug-ins erworben und installiert werden. Eine echte Empfehlung ist „Tracktion Master Mix“, das für nur 59 Dollar den Tracktion-Projekten den letzten Schliff gibt. Einsteiger, die sich trotz der grafisch guten Darstellung anfangs überfordert fühlen, können getrost zu einem der 43 aussagekräftig betitelten Presets greifen, die die üblichsten Anwendungsgebiete abdecken. Profis können dank des EQs im Eingang auch leichte Schwächen im Mix nachträglich ausbügeln. Alle über den Marketplace erworbenen Plug-ins sind auch in anderen Programmen nutzbar.

Fazit

Wer auf Hochglanzoptik verzichten kann, erhält mit Tracktion 6 zu einem günstigen Preis ein ausgereiftes Programm, das etablierten Programmen vergleichbar ist. Die Software punktet mit einer großen Fülle von cleveren Ideen für einen flüssigen Workflow. Auch gefällt die gute Performance auf älteren Rechnern. Das Programm eignet sich gut für das mobiles und ambitioniertes Home-Recording unter Windows, OS X und Linux.

Wertung

+ Sehr gute Performance & Kontexthilfe

+ Großer Funktionsumfang, günstiger Preis

+ Wenige mitgelieferte Plug-ins

+ Deutsche Sprachanpassung nur per Google Translator