Test Yamaha Clavinova CVP-709: Genial intuitiv

Mit den Yamaha-Ensemblepianos der Clavinova-CVP-Serie sollen Sie sich ganz aufs Musikmachen konzentrieren können. Vor allem der „Piano Room“ ist ein großer Schritt in Richtung einer genial intuitiven Bedienbarkeit. Was das heißt, haben wir am Topmodell CVP-709 ausprobiert.

Yamaha Clavinova CVP-709
Ästhetik pur in Schwarz und Weiß: Beim Grundmodell CVP-709 ist ein angedeutetes Flügeldesign erkennbar, das GP-Modell verfügt über einen verstellbaren Flügeldeckel. (Fotos: Yamaha & Shutterstock)

In der Zahlenmystik stehen sowohl die Sieben als auch die Neun für Vollendung: Ob sich die Yamaha-Entwickler solche Gedanken gemacht haben, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Ob das neue Ensemblepiano-Topmodell CVP-709 gleich zweifach vollendet gelungen ist, soll jedoch in diesem Test für Sie aufgedeckt werden. Es steht dabei stellvertretend für die gesamte, erneuerte Clavinova-CVP-Serie, die aus den Modellen CVP-701, CVP-705 und CVP-709 besteht; das CVP-709 gibt es außerdem als Flügelvariante CVP-709GP. Die wesentlichen Modellunterschiede haben wir in einer eigenen Tabelle für Sie zusammengefasst.

Outfit

Das Aussehen des CVP-709 ist hinlänglich bekannt. Äußerlich hat sich gegenüber dem Vorgängermodell CVP-609 – sowohl beim Standard- wie auch beim Flügelmodell – eigentlich nur der Aufdruck der Modellbezeichnung geändert, sonst scheint alles beim Alten. Anders sieht es dann allerdings unter der Haube aus.

In drei Farbvarianten wird das CVP-709 angeboten: Schwarz matt (Schwarznuss), Schwarz Hochglanz und Weiß Hochglanz. Beim CVP-709GP entfällt die matte Version – Yamaha konzentriert sich beim Flügel ganz auf die repräsentativen Hochglanz-Oberflächen. Ein angedeutetes Flügeldesign ist grundsätzlich bei allen Varianten des Topmodells erkennbar. Dies zeigt sich in den schlanken Füßen, auf denen das Digitalpiano steht, und in einer Lyra ähnlichen Konstruktion, an der das Dreifachpedal befestigt ist. Während bei den Standardmodellen die meisten Lautsprecher in einer Box unterhalb des Spieltischs verbaut sind, verfügt das GP-Modell über einen verstellbaren Flügeldeckel, der den Blick auf einen nach oben abstrahlenden Lautsprecherraum freigibt.

CVP-709GP weiß
Das Aussehen des CVP-709 orientiert sich beim Standard und Flügelmodell ganz am Vorgänger.

Die Lautsprecher sind aus einem neuen Material gefertigt, Yamaha spricht dabei von „Spruce Cone Speakern“. Das schwingende Material ist aus Holz, was einen wärmeren Klang bringen soll. Die Abstrahlung wurde durch so genannte „Twisted Flare Ports“ optimiert. Das heißt: Das Bassreflexrohr ist so optimiert, dass es zu weniger Luftverwirbelungen kommen soll und die tiefen Frequenzen auf diese Weise definierter vom Instrument abstrahlen. Ob es die Materialien oder die Konstruktion sind, kann beim Testspiel nur gemutmaßt werden, der Klangeindruck des Lautsprechersystems jedoch ist erste Sahne. Druckvoll im Sound, kein Wummern, keine unangenehmen Frequenzen – egal, ob man Piano pur will, vollen Orchestersound benötigt oder zur Playback-Wiedergabe spielt. DSP-Technologie wie IAC („Intelligent Acoustic Control“) und der so genannte Acoustic Optimizer sind mit an Bord und sorgen für einen perfekten Klang bei allen Lautstärken – dies hat bei Yamaha gewissermaßen Tradition.

Die neuen CVP-Instrumente profitieren von den Tastatur-Neuentwicklungen, die bereits im vergangenen Jahr bei den Digitalpianos der CLP-Serie vorgestellt wurden. Im Topmodell CVP-709 findet man auch die beste Tastatur NWX (Natural Wood) mit 88 Tasten, Echtholzelementen, Decklagen aus synthetischem Elfenbein und Druckpunktsimulation. Für ein fein austariertes Spielgefühl sorgen in die Tasten eingelassene Gewichte, wie sie auch bei akustischen Instrumenten zum Einsatz kommen. Ziel ist ein optimales Spielgefühl in allen Dynamikstufen, und in der Tat lässt sich von Pianissimo bis Fortissimo bestens auf dem CVP-709 spielen. Die Dynamik wird ebenso fein im Klangbild umgesetzt.

Die Anschlussaufteilung folgt bekannten Mustern: Zwei Kopfhörerbuchsen sowie einen regelbaren Mic/Line-Anschluss findet man links vorne unterhalb der Tastatur. Die übrigen Anschlüsse sitzen links nach hinten versetzt, ebenfalls an der Unterseite des Spieltischs: zwei Line-Ausgänge (L/R) im Klinkenformat, ein Line-Eingang (Miniklinke, stereo), ein klassisches MIDI-Trio (in/out/thru), ein Aux-Pedalanschluss, RGB-Ausgang sowie je ein USB-to-Host und USB-to-Device-Anschluss. Einen weiteren USB-to-Device-Anschluss findet man links im Klavierdeckel integriert, in den gleichzeitig das Display und alle Bedienelemente eingebaut sind.

  • Je nach Bildhintergrund verändert sich der eingestellte Reverb-Effekt

  • Virtuell modellierte Resonanzeffekte machen den Klang lebendiger und dynamischer

  • Der „Chord-Tutor“ zeigt, aus welchen Tönen die Akkorde bestehen

Bedienung

Der so genannte „Piano Room“ ist nicht weniger als eine entscheidende Verbesserung der Bedienerführung am Digitalpiano. In Grundzügen war er schon in der Vorgängerserie vorhanden, bei den CVP-700-Modellen haben ihn die Entwickler stark erweitert. Über einen eigenen Button werden der Modus eingeschaltet und alle anderen Bedienknöpfe damit deaktiviert. Bedient wird das Instrument nun über einen grafisch schön und intuitiv gestalteten Touchscreen. Bis zum Verkaufsstart soll ein Voice Guide als Download verfügbar sein, der sehbehinderten Menschen den Display-Inhalt vorliest, damit auch sie den Touchscreen bedienen können. Der Touchscreen ist mit so wenig Druck zu bedienen, wie man das vom Tablet oder Smartphone gewohnt ist. Auch das Wischen durch Listen ist jetzt in etlichen Menüs möglich.

Tippt man auf das dargestellte Piano, kann man aus neun Klangvarianten wählen. Soll ein anderer Effekt gewählt werden, stellt man das Instrument am Display in einen anderen Raum. Neu ist der „Session Mode“: In diesem stehen dem Piano bis zu drei Begleitmusiker zur Seite. Einzelne Instrumente lassen sich deaktivieren, 40 Begleitstile sind in diesem Modus möglich. Die Spieler müssen sich also nicht mit den Keyboard ähnlichen Bedienelementen am Digitalpiano auseinandersetzen, sondern können intuitiv Einstellungen vornehmen und direkt loslegen. Auch Aufnahmen sind möglich – intern als MIDI-File, auf USB-Stick auch als Audio-Datei. Einfacher konnte man bislang die Power eines CVP-Ensemblepianos bisher nicht bedienen. Ein großer und wichtiger Schritt für mehr Spielspaß und zur Überwindung von Technikangst. Nach wie vor stehen aber über die klassischen Bedienelemente alle Funktionen in gewohnter Weise zur Verfügung, wie man sie von Arranger-Workstations oder älteren CVP-Modellen kennt. Die Menüseiten wurden aber auch hier überarbeitet, grafisch aufgepeppt und so leichter verständlich gemacht.

Audio-Demos

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