Test Yamaha Montage: Synthesizer-Workstation Generation X

In der Champions League der Synthesizer-Workstations verspricht ein neuer Player höchsten Spielgenuss für die nächsten Jahre: Yamaha Montage besticht mit einer aktualisierten FM-Synthese, dem spannenden Motion Control-Konzept und vielen weiteren Features.

Seit über zehn Jahren ist die Synthesizer-Workstation Yamaha Motif auf vielen Bühnen und im Studio anzutreffen. 2001 löste sie die EX-Modelle und vor allem die SY-Serie ab, die mit dem SY99 zeigte, wie profitabel die Kombination aus FM-Synthese und Sample-ROM für ausdrucksstarke Klangfarben sein kann. Mit dem 1983 erschienenen Meilenstein Yamaha DX7 ist die FM-Synthese vor allem der heutigen Ü40-Generation ein Begriff für komplexe, natürliche und dynamische Sounds, die sich weder mit Samples noch mit analogen Synthesizern herstellen lassen. Leider war es um die FM-Synthese sehr still geworden. Abgesehen vom aktuellen Mini-Keyboard „reface DX“ war das letzte Yamaha-Produkt das Soundmodul FS1R aus dem Jahr 1998 gewesen.

Das neue Synthesizer-Flaggschiff Yamaha Montage haucht nun den traditionellen Kernkompetenzen des Herstellers zeitgemäß neues Leben ein. Neben einer immerhin 128-stimmigen Sample-Klangerzeugung (AWM2) tritt das so genannte „FM-X“ mit ebenfalls 128-facher Polyfonie als neue Quelle für elektronische Klangfarben. Unser Testgerät, ein Montage 8 mit einer 88er Hammermechanik-Tastatur, weiß auf Anhieb zu gefallen – optisch wie klanglich. Alles fühlt sich hochwertig an, wirkt elegant und klingt erhaben. Neben dem Modell für Pianisten sind auch Versionen mit 61 Tasten und 76 Tasten lieferbar. Den ersten Kontakt mit dem Montage finden Sie als Youtube-Video dokumentiert, das Sie über tastenwelt.de erreichen. Angespielt erleben Sie mehrere Performances aus dem Live-Set „Best of Montage 1“, das die klanglich hohe Flexibilität des Spitzenmodells demonstriert. Alles Übrige zeigt dieser Test.

Überblick

Als Besitzer einer Workstation wie der Motif XF fragen Sie sich vielleicht, welche Argumente für einen Wechsel sprechen und ob denn überhaupt eine deutliche Steigerung möglich sei? Als Antwort gibt es ein klares „Ja“. Ein gewaltiger Unterschied stellt allein der Wave-ROM dar: Dieser wurde von 741 MB auf 5,67 GB bei den Montage-Workstations erweitert. Enthalten sind 2.370 neue Wellenformen. Bereits an Bord ist zudem ein 1,75 GB großes Flash-ROM. Der markanteste Unterschied ist aber die neue Syntheseform FM-X, die sich mit den Samples (AWM2) verbinden lässt.

Einen Klanggewinn bei üppigen Arrangements aus mehreren Einzelklängen schaffen die auf 16 verdoppelten Dual-Insert-Effekte. Hinzu kommt ein A/D-Input, der für den neuen „Envelope Follower“ und die „Sidechain Modulation“ zur dynamischen Steuerung von Parametern genutzt werden kann. Mit den eintreffenden Audio-Signalen (Loops, Vocals, etc.) lassen sich vor allen Dingen rhythmisch pumpende Flächen oder Vocoder-artige Stimmen realisieren.

Es gibt Speicherplätze en masse: Anstelle von 1.024 Voices und 64 Drumkits haben Sie bei den Montage-Presets insgesamt 1.920 Performances zur Auswahl. Das neue Library-Konzept sieht vor, User-Bänke einfrieren und als Presets verwenden zu können. Drastisch erhöht worden ist auch das Angebot an Arpeggios – und zwar um 2.048 Typen: Eine stattliche Bibliothek von rund 10.000 Typen ist insgesamt vorhanden. Es lassen sich immerhin bis zu acht Arpeggio-Parts gleichzeitig verwenden. Per Auto-Beat-Sync kann das Tempo des Arpeggiators sogar von einer externen Audio-Quelle, zum Beispiel der Bassdrum eines Live-Schlagzeugers, synchronisiert werden.

Auch bei der Hardware sind praxistaugliche Extras zu verzeichnen: Ein 7 Zoll großer, farbiger TFT-Touchscreen sowie die mehrfarbig hintergrundbeleuchteten Taster sind ein wesentlicher Fortschritt gegenüber der Motif-XF-Workstation-Generation. Die Montage-Modelle bieten rückseitig einen symmetrischen Stereo-Ausgang neben zwei zuweisbaren Ausgängen. Außerdem findet man noch einen USB-to-Host-Anschluss, über den sich MIDI-Daten und bis zu 32 Audiokanäle versenden lassen. Ein optionales Firewire-Board, wie beim Motif, brauchen Sie nun nicht mehr.

Lichtblick für bisherige Motif-Besitzer: Alle Preset-Voices des Motif XF wurden übernommen. Außerdem lassen sich „ALL“-Dateien der Vorgänger-Workstation inklusive der User-Wellenformen in die Montage-Plattform importieren, um User Voices und User Arps zu übernehmen. Engagierte Motif-Anwender werden sich schon nach wenigen Stunden auf den Nachfolger eingeschossen und ihre eigene Bibliothek übertragen haben.

Tipp: Motion Control

Das Top-Feature des Yamaha Montage heißt “Motion Control”. Diese mehrdimensionale Steuerung basiert auf einzelnen Komponenten („Super Knob“, Spielhilfen, Motion-Sequenzen, Arpeggiator, „Envelope Follower“ und „Side-Chain-Modulation“) und bereichert den Klangeinsatz musikalisch-rhythmisch in neuer Weise. Alle beteiligen Komponenten wirken auf die Klangerzeugung und Effektsektion tempo-synchron ein und sind sogar mittels externer Audio-Signale steuerbar. Der „Super Knob“ ist ein erfrischend neuer Ansatz. Er steuert alle zuweisbaren Drehregler der „Common Parts“ automatisch und entlockt dem Montage quasi im Handumdrehen feine bis drastische klangliche Veränderungen. Eine „Motion-Sequenz“ arbeitet wie ein herkömmlicher Step-Sequencer, der sich allerdings auf frei zuweisbare Klangparameter spezialisiert. Mit den acht Szenen lassen sich – ähnlich der Snapshots bei Digitalmixern – bestimmte Einstellungen der Parts speichern. Neu bei Yamaha-Synthesizern ist der „Envelope Follower“: Mit den Ausgangssignalen eines Parts sind andere Parts modulierbar, was zu homogenen Grooves führt. Die im Dance-Sektor für pumpende Flächen beliebte „Side Chain Modulation“ beherrscht der Montage ebenfalls mit Kompressor, Filter, Phaser oder Ringmodulator. Motion Control ist also ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche tempo-bezogene Kontrollmöglichkeiten und ist wesentlich verantwortlich für die bewegungsreichen Klänge des Montage.

Info: Alternativen

Der Wettbewerber des Yamaha Montage heißt bekanntermaßen Korg Kronos. Auch diese Workstation ist in verschiedenen Größen zu entsprechenden Preisen erhältlich. Als Vorteil kann Korg die noch größere Anzahl unterschiedlicher Syntheseverfahren (insgesamt neun) verbuchen, im Endeffekt sollten aber die Klangästhetik der Sounds und die praktische Bedienung am Gerät entscheiden, ob Sie persönlich den Kronos oder Montage favorisieren. Beide Produkt-Serien sind auf der Höhe der Zeit und rechtfertigen mit ihrer umfassenden Ausstattung auf höchstem Level die hohen Straßenpreise.

Abonnenten lesen mehr

Als tastenwelt-Abonnent können Sie sich in der Spalte rechts einloggen und diesen Beitrag in voller Länge online lesen. Als Benutzernamen geben Sie Ihre Abonummer, als Passwort Ihre PLZ ein. Beide Angaben finden Sie auf dem Adressaufkleber Ihrer tastenwelt-Ausgaben.

Noch kein kein tastenwelt-Abonnent? Abo jetzt bestellen!