Arranger-Keyboard Yamaha PSR-S670 im Test: Spielspaß garantiert

Einstieg in die neue Mittelklasse: Das Arranger-Keyboard Yamaha PSR-S670 setzt nicht nur beim Design Akzente, sondern bietet eine Top-Ausstattung für weniger als 700 Euro. Wir haben dem Spieltrieb freien Lauf gelassen.

Ein echter Hingucker ist das neueste Arranger-Keyboard Yamaha PSR-S670. Das Instrument ist gedacht für ambitionierte Ein- und Aufsteiger, die erstklassige Sounds, Styles und fortgeschrittene Keyboard-Funktionen suchen, ohne tief in den Geldbeutel greifen zu müssen. Was das Neue neben einem günstigen Preis (unter 700 Euro) und einem ansprechenden Design zu bieten hat, verrät dieser Praxistest.

Outfit

Mut zu Neuem kann man den Yamaha-Entwicklern gleich nach dem Auspacken bescheinigen: Die Form des PSR-S670 ist modern und lenkt gleich alle Blicke auf das Keyboard. Nach mehreren Seiten abgeschrägte Kanten verleihen dem Instrument einen Raumschiff-Look. Mit etwas Fantasie erkennt man die Verwandtschaft zum Tyros2 von 2005 – im Detail jedoch auf die heutige Zeit und das kleinere Instrumentenformat hin weiterentwickelt.

Besonders augenfällig: die leicht nach vorne gerichteten Bassreflexöffnungen an den Seitenwangen und das keilförmige Design des Gehäuses. Letzteres führt dazu, dass die Tastatur (61 leichtgängige Tasten mit Anschlagdynamik) im Profil relativ weit herausragt. Dieses gefällige Design-Element könnte sich beim Transport als Schwachstelle erweisen. Wer das nur gut acht Kilogramm leichte Keyboard in einer Tragetasche und ohne die gebotene Vorsicht transportiert, läuft Gefahr, die Tasten am linken und rechten Rand zu beschädigen. Dem Lob fürs Aussehen stellen wir daher die Empfehlung an die Seite, für den Transport ein solides Case zu verwenden.

Neben dem schicken Gehäuse freut man sich beim PSR-S670 als Anwender über die Taster. Bei diesen hat sich Yamaha nämlich vom Gummityp früherer Modellgenerationen verabschiedet und verbaut nun Hartplastiktaster mit spürbarem Druckpunkt. Praktisch: Die meisten Drucktaster verfügen über eine Status-LED, sodass man immer den Überblick über Parameter und Einstellungen behält.

Das Design der Bedienoberfläche folgt im Wesentlichen dem von Yamaha in dieser Modellklasse bekannten Schema: In der Mitte, unterhalb des Monochrom-Displays findet man acht Up/Down-Taster für Menüeinstellungen und die Buttons für die Registrierungen. Links davon befinden sich die Style- und Playback-Abteilung und einige allgemeine Buttons wie Transposition, Mixer und der neue Music Finder. Rechts sind die Bedienknöpfe für Sounds, Part-Auswahl, One-Touch-Settings und die vier neuen Multi Pads. Außerdem: Upper-Octave-Wahltaster, Effekt- und Harmony-/Arpeggiator-Funktionstaster. Anstelle der um das Display gruppierten Funktionstaster der größeren PSR-S-Modelle gibt es beim PSR-S670 vier Pfeiltasten, Plus-/Minus-Taster, Enter-Button sowie ein Datendrehrad. Die Bedienung geht fast ebenso flüssig von der Hand, man muss sich als Umsteiger nur daran gewöhnen, dass einem Display-Eintrag kein Bedienknopf am Rand zugeordnet ist. Neu-Einsteiger kennen es nicht anders und legen direkt los.

Eine Neuheit für die PSR-S-Serie sind die beiden zuweisbaren Drehregler links oberhalb der Intro-Taster, die man aus der PSR-E-Serie kennt. Yamaha bietet damit zusätzliche Kreativ-Möglichkeiten endlich auch in höheren Instrumentenklassen. Man kann Echtzeit Soundparameter verändern, Style-Spuren stumm schalten oder in DJ-Manier Styles retriggern. Die Regler sorgen nicht nur für mehr Spielspaß, sie erweitern auch die musikalischen Möglichkeiten des Arranger-Keyboards. Fast kommt Synthesizer-Feeling auf, denn besonders hier bietet es sich an, in Echtzeit die Klänge zu verändern und Abwechslung und Leben in den Sound zu bringen.

Die Rückseite beherbergt traditionell die Anschlüsse; Kopfhörer- und Line-Ausgänge im Klinkenformat sind vorhanden. Damit wird das PSR-S670 auch ohne Umwege kompatibel für die ersten Bühnen-Einsätze. Außerdem an Bord: ein Aux-Eingang (Miniklinke), zwei zuweisbare Pedalanschlüsse (Sustain und Expression voreingestellt), USB to Host und USB to Device. Strom gibt’s wie klassenüblich über ein Netzteil.

Das Lautsprechersystem des PSR-S670 wird mit zweimal 15 Watt starken Endstufen verstärkt und klingt nicht zuletzt dank der Bassreflexöffnungen richtig groß. Auch bei maximaler Lautstärke klingen die Speaker nicht angestrengt und fangen selbst bei Disco-typischen Styles und gegriffenen Synthie-Akkorden nicht zu scheppern an. Da kommt Freude auf – hoffentlich auch bei den Nachbarn.

Sounds

Die Klangerzeugung des PSR-S670 kann man bedingt sogar an älteren Keyboard-Flaggschiffen messen. Yamaha hat im Vergleich zum Vorgängermodell in allen Punkten eine ordentliche Schippe draufgelegt: 416 direkt aufrufbare Voices, 34 Drum/SFX-Kits und das Paket von 480 XG-Voices, die man in erster Linie für die Wiedergabe von MIDI-Files benötigt. In den 416 Klangfarben sind 11 Mega-Voices enthalten, um Styles lebendiger und authentischer zu gestalten. Außerdem 19 Sweet-Voices, 28 Cool-Voices und 19 Live-Voices, die durch jeweils aufwändigere Klangprogrammierung den Charakter von Naturinstrumenten sehr authentisch vermitteln. Edel-Klänge wie Super-Articulation- (SA) oder gar SA2-Voices findet man erst in höheren Keyboard-Preisklassen. Die maximale Polyfonie hat sich mit 128 Stimmen gegenüber dem Vorgänger verdoppelt.

Der Klangeindruck ist durchweg positiv. Dem aktuellen Trend zum Synthesizer wird Yamaha gerecht, indem diese Klangkategorie besonders ausgeweitet wurde. So werden auch nicht nur jüngere Zielgruppen angesprochen, wenngleich sich diese natürlich besonders freuen dürften. Von den beiden Echtzeit-Kontrollreglern profitiert man besonders beim Spielen mit Synthesizersounds, wo Änderungen der Cut­off-Frequenz, von Attack- oder Release-Phase eines Sounds zu typischen Stilelementen gehören. Auch in der Disziplin der Naturinstrumentenklänge schlägt sich die Klangerzeugung des PSR-S670 erwartungsgemäß gut. Bei den Blechbläsern fällt angenehm auf, dass ein neutralerer und damit universeller einsetzbarer Ton im Vordergrund steht und nicht Samples mit viel Vibrato, wie sie in der volkstümlichen Musikszene favorisiert werden.

Zur Klangveredelung stehen 44 Reverb- und 71 Chorus-Effekte bereit. In beiden Kategorien sind bis zu drei User-Prests einstellbar. In der DSP genannten Multieffektabteilung findet man 283 Presets; zwei User-Einstellungen sind speicherbar. Die Real-Distortion-Effekte fügen den Gitarrensounds ordentlich Schmutz hinzu und sorgen für noch nicht gekannten Klangrealismus in dieser Preisklasse. Die finale Klangabstimmung übernehmen ein Master-EQ und ein neuer Master-Kompressor, der einen großen Anteil am starken Sound des Lautsprechersystems, aber auch des Line-Signals aus dem Arranger-Keyboard hat. Gerade wegen der Effektabteilung kann sich das PSR-S670 mit so manch altem Top-Keyboard messen.

Styles

Die Begleitautomatik kommt ab Werk mit 230 Begleitmustern und bietet Yamaha-übliche Elemente: drei Intros, vier Variationen, vier Fill-ins, ein Break und drei Endings. Außerdem enthalten die Style-Dateien ab Werk vier so genannte One-Touch-Settings (OTS). Diese fertigen Registrierungen ruft man entweder über die OTS-Taster auf, alternativ wird mit jeder Main-Variation des Styles das damit verknüpfte OTS aktiv.

Nicht nur besondere Sounds bekommen bei Yamaha Namen, auch bei Styles gibt es Klassifizierungen. Der Großteil der Arrangements sind die so genannten Pro-Styles: 208 der PSR-S670-Styles gehören in diese Gruppe. Außerdem findet man 12 Session-Styles im Keyboard. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass die Arrangements durch Optionstöne, Verzierungen und harmonische Fortschreitungen erweitert sind.

Ganz neu im PSR-S670 sind die DJ-Styles. Diese enthalten fixe Akkordfortschreitungen. Es reicht, die Grundtonalität vorzugeben. Die DJ-Styles bringen außerdem je eine ganze Palette auf den Style abgestimmter Multi Pads mit. Durch die Style-Fortschreitung und die Multi Pads hat der Spieler schon die zentralen Elemente für einen Dance-Floor-Song parat und kann sich als Live-DJ positionieren. Mit der rechten Hand wirft man nun gelegentlich Synthesizer-Motive ein, ändert den Sound per Drehregler oder aktiviert den Retrigger-Effekt für das Maschinengewehr-Staccato des ersten Style-Schlags. Auch der Arpeggiator leistet gute Dienste. Es bleibt viel Raum zum Spielen, doch auf Dauer wird die Kreativität durch die fixen Akkordfolgen eingeschränkt. Hier wären universellere Styles, kombiniert mit einem Akkord-Sequencer/Looper die musikalischere Option.

Extras

Wie es sich für ein modernes Arranger-Keyboard gehört, verfügt auch das Yamaha PSR-S670 über eine ganze Reihe Zusatzfunktionen. Mit dazu gehört hier natürlich der MIDI-Sequencer, der standardkonform 16 Spuren aufzeichnen und wiedergeben kann. Etwa 300 KB pro Song stehen zur Verfügung. Da der interne Speicher nicht sehr groß ausfällt, greift man am besten auf einen USB-Stick zum Speichern und Abspielen zurück. Über USB gibt es auch eine Audio-Recording-Funktion: Das PSR-S670 kann WAV-Dateien in CD-Qualität auf USB-Sticks speichern und abspielen. Gespeichert wird das Summensignal, angeschlossene Aux-Quellen kommen also mit auf die Aufzeichnung.

Audio-Dateien lassen sich aber nicht nur per USB-Player wiedergeben. Die Multi Pads des Keyboards verfügen über die Audio-Link-Funktion, die einem Multi Pad eine auf USB gespeicherte Audio-Datei zuweist. Das kann ein kurzes Soundereignis sein oder ein ganzer Song. Per Multi Pads ist auch ein Synchro-Start mit Styles möglich. So kann man über einen Umweg auch zum Audio-Playback mit Style spielen. Das Tempo kann nicht synchronisiert werden, und man muss gut vorbereitet sein, damit Playback und Begleitautomatik nicht auseinander laufen.

Beim Vorgänger PSR-S650 führte Yamaha auch für die „kleinen“ PSR-S-Modelle die Erweiterung über Expansion-Packs ein. Davon profitiert auch das PSR-S670 und bringt im Vergleich zum Vorgänger einen doppelt so großen Speicher für zusätzliche Sounds, Styles, Multi Pads und Registrationen mit.

Registrationen sind ein wichtiges Werkzeug beim Arbeiten mit komplexen Instrumenten wie Arranger-Keyboards. Aus diesem Grund wurde der Registra­tionsspeicher im PSR-S670 erweitert. Früher konnten 64 Registrationen verwaltet werden, jetzt ist die Anzahl der Registrationen nur noch durch den eingesetzten USB-Speicher limitiert. Zusätzlich zu seinen Instrumenten bietet Yamaha iOS-Apps an, die das Arbeiten mit elektronischen Musikinstrumenten erleichtern sollen.

Abgerundet werden die Funktionen durch die Musikdatenbank Music Finder, einen Style Recommender, der passende Styles zu eingespielten Rhythmen findet, Transpositions- und Skalen-Werkzeuge und Editoren für eigene Sounds, Styles und Multi Pads.

Fazit

Mit dem PSR-S670 bringt Yamaha die Arranger-Keyboards der 700-Euro-Klasse weit nach vorne. Für das Gebotene musste man bis vor Kurzem noch einiges mehr ausgeben. Das Gesamtpaket stimmt: Sounds und Styles klingen druckvoll und frisch, das Lautsprechersystem hat richtig Power. Dank vieler praktischer Funktionen kann man am Instrument arbeiten, fast wie an großen Workstations – und für Spielspaß ist obendrein gesorgt.

Wertung

+ Schickes Design

+ Erstklassiges Lautsprechersystem

+ Tolle Sounds

+ Druckvolle Styles

+ Echtzeit-Kontroll­möglichkeiten

- Design könnte seitlich liegende Tasten beim Transport zur Schwachstelle machen

App für Keyboarder: Chord Tracker

Zeitgleich mit dem Arranger-Keyboard PSR-S670 stellt Yamaha eine neue kostenlose iOS-App für Keyboarder vor: Chord Tracker analysiert Musikstücke im Audio-Format und stellt den Titel in Taktstruktur dar. Der Clou: Die App stellt auch die Akkordstruktur des Titels dar, so dass man ganz leicht dazu spielen kann. Die Akkorde kann man sich in Keyboard-Griffen oder Noten anzeigen lassen. Die Stücke können außerdem transponiert werden, die Akkorde natürlich gleich mit. Wer zum Audio-Playback spielt, kann außerdem das Abspieltempo anpassen. Ist das Keyboard mit iPad oder iPhone verbunden, kann dessen Begleitautomatik direkt von der Chord-Tracker-App gesteuert werden. Wir konnten eine frühe Beta-Version der App in der Praxis erleben, die schon eine beachtliche Akkorderkennungsleistung zeigte.