Test Yamaha PSR-S970: Aufgewertet

Das PSR-S970 führt die Mittelklasse der Arranger-Keyboards von Yamaha an. Mit Kreativitäts-Werkzeugen wie Echtzeit-Controllern, DJ-Styles oder Audio fähigen Multi Pads wertet der Hersteller das Instrument auf.

Yamaha PSR-S970
Neue Bedienelemente und größeres Display – ansonsten bleibt Yamaha seiner ästhetischen Linie treu. (Foto: Yamaha)

Bei den neuen Arranger-Keyboards der PSR-S-Familie bricht Yamaha mit alten Traditionen – zum Wohl der Spieler. Waren früher nicht nur die Funktionen im Vergleich zum Flaggschiff Tyros reduziert, sondern auch Sounds und Effekte einfacher gehalten, verspricht der Hersteller heute Sounds und DSP-Effekte auf Tyros5-Niveau. Das PSR-S970 zeigt als Anführer der neuen Mittel­klasse, worauf sich Musiker freuen dürfen und wie Yamaha versucht, neue Spielerschichten für die Gattung Arranger-Keyboard zu begeistern.

Outfit

Optisch bleibt Yamaha seiner Linie treu, und zwar so weit, dass das Gehäuse des PSR-S970 fast identisch ist mit dem des Vorgänger-Keyboards PSR-S950 – abgesehen von den neuen Bedienelementen oder dem größeren Display. Das Design kann man als sachlich und schlicht beschreiben. Es wirkt bühnentauglich und professionell, allerdings vermitteln die Hartplastiktaster des kleinen PSR-S670 eine angenehmere Haptik als die Gummitaster seiner größeren Geschwister PSR-S770 und PSR-S970.

Zentrale Neuerung auf der Bedienoberfläche sind die beiden Drehregler links oberhalb des Pitchbend- und des Modulationsrads. Es lassen sich in Echtzeit Soundparameter verändern sowie Style-Spuren stumm schalten oder in DJ-Manier Styles retriggern. Die Regler sorgen nicht nur für mehr Spielspaß beim Musiker, sie erweitern auch die musikalischen Möglichkeiten dieses Arranger-Keyboards. Fast kommt so etwas wie Synthesizer-Feeling auf, denn besonders für die Synthesizer-Sounds bie­tet es sich natürlich an, in Echtzeit die Klänge zu verändern und auf diese Weise mehr Abwechslung und Leben in den eigenen Sound zu bringen.

Im Gehäuse sitzt ein potentes Stereo-Lautsprechersystem, das durch einen zweimal 15 Watt starken Digitalverstärker angetrieben wird. Das System entfaltet viel Kraft und Volumen, der Bass kann beeindrucken, und der Gesamtsound bleibt auch bei maximaler Lautstärke immer perfekt abgestimmt. Beim Gang auf die Bühne können die Lautsprecher im Utility-Menü abgeschaltet werden.

Die Tastatur verfügt über 61 anschlagdynamische Tasten. Etwas schade ist, dass man dabei auf Aftertouch verzichten muss, was noch zusätzliche spieltechnische Möglichkeiten eröffnen würde. Die Federeinstellung der Tastatur fällt relativ leicht aus, so dass man mit wenig Aufwand schnell Läufe spielen kann und Glissandi leicht von der Hand gehen. Beim Spielen der gut klingenden Pianosounds dürfte die Tastatur dagegen etwas mehr Widerstand entgegenbringen, aber das ist letztlich individuelle Geschmackssache.

Das sieben Zoll große TFT-Display löst mit 720 mal 400 Pixeln auf und ist aus jeder Spielposition gut ablesbar. Wie beim Vorgängermodell PSR-S950 fällt die Gestaltung der Bedienoberfläche aus: Style- und Voice-Kategorien sitzen nahe am Display und es wird die gesamte Instrumententiefe genutzt. Das schafft einerseits Platz für das Lautsprechersystem, andererseits verkürzt es auch die Wege, wenn man erst eine neue Kategorie aufruft und dann mit den schon immer direkt ums Display gruppierten Funktionstastern einzelne Styles oder Sounds aufruft. Die Taster der acht Registrationsspeicher, die vier Multi-Pads und die OTS-Taster sind rechts oberhalb der Tastaturmitte angesiedelt. Da diese Taster von den meisten Spielern mit der rechten Hand bedient werden, kommt auch dies dem Spielfluss entgegen.

Yamaha PSR-S970 Anschlüsse
Bei den Anschlüssen herrscht gewohnte Vielfalt. Neu ist der Aux-Eingang als Stereo-Miniklinkenbuchse. (Foto: Yamaha)

Die Anschlüsse bieten die vom Hersteller gewohnte Vielfalt: Das PSR-S970 verfügt links vorne über eine Kopfhörerbuchse. An der Rückseite findet man den Netzteilanschluss, es folgen zwei Pedalbuchsen und die Line-Ausgänge (Klinke, L/R). Jüngster Standard ist der Aux-Eingang in Form
einer Stereo-Miniklinkenbuchse. Es folgt ein Mic/Guitar-Eingang, dessen Pegel per Poti eingestellt und per Schiebeschalter von Mikrofon- auf Gitarren-Empfindlichkeit festgesetzt wird. Weiter geht’s mit MIDI-in/out und USB-to-Host- und USB-to-Device-Anschluss. Den Abschluss bildet der Video-Ausgang im VGA-Steckerformat. Per optionalem Drahtlos­adapter UD-WL01 kann das Keyboard mit iOS-Geräten kommunizieren, alternativ geht das auch über einen Lightning-zu-USB-Adapter. Der USB-Drahtlosadapter dient auch dazu, das Keyboard im eigenen WLAN über die Expansion-Manager-Software vom Computer aus mit neuen Sounds und Styles zu versorgen. Alternativ geht das über USB-Sticks, viel einfacher aber über Funk.

Sounds

Die Sound-Engine des PSR-S970 hat ab Werk 989 Panel-Voices (Klangfarben, deren Kategorien man direkt über die Bedienoberfläche erreicht) und 41 Drum/SFX-Kits im Angebot. Dazu gesellen sich 480 XG-Voices sowie die volle Palette an GM2- und GS-Klangfarben. Letztere sind für das Abspielen entsprechender MIDI-Files gedacht, damit man entsprechende Playbacks auch ohne extra Bearbeitung gleich hören kann. Langfristig lohnt sich hier aber die Bearbeitung, um das volle Potenzial des Instruments durch den Einsatz der höherwertigen Panel-Voices auszuschöpfen.
Yamaha verteilt wohlklingende Namen an verschiedene Kategorien von Sounds. In den Panel-Voices des PSR-S970 finden sich 131 Super Articulation Voices mit instrumententypischen Nebengeräuschen, außerdem 30 Mega Voices für lebendige Styles. Unter den weiteren Sounds finden sich 31 Sweet Voices, 74 Cool Voices und 89 Live Voices. Diese Soundkategorien sind jeweils aufwändiger gestaltet als Standardklangfarben und bringen ihrem Namen entsprechend besondere Wärme oder Durchsetzungskraft mit.

Von der Super-Articulation-Technologie profitieren besonders die Gitarren-Klangfarben, aber auch Saxofone, Trompeten und Streicher. Unter den Orgelsounds klingen die Klangfarben mit Super-Articulation-Technologie eindeutig am druckvollsten, für Flexibilität beim Registrieren sorgt daneben eine Zugriegelorgelsimulation. 30 vorregistrierte Presets dieser so genannten Organ Flutes sind hier an Bord. Registriert wird die Zugriegelorgel übrigens über die Tipptaster neben und unter dem Display.

Aufwändig gestaltete Natursounds sind aber erst die halbe Miete: Große Meriten verdient sich das PSR-S970 auch für seine Synth-Sounds, die nicht nur das obligatorische Schlager-Milieu abdecken. Es gibt zahlreiche Vertreter bissiger Leadsounds, präsenter Bässe und vielseitig einsetzbarer Sequencer- oder Padsounds. Unterstützt wird das Spiel dieser Klänge durch die integrierte Arpeggio-Funktion, die die typischen Synthesizer-Spielmuster aus den Workstations nun zu den Arranger-Keyboards bringt. Für Durchsetzungskraft aller Sounds sorgt die starke Effekteinheit des PSR-S970.

Audio-Demos zum Yamaha PSR-S970

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