Test Yamaha reface CP und YC: Vintage kompakt

Mit der reface-Serie zeigt Yamaha die eigene Chronik im neuen Gewand: Keyboardsounds der letzten vier Jahrzehnte sind nun in Form kleiner, leistungsstarker Tasteninstrumente überall spielbar. Hier im Fokus stehen reface CP und reface YC, die auf Piano und Orgel spezialisiert sind.

Mit seinem roten Gehäuse ist das auf Orgelsounds spezialisierte Yamaha reface YC ein Hingucker; als kleines Schwarzes präsentiert sich das Piano-Keyboard reface CP. (Foto: Yamaha)

Aus groß mach klein – so lautet der aktuelle Trend der Musikinstrumenten-Branche. Nach Korg, Roland und weiteren Firmen bringt auch Yamaha kleine Tasteninstrumente, die ein beacht­liches Innenleben haben. Die reface-Serie besteht aus vier Keyboards, die sich jeweils an einem Vorbild orientieren: Während reface DX und CS auf Synthesizer-Klassikern beruhen, rekonstruieren die Modelle CP und YC den Sound elektronischer und elektromechanischer Tasteninstrumente. Auf den ersten Blick verortet man die winzigen Produkte in der Spielzeugabteilung: Sind das einfach nur nette Gadgets oder taugen sie als Musikinstrumente? Anhand der Modelle CP und YC gehen wir dieser Frage nach.

Outfit

Die Kürzel CP und YC stehen bei Yamaha schon lange für Piano und Orgel. Der Konzern brachte 1976 die ersten Bühnenklaviere der CP-Serie heraus, bereits 1969 erschienen die ersten YC-Orgelmodelle. Mit seinem roten Gehäuse – ähnlich der früheren Transistor-Orgeln – ist das reface YC ein Blickfang. Das knapp zwei Kilogramm leichte Keyboard besitzt 37 anschlagdynamische Minitasten. Per Slider lassen sich die Lagen um zwei Oktaven auf-/abwärts verschieben.

Die reface-Geräte besitzen jeweils ein internes Stereo-Lautsprechersystem, außerdem ist Batteriebetrieb möglich. Per USB und MIDI können die Geräte mit der Außenwelt kommunizieren. Gut für den professionellen Live-Einsatz ist der Stereo-Ausgang mit 6,3-mm-Klinkenbuchsen; einen Kopfhöreranschluss sowie einen Aux-Eingang (Miniklinkenbuchsen, stereo) gibt es außerdem.

Sounds

Sowohl CP als auch YC basieren auf einer Sample-Tonerzeugung (AWM) mit insgesamt 128 Stimmen. Beim reface CP kommt wie beim großen Bruder Yamaha CP1 noch ein weiteres Klangverfahren, das „Spectral Componet Modeling“, zum Einsatz. Yamaha reface CP meistert Pianoklänge. Per Drehschalter abrufbar sind das Fender Rhodes in zwei Abstufungen (obertonarm, transparent), ein Wurlitzer, das Hohner Clavinet, ein Toy Piano sowie der halbakustische Bühnenflügel Yamaha CP80. Akustische Klaviere für klassische Musik und das brillante „FM Rhodes“ bleiben außen vor.

Fünf verschiedene Orgelmodelle sind beim reface YC wählbar. Der klassische Sinusklang nach dem Vorbild der Hammond-Orgel wird komplettiert durch nicht weniger als vier unterschiedliche Charaktere bekannter Transistor-Orgeln (Yamaha, Farfisa, etc.) der 60er- und 70er-Jahre. Die beim Solospiel geschätzte Percussion auf den Fußlagen 4’ und 2 2/3’ mit variabler Länge ist ebenso vorhanden wie ein Vibrato- und Chorus-Effekt.

Perfektioniert wird der Grundsound in einer se­paraten Effektsektion. Beim CP können bis zu fünf Effekte gleichzeitig verwendet werden. Im Angebot sind Drive, Tremolo, Wah, Chorus, Phaser, Delay (Analog/Digital) und ein Reverb. Das reface YC bietet die erwartete Leslie-Simulation neben Distortion und Hall in guter Qualität.

Beide reface-Modelle bestechen durch fantastische Klangqualität. Ein Tipp für eigene Tests: Beim Anspielen im Fachhandel sollten Sie auf Studio-Monitore bestehen oder Kopfhörer verwenden. Über die internen Lautsprecher kommt der ausgewogene Sound kaum zum Tragen. Der variable Klang reicht bei beiden Modellen von direkt und klar über breit und warm bis rotzig und verzerrt. Fast alle in Jazz, Rock und Pop zeitlos gewordenen E-Piano- und Orgelsounds sind mit hiermit einfach rekonstruierbar.

Praxis

Auch wenn die Tasten keine Normalgröße haben, lassen sie sich relativ angenehm und beim reface CP dynamisch differenziert spielen. Das Anschließen einer externen MIDI-Tastatur zeigt, dass die Klang­erzeugung des CP mehr zu bieten hat, als die eigene Klaviatur ermöglicht. An der Rückseite sind Fußschweller bzw. Haltepedal anschließbar. Die Bedienung erweist sich trotz fehlender Displays und Speicherplätze als praktisch. Dies liegt an der Bedienoberfläche selbst, die viel zum Anpacken bietet: Neun „Zugriegel“ (Schieberegler) für die Orgel und weitere Bedienelemente liegen gut in der Hand. Sie bieten einen simplen wie wirkungsvollen Zugriff auf die einzelnen Soundkomponenten. Mit speziellen Tastaturbefehlen können die internen Lautsprecher deaktiviert oder andere Funktionseinstellungen erledigt werden. Alle Klangdaten lassen sich mit einer kostenfreien iOS-App (reface Capture) für iPad und iPhone einfangen, speichern und auch mit anderen Anwendern online tauschen. Das angekündigte Portal „Soundmondo“ zum Datentausch mit Musikern weltweit lässt aber leider bis zum Redaktionsschluss noch auf sich warten.

Fazit

Miniatur-Keyboards haben aktuell Konjunktur, und Yamaha mischt mit reface gekonnt mit. Die Geräte sind schick, leistungsstark und mobil. Die Spielbarkeit des CP könnte angesichts der Möglichkeiten der Klangerzeugung etwas besser ausfallen. Dennoch ist es ein praktisches Reiseklavier fürs Hotelzimmer. Das CP ist in der Summe sehr gelungen, als Favorit geht aber das reface YC aus dem Test hervor. Mit seiner profunden Ausstattung samt Pseudo-Zugriegeln ist dieses Mini-Keyboard auf dem Markt derzeit konkurrenzlos. Eine solche Orgel macht sich für den Schreibtisch ebenso gut, wie als zusätzliches Gerät im Live-Setup. Insgesamt entpuppen sich alle reface-Modelle als ernsthafte Instrumente. Sie haben vor allem einen überragenden Basisklang und punkten auch bei der Klangvielfalt. Intuitive Bedienung und authentischer Sound rechtfertigen die Preisempfehlung von deutlich über 400 Euro. Wer sich die beliebten Vintage-Keyboards im Kompaktformat wünscht, sollte Yamahas Quartett unbedingt einmal selber anspielen.

Wertung

+ Überzeugender Klang

+ Einfache Bedienung

- Klangdaten-Tausch per App

- Spielbarkeit durch Tastatur eingeschränkt (reface CP)