Tipps für Online-Auktionen: Ärger vermeiden

Mehrere tausendmal fällt in Deutschland jeden Tag der Hammer – der ­virtuelle Auktionshammer wohlgemerkt. Aber was ist zu tun, wenn der Kauf im Online-Auktionshaus einmal nicht so reibungslos vonstatten geht? In diesem Workshop-Special bieten wir Ihnen wichtiges Hintergrundwissen für Schnäppchenjäger.

Tipps für Online-Auktionen
(Foto: Shutterstock)

Ich gebe es zu, ich bin verliebt. Nicht etwa in eine Dame, sondern in ein kleines Stückchen Studioelektronik. Und mit meinem „Fetisch“ bin ich nicht allein – mit mir suchen jeden Tag Hunderte Menschen im Web nach alten Studiolegenden, aber auch brandneuen Equipment-Highlights und bieten, was das Zeug hält. Dabei treffen sie auf viele Studio­freaks, die genauso wie sie ihr Equipment verändern wollen, sowie auf seriöse Händler, die Auktionsplattformen als Webshop nutzen – aber auch auf einige schwarze Schafe. Und um die soll es in diesem Artikel gehen. Und natürlich darum, wie man sich vor ihnen schützen kann.

Traum-Gear günstig abzugeben

Auf der Suche nach einem Misch-Controller für mein Studio fasste ich die Mackie HUI ins Auge. Eine etwas betagtere DAW-Lösung, die aber alles bot, was ich von einem entsprechenden Gerät erwarte: 8 Motorfader, integrierter Monitor-Controller mit Talkback und sogar zwei edle Mikrofon-Vorstufen. Schnell recherchierte ich im Netz, dass diese Grand Dame der DAW-Steuerung gebraucht und in ordentlichem Zustand für etwa 450 bis gut 500 Euro verkauft wird.

Ein guter Deal

Auf eBay fand ich dann eine HUI von einem privaten Verkäufer, der bereits viel Studio­equipment verkauft hat. Die Beschreibung war knapp, die Fotos bestenfalls OK und ich störte mich etwas an dem deutlichen Hinweis „Privatverkauf daher keine Rück­nahme“ [sic!], der bereits im dritten Satz kam. Aber der Verkäufer schrieb auch „Gerät ist gebraucht, hat bis zuletzt funktioniert! War nur wenig im Gebrauch!“ [sic!] – und so war ich mir schließlich sicher, dass der Controller in einem altersgerechten Zustand sein würde, aber auch einwandfrei funktioniert. Zudem konnte ich das gute Stück zu einem günstigen Preis ersteigern und zahlte umgehend per PayPal.

Das teure Schnäppchen

Als die Mackie HUI bei mir ankam, war ich bereits etwas enttäuscht. Das Gerät war lieblos in einen Computerkarton gestopft, weder Handbuch noch ein Netzkabel befanden sich im Lieferumfang. Und es wurde noch unerfreulicher: Das Gerät roch nach Keller und zeigte bereits im Selbsttest (dem sogenannten „Vegas Mode“), dass einige Motorfader nicht mehr richtig liefen. Zudem wurden an einigen Display-Segmenten Hieroglyphen an­gezeigt, die der Hersteller so sicher nicht gewollt hat. Von „[…] hat bis zuletzt funktioniert“ konnte also, wenn überhaupt, nur bedingt die Rede sein.

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Woran erkenne ich ein seriöses Angebot?

  • Eine weiße Weste: Der Verkäufer hat sich bei der Beschreibung des Angebots und bei den Fotos Mühe gegeben. Das bedeutet, dass er den Artikel schätzt und dieser nach wie vor einen gewissen Wert für ihn hat. Darüber hinaus hat der Verkäufer ausschließlich positive Bewertungen. Wenn bei der Auktion vorher schon etwas schiefgegangen ist, trifft’s vielleicht auch Sie.
  • Patina kontra Elektroschrott: Der Verkäufer sichert einen einwandfreien Zustand des Geräts zu. Im Zweifel sollten Sie sich eine Bestätigung per Nachrichten-Funktion holen. Kratzer oder Beschä­digungen (wie ein defektes Poteniometer) sind – falls vorhanden – genau beschrieben und wenn möglich fotografiert. Gerade alte Sachen dürfen etwas Patina haben – halten Sie sich aber von Elektroschrott fern!
  • Video als Beweismittel: Die Fotos zeigen den beschriebenen Artikel im eingeschalteten Zustand und nach Möglichkeit in Betrieb. Im Zweifel bitten Sie den Verkäufer, ein kleines Video zu drehen, das die zugesicherten Funktionen demonstriert. Das ist in Zeiten von Smartphones kein Problem und bei mehreren Hundert Euro Kaufpreis nicht zu viel verlangt.
  • Persönlich ausprobieren: Im Fall, dass der Verkäufer „Barzahlung bei Abholung“ oder vielleicht sogar eine persönliche Demonstration vor Auktionsende zusichert, sind Sie fein raus. Verabreden Sie sich zu einem gemeinsamen persönlichen Termin und lassen Sie sich das gewünschte Gerät in aller Ruhe zeigen. Probieren Sie es selbst! Verkäufer, die nichts zu verbergen haben, werden sich dafür gerne Zeit nehmen.
  • Käuferschutz: Der Käuferschutz von PayPal ist leider nicht ganz so einfach, wie es uns die bunte Werbung weismachen will. Dennoch sichert Ihnen die Bezahlung per PayPal ein gewisses Maß an Support zu, sollte es nach der Auktion einmal etwaige Unstimmigkeiten geben.