Urheberrechte ausgeschiedener Band-Mitglieder

In diesem Workshop geht es um die CD-Produktion, nachdem ein Mitglied die Band verlassen hat. An gemeinsam komponierten Songs hält dieses Mitglied auch Urheberrechte, und wir klären, welche Folgen dies bei der CD-Veröffentlichung hat.

Eine Band ist kein Projekt auf ewig, und es kommt vor, dass ein oder mehrere Mitglieder sich neu orientieren und eine Musikformation verlassen. In der letzten Folge dieses Workshops haben wir uns mit der Frage beschäftigt, ob es Probleme bei der Auswertung von gemeinsam hergestellten Musik-Aufnahmen geben kann, wenn ein oder mehrere Mitglieder einer Musikgruppe diese später, nach Anfertigung der Aufnahmen, verlassen.

Als Auswerter benötigt man – wie in der letzten Folge dargestellt – alle erforderlichen Rechte. Dies sind insbesondere die Leistungsschutzrechte des Tonträgerherstellers, die Leistungsschutzrechte der ausübenden Künstler (Musiker) und die Urheberrechte des Komponisten und des Texters. Nachdem im vorigen Workshop die Frage der Leistungsschutzrechte behandelt wurde, geht es dieses Mal um den Themenkreis der Urheberrechte.

Nicht wider Treu und Glauben

In Paragraf 8 des Urheberrechtsgesetzes ist geregelt: Schaffen Mehrere ein Werk (also einen Song) gemeinsam, ohne dass sich ihre Anteile gesondert verwerten lassen, sind sie Miturheber des Werkes. Im selben Paragraphen findet sich dann auch diese Regelung: „Ein Miturheber darf … seine Einwilligung zur Veröffentlichung, Verwertung oder Änderung nicht wider Treu und Glauben verweigern“.

Das bedeutet: Wenn der Musiker, der die Band mittlerweile verlassen hat, nicht an der Komposition oder dem Text mitgewirkt hat, ergeben sich grundsätzlich keine Probleme bezüglich der urheberrechtlichen Komponente bei der Auswertung der Aufnahmen. In diesem Fall hat das ausgeschiedene Mitglied keine Urheberrechte erworben und kann somit solche auch nicht geltend machen.

Hat er oder sie jedoch an der Komposition und/oder dem Text mitgeschrieben, kann das Werk auf Grund der Treu-und-Glauben-Regelung grundsätzlich genutzt werden. Es sei denn, es sprechen gewichtige Gründe dagegen. Dies wird wohl bei den gängigen Nutzungen wie Vervielfältigung auf einem Tonträger (CD), einer digitalen Nutzung (Download, Streaming) etc. häufig kein Problem sein. Im Einzelfall sollte es dennoch gesondert geprüft werden.

Eine besondere Art der Nutzung ist jedoch beispielsweise die Verwendung von Musik im Zusammenhang mit Werbung oder einem Film, wenn also ein Bild bzw. ein Film mit Musik unterlegt ist (das so genannte Sync-Right, Filmherstellungsrecht). Hier ist grundsätzlich die Zustimmung aller Urheber erforderlich; deshalb muss in diesem Fall unbedingt die Zustimmung auch der ausgeschiedenen Bandmitglieder eingeholt werden, sofern diese Urheberrechte erworben haben.

Rechteinhaber am Erlös beteiligen

Außerdem gilt: Wenn das ausgeschiedene Band-Mitglied Miturheber ist, dann muss dieses auch an den Erlösen aus der Verwertung des Werkes (z.B. Zahlungen der GEMA, Sync-Vergaben etc.) beteiligt werden. Die Höhe richtet sich nach dem Urheberrechtsanteil an der Schöpfung des Werkes. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Anteile der einzelnen Miturheber an dem Werk frühzeitig festzulegen. Mehr zu diesem Themenkreis lesen Sie in der Workshop-Folge zur Miturheberschaft aus Ausgabe 6/2012.

Auf den Punkt gebracht

 

  • Komponieren/texten mehrere ein Musikstück zusammen, sind sie Miturheber
  • Ein Miturheber darf seine Einwilligung zur Veröffentlichung, Verwertung oder Änderung nicht wider Treu und Glauben verweigern
  • Gängigen Nutzungen wie Vervielfältigung auf Tonträger (z.B. CD), digitale Nutzung (Download, Streaming) etc. sind meist kein Problem
  • Für den Einsatz von Musik in Werbung oder Film ist grundsätzlich die Zustimmung des/der Urheber erforderlich
  • Jeder Miturheber ist entsprechend seinem Urheberrechtsanteil an der Schöpfung des Werkes an den Erlösen aus der Verwertung des Werkes zu beteiligen