Wolfgang Schulz über das ideale PA-System: Warum der richtige Aufbau die halbe Miete ist

Als Produktmanager HK Audio bei Music & Sales kennt sich Wolfgang Schulz bestens mit PA-Systemen aus. Wie man die passende Anlage findet und aufbaut, verrät er im tastenwelt-Interview.

Wie findet man als vielseitiger Unterhaltungsmusiker, der in verschiedenen Formationen spielt, eigentlich das passende PA-System für sich?

Zunächst einmal sollten wir die Größe „Anzahl der Musiker in einer Formation“ von der Größe der zu bespielenden Zuhörerfläche (nicht verwechseln mit Saalgröße) trennen. Unabhängig vom Monitoring muss die PA ja für diese Fläche den gewünschten Schalldruck mit ausreichendem Dynamikumfang erzeugen. Es gibt zwei grundsätzliche Entscheidungskriterien: den benötigten Wirkungsgrad bzw. Dynamikumfang und die gewünschte Flexibilität.

Ist die Lösung praktikabel, ein für den Durchschnitt etwas zu großes System zu kaufen, damit man im Bedarfsfall gewappnet ist?

Ich denke ja, denn ein gewisser Headroom muss sein, wenn’s immer gut klingen soll. Wir müssen davon ausgehen, dass ein System oberhalb des idealen Arbeitsbereichs immer schlechter klingt als ein etwas größeres System, mit dem die Anforderungen an den gewünschten Sound leicht umzusetzen sind. Viele Anwender machen den Fehler und kaufen kleine Systeme und reizen die dann immer voll aus oder überfahren sie. Im Ergebnis nimmt man dann höhere Klirrfaktoren und Verzerrungen in Kauf – es ist laut, klingt aber nicht wirklich gut. Außerdem tut eine dauernde Überlastung kei-nem Speaker gut.

Wie leistungsfähig muss so ein System sein?

Sowohl einzelne Unterhaltungsmusiker als auch Gala- und Coverbands arbeiten am frühen Abend in der Regel mit einem anderen Pegel als nach dem Dinner, wenn die Party richtig losgeht. Auch der Umgebungspegel durch die lockere Stimmung bei den Gästen steigt dann. Selbstverständlich muss die Anlage den höchsten Anforderungen genügen. Wer glaubt, um Mitternacht 200 Leute mit einer L.U.C.A.S Smart rocken zu können, der irrt. Aber dafür gibt es Systeme unterschiedlicher Größe.

Was wäre Ihr Ideal einer Beschallungsanlage für die beschriebene Zielgruppe?

Wenn es um eine ideale Kombination aus hoher Flexibilität mit einem ausreichend hohen Dynamikumfang geht, sollte man auf modulare Systeme zurückgreifen. Das sind Systeme, die man durch die Anzahl der gleichen Komponenten vergrößern und damit die Gesamtleistungsfähigkeit steigern kann. Bei diesen Überlegungen stehen Wirkungsgrad des Systems, homogene Schallverteilung, Vermeidung von störenden Reflexionen durch eine möglichst gerichtete Abstrahlung und Sprachverständlichkeit, gute Bedienbarkeit, einfacher Aufbau und Bedienung nach wie vor an erster Stelle.

Gibt es die modulare PA, deren Größe und Zusammensetzung man nach Bedarf variieren kann?

Derzeit bietet der Markt hier kaum schlüssige Lösungen an – die meisten Systeme sind nicht ohne weiteres erweiterbar. Idealerweise gäbe es Systemkomponenten, die man akustisch und mechanisch so kombinieren kann, dass der Wirkungsgrad zunimmt, ohne dass es akustische Nachteile gibt.

Wie müsste man sich das praktisch vorstellen?

Beispiel: Zwei direkt nebeneinander aufgestellte Topteile mit einer horizontalen Horncharakteristik von 75 Grad oder mehr führen in jedem Aufstellwinkel zu störenden Auslöschungen im Hochtonbereich. Man hat zwar die Leistung zweier Topteile, aber deswegen nicht automatisch die doppelte akustische Leistung. Je geringer der horizontale Abstrahlwinkel (z.B. 30 oder 40 Grad), desto besser kann man sie miteinander kombinieren. Aber dann funktionieren die Boxen nicht mehr als einzelnes Topteil. Mit 60 Grad horizontalem Abstrahlwinkel hat man hier einen vernünftigen Kompromiss.

Braucht man auf der Bühne ein Stereo-System?

Wer ist „man“ und was bedeutet „auf der Bühne“? Es gibt hier keine pauschale Antwort. Beide Systeme haben Vor- und Nachtteile.

Welche?

Bei Monosignalen kommt der Schall aus einer Richtung, es gibt keine Laufzeitunterschiede. Es ist aber schwieriger, ein transparentes und offenes Stereobild im Soundmix zu erzeugen. Eine klassische Monoquelle hat auch den Nachteil, dass sie in einem Raum idealerweise mittig und beim Musiker aufgestellt sein muss, der optisch und akustisch eine einzelne Punktquelle darstellt. Stellt man ein Mono-PA-System neben die Bühne vom Musiker weg, sind Musiker und Schallquelle getrennt. Das wirkt auf das Publikum merkwürdig.

Stereo-Systeme haben also die Nase vorn?

Um vor einer Bühne eine größere und vor allem breitere Publikumsfläche zu beschallen, hat der R/L-Stereoaufbau Vorteile. Man ist flexibler beim Aufbau, hat die Möglichkeit, den Mix transparenter und offener zu gestalten und die Abstrahlung des Systems mehr auf den Raum anzupassen. Es gibt aber leider auch Laufzeitunterschiede außerhalb des akustischen Zentrums. Man kann aber einen breiten Mix mit mehr Dynamik und Transparenz schaffen. Beim Platzieren von echten Stereosounds von Keyboards und Effekten dient das Stereobild dazu, den Sound offener und transparenter zu gestalten. Und natürlich schafft man mit dem Panorama auch Platz für die Stimme, die ja immer aus der Mitte kommen sollte.

Haben PA-Konstrukteure daraus irgendwelche Konsequenzen gezogen?

Bei unseren L.U.C.A.S-PAs haben wir aus den genannten Gründen den Subwoofer mono und die Tops stereo ausgelegt. Die tiefen Frequenzen werden nämlich kugelförmig abgestrahlt, und eine Monoquelle ist hier einfacher zu handeln. Beim Mittel-Hochton macht es dagegen Sinn, eine Box auf bestimmte Flächen auszurichten. Bei einer sehr breiten Abstrahlung funktioniert das aber nicht, denn damit beschallt man den Raum auch dort, wo man gar nicht hin will, z.B. an reflektierende Wände.

Wie plant man Größe und Aufbau einer PA bei Anlässen wie Hochzeiten und Familienfeiern?

Am wichtigsten ist es, im Vorfeld beim Veranstalter die Rahmenbedingungen zu klären: wie viele Leute, die angebotene Position für den Aufbau und die Architektur des Raums, also Position und Größe der Bühne, Deckenhöhe, Tanzfläche und Bestuhlungsplan, aber auch der geplante Verlauf der Veranstaltung. Wenn es neben dem Hauptraum noch andere Bereiche gibt, die zu beschallen sind, braucht man dafür zusätzliche Boxen, die man mit einer Monosumme versorgt.

Wie wird die PA dann aufgebaut?

Die Topteile des PA-Systems sollten nie hinter dem Musiker stehen. Musiker kontrollieren sich manchmal selbst über die PA mit, und aufgrund dieser Aufstellung erhöht sich die Feedbackgefahr. Außerdem kann man dann die richtige Lautstärke fürs Publikum nicht einstellen, ohne den eigenen Sound zu stark verändern. Mit der PA sollte nur das Publikum bzw. die Tanzfläche beschallt werden, auch nicht Decken und Wände. Also auf die bestmögliche Ausrichtung achten! Außerdem dürfen keine Kabel im Publikumsbereich herumliegen, und das System muss standsicher aufgebaut sein. Am Stromnetz sollten keine Küchen- oder Lichtgeräte hängen. Das System darf das Bild eines geschmückten Raums nicht stören. Für sich selbst sollte man einen kleinen separaten Monitor nutzen, das PA System nur für die Gäste.

Wie würden Sie die PA in einem typischen Saal bzw. Mehrzweckraum aufbauen?

R/L neben der Bühne, Bässe je nach Bühnenhöhe eventuell auch zusammen als Cluster oder besser bei mehreren kleinen Bässen als Linie unter die Bühne, wenn vorhanden. Die Topteile hoch (über die Köpfe) und je nach Charakteristik ausrichten und neigen (Stichwort: HK Audio Duotilt). Separates Monitoring für die Musiker und die Bühnenlautstärke auf Minimum halten. Außerdem auf ausreichende Stromversorgung mit eigener Phase achten.

Wie sieht’s in einer Musikkneipe aus?

Tops hoch genug und schräg stellen, damit die Leute direkt vor der Bühne nichts verdecken. Die Anlage nicht zu weit entfernt von den Musikern, da der Bandsound ja stark mit der PA zusammenspielt. Die Tops dabei aufs Publikum richten, also nicht eindrehen, damit der Sänger sich darüber noch hören kann. Wenn es in einer kleinen Kneipe voll ist, bringt auch eine 2,20 m lange Säule keine Vorteile, weil eher die Brust und Jeans der Leute vor der Bühne beschallt werden. Die Leute weiter hinten hören gar nichts.

Welche Grundregeln können Musiker beim Mixing beachten, die nicht über das geschulte Ohr eines Toningenieurs verfügen?

Zunächst das System möglichst gut positionieren und alle Ausspielwege checken. Ich würde jedem empfehlen, immer zuerst die Stimmen zu prüfen und diese immer mono zu betreiben - außer Chorstimmen, die dürfen gerne etwas im Stereo-Panorama angelegt werden. Werden die Stimmen sauber übertragen, legt man die anderen Instrumente in den Mix und verteilt sie leicht im Stereobild, aber so, dass an jeder Position noch alles hörbar ist. Vor heftigen R/L-Einstellungen mit dem Panoramaregler kann ich nur warnen. Außerdem erzeugen einige Instrumente schon Sound auf der Bühne (Gitarre, Bass), und man muss die Bühnenlautstärke in sei-nen Mix mit einbeziehen. Die goldene Regel lautet: Je leiser die Bühne, desto besser klingt’s nach vorne. Beim Mikrofonieren muss man auf die richtige Position und Charakteristik des Mikros achten. Vorsicht auch mit Effekten: Zuviel Effekt lässt den Grundsound versumpfen, und es klingt weder angenehm druckvoll noch transparent.

Welchen Anteil hat der Musiker am guten Sound?

Die wichtigste Regel lautet: Der Sound wird vor dem Mikro gemacht! Gute gestimmte Instrumente in einer aufeinander eingespielten Band klingen vom Ansatz her schon gut und sind leichter zu mixen. Je mehr man am System kurbeln muss, desto schlechter wird das Gesamtergebnis.

Werden Controller in kleinen PAs eine wichtigere Rolle spielen als die Konstruktion der Boxen?

Moderne Controlling-Konzepte können gut entwickelte Passivboxen noch ein Stück verbessern. Der umgekehrte Weg, eine schlecht entwickelte Box mit viel Elektronik aufzuwerten, funktioniert nicht. Bei uns steht die Akustikentwicklung der Box mit Gehäuse, Speaker, Horn und Weiche am Anfang jeder neuen Box, und diese Kombination wird erst einmal ausgereizt. Erst dann verbessern wir kleine Details durch Eingriffe mit der Elektronik durch zusätzliche Filter, die mit einer Passivweiche zu teuer oder nicht genau genug umgesetzt werden können. Was am Ende zählt, ist das optimale Zusammenspiel einer professionellen Boxenentwicklung mit leistungsfähiger Elektronik.

Was halten Sie von Säulensystemen und den Vorteilen, die man damit in Verbindung bringt?

Sehr viel, aber der Teufel steckt auch hier wirklich im Detail. Bei einem Monosystem mit mehr als 130 Grad horizontaler Abstrahlung sind Anregungen des Raums unvermeidbar. Außerdem lässt durch die Breite der Abstrahlung die Sprachverständlichkeit auf größere Distanzen immer noch stark nach, da gibt’s Verbesserungspotential. Die Dynamik vieler Säulensysteme lässt zu wünschen übrig, viele klingen nach meiner Erfahrung schnell harsch und bissig. Die Säulensysteme, die ich kenne, sind auch nicht skalierbar, es gibt nur eine vordefinierte Form und Anzahl Lautsprecher und damit auch ein definiertes Abstrahlverhalten. Eine optimale Anpassung an die Bedürfnisse des Musikers und des zu beschallenden Raums sind nicht möglich. Abgesehen von den hohen Anschaffungskosten sind die meisten Säulensysteme auch nicht fullrange-tauglich und verfügen nicht über genügend Dynamik.

Ist bei HK Audio ein Säulensystem in Planung?

Ja, wir arbeiten an entsprechenden Lösungen und werden sie bald präsentieren. Man darf schon mal gespannt sein.