Workshop Bühnenlicht (2): Bewegtes Licht

In dieser Workshop-Folge geht es nun um bewegtes Licht für die Bühne und Tanzfläche. Sie erfahren, welche Gerätegattungen es gibt und welche vor allem für kleinere Formationen sinnvoll sind.

In der ersten Folge dieses Workshops ging es um statisches, also unbewegtes Licht. Sie haben gesehen, dass sich die Bühne einer Duo- oder Trio-Besetzung bereits eindrucksvoll und mit wenig Aufbauaufwand in schöne Farben tauchen lässt. Jetzt kommt Bewegung ins Spiel: Wanderndes Licht auf der Tanzfläche erzeugt einen nachhaltigen Eindruck bei Gästen und Veranstaltern.

Ein Blick in die Licht-Kataloge der Hersteller und großen Versandhäuser zeigt die Vielzahl an heute erhältlichen Gerätschaften: Movingheads, Scanner, Strahlen- und Flowereffekte, traditionelle Spiegel­kugeln und solche mit integrierter Lichtquelle, dazu Wasser- und Polarlicht-Simulationen, Showlaser und Cluster- bzw. Gratinglaser.

Nebelgeräte und Dunsterzeuger

Für viele Effekte ist es unumgänglich, Nebelmaschinen oder Hazer einzusetzen, damit die Strahlenverläufe sichtbar werden. So ist ein Lasertunnel ohne Nebel eben nur ein farbiger Kreis, der ins Publikum hinein blendet, ein Moonflower-Effekt nur eine Ansammlung von Punkten, die sich auf dem Tanzboden bewegen. Um Lichtstrahlen sichtbar zu machen, muss das Licht gebrochen werden. Da heutzutage in den meisten Locations nicht mehr geraucht wird, muss mit diesen Geräten nachgeholfen werden.

Und da kommt dann oftmals auch schon die erste Hürde, weil die mittlerweile recht strengen Brandschutzbestimmungen den Einbau von Brandschutzmeldern in Restaurants, Kursälen oder Abendbars vorschreiben. Nun gibt es zum einen die günstigen Geräte, die bei Rauch bzw. Nebel anschlagen, und die teueren Anlagen, die auf Wärme reagieren. Häufig werden die billigeren Rauchmelder installiert. Sie sollten vor einem Auftritt mit dem Inhaber überlegen, wo die Band am besten steht, damit die kleinen Biester nicht während des Auftritts losgehen. Unsere Band verwendet Dunsterzeuger bzw. Hazer, wie etwa Antari HZ-400 oder FM-200H von IMG Stage Line. Diese Geräte erzeugen keinen richtigen Nebel, sondern einen sehr feinen und transparenten Dunst – gerade genug, um die Lichtstrahlen sichtbar zu machen, ohne empfindlichere Gäste zu verärgern.

Movingheads und Scanner

Lichteffekte wie Movingheads und Scanner sind je nach Ausführung vielseitig einsetzbar und bieten in kleinen Gruppen aufgestellt ein tolles Bühnenbild und/oder bringen viel Bewegung auf die Tanzfläche. Die Funktionen unterscheiden sich je nach Ausführung. Alle besitzen Farbräder oder LED-Farbmischfunktionen und sogenannte Goboräder mit verschiedenen Mustern (Spiralen, Sterne, Kreise, Punkte), die in verschiedenen Farben etwa auf den Boden der Tanzfläche oder an eine Wand projiziert werden.

Die Gobos sind aus Metall oder Glas gefertigt und teilweise austauschbar, so dass sich Eigenkreationen wie das Bandlogo werbewirksam an die Wand beamen lassen. Bei Scannern übernehmen Spiegel die Ablenkung des Lichtstrahls; bei Movingheads wird der komplette Gerätekopf bewegt, was Schwenken um bis zu 540 Grad und Neigen von bis zu 270 Grad möglich macht. So lassen sich große Bereiche effektvoll ausleuchten. Außerdem sind die kopfbewegten Scheinwerfer nicht an ein Traversensystem gebunden, sondern lassen sich bequem auf dem Boden platzieren.

Manche Ausführungen erlauben Strobe-Effekte, Mehrfach-Facetten-Prisma (ein Muster wird in mehrere Gleiche aufgeteilt), Shaking (Wackeln des projizierten Gobos) oder rotierende Gobos. Auch hier hält die LED-Technik Einzug in den Bühnenalltag. Movingheads und Scanner gibt es je nach Einsatzgebiet und Geldbeutel mit 10 Watt bis zu über 200 Watt (Beispiel: Phantom 225 LED von Showtec).

Ähnlich wie Movingheads produzieren die kopfbewegten Washer viele Farben, aber keine Muster. Sie eignen sich gut, bestimmte Bereiche der Bühne und Tanzfläche DMX- oder musikgesteuert zu beleuchten. Manche LED-Washer haben bauartbedingt geringere Abstrahlwinkel von etwa 10 bis 25 Grad und sind größer im Durchmesser als die herkömmlichen Movingheads. Wir benutzen kleine Washer von IMG Stage Line (WASH-40LED WASH-40LED WASH-40LED), die wenig Platz beanspruchen und mit ihren 70-Watt-RGBW-LEDs ordentlich Licht machen.

Verschiedene Lichteffekte

Eine Bereicherung für die Showbühne sind Strahleneffekte wie Moonflower, Fächereffekte wie der Double Derby von LightmaXX oder Matrixeffekte wie der REVO IV von ADJ . Diese gibt es mittlerweile in etlichen Variationen und auch in Kombination unter­einander. Als Tanz- und Unterhaltungsmusiker sollte man sie mit Bedacht einsetzen und die Klientel im Auge behalten: Weniger ist in jedem Fall mehr!

Seit den 1970ern nicht mehr von der Bühne wegzudenken sind die Disco- oder auch Spiegelkugeln. Sie werden durch Punktstrahler angeleuchtet – was den Aufwand erhöht, weil nicht nur die Kugel bzw. die Halbkugel mit Motor platziert werden muss, sondern auch der nötige Pinspot. Einfacher zu handhaben sind da die moderneren Varianten mit integrierter Lichtquelle und verschiedenen Farben wie etwa der Spherion von American DJ oder der Star-Ball LED-300DX/RGB von IMG Stage Line. Diese Geräte können zudem über DMX gesteuert werden. Wir setzen bei unseren Auftritten dennoch die herkömmliche Spiegelkugel ein, weil die an die Wand geworfenen Lichtpunkte durch den größeren Abstand zwischen Kugel und Lichtquelle keine Corona haben.

Sprechen wir von bewegtem Licht, sind nicht nur Strahleneffekte oder Scanner gemeint, sondern auch die Simulanten wie der sehr helle Wassereffekt H2O LED DMX Pro von American DJ mit seiner 45-Watt-LED oder der Polar Laser von JB Systems, der mit seiner grünen und roten Laserdiode in Verbindung mit einer LED einen Effekt generiert, der an die Polarlichter erinnert.

Showlaser

Bei der Gerätegattung Showlaser haben wir es mit stark gebündeltem Licht zu tun, und es besteht je nach Leistung durchaus eine Gefährdung für die Augen der Musiker und des Publikums. Deshalb sollten bzw. dürfen auch nur Fachkundige diese Lichteffekte benutzen (s. Kasten). Mit Lasern lassen sich satte, klare Farben produzieren und alle erdenklichen geometrischen oder freien Formen an die Wand werfen. In Verbindung mit Nebel/Haze lassen sich Lasertunnel, dreidimensionale Welleneffekte sowie Beam­shows realisieren.

Am besten wird der Laser im Bühnenhintergrund, hinter den Musikern, auf einer Höhe von mindestens 2,50 m positioniert um auszuschließen, dass Gäste direkt in die Austrittsöffnung des Lasers schauen. Je nach Austrittswinkel der Strahlen sind die Effekte besonders eindrucksvoll bei einem größeren Abstand zwischen Laserquelle und Publikum.

Um Figuren und Muster sichtbar zu machen, kann mit einer Laser-Gaze gearbeitet werden. Das ist eine Art Netz (Fliegengitter), das auf einen Rahmen aufgespannt wird und das Licht des Lasers bricht, so dass sich ein Teil der Strahlen quasi in diesem Netz verfängt und die zweidimensionale Abbildung von Formen, Mustern oder gar Animationen ermöglicht. Laser werden über DMX gesteuert oder über ILDA (International Laser Display Association).  

Grating- oder auch Cluster-Laser lassen sich hervorragend auch ohne den Einsatz von Nebelgeräten betreiben und sind deshalb ganz heiße Kandidaten, wenn es um bewegtes Licht auf kleinen Veranstaltungen geht. Auch die bereits angesprochenen Hindernisse durch Brandschutzverordnungen können so umgangen werden. Grating-Laser teilen intern den Laserstrahl in viele Einzelstrahlen auf und haben einen großen Austrittswinkel. Im Ergebnis erhält man einen weiten, Raum füllenden Sternenhimmeleffekt, der standalone, musikgesteuert oder auch per DMX gesteuert wird. Häufig sind diese Geräte mit grünen oder roten Dioden bestückt, wie z.B. der IMG Laser LSE-2LRG. Mittlerweile sind auch blau-grüne oder blau-rote Gratinglaser wie der Galaxy 4D oder der RGB Clusterlaser NX-1 (beide Lightmaxx) erhältlich.

In der Praxis

Bei der Vielzahl an Geräten im Markt, die bewegtes Licht auf die Bühne zaubern, fällt die richtige Wahl natürlich schwer. Konzentriert man sich auf sinnvolle Kombinationen für kleinere Bühnen, sind konkrete Empfehlungen schon eher möglich. Fallbeispiel: eine Hochzeitsveranstaltung mit 50 Gästen und einem gebuchten Musikduo. Die Band soll am Abend im Nebenzimmer eines Landgasthofs spielen. Die Bühne ist keine solche an sich, aber ein kleiner Teil des Nebenraums mit drei Metern Breite und einer Tiefe von etwa zwei Metern ist für die Musik und das Licht vorgesehen. In etwa der gleiche Platz ist vor der Bühne dann auch für die tanzenden Gäste reserviert.

In unserem Beispiel stellen die Musiker vor Ort fest, dass die vier großen Movingheads, der Show­laser und die Matrixlichteffekte heute im Bandbus bleiben können, da neben dem Platz für die zwei Boxenstative links und rechts der Bühne höchstens noch ein bis zwei Lichtstative aufgebaut werden können. Ansonsten würde der Eingang zur Toilette oder der Zugang zur Garderobe versperrt. Da die Band zunächst für eine vernünftige Grundausleuchtung der Bühne und Tanzfläche mit statischem Licht sorgen will, kommen jetzt nur noch handliche Geräte für das bewegte Licht in Frage, weil die zwei Lichtstative für die Komplettlichtanlagen, also die Grundbeleuchtung von Bühne und Musikern, reserviert sind. Hier bieten sich die kompakten Gratinglaser als Raumfüller an; sie können dank ihrer kompakten Abmessungen notfalls auch mal auf ein Mikrofonstativ geschraubt und neben dem Keyboarder platziert werden. Aufgrund ihrer weiten Strahlenauslenkung lässt sich beim Eröffnungstanz der gesamte Raum in ein Sternenmeer verwandeln.

Damit auf der Tanzfläche Bewegung ist, baut das Musikduo anstelle der vier großen Movingheads nur zwei kleine kopfbewegte Mini-Washlights direkt auf dem Bühnenboden vor den Musikern auf und schafft so zusätzlich noch eine Art Sicherheitszone, wenn es am Abend auch mal wilder direkt vor der Bühne zugeht. Auf die beiden Komplettlichtanlagen links und rechts werden noch zwei Moonflower geschraubt und auf die Tanzfläche hin ausgerichtet. Der Abend dürfte gerettet sein!

Im zweiten Fallbeispiel bietet eine leicht erhöhte Bühne (5 x 3 m) ausreichend Platz für das Aufstellen eines größeren Licht-Sets. Hinter den Musikern kommen drei auf dem Boden platzierte Licht-Panels zum Einsatz die – nach oben gerichtet – ein tolles Licht vor dem mitgebrachten weißen Bühnenvorhang zaubern. Links und rechts der Bühne sorgen zwei Komplett-Licht-Sets für die Ausleuchtung der Künstler. In rund drei Metern Höhe ist ein Vollfarb-Grafiklaser auf einem Lichtstativ hinter dem Bühnenvorhang installiert und auf die Tanzfläche gerichtet. Durch die großzügige Bühnentiefe von immerhin drei Metern kann die Band ihr mobiles 2-Punkt-/ 3-Punkt-Truss-System mit zwei Stativen aufbauen. Daran werden jetzt die Effektstrahler befestigt und auf die Tanzfläche ausgerichtet. Je nach Anzahl der Musiker sorgen zwei, drei oder vier Spotlights für die Ausleuchtung der einzelnen Akteure; ein Polarlaser oder Wassereffekt-Strahler wird auf den weißen Bühnenvorhang im Hintergrund gerichtet. Der Boden der Tanzfläche unmittelbar vor der Bühne wird in jeder Ecke mit jeweils einem Movinghead bestückt. Zwei Hazer links und rechts der Bühne werden so ausgerichtet, dass sowohl die Bühne als auch die Tanzfläche in Dunst gehüllt werden können.

Info: Einsatz von Lasern

Durch die starke Bündelung der Lichtstrahlen in einem Showlaser stellt diese Art des bewegten Lichts grundsätzlich eine Gefahr für die Bühnenmusiker wie auch das Publikum dar. Die eigentliche Gefahr für die Gesundheit  besteht dabei zum Einen grundsätzlich durch stehende Lichtstrahlen, zum Anderen aber auch durch die Stärke des eingesetzten Lasers. Um bei einer Fehlfunktion des Lasers sofort eingreifen zu können, sind die Geräte mit Schlüsselschaltern versehen oder mit der Anschlussmöglichkeit eines Not-Aus-Schalters ausgestattet, damit der Lichtmann bei einer Funktionsstörung in Form eines stehenden Strahls den Laser sofort  ausschalten kann. Ein direkter Blick in die Austrittsöffnung kann bei einem stehenden Strahl innerhalb von Sekundenbruchteilen bereits irreparable Verbrennungen der Netzhaut zur Folge haben. Je nach Stärke des Lasers können solche Unfälle dann zur kompletten Erblindung führen. Die verschiedenen Laser werden deshalb in (Gefahren-)Klassen eingeteilt. Für die Bühne sind drei Klassen relevant: Laserklasse 2M, Laserklasse 3b, Laserklasse 4.

Die Klasse 2M darf dabei grundsätzlich genehmigungsfrei eingesetzt werden, obwohl auch schon
diese Einstiegsklasse bei den eben erwähnten stehenden Strahlen eine Gefahr darstellen kann. Die im Showbereich hauptsächlich eingesetzten Klasse-3b- und Klasse-4-Laser hingegen dürfen nur benutzt werden, wenn ein Laserschutzbeauftragter für die Veranstaltung schriftlich bestellt wird und anwesend ist. Bei öffentlichen Veranstaltungen und bei fest installierten Lasern wie beispielsweise in Diskotheken muss zusätzlich auch noch der TÜV vor Ort sein, um den Laser abzunehmen. Der logistische und finanzielle Aufwand macht den Laser-Einsatz für Unterhaltungsmusiker bei öffentlichen Veranstaltungen deshalb eigentlich unmöglich, bei privaten Veranstaltungen müssen die Musiker selbst entscheiden, ob sie die volle Verantwortung für den Laser-Einsatz übernehmen wollen und können. Auf alle Fälle sollte man sich davor dann zu einem der zahlreich angebotenen Laserschutz-Seminare anmelden (u.a. bei Thomann, Musicstore, Berufsverband Discjockey e.V.). Diese Tagesseminare versprechen im Ergebnis einen sicheren Umgang mit Showlasern, und die Teilnehmer erhalten am Ende des Seminars den heiß begehrten Laserschutzbeauftragtenschein.