Workshop Bühnenlicht (3): Lichtsteuerung

In dieser Workshop-Folge geht es um die Lichtsteuerung. Sie erfahren, was denk- und machbar ist und wo zwischen technologischen Möglichkeiten und Bühnentauglichkeit der Kompromiss liegen kann.

In den ersten beiden Folgen dieser Workshop-Reihe wurden die Themen statisches und bewegtes Licht behandelt. Nun stellt sich eine entscheidende Frage: Wie wird das Licht zum Leben erweckt und kontrolliert? Welche Varianten gibt es und welche davon sind praxis- und bühnentauglich? Denn soviel ist klar: Von alleine tut sich gar nichts; Bühnenlicht und Bühneneffekte – ob beweglich oder statisch – müssen in irgendeiner Form gesteuert werden. Und eine unkontrollierte Lampenflut sorgt eher für verständnisloses Kopfschütteln als für emotionale Momente. Licht kann beides: stimmungs­volle Untermalung zerstören oder das romantische Ambiente und die Partylaune effektiv unterstützen. In dieser Folge erfahren Sie, mit welchen Methoden Sie die zweite Variante erreichen.

Die erfreuliche Nachricht vorweg: Die Entwicklungen der Hersteller waren in der jüngsten Vergangenheit – speziell mit Blick auf LED-Technik und mobile Steuerung – derart rasant, dass selbst eine komplexe Show relativ einfach und zu moderaten Preisen realisierbar ist. Die Lichtausbeute auch bei kleinstem Equipment ist effizient wie nie zuvor, und die Steuerungs- und Triggermöglichkeiten sind derart komfortabel geworden, dass auch auf beengten Bühnen im Dorfgasthof immer die passende Variante gefunden werden kann. Der technische Unterschied zwischen der Ansteuerung von LED-Technik und traditionellen Anlagen liegt vor allem darin, dass mehr DMX-Kanäle belegt werden. Das gleicht sich durch die vielfarbig kreativen Möglichkeiten aber bei weitem wieder aus. Außerdem gibt es auch für LED-Bars praktische und preisgünstige Fußschalter wie z.B. das simple FC PAD von American DJ.

 

Automodus und Sound-to-Light

Werfen wir zunächst einen Blick auf die üblichen Modi: Alltagstauglich für den Normalanwender ist der Automodus. Die allermeisten Geräte haben entsprechende Presets, die ganz simpel per Fußschalter angewählt werden können. Nach kurzer Zeit kennt man sich damit aus, weiß, wo welche Farben und Farbverläufe angewählt werden, kennt die Geschwindigkeiten und Dimmer und hat erlebt, welche internen Programme wann für angenehme Stimmung bei den Gästen sorgen. Arbeitet man mit einem Fußboard – durchaus üblich – bleibt meistens die Schwierigkeit, dass der Automodus per pedes am Anfang des Songs oder Sets gestartet, zwischendurch vielleicht die nächste Bank angewählt und auf den letzten Ton wieder beendet werden muss. Nicht immer hat man im richtigen Moment „einen Fuß zur Hand“. Und manchmal vergisst man es schlichtweg, das ist nur menschlich. Selbstverständlich kann der Automodus bei den allermeisten Geräten auch per DMX gestartet werden. Das ist weitaus zuverlässiger und simpel. Der Vorteil ist schlicht und ergreifend, dass man ohne vorherige Programmier- und Adressier-Orgien auf die werkseitigen Lichtszenarien oder Grundfarben zurückgreifen kann.

Sound-to-Light erklärt sich von selbst: Wenn‘s klingt, leuchtet es. Voraussetzung dafür ist ein im Gerät eingebautes Mikrofon, sei es das im Spot selbst oder im Controller. Die Erfahrung zeigt, dass das ein tolles und nützliches Feature ist. Allerdings sollte man sparsam damit umgehen. Es ist nicht immer ganz einfach, die Dynamik der Musik vorherzuahnen. Kommt bei riesiger Partystimmung plötzlich eine gefühlvolle Passage im Titel vor, herrscht plötzlich unvorhergesehene Dunkelheit im Saal und auf der Bühne.

Je nach eigener Überzeugung kann man es einfach laufen lassen und sich auf den Beat verlassen. Spätestens, wenn der Wirt der Band den Strom abdreht, weil ihm der donnernde Bass die Kühe aufschreckt, ist es vorbei mit Sound-to-Light. Ach ja: Neudeutsch heißt das auch Musikmodus. Ein Lichtpult mit effektivem Sound-to-Light-Controller bietet u.a. Showtec zum Einsteigerpreis mit dem Showtec Showmaster 24.

Master/Slave-Modus

Die Wortsprache ist deutlich und auch exakt so gemeint. Ein Gerät ist der „Meister“, die anderen sind die „Sklaven“. Sollen Signale – auch Lichtsignale – digital gesteuert werden, bedeutet das immer und grundsätzlich, dass mindestens zwei Geräte miteinander kommunizieren müssen. Sie müssen Signale senden und empfangen: hin und her; her und zurück. Das eine Gerät sagt dem anderen, was es zu tun hat – oder schleift diese Information zumindest durch. Das andere bestätigt den Empfang und führt den Befehl aus. Natürlich alles auf dem Weg der Bits und Bytes.

Der Vorteil, gerade für Bands und Combos mit kleinerem Wirkungskreis, ist nicht nur die Kostenersparnis. Mancher bezeichnet es als Nachteil, dass lediglich der Master mit den Sklaven kommunizieren kann, die Slaves aber nicht untereinander. Es wird immer zentral gesendet. Aber, mal ganz ehrlich, welcher Spot hat denn ausschließlich den Master-Slave-Modus – ich kenne keinen. Man kann also unkompliziert verschiedene PARs miteinander synchron laufen lassen und bei Bedarf auf einen anderen Betriebsmodus umschalten. Weniger Kabel, mehr Kreativitätsausbeute – ist doch was. Die Aufteilung auf aufwändige Dimmerpacks an der Traverse ist nicht mehr nötig, und bei Moving Heads, die zeitgleich miteinander rotieren oder fokussieren sollen, ist das vollkommen üblich. Beispielsweise der PARC-100/RGB COB-LED-Spot von IMG Stage Line bietet den Master/Slave-Modus. Die Scheinwerfer sind kompakt und effizient. Sie finden den perfekten Platz an der PAR-Leiste oder der Mini-Traverse und können so für super homo­gene Lichtausbeute sorgen.

DMX – es wird endgültig digital

Nahezu alle Bühnenlichter und Effekte sind heutzutage per DMX steuerbar. DMX – die aktuellste Version nennt sich DMX-512-A – ist simpel ausgedrückt ein digitales Steuerprotokoll. Der Vorteil gegenüber der bekannten MIDI-Variante liegt einerseits in der hohen Übertragungsgeschwindigkeit, andererseits in der geringen Störanfälligkeit, ergänzt durch Geräte- und Software-Kompatibilität. Kurios ist übrigens, dass eigentlich seit jeher für die Verbindung 5-fach-XLR-Stecker vorgeschrieben sind, Pol 4 und 5 aber erst mit dem letzten DMX-Update eine wirklich nutzbare Bedeutung bekommen haben. Und weil wir selbstverständlich unter uns sind, der schmunzelnde Hinweis, dass nicht nur etliche Musiker, sondern auch Hersteller drei­polige XLR-Kabel für die Lichtsteuerung nutzen, weil’s eben billiger ist.

Ausschlaggebend dafür, dass jedem Scheinwerfer klar ist, welchem Befehl er zu gehorchen hat, ist die Adressierung. Der Spot oder der Effekt bekommt eine Startadresse, eben seinen eigenen DMX-Kanal, der per Dip-Schalter oder im Menü eingestellt wird. Moderne LED-Scheinwerfer benötigen nicht selten mehrere Kanäle. Damit erklärt sich auch die Bezeichnung »DMX 512« Der entsprechende Controller hat, simpel ausgedrückt – 512 nutzbare Adressen. Auch kein Problem. All das funktioniert reibungslos. So weit, so gut, aber ein Protokoll und ein Kabel nutzen uns herzlich wenig. Erst mit dem entsprechenden DMX-Controller kommt die Sache in Gang – beispielsweise mit dem Eurolite DMX Move Control 512 und zahlreichen anderen.

Steuerung – modern oder klassisch

Für die DMX-Steuerung gibt es mindestens zwei verschiedene Möglichkeiten: einerseits über eine DMX-Lichtsteuersoftware per Laptop oder iPad & Co.; sogar per Smartphone-App ist das mittlerweile machbar. Bewährt hat sich seit Jahren Stairville DMX Joker 512 Stand Alone. Die DMX-Software (Windwos & Mac OS X) ist einfach und intuitiv bedienbar und hat super Kontrollmöglichkeiten für Moving Heads, LED-Scheinwerfer, Dimmer und so weiter. Vorzüge: Die grafische DMX-Adressierung ist einfacher, in der Gerätebibliothek sind mehr als 3.000 Profile vorhanden, zu denen selbstverständlich weitere frei konfiguriert werden können.

Moderne Lichtsteuerung per kostenloser iPad-App bietet Steinigke für eine Vielzahl der eignen Strahler. Lichteffekte (Fixtures) fügt man einfach seiner Show hinzu und steuert diese kabellos. Man kann Farbe, Strobo-Effekt oder Helligkeit einfach über Schieberegler einstellen. Außerdem lassen sich Cues anlegen, um Szenenbilder zu speichern. Mehrere Cues können Sie zu Chasern zusammenfassen und so s z. B. Lauflichter programmieren. Nötiges Zubehör: das Eurolite freeDMX Interface.

Auf der anderen Seite die Lichtpulte: Nicht wenige Bands nutzen beides zugleich, obwohl das nicht unbedingt nötig ist. Der Vorteil der Lichtpulte ist ein vollkommen bodenständiger und bühnenbewährter: Es sind in erster Linie die Fader. Soll schnell mal eingegriffen werden, sind Fader schlichtweg ziel­sicherer – weil haptisch – zu bedienen, als das über eine IT gestützte Bedienoberfläche möglich ist. Ein interessanter Vertreter dieser Familie zum absolut verkraftbaren Preis ist noch immer der Chauvet Obey 70 DMX Controller. Die zur Verfügung stehenden 384 Steuerkanäle mögen auf den ersten Blick wenig erscheinen. Die Realität sieht anders aus: Durch seine 12 Fixtures mit je 32 Kanälen können Effekte und Geräte mit aufwendigeren DMX-Protokollen betrieben werden. Und mit dem verbauten Joystick wird die Ansteuerung von Moving Lights im Direktzugriff vollkommen simpel. Außerdem handelt es sich um ein 19-Zoll-Gerät mit 4 HE, das auf der Bühne keinen Platz wegnimmt, stattdessen einfach im Rack mit dabei ist. Insgesamt können bis zu sechs Shows und 240 Szenen gespeichert werden; das reicht locker bis zur dritten Verlängerungsstunde morgens um fünf.

Praktikabel und bewährt ist auch der 6-Kanal-DMX-Controller Cameo Control 6 von Adam Hall. Dieses Gerät ist besonders kompakt, besitzt sechs leichtgängige Fader für die manuelle Regelung von LED-Anlagen und kann auch per Batterie mit Strom gespeist werden. Dadurch ist es flexibel und lässt sich ideal ins Equipment integrieren. Als schnörkelloses Leichtgewicht überzeugt der Control 6 durch übersichtliche Bedienbarkeit.

Einige Features mehr an Bord hat der Nowsonic Autark LED Master II, ein extrem kompakter und innovativer DMX-Controller für den Betrieb mit LED-Flutern. Dank der Steuerung über das DMX-512-Protokoll ist er auch beliebigen Fluter-Produkten oder LED-Par-Kannen etc. aller Anbieter direkt kompatibel. Über einen Taster lässt sich der LED Master II flexibel für die sechs Kanalbetriebsarten RGB, RGBW, RGBWM, DRGB, DRGBW und DRGB konfigurieren. Insgesamt kann der Controller bis zu 40 Kanäle über das DMX 512 Protokoll ansprechen. Zur Steuerung der einzelnen Farbkanäle dienen separate Fader für die Farbanteile. Für die Auswahl der vorkonfigurierten Farbmischungen wird der Mix-Fader genutzt. Er besitzt acht interne Programme; die Geschwindigkeit kann individuell angepasst werden.

MIDI versus DMX – oder Hand in Hand?

Der Wunsch, Lichteffekte per MIDI zu steuern, stammt eigentlich aus den Kindertagen des DMX-Protokolls. Die DMX-Beine waren noch etwas wackelig; außerdem kannte man sich damit noch nicht so gut aus. Und eigentlich verspürte man nicht die geringste Lust, wiedermal mit Investitionen die Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger zu belasten und das Equipment schon wieder auszutauschen. Dass MIDI mit Licht nicht allzu viel zu tun hat, außerdem nur die absolut rudimentären Grundaufgaben zuverlässig unterstützt – wie das Dimmen oder das simple An- und Ausschalten – hörten die verwöhnten Musiker nicht so gerne. Muss doch irgendwie gehen. Stimmt, geht auch, aber höchstenfalls mit Abstrichen in der Funktio­nalität. Wird die Lightshow komplexer, kommt die MIDI-Technik alsbald an ihre Grenzen. Doch wie gesagt, es funktioniert: Nahezu jedes Lichtpult besitzt eine entsprechende Schnittstelle. Für den Keyboarder, an dem diese Arbeit ja üblicherweise hängen bleibt, bedeutet das, dass er die Szenarien auf dem DMX-Pult oder der DMX-Software vorprogrammiert und die dann auf der Bühne per MIDI-Controller abgerufen wird. Bleibt die Frage, was man damit wirklich gewonnen hat. Ein Gerät, das die beiden Welten dennoch verbinden soll, ist das MIDI2DMX.

Manuell oder penibel vorprogrammiert?

Als Musiker in der Tanzmusik muss man – trotz oder gerade aufgrund aller Routine – flexibel bleiben. Improvisation ist ja nicht nur immer wieder musikalisch, sondern vor allem im Umgang mit den Gästen wichtig. Gerade bei der Arbeit mit MIDI-Files drängt es sich förmlich auf, dafür auch entsprechende Lichtszenarien vorzukonfigurieren und automatisch ablaufen zu lassen. Der manuelle Eingriff sollte aber immer und zu jeder Zeit möglich sein. Für alle, die hauptsächlich handmade spielen, ist eine teilautomatisierte, gesteuerte Lichtshow ein innovativer Segen. Man hat nicht wirklich die Zeit, permanent einzugreifen und muss schon ganz schön abgebrüht sein, um zeitgleich eine manuelle Lichtshow durchzuziehen. Automatik-Modi sind super, aber sie können auch leicht monoton erscheinen. Der Trend geht ganz klar zur dualen Nutzung. Die Gäste fühlen sich von Abwechslungsreichtum hingerissen; sie spüren und sehen die Dynamik und Energie der Band. Dafür bietet die Kombination aus beiden Systemen die idealen Voraussetzungen.