Dexibell xMure in der Praxis: Begleitautomatik mal anders

In diesem Workshop erklären wir Ihnen den Umgang mit der iOS-App xMure. Sie stellt eine Begleitautomatik auf Basis von Audio-Loops bereit und lässt sich auf vielfältige Weise steuern. Wie genau, erklären wir hier Schritt für Schritt.

Der junge italienische Hersteller Dexibell hat in den letzten Monaten nicht nur durch einen respektablen Start ins Digitalpianogeschäft auf sich aufmerksam gemacht, sondern auch gleich ein neues Konzept für eine Begleitautomatik realisiert. Sie wird nicht in ein konkretes Instrument eingebaut, sondern als App realisiert. Dexibell nennt sie xMure und bietet sie für die iOS-Plattform an. Man kann also sein Apple iPhone, einen iPod Touch oder ein iPad als Basis verwenden.

Die App kann kostenlos geladen und ausprobiert werden. Nach der Installation sieht man die drei Modi der App: „Touch“, „Instrument“ und „Dexibell“. Im Touch-Modus werden die Akkorde über das Display des iOS-Geräts gesteuert, im Instrument-Modus über MIDI-Signale von einem angeschlossenen Controller. Der Dexibell-Modus funktioniert wie der Instrument-Modus, ist allerdings nur frei geschaltet, wenn ein Digitalpiano des Herstellers Dexibell über USB-to-Lightning-Adapter ans iOS-Device angeschlossen ist. Vorteil: Während die Vollversionen der Modi Touch und Instrument für je 3,99 Euro erworben werden müssen, ist die App für Dexibell-Spieler komplett gratis. Ein Großteil der verfügbaren Begleit-Pattern ist im Dexibell-Modus schon inklusive. Alle anderen kosten – wie in den übrigen Steuer-Modi alle Styles – 99 Euro-Cent pro Pattern.

Die Patterns bestehen aus live im Studio eingespielten Audio-Loops, die über den so genannten HPF-Algorithmus (Harmony Poly Fragmentor) in Echtzeit modifiziert und gesteuert werden können. Die Styles bestehen aus fünf über einen Mixer steuerbaren Spuren: Drums, Bass und drei Begleitspuren. Die Spuren können auch stumm geschaltet oder über eine Solo-Funktion einzeln angehört werden. Erreichbar ist der Mixer in allen Modi über den Button mit drei symbolisierten Fadern rechts oben.

Steuern über das Display

Öffnet man den Touch-Modus von xMure, sieht man links auf dem Display entweder eine virtuelle Klaviatur mit Notennamen oder farbige Quadrate – je nachdem, welche Funktion aktiviert ist. Zwischen den Ansichten wechseln kann man über Anfasser am Displayrand (z.B. unterhalb des Haus-Symbols oder unterhalb des Buttons „Bass Note“. Ist links die Tastatur aktiv, zeigt der rechte Displayrand eine Spalte mit Akkordtypen – von „Maj“ (Major) bis „7,#9,#11,b13“. Die Typ-Liste ist sehr lang, so dass sich für jeden Wunsch der passende Akkord finden lässt. Auch Slash-Chords mit frei gewählten Basstönen sind möglich.

Dazu tippt man erst auf den Button „Slash Chord“ oder „Bass Note“. Bei ersterem wartet die App erst darauf, dass sie links einen Grundton, rechts einen Akkordtyp und oben einen Basston auswählen, bevor der Akkord erklingt. Drücken Sie nur „Bass Note“ können Sie den Basston des aktuell laufenden Akkords ändern.

Den Namen des aktuell eingestellten Styles sehen Sie in einem weißen Feld oben in der Mitte; dort steht außerdem der aktuell gespielte Akkord. Darunter kann man Transpositionen einstellen, falls die Begleitung anders klingen soll. Die Akkordnamen werden dabei standardmäßig nicht verändert, man kann es im Menü aber auch anders einstellen. Natürlich kann man die Geschwindigkeit einstellen – und zwar über einen virtuellen Schieberegler rechts neben der BPM-Angabe. Links davon sehen Sie Quadrate, die bei laufendem Style die Taktschläge farbig markieren.

Je nach Modus, stehen im Zentrum des Displays Steuersymbole, mit denen ein Style gestartet oder ausgeblendet wird (Fade-out). Ein Zurück-Button startet wieder von vorne und ist vornehmlich interessant, wenn man Akkordfolgen aufgenommen hat. Dazu ist u.a. der rote Record-Button da. Man kann aber auch ganz unten auf das Griffbrettsymbol tippen und in eine Ansicht wechseln, in der man händisch seine Akkordfortschreitungen zusammenklicken kann. Solche Fortschreitungen kann man speichern, laden oder als Audio-Datei exportieren. Auch das gezielte Editieren einzelner Parameter ist möglich. Klickt man dagegen auf das Songbook-Symbol (unten in der Mitte), wird ein Displaybereich freigehalten, um darin PDF-Dateien anzuzeigen – z.B. mit Noten oder Leadsheets. PDF-Dateien finden über die Dateiverwaltung mit iTunes oder über Dateimanager wie die App „FileHub“ ihren Weg in xMure.

In allen Ansichtsmodi findet man im unteren Displaybereich die vier Variations-Buttons A–D sowie einen Umschalter „Drum/Scene“. Als Scene werden die Main-Variationen mit unterschiedlichen Drum- und Begleitarrangements bezeichnet. Beim Wechseln wird ein passendes Fill-in abgespielt. Wechselt man stattdessen auf „Drum“, bleibt lediglich das aktuelle Begleitarrangement gleich und nur der Drum-Part wird – jeweils nach einem Fill-in – gewechselt.

Songs aus Bausteinen

Der Touch-Modus von xMure hält auch eine Baukasten-Funktion bereit. Diese sieht man, wenn man die virtuelle Klaviatur über die Anfasser-Symbole ausblendet. Rechts sieht man nun die drei Abteilungen „Verse“, „Chorus“ und „Bridge“, jeweils mit vier Feldern. Über den Button „Sequence Library“ kann man die insgesamt 12 Bausteine der drei Abteilungen mit typischen Akkordfolgen belegen. Anschließend kann man die Bausteine ins mittlere „Session“-Feld der App ziehen und dort einen Songablauf basteln. Einmalige oder Dauer-Loops sind ebenso möglich, wie das Einblenden der gerade gespielten Akkordnamen. So eine Session lässt sich speichern und wieder laden.

Links sieht man ein großes Quadrat mit viermal vier farbigen Quadraten. Über diese lassen sich Drum- und Main-Variationen aufrufen. Drückt man außerdem den Record-Button, wird der Ablauf inklusive Steuer-Parametern aufgenommen und ist wieder über das Griffbrettsymbol unten einzusehen.

 

  • Im xMure Store kann man die verschiedenen App-Modi freischalten und weitere Styles erwerben.

  • Im Modus „xMure Touch“ werden Akkorde über das Display des iPads oder iPhones eingegeben.

  • Aus Vorlagen lassen sich ganze Song-Abläufe zusammenstellen, speichern und auch als Audiodatei exportieren.

  • Die xMure-Styles bestehen aus fünf Audio-Spuren, die sich auch neu abmischen lassen.

  • In den Einstellungen kann man u.a. festlegen, nach welchem Standard die Akkorde bezeichnet werden.

  • Im Instrument- und Dexibell-Modus können Scenes und Drum-Variationen über eigene Buttons umgeschaltet werden.

  • Spieler eines Dexibell-Digitalpianos erhalten auf die App-Funktionen und die meisten Styles freien Zugriff.

Instrument- und Dexibell-Modus

Weil sich Instrument- und Dexibell-Modus in xMure nur durch die Kosten und die mitgelieferten Begleitpattern und außerdem durch die Hintergrundfarbe unterscheiden, gelten die folgenden Beschreibungen prinzipiell für beide Abteilungen der App.

Oben findet man Style-Name und damit verbunden die Style-Auswahl, darunter den aktuellen Akkord. Im Standard-Spielbetrieb steht im Zentrum einfach das Wort xMure, hier können aber ebenfalls PDF-Dateien angezeigt oder programmierte Akkordfortschreitungen eingebunden werden. Die PDF-Anzeige erreicht man über den Button „PDF Score“, die Akkordprogressionen über „Chord XML“. Der Name deutet darauf hin, dass im Hintergrund die gleichnamige Funktion des Notationsstandards MusicXML als Datenbasis dient. Auf diese Weise ist auch der Austausch mit anderen Apps möglich (siehe Kasten).

In der linken Spalte weiter unten findet man die bekannten Steuer-Buttons, außerdem die Funktionen „Chord Latch“ und „Bass Note“. „Chord Latch“ sorgt dafür, dass ein Akkord im Speicher gehalten wird, auch wenn man ihn gerade nicht auf der Tastatur greift. Das ist z.B. sinnvoll, damit die Begleitung beim Umgreifen nicht abbricht. Über Bass Note“ wird der tiefste gegriffene Ton auf der Klaviatur zum Basston des Akkords. Auch Slash-Chords werden dadurch möglich.

In der Mitte unten großzügig angeordnet sind die vier „Scene“-Buttons für die Main-Variationen A–D und extra für die vier Drum-Variationen 1–4. Fill-ins werden bei jedem Wechsel oder erneutem Antippen einer Variation eingeworfen. In der rechten Spalte findet man vier symbolisierte LEDs zur Visualisierung der Taktschläge, eine BPM-Tempoangabe und eine Schiebefläche zum Einstellen des Tempos. Darunter sind Buttons für „Sync Start“ und „Sync Stop“ angebracht. Intros und Endings sucht man in allen Modi von xMure leider vergebens.

Einstellungen und Export

Im Einstellungen-Menü (über den Zahnrad-Button in allen Modi erreichbar) kann man grundlegende Parameter der Begleitautomatik einstellen: Der Kammerton lässt sich zwischen 436 und 445 Hz festlegen. Bei den Akkordbezeichnungen sind die internationale Schreibweise (z.B. C Maj für C-Dur) oder die italienische (Do = C) wählbar. Über „Reactivity“ steuert man, wie schnell bzw. empfindlich die App auf Eingaben reagiert und diese umsetzt. Außerdem kann auch ein Metronom-Klick zugeschaltet werden.

Equalizer-Presets erlauben es, den Sound (neben der Mixing-Funktion der Style-Spuren) anzupassen. Die Funktion „Background“ legt fest, ob die App auch im Hintergrund laufen darf. Das merkt man z.B. daran, dass die Begleitung nicht abbricht, wenn man die App wechselt. Ist über Bluetooth ein Pedal mit dem iPad oder iPhone verbunden, legt der Menüpunkt „BT Pedal Ctrl“ fest, ob ein Pedaldruck den Style-Player startet/stoppt oder eine Seite einer eingeblendeten PDF-Seite umblättert. Im Instrument- und Dexibell-Modus kann außerdem ein MIDI-Kanal eingestellt werden, auf dem Akkordinformationen empfangen werden; im Touch-Modus gibt es drei wählbare Akkord-Modi – Easy, Advanced und Full –, die den Umfang der Akkordtyp-Liste in der rechten Spalte festlegen.

Ein Extra der App ist außerdem die Export-Funktion, mit der programmierte Akkordfortschreitungen als Audio-Datei gespeichert werden. Ein Export in den Formaten AAC (komprimiert) und WAV (unkomprimiert) ist möglich – standardmäßig mit zwei Spuren (L & R). Man kann sich damit z.B. Playalongs basteln, die man in Keyboards oder Digitalpianos importiert und über die eingebauten Audio-Player abspielt, um am Instrument live dazu zu spielen. Kostenpflichtig kann die Funktion erweitert werden: Dann werden die Begleit-Spuren als Multitrack-Dateien gespeichert. Diese könnte man z.B. in eine DAW (am iPad oder Computer) importieren und für die weitere Song-Produktion verwenden. Weil es sich bei den xMure-Styles um Audio-Loops handelt, ist die Qualität sehr gut, so dass man die Ergebnisse auch gut für die Song-Produktion im Home-Studio einsetzen kann.

Die 296 MB große xMure-App sollte sich jeder an Begleit-Pattern interessierte Musiker aus dem App Store herunterladen und sie einmal ausprobieren. Die Freischaltung aller Funktionen ist mit wenigen Euro finanziert; die Begleit-Pattern sind mit nicht einmal einem Euro pro Style sogar richtig günstig. An den Funktionsumfang einer Begleitautomatik wie bei einer aktuellen Entertainer-Workstation reicht xMure noch nicht heran, für die stimmungsvolle Ergänzung am Piano bietet sie aber schon viele Möglichkeiten. Probieren Sie es aus!

Akkordfolgen importieren

Dexibell xMure kann Akkordfolgen im XML-Format importieren. Diese können z.B. aus der Leadsheet-App iReal Pro am Apple iPad stammen. Darin finden sich unzählige Jazzstandards. Um so einen Jazzstandard mit seiner Akkordfolge nun in xMure zu übertragen, tippen Sie in iReal Pro auf das Teilen-Symbol (Rechteck mit eingesetztem Pfeil nach oben) und wählen den Menüeintrag „Akkordfolge teilen“, danach als Format „MusicXML“. Im folgenden Dialog wählen Sie „Öffnen in …“ und wählen „Nach xMure kopieren“ als Ziel. In xMure sehen Sie die Akkordfolge nun in der Ansicht „Chord XML“ in den Modi „Instrument“ oder „Dexibell“. Im Touch-Modus sind die importierten Akkordfolgen über das Griffbrett-Symbol zu finden. In allen Modi könnte man noch Details editieren.