Workshop Fit für die Bühne (2): Dramaturgie eines Abends

In dieser Workshop-Folge geht es um die Dramaturgie eines Auftritts – um die richtige Balance aus Musikfolgen, Einlagen und Kommunikation mit dem Publikum. Denn wer die Zügel zu locker oder zu straff hält, kann böse Überraschungen erleben.

Flexibilität ist die Grundlage der Tanz- und Unter­haltungsmusik. Sie ist auch das Elixier für den perfekten Auftritt. In diesem Workshop vermitteln wir Ihnen die nötige Systematik zur Selbstorganisation. (Foto: Shutterstock)

An Schauspielschulen, zum Teil auch an Musikakademien und auch an Lehrinstituten für Consulting-Firmen wird sie in der Regel vermittelt: die Event-Dramaturgie inklusive Modera­tion und dem szenisch motivierten Einsatz von Musik, Medien und Effekten. Ob derlei Konzepte auf die Praxis eines Tanz- und Unterhaltungsmusikers, eines DJs oder einer drei- bis fünfköpfigen Band analog angewandt werden können, bleibt aus vielerlei Gründen fraglich. Event-Dramaturgie bezieht sich üblicherweise auf Veranstaltungen, die sich auf einen zeitlich sehr begrenzten Zeitraum beschränken – im Gegensatz zu einer Hochzeit, einem Firmenball oder einer rauschenden Silvesterfeier. Es ist nun mal etwas anderes, ob man ein oder zwei Stunden gestalten oder einen kompletten Abend mit Leben füllen muss.

Ein Storyboard, ein Skript oder gar ein Regie-gestütztes Drehbuch? Sicherlich ehrenwert und sinnvoll, für unsere Branche aber schlicht abwegig. Die Unterhaltungsmusik hat andere Gesetzmäßigkeiten, so es denn – bei aller gebotenen Spontaneität – überhaupt welche gibt. Das Besondere und nicht minder Spannende für Tanzmusiker: Während einer Veranstaltung muss man rasend schnell auf Stimmungen und Vorkommnisse reagieren, es ist eine Menge Fingerspitzengefühl notwendig.

Fakt ist, dass ein konzeptloser Abend einen ebensolchen Eindruck hinterlassen wird. Und noch mehr als das: Wer sich ohne einen zuvor gesteckten Rahmen durch den Abend spielt, verschenkt die wichtigsten Gelegenheiten, den Gästen einen wirklich unvergesslichen Auftritt zu bieten. Und schon stellt sich die Gretchenfrage: An welchem Punkt beginnt erfahrungsgemäß die Dramaturgie und was ist damit eigentlich gemeint?

Spannungskurve einer gelungenen Veranstaltung: Vor allem zu Beginn des Abends sollten Unterhaltungsmusiker noch nicht zu viel bewegen wollen.

Fangen wir mit dem zweiten Teil der Frage an, obwohl man den Ausdruck selbst kaum erklären muss. Bei der Dramaturgie geht es darum, der Veranstaltung mit all ihren Eventualitäten ein routiniertes Korsett zu geben und das Ganze mit allen Tricks – vom Entertainment bis zur Musikauswahl zum jeweils passenden Zeitpunkt (!) – zu garnieren. Letztlich ist es das Handwerkszeug eines jeden gestandenen Musikers. Gleichgültig, ob Profi, Semi-Profi oder lukratives Hobby: Jeder, der schon länger dabei ist, weiß, dass dieser „richtige Zeitpunkt“ von entscheidender Bedeutung ist. Jeder planbare Gag, jede Show-Einlage, jedes Highlight kann während der Veranstaltung nur einmal eingesetzt werden. Stimmig genutzt, sorgen solche künstlerischen oder einfach publikumsnahen Mosaiksteine für Aha-Momente und die so wichtige Nähe zu den Gästen. Im verkehrten Augenblick hingegen werden sie bestenfalls unbemerkt verpuffen und schlimmstenfalls
sogar für stirnrunzelndes Unverständnis sorgen. Es ist folglich ratsam, sich über die eigene Außenwirkung Gedanken zu machen.

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