Workshop Fit für die Bühne (3): Unterhaltung und Animation

In dieser Workshop-Folge geht es um die Frage, wie man dem Live-Musik-Abend Leben einhaucht. Die Gästen sollen unvergessliches Entertainment erleben, garniert mit stimmigen Überleitungen. Vieles lässt sich vorher absprechen, vieles vorbereiten. So halten Sie die Stimmung hoch.

Fit für die Bühne (3): Unterhaltung und Animation
Wir erklären, wie Sie Ihren Auftritt durch Unterhaltung und Animation, Moderation und Musik gestalten, denn das Publikum will einen wunderschönen Abend erleben. (Foto: Shutterstock)

Livemusik lebt nicht von der Musik allein. Was für den Puristen möglicherweise leicht paradox klingt, ist für den erfahrenen Musiker und feierfreudigen Gast eine logische und in der Praxis erprobte Weisheit. Zu einem erfolgreichen Auftritt gehört weitaus mehr als Musik, eine Selbstverständlichkeit für Tanz- und Unterhaltungsmusiker. Selbst das Beherrschen der Instrumente ist in diesem Metier – so wenig künstlerisch das auch klingen mag – schlichtweg Handwerkszeug. Es geht nicht nur um das, was präsentiert wird, sondern auch um die Frage, wie es präsentiert wird – nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Verpackung. Kurzum: Der Auftritt will mit Leben gefüllt werden, denn schließlich geht es um ein „Live“-Konzert.

Multitasking extrem

Was spannend ist und oftmals unterschätzt wird: Geht der Abend los, müssen Tanzmusiker zu „multifunktionalen Wesen“ werden, Multitasking ist angesagt. Ein Musiker im Orchestergraben konzentriert sich auf die Musik, ein Radiosprecher auf seine Moderation. Der Unterhaltungsmusiker macht beides zeitgleich und noch viel mehr. Warum? Ohne verbindende Worte zwischen den einzelnen Titeln droht jede Veranstaltung in Langweile zu ersticken. Ohne stimmige Kommunikation mit den Gästen werden sich diese schnell auf sich selbst zurückziehen und die Band links liegen lassen. Das aber wäre fatal, denn das Publikum braucht so etwas wie einen Reiseführer, der durch die Veranstaltung leitet. Die Reiseziele werden durch musikalische Highlights und eine Reihe anderer Programmpunkte definiert. Obwohl jeder gerne der Held am Mikro wäre, lässt sich die Persönlichkeit nur in Maßen verbiegen. Sympathisches Auftreten, Spontaneität, Humor und Sprachverständlichkeit bringt nicht jeder von Haus mit. Hoffentlich aber Lernbereitschaft, denn all das lässt sich vorbereiten und üben. Doch leider sieht die reale Welt des Entertainments häufig anders aus: Viele Bands geleiten das Brautpaar mit immer wieder den gleichen Worten zum Ehrentanz oder zum Büffet. Dabei bietet der oftmals ähnliche Verlauf der Veranstaltungen ein riesiges Potential, sich kontinuierlich zu verbessern: Eingestreute humorvolle Bemerkungen ergeben sich aus der Situation und werden – wie bei jedem Standup-Comedian – beim nächsten Gig wiederholt, wenn sie die erwünschte Wirkung hatten, oder abgeändert, wenn der Erfolg ausgeblieben ist. Allerdings ist es völlig normal, dass nicht jeder Spruch beim ersten Mal zündet.

Gut gemeint oder gut gemacht?

Auf den Internetseiten von Unterhaltungsbands grassieren Attribute, die ebenso übertrieben wie fragwürdig sind, z.B. professionell, flexibel oder niveauvoll. Ist es wirklich professionell, sich selbst als professionell zu bezeichnen? Wie weit geht die angekündigte Flexibilität in realiter? Ist Flexibilität vielleicht nur ein Synomym für einen Mangel an Profil? Und welches Niveau wird da so vollmundig angekündigt? „XY bringt die Party zum Kochen“ oder „Stimmungsgarantie für jeden Anlass“ sehen meine verwunderten Augen. Herzlichen Glückwunsch, mit Spannung erwarten wir die Schunkeleinlage beim nächsten Gala-Dinner! Man versteht, was Künstler damit ausdrücken wollen. Aber was erwartet das Publikum vom Unterhaltungsmusiker tatsächlich? Er soll ebenso ehrlich wie überzeugend auftreten und eine dem Anlass gemäße Darbietung abliefern – das genügt vollkommen. Aber das ist wohl auch der Kern des Problems: Sich auf Augenhöhe des Publikums zu begeben, kann bisweilen ganz schön anstrengend sein. Letztlich ist jedes Publikum an jedem Abend anders, der Musiker aber bleibt der gleiche. Er muss den Spagat zwischen moderater Schauspielerei und authentischer Eigendarstellung hinbekommen. Wenn er seine Kommunikation dann noch mit einer Portion Humor garniert, hat er meistens gewonnen.

Randnotiz: Reden wir darüber ...

Witz mit einem Schuss Wahrheit – die fiktive Unterhaltung zwischen einem Musiker und dem unsicheren Brautpaar:

Braut: „Spielen Sie nur Musik oder moderieren Sie auch?“
Musiker: „Ohne Kommunika­tion geht gar nichts.“
Bräutigam: „Und machen Sie auch Show?“
Musiker: „Ohne Show geht gar nichts.“
Braut: „Und woher wissen Sie, was man machen soll?“
Musiker: „Ihre wievielte Hochzeit ist das?“
Bräutigam: „Die erste.“
Musiker: „Für mich ungefähr die Fünfhundertste – also immer schön locker bleiben.“

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