Workshop Fit für die Bühne (4): Moderation

Zum gelungenen Entertainment gehört neben der professionellen musikalischen Darbietung auch eine gekonnte Moderation: Der Musiker führt durch den Abend, bestimmt maßgeblich Verlauf und Erfolg der Veranstaltung. Ziel der Moderation ist es, durch ein Programm zu steuern, Richtungen vorzugeben und charmant zu unterhalten. Was Ihnen dieser Workshop vermittelt: wie man sich auf Moderationen vorbereitet, die richtigen Worte findet und diese wirkungsvoll präsentiert.

Jeder Unterhaltungsmusiker ist auch Moderator – wenn er eine Veranstaltung eröffnet, zwischen Songs überleitet oder spezielle Darbietungen ankündigt. Sei es, dass auf einer Hochzeitsfeier die Freunde des Brautpaars ein Lied vortragen wollen oder beim Stadtfest ein Prominenter auf der Bühne erwartet wird. Wer als Musiker mit professionellen Moderationen derartige Show-Acts richtig in Szene setzen kann, sammelt auf jeden Fall Pluspunkte beim Publikum und damit auch bei potentiellen Auftraggebern.

Die Bezeichnung „Moderator“ hat ihren Ursprung im Lateinischen: „Moderare“ bedeutet „steuern“, „lenken“, aber auch „mäßigen“. Und genau das macht ein Moderator: Er steuert durch ein Programm, gibt lenkend Richtungen vor und muss zuweilen das Publikum und auch Künstler mäßigen. Moderieren bedeutet folglich mehr als einfach nur einen Programmpunkt anzusagen.

Der Moderator als Reiseleiter

Im Grunde genommen ist der Moderator so etwas wie ein Reiseleiter. Er nimmt das Publikum an die Hand und führt es durch das Programm. Er sorgt für einen „Roten Faden“ und stellt Fragen, die das Publikum interessieren; er animiert das Publikum, macht neugierig auf den nächsten Programmpunkt und versorgt es mit Informationen. Und manchmal muss er auch einfach nur eine Umbaupause überbrücken.

Bleiben wir beim Vergleich mit einem Reiseleiter: Was würden Sie von einem halten, der auswendig gelernte Fakten herunterdudelt und dabei lustlos in die Gegend schaut? Vermutlich wäre Ihnen dieser Mensch nicht sehr sympathisch. Und er verdirbt Ihnen womöglich sogar die Freude an den schönsten Sehenswürdigkeiten. Ein guter Reise­leiter hingegen sucht den Blickkontakt mit seinen Gesprächspartnern. Und wenn er die richtigen Worte findet, kann er sogar den örtlichen Supermarkt zu einer Touristenattraktion machen.

Gleiches gilt für Moderatoren – wenn der Moderator es versteht, geschickt auf einen Programmpunkt hinzuführen, wird er damit die ganze Veranstaltung aufwerten. Ein Beispiel: Sie sind auf einer Hochzeitsfeier als Entertainer engagiert. Nach dem Essen wollen die Freunde des Brautpaars ein selbst gedichtetes Lied vortragen. Ihr Job ist es nun, zunächst einmal die Aufmerksamkeit des Publikums zu gewinnen. Dann erklären Sie den Zuschauern, was sie erwartet und – ganz wichtig – warum sie die nun folgende Darbietung auf keinen Fall verpassen sollten! Auch wenn Ihnen persönlich die Show-Einlage der Brautpaar-Freunde vielleicht etwas banal vorkommt – für die Mitwirkenden, deren Angehörige und das Brautpaar ist die Vorstellung ein großes Ereignis. Wenn Sie als Bühnenprofi die Darbietung mit dem nötigen Respekt ankündigen, werten Sie diese auf, und die Dankbarkeit aller Beteiligten ist Ihnen sicher.

Sollte der Auftritt eines Gastkünstlers jedoch zu einer Farce für alle Beteiligten werden, dann versuchen Sie, auf charmante Weise diese unangenehme Situation zu retten. Auch das gehört zu den Auf­gaben eines Moderators. Beispiel: Die Playback-CD einer Tanzgruppe hakt während der Vorführung, die Gruppe muss noch einmal von vorne anfangen. Mit einer originellen Abmoderation können Sie die Panne schnell in Vergessenheit geraten lassen: „Dass Sie das Lied zweimal gehört haben, lag an mir. Ich fand die Tanzgruppe so toll, dass ich dem Mann am CD-Spieler gesagt habe: Das will ich aber noch mal sehen!“

Tipp: Der Einstieg

Auch wer sich nicht als Meister der geflügelten Worte betrachtet, kann moderieren. Man muss es nur ein wenig üben. Suchen Sie sich aus Ihrer Tageszeitung eine bunte Meldung heraus. Lesen Sie diese Meldung einige Male und machen Sie sich dabei Stichworte. Filtern Sie Unwichtiges heraus und finden Sie die Fakten, die wichtig sind. Dann versuchen Sie, anhand der Stichworte die Geschichte mit eigenen Worten wiederzugeben. Vielleicht fällt Ihnen sogar eine eigene Pointe dazu ein? Von einem guten Moderator wird genau das verlangt: einen Sach­verhalt leicht, verständlich und meist auch unterhaltend wiedergeben zu können.

Für Aufmerksamkeit sorgen

Die beste Moderation und die raffinierteste Darbietung verlaufen im Sande, wenn die Aufmerksamkeit des Publikums fehlt. Deshalb ist es zunächst wichtig, die Augen und Ohren der Zuschauer zu gewinnen. Ein einfaches „Hallo, können Sie mal eben bitte zuhören!?“ reicht da in der Regel nicht aus. Wer möchte sich in einer feierwütigen Stimmung schon gerne bevormunden lassen? Der berühmte Tusch vorweg ist durchaus ein probates Mittel, um dem Publikum zu signalisieren: „Achtung, jetzt kommt was“. Warten Sie dann nicht, bis Ruhe eingekehrt ist. Von allein wird das nämlich nicht passieren. Nutzen Sie lieber den kurzen Augenblick der Aufmerksamkeit nach dem Tusch, um das Publikum einzufangen und an die Hand zu nehmen. Das Publikum will dabei wissen, von wem es an die Hand genommen wird. Sorgen Sie dafür, dass die Blicke auf Sie gerichtet sind. Sie können auch die Bühne verlassen und durch das Publikum gehen (spätestens jetzt brauchen Sie ein Funkmikrofon).

Jetzt haben Sie die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Er sieht und hört Ihnen zu. Trotzdem benötigt er noch einige Zeit, um sich an ihre Stimme zu gewöhnen. Beginnen Sie eine Moderation deshalb nicht mit den interessantesten Informationen. Überlegen Sie sich stattdessen eine kurze, möglichst unterhaltsame Einleitung. Zwei oder drei Sätze reichen aus. Und wenn Sie darin einen Lacher unterbringen können, haben Sie blitzschnell die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums gewonnen. Diese Aufmerksamkeit müssen Sie jetzt aufrecht erhalten. Natürlich können Sie ganz sachlich erklären, dass sich die Freunde des Brautpaars ein Lied ausgedacht haben und es jetzt aufführen möchten. Doch das ist ziemlich einfallslos. Beziehen Sie lieber das Publikum mit ein. Erzählen Sie eine kleine Geschichte, wie die Freunde auf die Idee mit dem Lied gekommen sind. Ein „flexibler Umgang mit der Wahrheit“ ist dabei durchaus erlaubt. Oder erzählen Sie, wie nervös die Freunde in diesem Augenblick sein müssen, steht Ihnen doch jetzt ihr großer Auftritt bevor, auf den sie sich „seit Jahren“ vorbereitet haben. Erzeugen Sie Spannung und heizen Sie das Publikum an! Wenn die Brautpaar-Freunde in den Saal kommen und von einem wild klatschendem Publikum empfangen werden, muss der Auftritt einfach gelingen.

  • Anmoderation eines Songs: Am besten mit wenigen Fakten, die sich zu einer netten Pointe verknüpfen lassen. Beispiel: „Sweet Home Alabama“.

  • Anmoderation eines Songs: Am besten mit wenigen Fakten, die sich zu einer netten Pointe verknüpfen lassen. Beispiel: „Hang on, Sloopy“.

  • Anmoderation einer Einlage: Die Freunde des Brautpaars haben sich mit ihrer Darbietung icher viel Mühe gegeben – zeigen Sie Respekt, erzeugen Sie Spannung und heizen Sie die Stimmung im Publikum an!

  • Anmoderation eines Gaststars: Man wird ja mal träumen dürfen – so in etwa könnte sich das anhören, wenn Sie Helene Fischer in Ihrer Show als Gaststar ankündigen.

Das richtige Sprechtempo

Wichtig für eine gute Moderation ist auch das Sprechtempo. Im Eifer des Gefechts wird man leicht zum Schnellsprecher – und damit zu einem für das Publikum anstrengenden Moderator. Der Zuschauer hat nämlich nur eine einzige Chance, Ihre Worte gleichzeitig aufzunehmen und zu verarbeiten – und zwar in dem Moment, in dem Sie moderieren. Der Zuschauer kann weder auf visuelle Unterstützung bauen (wie beim Fernsehen), noch kann er nicht verstandene Informationen nach­lesen. Wenn er Ihnen nicht folgen kann, wird er unaufmerksam. Geben Sie dem Zuschauer also die Möglichkeit, Sie zu verstehen. Nehmen Sie Ihre Moderationen und Ansagen auf und fragen Sie sich beim Abhören kritisch, ob Ihre Ansagen verständlich waren und Ihre Art zu sprechen natürlich klingt. Regeln für das richtige Sprechtempo gibt es nicht. Für schwierigere Sachverhalte sollten Sie sich allerdings etwas mehr Zeit nehmen. Drosseln Sie Ihr Tempo, wenn’s kompliziert wird. Und in entscheidenden Momenten – zum Beispiel kurz vor der Pointe – können Sie mit einer geschickt gesetzten Pause („Kunstpause“) die Aufmerksamkeit erhöhen, die Spannung steigern und für eine bessere Verständlichkeit sorgen.

Ansprechende Formulierungen

„Bevor man Witze aus dem Ärmel schütteln kann, muss man sie erst mal hinein tun!“ Der 2006 verstorbene Star-Entertainer Rudi Carrell soll diese weisen Worte gesagt haben, die nichts anders bedeuten als: gute Vorbereitung ist alles. Die beste Bühnenpräsenz und das perfekte Sprechtempo bringen nämlich nichts, wenn Sie nicht die rich­tigen Worte für Ihre Moderation finden. Schreiben Sie sich ruhig vorher auf, was sie sagen möchten. Dabei ist wichtig: Den Text zunächst sprechen, dann schreiben. Eine Moderation soll locker wirken – Sie halten schließlich keinen Vortrag. Achten Sie auf einen einfachen Satzbau. Bandwurmsätze sind fehl am Platze. Fremdwörter und Fachbegriffe werden vermieden oder möglichst originell erklärt.

Vermeiden Sie es auch, immer die gleichen Wörter zu verwenden – es sei denn, es dient dem Verständnis. Ganz schlimm: jede Tanzpause mit dem Wort „Pause“ anzukündigen. Wenn Sie fünf Tanzpausen pro Stunde machen, sagen Sie auf einer siebenstündigen Veranstaltung 35-mal das Wort „Pause“. Das hinterlässt nicht unbedingt den besten Eindruck. Denken Sie sich alternative Formulierungen aus wie: „Sie können jetzt in Ruhe ein Bierchen trinken!“, „Kurz Luft holen, gleich geht’s weiter“ oder „Jetzt ist Zeit für einen kleinen Plausch, bevor es hier auf der Tanzfläche weitergeht!“

Checkliste: Die 10 Gebote der Moderation

  • Sprechen Sie nicht einfach drauf los: erst denken, dann reden! Formulieren Sie so einfach wie möglich: kurze Sätze, keine Fremdwörter! Notieren Sie Stichworte auf Karteikarten oder Ihrem Tablet-PC.
  • Überfordern Sie das Publikum nicht! Reduzieren Sie stattdessen die Information auf das Nötigste!
  • Konstruieren Sie einen „Roten Faden“, der sich durch Ihre Moderationen bzw. die Veranstaltung zieht.
  • Lernen Sie den Inhalt Ihrer Moderationen auswendig, aber nicht den Text!
  • Vermeiden Sie Wiederholungen – es sei denn, sie sind für das Verständnis wichtig oder Bestandteil eines „Running Gags“. Verboten: Jede Pause mit dem Wort „Pause“ anzukündigen.
  • Satzzeichen sollten in der freien Rede nur in Ausnahmefällen zu hören sein.
  • Achten Sie auf Ihr Sprechtempo und setzen Sie geschickt Pausen innerhalb eines Satzes (nicht umsonst spricht man von „Kunst-Pausen“)!
  • Betonen Sie die Wörter, die zum Verständnis wichtig sind.
  • Lachen Sie nicht über Ihre eigenen Witze, sondern über sich selbst; zeigen Sie Respekt vor den Darbietungen, die Sie ankündigen.
  • Vermeiden Sie das Rumalbern mit Ihren Musikerkollegen auf der Bühne (es sei denn, eine Backstage-Geschichte wäre so amüsant, dass man sie dem Publikum vermitteln möchte)

Tipp: Die richtigen Wörter betonen

Indem Sie in einem Satz die richtigen Wörter betonen, können Sie Ihrer Moderation besonderen Nachdruck verleihen und dem Zuhörer die Rezeption des Gesagten deutlich erleichtern. Nehmen wir als Beispiel folgenden Satz: „Dieses Lied hat 1992 fünfmal den Grammy gewonnen. Damit ist es einer der erfolgreichsten Popsongs aller Zeiten.“ Wichtig sind hier die Wörter „Fünf“, „Grammy“ und „erfolgreichster Popsong“ – werden sie betont, erschließt sich die komplette Aussage auf Anhieb. Übrigens: Den Punkt nach „gewonnen“ brauchen Sie nicht mitzusprechen – Ihr Gedanke endet erst nach „aller Zeiten“.