Workshop iPad für Musiker (13): Synthesizer-Studio Korg iPolysix

Ein Klassiker landet auf dem iPad: Wer den Korg Polysix von früher kennt, ist begeistert: Der iPolysix ist kein einfacher Synthesizer, sondern eine trickreiche Studio-App, mit der sich User weltweit austauschen können.

Sound-Parameter
Sound-Parameter lassen sich per Kaoss-Pad erfrischend einfach kontrollieren.

Kopieren Hersteller ihre Lieblinge, haben sie zwei Möglichkeiten: Entweder sie konzentrieren sich auf eine Abbildung, wie beim neuen Korg MS-20 mini, oder das Gerät wird um technische Funktionen erweitert. Beim iPolysix (26,99 Euro) geht Korg noch einen Schritt weiter, denn sogar das Spielkonzept wurde verändert: Die App ist kein Performance-Instrument, sondern eine Workstation aus zwei Synthesizer- und sechs Drum-Spuren plus Mixer und Effekte. Der Clou nennt sich „Polyshare“: Sie können Ihre eigenen Songs auf SoundCloud stel­len, wobei neben der gerenderten Audio-Datei tatsächlich auch alle Projekt-Daten ihres iPolysix-Songs hochgeladen werden. Andere Musiker laden den gesamten Datensatz ihres Werks herunter und starten bequem mit einem Remix.

Dieser Austausch über die Plattform SoundCloud führt Musiker aus aller Welt zusammen und lässt sie gemeinsam an Projekten arbeiten. Nach Download eines Titels können Sie ihn auf dem eigenen iPad analysieren und neue Sound- und Produktions­techniken erlernen. Die fotorealis­tische Abbildung, während die iOS-App lädt, erinnert an den polyfonen Analog-Synthesizer. 1981 erschienen, war der Korg Poly­six eine günstige Alternative zu den amerikanischen Schlachtschiffen von SCI oder Oberheim und wusste mit warmen Flächen, Arpeggiator-Figuren und soliden Bass-/Soloklängen zu gefallen. Alle Sound-Parameter und die Bedienoberfläche der iPad-Version orientieren sich am Original. Klanglich ist die App dank 28 verschiedener Effekt-Typen oder durch ein Hochpass-Filter flexibler als die Retro-Maschine.

Song-Mode
Patterns werden im Song-Mode zum Track organisiert.

Aller Anfang ist leicht

Produzieren Sie einen Track mit iPolysix, stehen Ihnen zwei Wege offen: Entweder Sie laden über „Polyshare“ ein Stück herunter (Track aussuchen, auf Taste „Remix me“ drücken und auf „Download“ tippen), das Sie als Vorlage nehmen und nach Herzenslust bearbeiten, oder Sie beginnen von Grund auf mit einem Template, indem Sie auf das Dokument-Symbol drücken und auf „New“ tippen.

Sie müssen vorab nur wenig wissen: Ihr Song kann aus bis zu 32 Patterns bestehen, deren zeitliche Abfolge sich im Song-Mode beliebig bestimmen lässt. Organisieren Sie Ihren Track bereits früh, reservieren Sie z.B. bestimmte Patterns für Varianten. Beispiel: Hauptmuster sind Pattern 01 und 02, die Varianten davon legen Sie auf Pattern 09 und 10. Produktiv arbeiten Sie, wenn zuerst ein komplettes Basis-Muster mit allen acht Parts erstellt wird und diese Grundidee im Pattern-Mode mittels Copy (Utility) auf weitere Pattern kopiert, variiert und dabei ausgedünnt wird. Tipp: Da Sie bei jedem Pattern die Länge beziehungsweise Schrittzahl abändern können, lässt sich im Nu ein polymetrisches Feeling erzeugen.

Mixer
Selbst beim Mischer: die Automation wird dem Anwender leicht gemacht.

Spuren verteilen nach Plan

Zwei Synth-Spuren stehen bereit mit dem Vorteil, dass sich für jedes Pattern zwei individuelle Sounds verwenden lassen. Ständige Klangwechsel sind daher einfach realisierbar. Für die sechs Drums-Spuren nehmen Sie wiederum Klänge, die Sie während des gesamten Tracks beibehalten möchten. Die Bezeich­nung „Drums“ sollte nicht davon ablenken, dass Sie einer Drum-Spur auch Bass- und Sequencer-Sounds zuweisen. In der Praxis werden Sie fast immer den Bass in einer Drum-Spur haben. Nur wenn der Synth­bass musikalisch im Fokus steht und moduliert werden soll, ordnen Sie ihn einem der beiden sechstimmigen Synthesizer-Parts zu. Die Eingabe kann mit einer USB-MIDI-Tastatur erfolgen. Bei den Synth-Parts gibt es alternativ das Kaoss-Pad, die Sie zur Inspiration nutzen. Mit dem rechten Kaoss-Pad spielen Sie bis zu vierstimmige Akkorde. Mit „Scale“ ändern Sie die Akkordtypen.

Der Step-Sequencer von Synthesizer und Drums bietet insgesamt 64 Schritte. Bei maximaler Schritt­länge kommen Sie also auf 4 Takte im 4/4-Takt bei 1/16-Auflösung. Diese volle Länge sollten Sie unbedingt ausnutzen, sofern Sie nicht minimalistische Beats produzieren möchten. Ein Groove-Arrangement erstellen Sie bei den Drums in der Step-Ansicht, wo Sie alle sechs Drum-Parts auf einen Blick überschauen können. Für die Detailarbeit wechseln Sie in den Seq-Edit-Mode des Drum Parts. Nutzen Sie auch die Chance, einzelne Drum-Sounds in unterschiedlichen Noten zu triggern bzw. in bestimmten Tonhöhen zu spielen.

Beim Sequencer-Programming für den Groove gehen Sie so vor: Erarbeiten Sie zunächst mit den Schritten 1-16 (Steplänge auf 16 Schritte einstellen) ein Grundmuster. Via Utility-Taste kopieren Sie dann die ersten 16 Schritte auf die Schritte 17-32, 33-48 und 49-64 und bringen jeweils ein paar Variationen ein (Steplänge entsprechend verändern).

Drums
Mehrtaktiges Groove-Programming in 16 Schritten ist mit Utility möglich.

Klangwischen macht Spaß

Die Sound-Architektur des iPolysix ist sehr leicht zu durchschauen. Zudem bekommen Sie in der aktuellen Version je 50 Klänge für den Synth- und Drums-Bereich. Wie schon erwähnt, lässt sich pro Pattern bei beiden Synth-Parts ein Sound auswählen, was ein ständiges Klangwechseln einfach macht. Wichtig zu wissen ist es, dass Sie ein Programm nicht extra benennen oder abspeichern müssen – der iPolysix merkt sich pro Pattern alle Klangeinstellungen.

Sehr intuitiv modulieren Sie die Synth-Klänge mit dem linken Kaoss-Pad. Die aktuell beliebten Wobble-Synths lassen sich einfach nachbilden. Wählen Sie beim linken Kaoss-Pad den Mode „MG“ und im MG-Block als Mode „VCF“ an. Alle Fingerbewegungen bzw. klangliche Veränderungen werden sofort aufgezeichnet. Sie können nicht nur Filter und Effekte modulieren, sondern dank Mode „Assign“ viele weitere Parameter. Nach und nach lassen sich verschiedene Parameter spontan modulieren und aufzeichnen. Wenn Sie nicht der spontane Typ sind, sondern lieber konstruieren: Halten Sie Ihren Finger länger auf einem Regler oder Taster des iPolysix gedrückt, erscheint eine Controller-Automation. Wischen Sie über den Bildschirm und zeichnen Sie beliebige Kurven für die Steuerung des angewählten Parameters. Dabei lässt sich pro Sequencer-Schritt ein Wert definieren. Erstaunlich viel kann bei iPolysix automatisiert werden, auch Mischpult-Regler und das An/Ausschalten der Effekte.

Alle Sounds der acht Spuren finden im Mixer-8 zusammen. Als globalen Effekt lassen Sie den Reverb eingestellt. Da im Mixer ein Klangentzerrer fehlt, sind Sie gut beraten, bei den Drum-Parts als Effekt öfter einen EQ anzuwählen und für druckvollere Bässe zu sorgen. Die Ergebnisse sollten immer wieder mit „Save As“ gespeichert werden, bis Sie die finale Version für den SoundCloud-Upload fertig haben. Noch ein Tipp: Wenn der Track klanglich über­zeugen soll, sollten Sie das iPad zum Produzieren an ihre Studiomonitore anschließen. So vermeiden Sie, dass der mit dem iPolysix erstellte Track plötzlich anders klingt als über Kopfhörer oder iPad-Speaker.

Soweit ein kleiner Rundgang. Beim iPolysix finden Sie noch viele weitere tolle Features wie AudioBus-Support oder Korgs WIST-Technologie, mit der sich Apps auf verschiedenen iOS-Geräten tempo-synchronisieren lassen. Kurzum: Installieren Sie die Korg-App und suchen Sie den Austausch mit anderen Künstlern. Mit iPolysix geht es so einfach wie nie zuvor. Viel Spaß dabei!

Tipp: Mit Polyshare zum Global Player

Mit Polyshare werden Sie zum Global Player. So geht’s: Legen Sie sich zunächst ein Benutzer­konto bei SoundCloud an. Dies geht einfach über den Internet-Browser und ist kostenfrei. Drücken Sie bei iPolysix auf das Cloud-Symbol, öffnet sich Polyshare. Oben links finden Sie „Login“, melden Sie sich dort mit Ihren SoundCloud-Daten an. Nun können Sie unter „Stream“ die Ergebnisse der iPolysix-Community hören, „liken“ sowie Usern auf SoundCloud folgen.

Zum Hochladen des eigenen Tracks drücken Sie auf das kleine Share-Symbol und wählen „Upload & Share“, worauf der aktuelle Song gerendert und für den Upload vorbereitet wird. Entscheiden Sie vor allem mit „Yes“ oder „No“, ob Ihr Song anderen Usern zum Remix bereit stehen soll. Wischen Sie auf den Bildschirm nach rechts, können Sie weitere Angaben zum Track eintippen. Dank „Privacy“ lässt sich Ihre Musik erst einmal ungelistet in SoundCloud parken, wenn Sie „Private“ anklicken. Später können Sie den Track immer noch öffentlich zugänglich („Public“) machen. Abschließend gehen Sie auf „Next“ beziehungsweise „Upload“ – kurz darauf ist das Werk online.