Workshop iPad für Musiker (14): Kompakt-Studio Apple GarageBand

In dieser Workshop-Folge geht es um eine iOS-App, die auf keinem Musiker-Tablet fehlen darf: Apple GarageBand bietet virtuelle Instrumente, die sich per Touchscreen gut spielen lassen und zu Neuem inspirieren. Spieltrieb und ernsthaftes Produzieren liegen bei dieser App dicht beisammen.

GarageBand
Keine typische Mixer-Ansicht bei GarageBand; der Song lässt sich aber mit zwei verschiedenen Effekten mischen.

Zu Recht rangiert Apples Musikstudio auf den ersten Plätzen der Top-Charts im App Store. Diese App (4,49 Euro) enthält praktisch alles, was Songwriter und Popmusiker zum Arrangieren benötigen. Insgesamt acht Spuren bieten sich an für interne Instrumente oder zur Aufnahme von Gitarre, Stimme und anderen externen Tonquellen. Richtig klasse: Die Smart Instruments erlauben das An­schla­gen und Ziehen von Saiten oder das einfache Spiel ganzer Akkordfolgen. Sie werden mit diesen touchsensitiven Instrumenten erfrischend anders agieren als mit einem MIDI-Controller-Keyboard, das Sie gern zusätzlich anschließen können.

Viel Freude haben Musiker, die mit einem Mac und Logic arbeiten. Die am iPad erstellten Songs lassen sich per iTunes als Projektdaten zum Computer übertragen und dort sowohl mit GarageBand für Mac (13,99 Euro) als auch mit der Profi-DAW Logic Studio (179,99 Euro) öffnen. Unterwegs am Touchscreen flugs ein paar Songskizzen entwerfen, die später mit Logic erweitert und bis zum fertigen Stück ausgefeilt werden können – so lautet die Philosophie von Apple. GarageBand für iOS und die Mac-Version unterscheiden sich trotz gleichen Namens und ähnlichen Erscheinungsbilds klar von­einander. Die Mac-Variante bietet Notendarstellung und eine deutlich höhere Anzahl von Instrumenten; praktische Smart-Instruments sind momentan nur in der iPad-Version zu haben.
Musiker, die im Studio kleine Playbacks für die Bühne vorbereiten, sollten nicht versuchen, einen am Rechner erstellten GarageBand-Song aufs iPad zu übertragen, was aber umgekehrt bestens funk­tioniert. Für die Playback-Wiedergabe und zum Live-Spiel von Sounds via MIDI gibt es passendere Apps (so z.B. „Playbacks123“ oder „DJ Sampler“). Mit GarageBand sind leider keine externen MIDI-Geräte anspielbar. Fehlanzeige bei der aktuellen Version 1.4 ist auch der Im- und Export von MIDI-Files.

Den Song vorbereiten

Vernünftig arbeiten Sie mit GarageBand, wenn Sie zunächst die Tonart festlegen, auch wenn Sie erst einmal gern frei über alle Akkorde improvisieren. Dies hat zwei Gründe: Erstens bekommen Sie bei den Smart-Instruments die passenden Akkorde angezeigt, und zweitens funktioniert der nachträgliche Tonartwechsel richtig. Tippen Sie auf das Symbol „Werkzeugschlüssel“, das Sie in der Hauptansicht rechts oben sehen. Nun öffnen sich die „Einstellungen“, wo Sie bitte Ton- und Taktart (leider auf 3/4, 4/4 und 6/8 festgelegt) auswählen. In diesem Menü aktivieren Sie zugleich auch „Ausblenden“; die Audio-Datei Ihres Songs enthält automatisch ein Fade-out. Netter lässt es sich arbeiten, wenn Sie den Metronom-Klick abschalten und nur „Einzählen“ aktiviert lassen.

Smart Guitar
Bei Smart Guitar haben Sie die Wahl: Autoplay mit acht abrufbaren Chords oder Tippen und Saitenziehen auf dem Griffbrett wie bei einer echten Gitarre.

Einspielen und bearbeiten

Über das Plus-Symbol unten links rufen Sie ein Ins­trument zur Aufnahme auf. Wenn Sie ein Klavier oder eine Orgel benötigen, nehmen Sie „Keyboard“. Sie werden sehen, dass GarageBand für das Spiel auf dem Touchscreen ausgelegt ist. Skalen wie „Klezmer“ oder „Mixolydisch“ lassen sich anwählen und auch ein simpler Arpeggiator einschalten – dies funktioniert nicht, wenn Sie mit einem MIDI-Keyboard einspielen.

Enormen Spaßfaktor bieten die intelligenten Instrumente: „Smart Drums“ ist ein virtueller Trommler, der Ihnen Drumgrooves nach Zufallsprinzip erstellt. Bei den anderen Smart Instruments (Guitar, Strings, Bass, Keyboard) bekommen Sie ein Spielfeld aus insgesamt acht Akkorden, die zur gewählten Tonart passen. Darüber können Sie spontan die einzelnen Akkordtöne und Akkorde in mehreren Umkehrungen anspielen. Wenn Ihnen nichts einfällt, aktivieren Sie „Autoplay“ in vier Stufen (je höher, desto dichter die Notenstruktur) und lassen sich inspirieren.

Selbst die per Autoplay erzeugten Phrasen lassen sich nach der Aufnahme bearbeiten. Kehren Sie zum Hauptfenster zurück und doppeltippen Sie die Region, deren Noten Sie verändern möchten. Es zeigt sich ein Dialogfeld, bei dem Sie „Bearbeiten“ auswählen, worauf sich eine Pianorolle öffnet. In dieser Ansicht lassen sich Noten verschieben, kopieren, löschen und neue Noten einzeichnen.
Zur einfachen Verbesserung des Timings nehmen Sie „Quantisierung“, die Sie sehen, wenn Sie auf das Mischpult-Symbol tippen. Oft soll die aufgenommene Region nicht nach zwei oder vier Takten enden, sondern pausenlos weiterlaufen. Dies erreichen Sie, indem Sie zweimal schnell auf die Region tippen und „Loop“ auswählen. Durch Anfassen der rechten Seite einer Region kann diese verkürzt oder verlängert werden.

Klänge mischen, Songteile kopieren

Anders als bei vielen Mobilstudios wie Korg iPolysix oder NanoStudio gibt es keine klassische Mischpult-Ansicht. Tippen Sie auf das Mischpult-Symbol, bekommen Sie aber die Grundfunktionen geboten, mit denen Sie Lautstärke, Effekte und Panorama-Position für die jeweils gewählte Spur bestimmen. Beachten Sie die Master-Effekte für unterschiedliche Hall- und Echo-Typen – für eine Ballade sollten Sie nicht die Effekte des Dance-Songs übernehmen.

Bisher haben Sie immer nur acht Takte im Arrangierfenster gesehen. In wenigen Schritten lässt sich aber schnell ein Songablauf konstruieren. Drücken Sie auf das Plus-Symbol (oben links), worauf sich das Dialog-Fenster „Song-Abschnitte“ öffnet. Tipp: Nutzen Sie vor allem „Duplizieren“. Nun werden die ersten acht Takte kopiert, auf Wunsch sogar mehrfach. Verändern Sie die Kopien auf den darauffolgenden Takten und schaffen Sie spielend einfach Variationen zum Hauptabschnitt.

Natürlich können Sie aber ebenso jeden Songabschnitt einzeln in variablen Taktlängen einspielen.
Bei GarageBand iOS werden Sie den Befehl „Datei sichern unter“ vermissen. Um vorhandene Dateien nicht zu überschreiben, gehen Sie wie folgt vor: Duplizieren Sie die Song-Vorlage, mit der Sie arbeiten möchten. Drücken Sie auf „Meine Songs“ und danach auf „Bearbeiten“ (obere rechte Ecke). Die Datei-Symbole beginnen nun zu wackeln. Tippen Sie auf die gewünschte Datei, die Sie kopieren möchten, und drücken auf das Duplizieren-Symbol (obere linke Ecke, links neben Papierkorb-Symbol). Nun erhalten Sie eine neue Datei („Kopie von xxx“), mit der Sie arbeiten, während die originale Song-Version unverändert bleibt. Duplizieren Sie auch den aktuellen Stand, wenn Sie Zwischenversionen nicht verlieren oder versehentlich überschreiben möchten.

Ende gut, alles gut

Soweit ein kurzer Überblick. GarageBand bietet auf dem Tablet noch viele weitere tolle Features wie „Jam-Session“ mit der Möglichkeit, mit bis zu drei iPad-Musikern zu jammen und die besten Einspielungen zu einem Song zu teilen. Auch die virtuellen Amps und Effekte für Gitarristen sind ein Plus für diese App. Wie schon erwähnt: Am iPad erstellte Songs können mit GarageBand für Mac geladen und auch in Apple Logic 9 geöffnet werden. Halten Sie wie immer Ihre Programme aktuell und freuen Sie sich auf neue Updates, die hoffentlich auch Notation auf dem iPad berücksichtigen.

Tipp: Sound Content

Für GarageBand gibt es praktische Vorlagen von Drittanbietern: „Guitar Session“ und „GB Inspirator“ von App Sound (ww.app-sound.com) bieten zusammen über 70 Song-Projekte, die live gespielte Guitar-Licks, Mixing-Einstellungen und Groove-Ideen liefern. Per iTunes-Dateifreigabe können Sie auch beliebige Audio-Dateien (AIFF, WAV, MP3, etc.) auf GarageBand iOS übertragen.