Workshop iPad für Musiker (16): Yamaha Mobile Music Sequencer

In diesem Workshop lernen Sie die Arbeit mit dem Mobile Music Sequencer von Yamaha kennen, der das beliebte Konzept der QY-Produkte des Herstellers aus den 90er-Jahren in die digitale Gegenwart transformiert und dabei noch mehr bietet, als die alten Originale.

Yamaha Mobile Music Sequencer
Die Yamaha-App auf einen Blick: Kompositionsmatrix mit acht Spuren und vielen Zellen für MIDI-Phrasen; Sections lassen sich zu Songs anordnen. Auch eine Klangerzeugung samt Effekte und Mischer ist an Bord.

Gut für den iPad-Anwender: Immer mehr Apps machen den Tablet-Computer mit dem Apfel zum mobilen Studio. Inzwischen kann man aus vielen Spiel- und Bedienkonzepten wählen. Ein Dauerbrenner ist Apple GarageBand (siehe Ausgabe 04/2013), das mit tollen Instrumenten glänzt und den Touchscreen des iPad sehr angenehm zur intui­tiven Umsetzung musikalischer Ideen nutzt. Ganz anders der Ansatz von Yamaha: Der Mobile Music Sequencer (16,99 Euro) zeigt sich mit seiner bunten Oberfläche kaum einladend. Viele iPad-Musiker werden wohl gar nicht genau wissen, was sie mit dieser Applikation eigentlich alles anstellen können. Schade, denn Yamahas Anwendung ist trotz fehlender Audio-Phrasen enorm leistungsfähig und in puncto MIDI-Sequencing vielen Musik-Apps deutlich überlegen.

In dieser Folge erfahren Sie, wie Sie den Music Sequencer in der Version 2.1 für iPad, iPhone und andere iOS-Geräte verwenden können. In dieser App steckt neben einem Software-Synthesizer mit 92 Presets (inklusive neuen Schlagzeug-Sets) und einer Effekt-Abteilung (Hall, Chorus, Variation) hauptsächlich eine Kompositionsmatrix, mit der Sie mindestens 382 Preset-Phrasen oder eigene MIDI-Kreationen kombinieren können, was durchaus Spaß macht und in kurzer Zeit zu hörenswerten MIDI-Arrangemens führt. Für effektvolle Varianten einer MIDI-Phrase können Sie die Funktion „Loop Remix“ bemühen, egal ob Sie die internen Klänge der App oder externe MIDI-Geräte anspielen.

Als Profi arbeiten Sie mit dem Mobile Music Sequencer etwa so: Sie kombinieren Phrasen spielerisch mit externen oder internen Sounds zu einem Grundmuster und geben für dieses Arrangement eine Akkordfolge vor, nach der sich alle Phrasen in Art einer Begleitautomatik halten. Nach und nach erstellen Sie einen Song aus mehreren Sektionen. Diesen Song exportieren Sie als MIDI-File und bearbeiten ihn in einem ausgewachsenen Software-Sequencer am PC weiter. Zwar können Sie die Sounds bereits mit der App verändern (Filter, Hüllkurven, etc.) und mit Effekten mischen; die klangliche Feinarbeit erledigen Sie aber besser am Ende mit allen Klangerzeugern und Effekten, die Ihnen zur Verfügung stehen.

Phrasen finden und Abschnitte bilden

Starten Sie mit der Vorlage „Template (Voice Link On)“, zu finden unter „File“. Alle Phrasen rufen bei dieser Vorlage automatisch fest zugewiesene Klänge auf. Sie müssen sich also nicht um die passenden Sounds kümmern. Wenn Sie die Sounds für eine Phrase frei auswählen möchten, nehmen Sie „Template (Voice Link Off)“. In der Hauptansicht bzw. der Kompositionsmatrix (unter „Phrases/View“ zu erreichen) des Mobile Sequencers sehen Sie acht Parts, die sich als MIDI-Spuren verstehen. Den vielen Zellen der Matrix können Sie nun über „Phrase Select“ Phrasen zuweisen. Wählen Sie also Spur für Spur eine Phrase für Drums, Bass, Rhythm Gitarre oder ein anderes Harmonie-Instrument aus. Behalten Sie die Spur-Ordnung einfach bei.

Sie erarbeiten nun bereits eine „Section“. Unter „Other“ des Menüs „Section Edit“ legen Sie die Länge des Abschnitts (voreingestellt sind vier Takte) fest und bestimmen unter „Chord“ eine Akkordfolge. Nur Mut! Die App beherrscht auch komplexe Varianten wie „m7(11) oder „7(b13), wie im Auswahlfenster zu sehen. Jetzt ist die viertaktige „Section“ fertig. Wiederum unter „Other“ innerhalb des Menüs „Section Edit“ geben Sie noch einen Namen ein und erstellen weitere Sections, die Sie unten in der Hauptansicht aufgelistet sehen.

Drücken Sie nun auf „Song“ mit dem Ziel, die einzelnen Sections als Songablauf anzuordnen. Dies funktioniert einfach: Sie tippen auf eine Section, die Sie unten horizontal angeordnet als Reihe finden, halten sie länger gedrückt und ziehen sie auf einen beliebigen Takt des Arrangierfensters. Ähnlich gehen Sie mit den weiteren Abschnitten vor, bis Sie einen Ablauf aus mehreren Sections fertig haben. Wer es bequemer mag oder elektronische, loop-basierte Musik macht, findet hier eine Alternative: Stellen Sie in den „Project Settings“ die Funktion „Section Chain Play“ auf „On“. Nun laufen die einzelnen Sections innerhalb der Reihe automatisch von links nach rechts ab.
Tipp: Laden Sie im File-Menü das „Template (Section)“, um zu erfahren, wie ein Blues-Rock-Song in einzelnen Abschnitten organisiert werden kann.

Pianorollen-Editor
Alle MIDI-Daten haben Sie beim Mobile Music Sequencer bestens im Griff. Der klassische Pianorollen-Editor erlaubt die Eingabe von Triolen oder das
Zeichnen von Controller-Kurven und ist eine Stärke dieser App.

Phrasen schnell und einfach verändern

Gute Musik lebt von Variationen. Hier können Sie sich die Loop-Remix-Funktion oder die Pianorolle der Yamaha-App zunutze machen. „Loop Remix“ ist natürlich bei Drum-Grooves oder auch bei Synth-Phrases, die raffinierter wirken sollen, eine tolle Hilfe. Sie müssen nur bei einer Phrase auf „Edit“ tippen, schon sehen Sie eine Matrix mit je 16 Varianten für die Typen „Normal“, „Break“, „Roll“ und Fill“. Variiert werden die rhythmische Struktur und die Abfolge der Noten. Bei Nichtgefallen können Sie schnell zur originalen Phrase zurückkehren.

Doppeltippen Sie im Arrangierfenster auf eine Phrase, können Sie eine klassische Pianorolle öffnen. Der Kenner freut sich: Selbst verschiedene Triolen lassen sich einzeichnen oder verschieben. Per „Job“ können Sie Noten quantisieren, Controller-Daten löschen oder den MIDI-Ereignissen schnell anderweitig zu Leibe rücken. Wenn Ihnen die vorgefertigten Phrasen überhaupt nicht zusagen sollten: Tippen Sie auf eine leere Zelle der Kompositionsmatrix und danach auf „Create“. Nun können Sie in der geöffneten leeren Pianorolle eine Phrase ganz nach Ihren eigenen Ideen konstruieren und sogar abspeichern (Phrase Edit, Other) für weitere Songprojekte. Wenn Sie links oben auf das Tastatur-Symbol tippen, erscheint auf dem Screen ein virtuelles Keyboard zum Einspielen von MIDI-Noten nebst Controller-Daten (Pitch, Modulation).

Externe MIDI-Klangerzeuger einbinden

Irgendwann werden Sie andere Sounds als die internen Klangfarben hören wollen. Hier entdecken Sie eine weitere Stärke der App: Sie können direkt ein Gerät aus der Motif-Familie (Motif XF/XS, S70/ 90XS, MOX6/8) ansteuern, wenn Sie das iPad über das Yamaha iMX oder ein anderes MIDI-Interface, das Core-MIDI-kompatibel ist, mit ihrem Yamaha-Synthesizer verbinden.

Rufen Sie die System-Einstellungen der App auf. Deaktivieren Sie zunächst die interne Soundquelle (General: Sound = Off) und geben Sie bei MIDI-Port „ipad accessory“ („out“ zur MIDI-Ausgabe drücken) sowie das vorhandene Yamaha-Gerät (z.B. Motif XS“) an. Beim Motif selbst wählen Sie den Song-Modus an mit einem leeren Song. Nun dient die App sozusagen als „QY-Sequencer“ für ihren Motif. Sie listet auf dem Touchscreen alle Voice-Namen auf, die Voices werden automatisch angewählt, Mischpult-Einstellungen können vom iPad erledigt werden. Sehen Sie auch das Tutorial Video auf dieser Seite.

Wenn Sie Dance- und Popmusik der 90er-Jahre mögen, eine detaillierte MIDI-Noten-Bearbeitung mittels Pianorolle zu schätzen wissen oder vielleicht noch ein Keyboard aus der Motif-Serie haben sollten und die dazu passende Arrangierhilfe benötigen, wird Ihnen der Mobile Music Sequencer neue Wege beim MIDI-Handling öffnen.

Bequem können Sie den Mobile Music Sequencer um Phrases und Klänge erweitern. Per In-App-Kauf bietet Yamaha derzeit fünf Pakete, die sich angesagten Stilrichtungen wie R&B, Dance Pop, Electronic oder HipHop widmen (ca 3,59 Euro pro Pack).