Workshop iPad für Musiker (17): Audio-Streaming zwischen Apps

In diesem Workshop zeigen wir Ihnen, dass eine App für das iPad keine Insellösung bleiben muss. Wer Audiodaten zwischen einzelnen Anwendungen tauschen möchte, findet mit Audiobus eine technisch zuverlässige Lösung. Wir zeigen, wie einfach diese App funktioniert.

Audiobus
Mehrspur-Aufnahme per Audiobus. Von links nach rechts: Input-Slot mit Nave Synthesizer und DM1 Drummachine; Vocalive als Effekt sowie die Studio-App Beatmaker 2 zum Aufnehmen und Arrangieren.

Aus Solisten ein Ensemble bauen: Früher oder später wünscht sich jeder iPad-Musiker, dass er nicht immer bei einer einzigen App hängen bleibt, sondern mit möglichst vielen Anwendungen gleichzeitig arbeiten kann. Seit den frühesten Tagen der Musik-Apps gibt es natürlich die Möglichkeit, Audiodaten zwischen einzelnen Apps über die Zwischenablage zu tauschen. Diese klassische Copy&Paste-Methode bremst aber den kreativen Arbeitsfluss ebenso deutlich wie der Umweg über die Online-Plattform SoundCloud, die von zahlreichen Musik-Apps unterstützt wird. Die beim Komponieren so wichtige Spontanität beim Probieren verschiedener Klänge oder Spuren geht leider verloren. Praktischer läuft es mit virtuellen Kabeln, welche die eine mit der anderen App verbinden: Willkommen bei Audiobus von Michael Tyson (alias „A Tasty Pixel“) und Sebastian Dittmann, der im Statement sein persönliches Praxis-Szenario verrät.

Das Audiobus-Konzept ist nicht vollkommen neu: Prinzipiell ähnlich funktioniert ReWire von Propellerhead schon seit vielen Jahren auf dem PC oder Mac. Mit dieser Schnittstelle lassen sich Audio- und MIDI-Daten zwischen einzelnen Programmen wie Steinberg Cubase oder Ableton Live in Echtzeit austauschen. In der iOS-Welt ist aber das im Dezember 2012 erschienene Audiobus die erste etablierte Lösung zum Streamen von Audio-Daten zwischen einzelnen Apps. Audiobus (ca. 4,49 Euro) erfordert mindestens ein iPad2 oder iPhone 4S. Mehr als drei Apps gleichzeitig sollten Sie nicht nutzen – die Leistung eines Tablet-PC hat Grenzen. In der Praxis noch gravierender ist, dass Audiobus selbst nicht für den Austausch von MIDI-Daten sorgt. Dies müssen Sie selbst arrangieren per Virtual MIDI (Verbindung zwischen Apps) oder CoreMIDI (Verbindung zwischen externem Controller/Keyboard und App).

Audiobus einsetzen

Die Bedienung von Audiobus erklärt sich fast von selbst. Derzeit arbeiten rund 300 Apps mit Audiobus zusammen, die in der Summe unzählige Einsatzmöglichkeiten bringen. Eine Übersicht aller Audiobus-kompatiblen Apps finden Sie auf der Webpage http://audiob.us/apps/. Zur Auswahl bekommen Sie nur die Anwendungen angezeigt, die Sie selbst auf ihrem iPad oder iPhone installiert
haben.

Nach Installation und Start von Audiobus sehen Sie drei Slots: Input, Effects und Output. Sie tippen einen der Slots an, wählen eine App aus und starten diese durch erneutes Antippen und kehren zurück zur Audiobus-App. Für den nächsten Slot wählen Sie wiederum eine weitere App. Eine aktive Audiobus-Verbindung erkennen Sie nun an den animierten Lichtstreifen zwischen Input, Effects und Output. Übrigens: Sollte nach Zuweisung der Apps für Input und Effects nichts zu hören sein, wählen Sie für den Output-Slot „Speaker out“.

Per Kontrollleiste können Sie schnell zwischen den Apps wechseln. Mehr noch: Auch die klassischen Transportfeld-Funktionen wie Play, Stop und Record bekommen Sie angeboten. So können Sie den Audio-Sequencer, mit dem Sie aufzeichnen, vom Klangerzeuger, den Sie gerade spielen, fernsteuern. Wenn die Leiste auf dem Bildschirm einmal stören sollte, lässt sie sich aus- und bei Bedarf wieder einblenden.

BeatMaker 2
BeatMaker 2 legt Spuren für die per Audiobus verbundenen Instrumente an. Aufgezeichnet wurden hier Nave und DM1. Rechts die praktische Kontrollleiste von Audiobus.

Tipps für die Praxis

Welche Apps starten Sie in welchem Slot? Die Bezeichnungen mögen zunächst vielleicht zu Trugschlüssen führen. „Input“ ist kein Eingang, sondern in diesen Slot legen Sie Instrumente und andere klangerzeugende Apps, deren Audiosignale Sie bearbeiten oder aufnehmen möchten.
Sogar ein Mehrspurverfahren ist ein Leichtes mit Audiobus. Zur Audio-Aufnahme nehmen Sie den Slot „Output“. Dazwischen liegt noch ein Slot, der – nomen est omen – für Apps zur Effekt-Bearbeitung vorgesehen ist. Tatsächlich gibt es sehr flexibel nutzbare Apps, die Sie allen drei Slots zuweisen können. Zum Beispiel lässt sich der NLogSynthPRO als Instrument (Input) zur Bearbeitung von Audio-Signalen (Effects) und auch zur Audio-Aufnahme verwenden. Dies ist aber nicht gleichzeitig machbar. Für den Input- und gleichzeitig für den Output-Slot können Sie aber zum Beispiel auch Steinberg Cubasis und andere DAWs anwend en.

Wie Sie damit arbeiten, richtet sich nach der jeweiligen App. Gut beraten sind Sie jedenfalls mit allen Studio-Apps, bei denen sie Audio-Aufnahmen nachträglich auch schneiden können. Das klappt leider nicht bei jeder Anwendung fürs iPad, so auch nicht bei Apple GarageBand. Tipp: Anstelle einer Audio-Spur nutzen Sie hier den Sampler. Auch bei anderen Apps „müssen Sie zunächst schauen, in welchem Menü überhaupt die Audio-Aufnahmen erfolgen. Obwohl zum Beispiel das beliebte NanoStudio über keine Audio-Spuren verfügt, können Sie externe Klänge via Audiobus streamen und den Sample-Pads des TRG16 der App NanoStudio zuweisen.

Eine Session mit Audiobus beenden Sie wie praktisch alle Anwendungen auf dem iPad mit iOS 6. Verlassen Sie die App über den Home-Button und tippen nun zweimal schnell hintereinander nochmalig den Home-Button. Jetzt sehen Sie im unteren Bereich des Touchscreens die Multitasking-Leiste. Halten Sie die Audiobus-App solange bis das Symbol wackelt und drücken das rote Minus-Symbol. Die App ist nun beendet. Schließen Sie alle weiteren Musik-Apps in gleicher Weise.

Offen für viele Szenarien

Audiobus wertet die mobile Musikproduktion auf dem iPad nach dem Vorbild einer klassischen Digital Audio Workstation enorm auf. Wer gern experimentiert und auch die MIDI-Verbindungen sowie die Tempo-Synchronisation auf seinem Tablet-PC durchschaut, kann der App viel abgewinnen.

Allerdings zeichnet sich bereits zum jetzigen Zeitnpunkt ab, dass Audiobus künftig nicht ohne Alternativen bleiben wird: Mit dem Erscheinen des aktuellen Betriebsystems iOS 7 und dem so genannten „Inter-App Audio“ bietet Apple ein neues System zum Datentausch von Audio und MIDI unter iOS-Apps. Derzeit sind Entwickler rege mit der Anpassung ihrer Apps ans neue Betriebssystem beschäftigt. Sobald Inter-App Audio mit den wichtigsten Musik-Apps sicher läuft, geben wir an dieser Stelle praktische Tipps. Bis dahin viel Spaß bei spannenden Fahrten mit Audiobus.

Statement

Sebastian Dittmann

Sebastian Dittmann, ist CEO von Audanika und neben Entwickler Michael Tyson der ­Initiator von Audiobus. Hier skizziert er sein persönliches Praxis-Szenario zum Umgang mit Audiobus: „Ich verwende es zur Aufnahme von Sounds geschätzter Apps, die ich wiederum durch andere Apps filtere und in einer dritten Anwendung ­speichere. Ganz konkret favorisiere ich für meine Live-Performance die Instrumenten-App „guitarism“, deren Sound ich per „JamUp Pro XT“ mit Amp-Effekten bearbeite und mit der Live-Looper-App „Loopy“ spontan aufzeichne und abspiele. Dabei ist das ­„Audiobus Connection Panel“ bei jeder dieser Audiobus-kompatiblen App verfügbar und kann individuelle Features in den jeweiligen Apps an- und ausstellen. Zum ­Beispiel lässt sich das Filter in JamUp Pro XT hinzuschalten. Ein weiteres schönes Anwendungsbeispiel ist für mich das Erstellen eines Podcasts. Hierzu empfiehlt sich die App „Bossjock Studio“, deren Audio-Ausgang sich direkt via „KoalaSAN“ live ­streamen lässt. Dies alles funktioniert dank Audiobus auf einem einzigen iOS-Gerät.“