Workshop iPad für Musiker (18): Audio-Bearbeitung leicht gemacht

In dieser Workshop-Folge lernen Sie die App „Audio Mastering“ kennen. Wir zeigen Ihnen, was Sie damit alles anstellen können und wie einfach sich die Praxis mit dieser universell einsetzbaren iOS-App ­gestaltet.

Mastering Controls
Mastering Controls: Keine Schönheit, aber leicht bedienbar und effektiv. In der Controls-Ansicht sind alle Funktionen erreichbar, die Presets machen einen guten Job.

Von der außergewöhnlichen Performance über Nachbildungen traditioneller Instrumente bis hin zur iDAW mit allen Komponenten eines Studios scheint auf dem iPad alles möglich zu sein. Auch die Rubrik der Effekt-Apps wird zunehmend besser und interessanter, wie ­„AudioReverb“ (4,49 Euro) oder „Turnado“ (17,99 Euro) zeigen. Ausgerechnet aber der letzte wichtige Schritt in der Kette des Musikschaffens blieb ­bislang den iOS-Musikern vorenthalten: Das ­Bearbeiten von Audio-Dateien für ein druckvolleres und transparenteres Klangbild, kurz: Mastering. Diesem Thema hat sich der russische Entwickler Igor Vasiliev mit seiner App Audio Mastering (10,99 Euro) angenommen. Sie funktioniert in der Version 1.5 mit einem iPad mit iOS 5.1 oder ­aktueller und findet seit dem Release im Mai 2013 im AppStore immer öfter Beachtung.

Nicht nur für den letzten Feinschliff der Musikproduktion am iPad, sondern ebenso für Live-Einsatz ist Audio Mastering eine lohnenswerte ­Sache. Wer das Audio-Signal am Kopfhörer-Ausgang abgreift und es zum Mischer oder Verstärker schickt, wird beobachten, dass das Klangergebnis weniger druckvoll und transparent ist als bei ­Nutzung eines externen hochwertigen Audio-Interfaces. In diesem Fall peppt Audio Mastering das Signal am Kopf­hörer-Ausgang hörbar auf. Praktisch für alle audiorelevanten Schritte am iPad können Sie die App nutzen. Auch das Homestudio profitiert: Wer keine gute Mastering-Software auf dem PC hat, wird gern auch Dateien vom Rechner aufs iPad übertragen, um sie mastern zu können.

Audiobus
Per Audiobus lässt sich das Summensignal einer Studio-App bequem zu „Audio Mastering“ führen und dort während der Musikwiedergabe bearbeiten.

Mehrere Wege führen zum Ziel

Die in der letzten Folge besprochene App Audiobus (http://audiob.us) macht die Nutzung von Audio Mastering sehr einfach. Sie können die Anwendung dem Slot „Effects“ oder „Output“ zuordnen und die Audiosignale, die von der App im Slot „Input“ kommen, direkt und in Echtzeit bearbeiten. Konkret: Sie rufen eine Instrumenten- oder Studio-App (beispielsweise Galileo Organ, Animoog, iPolysix, NanoStudio, BeatMaker, etc.) im Slot „Inputs“ von Audio­bus auf. Deren Sounds bzw. Mixes sollen aufgepeppt werden. Dazu ordnen Sie „Audio ­Mas­tering“ als „Effects“ zu und haben den Slot „Output“ noch frei für Apps (z.B. Auria, Loopy HD, Master Record), mit der Sie die fertig bearbeiteten Klänge aufzeichnen können. Falls Sie noch einen Hall oder eine andere Effekt-App in die Audiobus-Signalkette einbinden möchten, rufen Sie „Audio Mastering“ beim Slot „Output“ auf. Diese Konstellation ist für den Live-Gig interessant.

Der praktische Weg über Audiobus funktioniert aber nicht mit allen Apps, leider auch nicht mit der sehr verbreiteten Studio-App GarageBand von Apple. In der aktuellen Version 2.0 lässt sich ­GarageBand nur im „Output“-Slot aufrufen. Das ist schade, denn sicher würden Sie Ihren Song gern direkt via Audiobus mastern. Sie müssen ein Song-Projekt zunächst als Audio-Datei exportieren bzw. teilen und es dann zu Audio Mastering übertragen.

Fürs File-Sharing ist „Audio Mastering“ ziemlich offen: Sie können Audio-Dateien über die Zwischen­ablage, über eine Webseite und auch über Sound Cloud tauschen. Die einfachsten Varianten sind der Tausch über iTunes oder über Dropbox. Die zu bearbeitende Audio-Datei fügen Sie bei Datei­freigabe von iTunes der App Audio Mastering zu oder Sie legen einen Dropbox-Ordner an, in den Sie alle Song-Dateien auf der Festplatte hineinschieben.

Werkzeuge zur Klangoptimierung

Der Klangprozess läuft flüssig von der Hand. Im Menü „Files“ sehen Sie alle Audio-Dateien, die zur Sound-Bearbeitung („Processing“) bereit stehen. Klicken Sie auf eine Datei und drücken Sie zum Probehören eine Laufwerktaste (Play, Pause, etc.). Zur Klangoptimierung wechseln Sie zur „Controls“-Ansicht. Dort fällt zunächst der grafische 10-Band-Equalizer ins Auge, mit dem Sie bestimmte Frequenzbereiche anheben oder absenken können. Für mehr Stereobreite nutzen Sie das 3-Band-Stereo-Imagaging; spielen Sie auch mit den Werten für den Harmonic Saturator für analoge Sättigungseffekte.

Allergrößten Effekt hat jedoch der Maximizer. Dies ist ein Breitband-Kompressor, der ihrer ­Mischung ordentlich Druck verleihen kann. Zu kompliziert? Starten Sie einfach mit den Presets (Rock, Pop/Dance, Easy Listening, Vocal, Ambient, Electronic), die sich von jeder Seite aus abrufen lassen. Mit diesen Vorlagen und einigen kleinen Eingriffen kommen Sie schnell ans Ziel. Übrigens: Benötigen Sie technische Hilfe, schauen Sie einfach unter dem Fragezeichensymbol nach, wo Sie alle Funktionen von „Audio Mastering“ beschrieben finden.

Eigentlich sind Sie nicht weiter auf einen Audio-Editor (siehe Kasten) angewiesen. Das klassische Fade-out am Ende des Musikstücks können Sie ­setzen und den Song auch einblenden. Im Menü „Waveform“ lassen sich Fades bis sogar 30 Sekunden mit unterschiedlichen Kurven setzen. Bitte achten Sie immer darauf, dass die entsprechenden Tasten aktiv sind. Sind alle Eingaben fertig und stellt Sie das momentane Ergebnis klanglich zufrieden, drücken Sie schließlich im „Files“-Menü auf „Process files“. Nun entsteht eine neue Audio-Datei, die Sie z.B. auf SoundCloud hochladen oder wiederum per iTunes oder Dropbox zum Desktop-Rechner über­tragen können. Beim Processing können Sie das passende Dateiformat (WAV, AIFF, MP3, etc.) und die Auflösung (16 oder 24 Bit) wählen.

Ende gut, alles gut

Audio Mastering ist eine simple, aber effektive ­Lösung für jeden iPad-Musiker, der sich nach der Musikproduktion oder beim Live-Gig einen um Druck und Transparenz optimierten Sound wünscht. Bitte aber nicht voreilig mobil über Kopfhörer ­arbeiten, was sich bei einem Tablet-PC geradezu anbietet. Für die Audio-Bearbeitung lohnt es sich immer, eine vertraute Hörumgebung zu schaffen, idealerweise in einem Studio mit guter Raumakustik und mit hochwertigen Lautsprechern. Bleibt zu wünschen, dass der Entwickler Igor Vasiliev die Klangqualität seiner gelungenen App weiter ver­feinert und sie insbesondere um einen Multiband-Kompressor erweitert.

Statement

Igor Vasiliev

Igor Vasiliev, iMusicAlbum-Entwickler von Audio Mastering und ­weiteren Musik-Apps: „Meine App Audio Mastering werde ich klanglich und funktionell noch weiter optimieren. Die ­nächste Version soll eine verbesserte Klangqualität bieten und wird neben Audiobus natürlich auch Inter-App-Audio von Apple unterstützen. Einen parametrischen Equalizer möchte ich ­ebenso ergänzen wie ein paar ­Optionen für den Maximizer und auch das Stereo-Imaging erweitern. Auf dem Plan steht zudem ein Multiband-Kompressor. Ferner denke ich über eine MIDI-­Steuerung und vielleicht auch über eine ­Automation der ­Parameter nach.“



Tipp: Gratis Editor für Audio-Files

Editor Hokusai

Die einfache Bearbeitung von Audio-Dateien ist auf dem iPad inzwischen möglich. Wer seine gemasterten Stücke schneiden, normalisieren, ein- oder ausblenden möchte, muss nicht mehr auf dem PC bewährte Programme wie die Freeware „Audacity“ zurückgreifen. Hokusai ist ein kostenfreier Audio-Editor fürs iPad, mit dem Sie mehrere Spuren mischen und einfach bearbeiten können. Die Bedienung erklärt sich fast von selbst. Bei Bedarf lassen sich verschiedene Spezialeffekte (Noise Gate, Bit Crusher, Reverb, Echo, Chorus, etc.) als In-App-Kauf erwerben. Installieren und probieren lohnt sich.