Workshop iPad für Musiker (21): Drum Machines

In dieser Workshop-Folge erfahren Sie, mit welcher Drum-App Sie auf welche Weise elektronische Beats erstellen können. Im Fokus: die Apps DM1, SeekBeats, Stroke Machine und Impaktor.

iPad für Musiker: Drum Machines

In vielen Sparten der Dance- und Popmusik haben vor allem Sounds analoger Drumcomputer ihren festen Platz. Oft mischen sie sich mit akustischen Schlagzeugklängen und sind auf einem Tablet-PC sehr gut realisierbar. Drum-Apps für Kreative bieten mindestens zwei schlagende Argumente: Ein Step-Sequencer vereinfacht das Erfinden neuer rhythmischer Muster, und mit der Klangerzeugung kann man ohne Samples abgefahrene Sounds spielerisch kreieren. Die meisten iDAWs wie Apple GarageBand oder Korg Gadget integrieren zwar einen Drumcomputer – es geht aber noch bedeutend besser, wie unsere Auswahl an Spezialisten zeigt.

DM1 für iPad
Retro Look, stimmiges Konzept und vielseitig: Fingerlab DM1 für iPad und Mac.

Fingerlab DM1 – der flexible Klassiker

Eine klassische Drum Machine aus Step-Sequencer und Song/Pattern-Struktur ist der DM1 (4,49 Euro) von Fingerlab. Die Sounds basieren auf Samples, momentan haben Sie insgesamt 99 Vintage- und Elektronik-Kits. Mit den Effekten und Mischpult können Sie die Beats klanglich noch aufwirbeln.

Starten Sie mit der „Steps“-Ansicht, die einen guten Zugriff auf alle Spuren und Schritte bietet. Entwicklen Sie ihre eigenen Beats per Fingertip auf dem Screen. Wer überhaupt keine rhythmischen Ideen hat oder sich inspirieren lassen möchte, wischt wild über den Touchscreen und entfernt danach alle störenden Steps. Im „Song“-Fenster fügen Sie die einzelnen Pattern zu einem Song zusammen.

Unbedingt probieren sollten Sie die Automation auf der „FX“-Seite: Zwei Effekte (Delay, Overdrive, Filter – frei wählbar) lassen sich modulieren. Selten ist es gut, den Master beziehungsweise alle Spuren zu bearbeiten. Tippen Sie also auf „Mixer“ und wählen Sie einzelne Instrumente wie Snare oder HiHat aus, die mit Effekten aufgefrischt werden sollen. Jetzt brauchen Sie bei laufendem Pattern nur auf „FX Automation“ zu tippen und mit den Fingern beide XY-Pads zu berühren. Alle Bewegungen werden aufgezeichnet, interessante Effektkreationen entstehen. Tippen Sie länger auf „FX Automation“, werden alle Daten gelöscht, und Sie beginnen neu.

Nutzen Sie schließlich in der „Song“-Ansicht den großzügigen Export ihrer Grooves als Audio-Dateien per Mail, iTunes, DropBox oder auch Facebook und SoundCloud. Hier können Sie Einzelspuren („Separated Tracks“) als WAV-Dateien erzeugen, die später in einer DAW gemischt werden sollen. Wenn Sie Ihre Songs ausschließlich am iPad erstellen möchten, nehmen Sie besser Inter-App Audio und Audiobus 2, das DM1 unterstützt. Dieser Vintage Drumcomputer sollte auf keinem iPad fehlen, ihn gibt es als „DM1 – The Drum Machine“ auch als App (8,99 Euro) für Mac OSX.

SeekBeats
Druckvolle Analog-Drums auf Zufall: SeekBeats ist eine kleine, aber feine App für Elektronikmusiker.

Suchen und Finden mit SeekBeats

Die App Seek Beats (6,99 Euro) von Rodrigo Yanez arbeitet mit einer Synthesizer-Klangerzeugung ohne Samples und klingt insgesamt aktueller als DM1. Seek Beats verfügt über acht separate Stimmen (einzelne Klänge), kombiniert mit einem Step-Sequencer, beim dem Sie die Dynamik verschiedenen Klangparametern zuweisen können.

Starten Sie in jedem Fall mit einer Session (z.B. „example 1), die Sie über das File-Menü laden. Tippen Sie auf Play und entdecken Sie nacheinander die einzelnen Sektionen. Einige klangliche Möglichkeiten lernen Sie schnell kennen, wenn Sie auf „Snd Bank“ tippen, worauf sich ein Fenster mit einer Preset-Auswahl öffnet. Für jede der acht Spuren wählen Sie andere Klänge (sortiert nach Bass Drum, Cymbal etc.) an. Allein für die Bass Drum können Sie rund 30 Sound-Varianten probieren.

Zwei Extras von SeekBeats heißen Randomizer und Snapshots: Gehen Sie auf die Seite „Rand“. Hier können Sie alle acht Klänge oder jeden einzelnen Drumsound zwischen den Stufen „No Variation“ und „Extreme Variation“ abwandeln. Die mitunter verblüffenden Ergebnisse können Sie als Schnappschuss festhalten, indem Sie einfach auf „Take Snap“ tippen. Über „Rcall Snap“ können Sie alle Schnappschüsse wieder herstellen. Dort finden Sie eine Liste mit allen Snapshots. Praktisch ist die „Perf“-Seite. Hier können Sie alle Schnappschüsse abrufen, zwischen acht Patterns wechseln, jede der acht Sounds solo oder stumm schalten oder eine globale „Randomizer“-Funktion auskosten.

Leider findet sich auch Schatten bei SeekBeats: Auf einen Audio-Export müssen Sie leider verzichten. Momentan lässt sich die Audio-Summe von SeekBeats per Audiobus an andere Apps streamen. Insgesamt ist SeekBeats inspirierend durch direkte satte Elektroniksounds und wird hoffentlich noch sinnvolle Updates bekommen. Auf der Wunschliste stehen weitere Effekte, ein Mixer sowie der Export als Audio-Dateien.

Groove-Synthesizer Stroke Machine
Bunt, nicht schrill: Stroke Machine ist ein Groove-Synthesizer mit exzellentem Klangpotenzial.

Arrangieren mit Drums und Klängen

Die Stroke Machine (17,99 Euro) von Wolfram Franke ist für Klangbastler eine der besten Lösungen für elektronische Drums. Hier können Sie Drums, Percussion und Synthesizer-Phrasen in einem so genannten „Kit“ kombinieren. Die Factory Presets zeigen bereits, dass diese Kits eindrucksvoll klingen und eine Basis für Songs darstellen können. Insgesamt sind das jeweils 12 Sequencen für Drums oder Percussion („Perc“) und für Klänge und Sequencen für tonal spielbare Sounds („Mel“), mit denen Sie Bässe, Begleitphrasen und natürlich auch melodische Parts kreieren können.

Musiker, die sich mit Synth-Programming bereits ein wenig auskennen, bearbeiten parallel den Step-Sequencer und die vielen Klangparamter der Stroke Machine. Bei der Sound-Auswahl nehmen Sie zunächst die Presets, die Sie abwandeln. Neben Synth-Oszillatoren können Sie auch eigene Samples importieren. Bevor Sie die Signale der einzelnen Klänge zum Effekt-Bus schicken, sollten Sie mit EQ, Drive und Redux für Druck und Transparenz sorgen.

An Effekten stehen Delay, Hall, Chorus, Phaser, Overdrive und Kompressor bereit. Mit vier Effekt-Bussen erlauben sie räumliche Tiefenstaffelungen und viele andere Mixing-Tricks. Diese Stärke von Stroke Machine sollten Sie ebenso häufig auskosten wie die Automation der Klangparameter für lebendige Grooves: Auf der „Sound“-Seite aktivieren Sie den „Mod Seq“ mit der Einstellung „Smooth“ für sanfte Übergänge zwischen den einzelnen Sequencer-Steps, tippen auf die „Record“-Taste und bewegen Regler bei beliebigen Klangparametern. Nun hören und sehen Sie bei der Wiedergabe bereits automatisierte Klangabläufe. Die Funktionalität von Stroke Machine ist jedenfalls klasse. Diese App wird Sie auf lange Sicht begeistern.

Wegen des simplen Audio-Exports per Mail, iTunes, DropBox oder SoundCloud bieten sich fast alle Anwendungen auch für die ernsthafte Musikproduktion am Desktop-PC an. Holen Sie sich Ideen und Anregungen per Tablet, importieren Sie die Grooves in die DAW und arrangieren Sie Ihre Stücke fertig.

Die sehr preiswerte App „Figure“ von Propellerhead ist eigentlich als DAW konzipiert, kann aber speziell beim intuitiven Erstellen von Drumpattern überzeugen. Wenn Sie für alternativere Konzepte offen sind, probieren Sie auch einmal „Different Drummer“ und „Stochastik“, die Samples zur Klang­erzeugung nutzen. Wie immer, gilt letztlich auch beim kreativen Produzieren von Beats die Devise „Der Weg ist das Ziel“. Lernen Sie neue Pfade kennen und lassen Sie sich inspirieren.

Tipp: Klänge per Mikrofon triggern

Impaktor

Aus der Masse der elektronischen Klangerzeuger ragt eine App heraus: „Impaktor“ (4,49€) von BeepStreet ist ein Drum-Synthesizer mit einem besonderen Merkmal: Die akustischen Signale, die beim Händeklatschen oder beim Trommeln auf Tisch und Oberschenkeln erzeugt werden, erfasst das interne Mikrofon des iPad oder iPhone und nutzt Sie direkt zur Steuerung der Drum- und Percussion-Klänge. Mit dem Sequencer lassen sich nacheinander mehrere Spuren aufnehmen. Die kompletten Beats können schließlich als WAV-Dateien exportiert werden. Impaktor erlaubt jedenfalls das intuitive Umsetzen von geklopften Rhythmen und ist definitiv eine App mit hohem Live-Faktor.