Workshop iPad für Musiker (22): Chordbot

In diesem Workshop erfahren Sie, wie schnell und einfach Sie mit der App Chordbot Ihre Playbacks arrangieren oder neue Akkordfolgen entdecken können. Dieses Tool bringt die klassische Begleitautomatik auf Hosentaschenformat.

Akkorddauer
In wenigen Schritten zum fertigen Song: 1. Festlegen der Akkorddauer und -folge.

Erstmals kommt in dieser Workshop-Serie eine nützliche App zur Sprache, die auf jedem Smartphone läuft und die Begleitautomatik eines Arranger-Keyboards auch auf das Apple iPad transportiert. Die Eckdaten zeigen bereits, das Sie mit diesem Tool durchaus individuell arbeiten können: Chordbot versteht über 60 Akkordtypen, die sich in über 70 Style-Arrangements mit mindestens 400 Instrument-Spuren zu Songs aus mehreren Formteilen arrangieren lassen. Diese App ist also für das Songwriting, zur Playback-Erstellung oder auch als Lernhilfe bei der Akkord- und Harmonielehre sehr praktisch.

Die kostenlose Lite-Version bietet bis auf das Sichern von Songs alle Features von Chordbot Pro (4,49 Euro in iTunes bzw. 4,38 Euro für die An­droid-Version im Google PlayStore). Die Pro-Version benötigen Sie, wenn Ihre Style-Songs bzw. Akkordfolgen schließlich noch als Audio- oder MIDI-Datei exportiert oder per Mail versendet werden sollen. Wie auch immer, Sie investieren in eine der unscheinbarsten, aber produktivsten Apps in der Musik-Sparte. Dabei zählt Chordbot zu den Anwendungen, die Sie schnell verstehen werden, ohne sich intensiv mit der Anleitung befassen zu müssen. Erst recht, wenn Sie die folgenden Tipps kennen.

Harmonien zufällig zaubern lassen

Für den Anfang sollten Sie die Demo-Songs laden über das Menü „File/Tools“, das Sie über das Symbol „...“ erreichen. Schon in Kürze werden Sie die Einsatzmöglichkeiten der App besser einschätzen können und beobachten, dass Sounds und Phrasen bei Chordbot überwiegend traditionell (keine Elek­tronik) ausgerichtet sind. Nun sollten Sie gleich „Song-O-Magic“ ausprobieren. Chordbot bietet mit diesem Feature zufällig Akkordfolgen, die Sie zu neuen Taten inspirieren sollen. Beginnen Sie mit einem leeren Projekt: Tippen Sie wieder auf „...“ und erstellen Sie im Menü „File/Tools“ einen neuen Song („New“).

Über das „...“-Symbol gelangen Sie zu „Song-O-Matic“. Drei Vorlagen stehen zur Auswahl: „Plain Pop“ ist für einfachere Akkordfolgen gedacht; mit alterierten Akkorden inklusive Optionen dürfen Sie bei „Justified Jazz“ rechnen. Die nach dem österreichischen Komponisten Arnold Schönberg benannte Vorlage „Schoenberg Surprise“ erzeugt gewagtere Akkordbeziehungen und bringt Sie weiter, falls Sie Turnarounds und andere Standardkadenzen bereits aus dem FF beherrschen. Tippen Sie auf eines der drei Muster, und Sie bekommen ein fertiges Akkordschema aus 4 bis 8 Takten.

Soundauswahl
Schritt 2: Auswahl der Sounds.

Stilistiken, Phrasen und Klänge probieren

Bevor Sie sich um die – automatisch erzeugten – Akkorde selbst kümmern, sollten Sie näher festlegen, in welche Richtung das Musikstück stilistisch gehen soll. Tippen Sie rechts unten auf dem Bildschirm auf „Mixer“ und wählen Sie bei laufender Akkordfolge die unterschiedlichen Mixer-Presets an, die Sie grob mit den „Styles“ eines Arranger-Keyboards vergleichen können. Manche Preset-Namen (etwa „ Waltzy – 3/4“, „Bossatron“ oder „Shuffle“) verraten die Stilistik deutlich. Nehmen Sie Ihren Favoriten und und stimmen Sie das Tempo auf das Preset ab. Die Tempi werden bei Anwahl eines Mixer-Presets nicht automatisch angepasst.

Das ausgewählte Mixer-Preset lässt sich noch individuell verfeinern. Tippen Sie nochmal auf „Mixer“, und Sie treffen nun auf den „Instrument Mixer“. Hier können Sie die insgesamt acht Spuren durch andere Klänge und Begleitphrasen belegen. Über das Aufgebot an vielen Begleitvariationen werden Sie sich freuen. Tipp: Löschen Sie einzelne Spuren („Remove Track“) und reduzieren Sie das Arrangement, wenn Sie nur eine sehr einfache Akkordbegleitung wünschen. Einen Mixer im eigentlichen Sinn als Mischpult finden Sie obendrein: Einzelne Spuren lassen sich bezüglich Lautstärke und Effekt (Reverb und Chorus) regeln, wovon Sie öfter Gebrauch machen sollten.

Voicings
Schritt 3: Bestimmen der Voicings.

Akkorde im Detail bearbeiten

Im Chord-Editor können Sie mit den Plus- und Minuszeichen einzelne Akkorde blockweise hinzufügen oder löschen. Tippen Sie auf einen Block, so öffnet sich ein Fenster mit einer großen Parameter-Auswahl: Bestimmen Sie die Länge des Akkords –  „8/4“ bedeutet beispielsweise 2 Takte im 4/4-Takt. Für eine punktierte Halbe nehmen Sie „3/4“, für einen Viertelschlag „1/4“. Ein Block im Chord-Edit entspricht also nicht einfach einem Takt; die Länge kann in 1/4-Schritten definiert werden. Wählen Sie nun den Grundton (Flat = Bb, Sharp = #) und den jeweiligen Akkordtyp wie „Maj7“, „Sus4“, „7(#5)“ oder einfach „Min“ für einen Moll-Dreiklang. Sie können auch beliebige „Slash-Akkorde bilden, indem Sie für den Bass einen andere Note als den Grundton wählen. Mit „Inv:Root“ suchen Sie noch nach einer Akkordlage bzw. einem Voicing für den Akkord. Bei laufendem Sequencer können Sie all diese Einstellungen ausprobieren und sich für das passende Ergebnis entscheiden.

Tipp: Wenn Sie neue Akkordfolgen entwerfen, bringen Sie den Chord-Edit-Mode „resume from previous chord“, was Sie nicht direkt im Chord-Editor, sondern separat in den „Settings“ anwählen müssen. In diesem Chord-Modus wird der vorhergehende Akkord und danach erst der neue Akkord angespielt. Auf diese Weise lassen sich bestimmte Kombinationen von Akkorden in der Praxis besser antesten. Noch ein Arrangiertipp: Eine gutes Schema basiert nicht nur auf Akkorden, sondern umfasst auch Pausen. Diese musikalisch wichtigen Pausen erzeugen Sie, indem Sie als Akkordtyp „Silence“ anwählen.

Anordnen der Formteile
Schritt 4: Anordnen der Formteile.

Songs erstellen und exportieren

Ein einzelnes Akkordschema genügt selten. Bilden Sie daher einzelne Sektionen und entwickeln Sie eine Song-Struktur: Tippen Sie auf den oberen Bildschirmrand, und es öffnet sich der „Section“-Editor. Hier lassen sich weitere Formteile wie Intro, Strophe oder Ending hinzufügen („Add“). In vielen Fällen ist es effektiv, die vorhandene Section einfach zu kopieren („Copy“), abzuwandeln und den neugewonnenen Teil neu zu benennen („Rename“). Originale Teile können Sie per „Repeat“ einfach an einer beliebigen Songposition wiederholen lassen. Per „Remove“ lassen sich Teile aus dem Song­ablauf entfernen. Alle Sektionen werden der Reihe nach abgespielt, nachdem Sie den Editor per „Close“ verlassen haben.

Sind Sie mit dem Song nun zufrieden, speichern Sie ihn im „File/Tools“-Menü ab. Nun soll das per Chordbot erarbeitete Gerüst mit Ihrer DAW am Computer oder am Arranger-Keyboard klanglich optimiert werden. Sie benötigen also den Chordbot-Song als MIDI-Datei. Wechseln Sie dafür zu „Export Song“ im „File/Tools“-Menü. Tipp: Anstelle der Export-Lösung können Sie den Song als eMail versenden. Sie brauchen also Ihren Computer und Tablet-PC nicht zu verbinden und iTunes nutzen. Übrigens können Sie die MIDI-Datei direkt mit einer anderen App (Cubasis, NanoStudio etc.) auf Ihrem iPad öffnen, sollten aber wirklich keine perfekten Ergebnisse erwarten.

Eins steht fest: Chordbot ist eine angenehm bodenständige Musiker-App, zu der es im App Store kaum Alternativen gibt. Laut Entwickler Lars Carliusson wird es von Chordbot künftig noch eine Version geben, die sich mit einem Browser nutzen lassen soll. So werden Sie Chordbot nicht nur auf Tablet-PC oder Smartphone, sondern ebenso auf Laptop und anderen Rechnern nutzen können.

Statement

Lars Carliusson

Lars Carliusson, App-Entwickler aus Schweden: „Chordbot startete vor rund fünf Jahren als 1-Mann-Freizeit-Projekt, als ich nach neuen und spannenden Akkordfolgen zur Inspiration beim Komponieren suchte. Die allererste Version war ein simples PHP-Skript, das Akkordfolgen zufällig erzeugte und sie als Text auf einer Webseite darstellte – die Basis für das heutige Song-O-Magic Feature. Weil die Ergebnisse meist hilfreich waren, ergänzte ich einen MIDI-File-Player zum direkten Abhören. Als ich mein erstes Smartphone bekam, beschäftigte ich mich einen ganzen Sommer lang mit dem MIDI-Generator und entwarf eine benutzerfreundliche Oberfläche – Chordbot für Android war fertig und ein kleiner Erfolg, sodass eine Version für iOS folgte. Das nächste große Update wird den Portrait-Modus unterstützen und ein neues GUI bringen, mit dem sich Akkorde schneller in Echtzeit eingeben und bearbeiten lassen werden. Fürs Songwriting sind Features zur Musiktheorie, wie das Vorschlagen passender Akkorde, vorgesehen. Für ein weiteres Update plane ich einen Style Editor und eine Online-Bibliothek, über die User eigene Songs und Styles tauschen können. Insgeheim arbeite ich auch an einer Web-basierten Version von Chordbot, die hoffentlich noch in diesem Jahr für Beta-Tester fertig sein wird.“