Workshop iPad für Musiker (23): zMors Modular

In dieser Workshop-Folge geht es um modulare Synthesizer, die dem Klangbastler die große Freiheit versprechen. Was früher die Ausmaße eines Schranks mit vielen Kabel hatte, bekommt man heute per App. Beispiel: zMors Modular für unter 10 Euro.

zModular
Der zModular verfügt über etliche Module, die in sechs Gruppen unterteilt sind und sich für eigene Experimente frei verwenden lassen.

Ob Sampler, Arranger-Keyboard oder Synthesizer: Die Klangerzeugung, auch als „Subtrak­tive Synthese“ bekannt, ist meist nach dem­selben Schema aufgebaut. Der Grund­klang entsteht mit einem Oszillator. Nun setzt das Filter an und nimmt bestimmte Frequenzanteile heraus; es „subtrahiert“ Frequenzbereiche . Die Hüllkurven formen das Ein- und Ausschwingverhalten sowie die Haltephase. Klangbausteine wie Oszillator (OSC), Filter (VCF), Hüllkurven (ENV) und Verstärker (VCA) sind in den meisten elektronischen Musikinstrumenten fest verkabelt, da sie sich in dieser Konstellation seit den ersten Analog-Synthesizern bewährt haben.

Neuer Trend: selbst „verkabeln“

Aus der breiten Masse der Synthesizer-Apps ragt nun der brandneue „zMors Modular“ (8,99 Euro in iTunes) hervor. Mit diesem Instrument können Sie ihre eigene Architektur an Klangbausteinen entwerfen. Die Module lassen sich beliebig mit virtuellen Kabeln verbinden. Experten bekommen mit dieser App noch mehr zustande; so lässt sich etwa mit Audio- und CV/Gate-Signalen externe Hardware steuern. Beim zMors Modular bieten sich zwei unterschiedliche Wege an, einige Grundfunktionen aufzuspüren: das Erforschen der mitgelieferten Presets und das Verknüpfen einzelner Bausteine auf eigene Faust. Beide Wege werden nachfolgend skizziert. Übrigens: Bei den Settings können Sie zwischen dunkler und heller Arbeitsfläche (Color-Schema) wählen.

Der Spaß kann beginnen: Entdecken und verändern Sie mitgelieferte Presets. Rufen Sie auf der linken Seite die Patches auf. Bei manchen dieser Klänge sehen Sie Notizen und Spielhinweise. Hier nun unsere Anspieltipps, die einen Einblick davon geben, was Sie mit dem zModular überhaupt so alles anstellen können. Einen trendigen Bass finden Sie mit dem Patch „YAY LoFi Bass“. Zwei Oszillatoren mit gewöhnlichen Wellenformen (Sägezahn + Rechteck) passieren ein Tiefpassfilter und eine Kette aus mehreren DSP-Modulen, wodurch dieser vocoder­artige LoFi-Sound entsteht. Bei „MonoSynth4“ erzeugen drei Oszillatoren einen FM-Strang, der anschließend per Waveshaper auf Lautheit getrimmt wird. Über Tap&Hold kann im DSP-Modul (eShp) der Drive-Effekt noch verstärkt werden.

Tipp: Wenn Sie die Kabelverbindungen zwischen den einzelnen Modulen ändern möchten, müssen Sie zunächst oben links auf das rote Schloss-Symbol tippen.

Das Patch „Supersaw Chords“ zeigt die Soundkontrolle per XY-Pad: Die Filterfrequenz und gleichzeitig noch Akkordtypen lassen sich verändern. Bei „Wobble Bass“ ist die Steuerung per XY-Pad ebenfalls sehr wirksam, hier zum einfachen Abändern der Wobble-Geschwindigkeit. Wer einmal genauer auf den zModular schaut, erkennt Knöpfe in verschiedenen Farben. Alle roten Knöpfe reagieren auf Doppelklicks. Es öffnet sich ein neues Fenster mit einer Radaransicht, bei der Sie mehrere Parameter gleichzeitig bearbeiten können.

Im Fokus: Analogsounds

Analoge Drumsounds lassen sich mit dem zModular gut entwickeln. Beispiele: Das Patch „HiHats2“ ist ein gefiltertes Rauschen, wobei sich Resonanz und Frequenz des Filters mit dem XY-Pad modulieren lassen. Ein kurzes Delay hinter dem Reverb sorgt für mehr Stereobreite, während das Upsampling (DSP) den Sound insgesamt etwas weicher macht. Möchten Sie das HiHat-Muster rhythmisch abändern, so tippen Sie auf die obere Zeile des Step-Sequencers (Beat). Die Tonerzeugung beim Patch „Kick­Drum2“ erfolgt nicht mit einem Oszillator, sondern über ein Filter. Genutzt wird die Selbstoszillation des Filters im hohen Resonanzbereich. Diesmal steuert das XY-Pad die ADSR-Hüllkurve und den Frequenzverlauf. Bei „Toms“ kommt eine schnelle FM-Modulation zum Einsatz. Der Grundsound wird über das Slew-Modul als Envelope gesteuert. Das Wavetable-Modul formt die Hüllkurve für die FM. Das DSP-Modul mit „eShp“ reduziert die Obertöne bei gleichzeitiger Loudness.

Beim Patch „Analog Sequencer“ wird ein Treppensignal vom Sequencer (Beat) generiert, der über den Wavetablelookup die Tonhöhe bestimmt. Dank einer Quantisierung auf Octave (DSP-Modul) klingt es musikalisch nutzbar. Das Triggersignal aus dem Sequencer steuert die Amplitude des Oszillators mit Hilfe eines Slew-Moduls als Hüllkurve. Für klang­liche Veränderungen spielen Sie einfach etwas mit dem OSC-Modul. Wie bei „Analog Sequencer“ steuert beim Patch „Glockenspiel“ das Wavetable die Tonhöhe. Das Signal durchläuft noch das DSP-Modul (pow2), zudem wird ein Steuersignal für die FM erzeugt. Spielen Sie mit den beiden DSP-Modulen, und Sie hören teilweise bizarre Klangvariationen.

Klassische Synthesizer-Architektur

Bevor Sie selbst kreativ werden, sollten Sie sich einmal alle Module des zModular anschauen. Sie lassen sich über das Plus-Symbol (auf der rechten Seite) auswählen und hinzufügen. Insgesamt treffen Sie auf sechs verschiedene Modul-Gruppen: „1 Generator“ sind klangerzeugende Module, „2 Envelope“ sind Hüllkurven für den zeitlichen Ablauf, „3 Processors“ sind klangformende Module, „4 Tools“ enthält diverse Werkzeuge, „5 Seq & CV“ sind Elemente zur Steuerung wie Keyboard oder Sequencer, und bei „06 FX“ erhalten Sie Hall und Echo, mit denen Sie die Patches klanglich abrunden können. Einige dieser Module haben Sie bereits kennengelernt. Wenn Sie einmal die Orientierung verloren haben: Tippen Sie auf ein Modul im oberen Bereich und halten dort den Finger, so öffnet sich ein Kontextmenü mit einer Beschreibung des jeweiligen Moduls.

Starten Sie nun mit einem leeren Patch („Empty Patch“), wozu Sie links oben auf das Preset-Menü (Blatt+Bleistift-Symbol) tippen. Bauen Sie Ihr Patch schrittweise auf: Zuerst tippen wir auf „Add Module“ und wählen das „MIDI Keyboard“ aus. Mit dieser Tastatur soll der Klang angespielt werden. Nehmen Sie jetzt einen Oszillator „OSC“ und eine Hüllkurve „ADSR“ hinzu. Die Module lasen sich auf dem Bildschirm beliebig positionieren; legen Sie z.B. die Tastatur nach unten.

Verknüpfen Sie nun die ersten drei Module. Tippen Sie beim Keyboard auf „CV1“ und ziehen Sie das Kabel zum CV(-Eingang) des OSC-Moduls. Verkabelt wird zudem „G1“ der Tastatur mit CV(-Eingang) des ADSR-Moduls. Nun kommen zwei weitere Module hinzu: Filter und VCA. Führen Sie ein Kabel vom Ausgang (OUT) des Oszillators (OSC) zum Eingang (IN) des Filters (VCF). Die Out-Buchse des Filters verbinden Sie wiederum mit dem Eingang des VCA-Moduls. Verkabelt werden noch der Ausgang des ADSR-Moduls und CV(-Eingang) des VCA-Moduls. Im allerletzten Schritt wird der Klang nun hörbar gemacht: Verbinden Sie die Out-Buche mit der L-Buchse des Lautsprechers. Ihr erster Selbstbau-Synthesizer ist fertig!

Falls Sie sich wundern, dass bei einem Modular-Synthesizer vieles einstimmig läuft, sollten Sie bedenken, dass Polyfonie nur mühsam herzustellen ist. Für jeden einzelnen Ton benötigen Sie einen Oszillator. Das Keyboard bietet hierzu vier Gate & CV-Ausgänge, die sich auch durch externe Hardware oder andere Apps via Midi ansprechen lassen.

Per Inter-App-Audio können Sie den zModular mit anderen Anwendungen verbinden. Wenn Sie ihn mit einer iDAW wie Steinberg Cubasis verknüpfen, übernimmt er automatisch das Tempo von der Host-App. Alles in allem ist zMors Modular für bastelfreudige Musiker sehr zu empfehlen. Einfacher und günstiger wird man sich in die Materie eines Modular-Synthesizers kaum einarbeiten können. Viel Spaß bei Ihren eigenen Versuchen!

Statement

Sven Braun

Sven Braun, App-Entwickler aus Berlin: „Als Hobbymusiker und iOS-Entwickler für Business Apps startete ich vor etwa zwei Jahren mit der Entwicklung meiner ersten Synthesizer-App „zMors Synth“. Inspiriert von der über Jahre angesammelten Hardware im Homestudio entstand dann die Idee für den zMors Modular. Wichtig dabei war mir, flexibel Audio und CV über acht Ausgänge produzieren zu können. So kann ich z.B. Oszillatoren und Hüll­kurven digital erzeugen und das Filter analog einbinden. Mit wenigen Höheneinheiten an Hardware und dem iPad lässt sich so ein sehr flexibles Hybrid-System bauen. Hilfreich war hier das Eurorackmodul von ExpertSleepers ES3, welches ADAT für acht Channels unterstützt. Mit einem passenden USB-Audiointerface lassen sich nun alle acht Kanäle direkt aus der zMors Modular App ansprechen. Es werden 1 Volt/Octave sowie 55 Hz/Volt unterstützt. Da zMors Modular alle üblichen Verdächtigen wie VCO, LFO, ENV, VCF, VCA enthält, kann die App auch ohne externe Hardware genutzt werden. Hierbei steht Inter-App-Audio für das Recording in die DAW zur Verfügung. Durch die Upsampling-Funktion im DSP-Modul können sehr filigrane Filterverläufe programmiert werden. Das zwingt allerdings ein älteres iPad tüchtig in die Knie. Durch Downsampling von CV-Signalen besteht hier wieder die Möglichkeit, zu Lasten der Auflösung CPU-Zeit zu sparen.“

Tipp: Alternativen

Neben dem zModular finden sich weitere Synthesizer-Apps, die freiverknüpfbare Module anbieten. Trotz eines ähnlichen Konzepts fallen die Apps verschieden aus: Der „iVCS3“ rekonstruiert das historische Instrument EMS VCS3 (13,99 Euro) aus dem Jahr 1969. Auf Multi-Touch-Gesten reagiert der TC-11 (26,99 Euro) von Bit Shape, weshalb er für die Live-Performance spannend ist. Die App „Modular Synthesizer“ scheint zwar gratis zu sein, die einzelnen Bausteine müssen aber als In-App-Kauf erworben werden. Der „Audulus“ (13,99) ist nicht nur für iPad, sondern auch für Mac (26,99 Euro) verfügbar. Kostengünstig und einer der ersten modularen Synths für iOS-Geräte überhaupt ist Jasuto (4,49 Euro). Die App „SunVox“ von Alexander Zolotov, ein Studio mit Sequencer, ist sogar als Freeware für Windows, Mac und Linux zu haben.