Workshop iPad für Musiker (24): Korg Module

In dieser Workshop-Folge stellen wir Ihnen die App Korg Module vor, die einen hochwertigen wie vielseitigen Expander für Live-Keyboarder aufs Tablet bringt. Ob solo oder im Team mit anderen Apps: Korg Module sollten Sie kennen und nutzen.

Korg Module
Jedes Instrument erlaubt klangliche Eingriffe, so auch das Synth-Modul.

Nach den Produzenten elektronischer Musik gelangen nun auch Live-Keyboarder ins Visier der App-Programmierer: Korg Module ist praktisch ein Soundmodul, wie es die meisten schon aus früheren Tagen kennen. Allerdings ist ein solcher flexibler ROM-Sample-Player mit rund 1,2 GB Samples in der Basisversion noch relativ neu für das Apple iPad. Lesen Sie, was diese leicht bedienbare App (regulärer Preis: 35 Euro) alles kann.

Aufs Spiel richtig vorbereiten

Über die kleine virtuelle Tastatur der App werden Sie die Klänge wohl nicht anspielen wollen. Vielmehr benutzen Sie neben dem Tablet-PC eine MIDI-Tastatur. Das passende Controller-Keyboard richtet sich nach dem jeweiligen iPad. Optimal ist ein iPad Air der ersten oder zweiten Generation mit bis zu 72facher Polyfonie und Lightning-Anschluss, den zum Beispiel das Controller-Keyboard iRig Keys Pro von IK Multimedia anbietet. Grundsätzlich können Sie über ein MIDI-Interface, das Sie per Apple Camera Connection Kit (kurz: CCK) anschließen, oder das iRig Midi 2 von IK Multimedia auch beliebige andere Controller verwenden. Nicht nur auf Tastenspiel und Haltepedal reagiert Korg Module, über MIDI-Controller (wie Schiebe- oder Drehregler) haben Sie auch spontan Zugriff auf Klang- und Effektparameter. Über CC#12 und #13 bzw. CC#16 und #17 können Sie die Modulations- und Halleffekte verändern. Die Klangparameter werden per CC#71 und #72 sowie über weitere Controller angesprochen. Was Sie damit machen können? Ein Beispiel: Verändern Sie bei einem E-Piano die Geschwindigkeits des Tremolo- oder Auto-Wah-Effekts.

Bevor Sie aber die physikalischen Controller und die App aufeinander abstimmen, sollten Sie bei den „Settings“ (Zahnrad-Symbol, links zu finden) nachschauen: „Bluetooth MIDI“ und „Key Animation“ sind zu vernachlässigen, tippen Sie auf „Advanced Settings“ und finden Sie dort den für Sie optimalen Wert für „Audio Latency“ heraus. Je kleiner der Latenz-Wert, desto kürzer die Zeitspanne zwischen Tastenanschlag und Tonwiedergabe. Im Menü „Velocity Curve“ können Sie das Dynamikverhalten ihrer MIDI-Tastatur anpassen. Fünf Dynamikkurven stehen zur Auswahl, oder Sie verändern die Kurve individuell per Fingertippen, bis es passt.

Fünf Instrumente und ihre Möglichkeiten

Nun können Sie die rund 100 Programme des Korg Module selbst anspielen oder von drei Demo-Phrases innerhalb des Browsers anspielen lassen. Tippen Sie rechts auf „Module“ und danach auf das „Category/Program“-Fenster – es öffnet sich der Browser mit den Sparten akustische Klaviere, elektrische Pianos, Orgel und Clavinet, jeweils als ein separates Instrument, daneben Streicher, Bläser und Synth, vertreten durch ein PCM-Synth-Modul. Die Klangprogramme ab Werk liegen auf höherem Niveau und decken viele Standards ordentlich ab. Es ist auch ein Leichtes, eigene Soundvarianten zu erstellen und für den eigenen Bedarf abzulegen.

Jedes Instrument bietet Optionen zur klanglichen Modifikation. Beim Akustik-Piano können Sie zwischen etlichen Variationen (Natural Grand, Upright Piano, Piano + EP, Choir Piano, etc.) wählen und den Sound per Dreiband-EQ oder per veränderter Ausschwingzeit verfeinern. Das E-Piano lässt sich in Tremolo (Mono und Stereo) sowie Amping bearbeiten und bietet auch ein Keyoff Noise/Layer-Feature. Auf Rotor-Geschwindigkeit, Vibrato und Chorus wie auf Overdrive haben Sie Zugriff bei der Orgel, während Sie beim Clavinet diverse Filter- und Pickup-Einstellungen probieren können. Das Synth-Modul (Bläser, Streicher und Synth) bietet bis zu vier Filter-Parameter („Character“) neben der Ein- und Ausschwingzeit („Amplifier“). Damit können Sie durchaus neue Klänge schaffen.

Zudem finden sich für jedes Instrument zwei parallele Effektblöcke (Modulation und Ambient) mit zahlreichen Effekttypen und je zwei passenden Parametern. Ein lange Hallfahne, ein rhythmisches Echo oder ein anderer Klangwunsch ist schnell erfüllt. Gefallen ihnen die Einstellungen, rufen Sie den Browser auf und wählen „User“: Drücken Sie „Save Program“ und geben einen neuen Namen ein – fertig. Übrigens: Ihre eigenen Kreationen lassen sich nicht mit anderen Anwendern tauschen.

Set­-Listen
Set­-Listen: Korg Module unterstützt Live-Keyboarder.

Dateien einbinden und Erweiterungen

Korg Module ist mehr als ein Soundlieferant: Für den Live-Gig lassen sich persönliche Set-Listen erstellen. Tippen Sie auf „Set List“, und Sie erahnen schon die Möglichkeiten: Bilder (JPG, PDF, etc.) sowie Playbacks, Loops oder komplette Songs lassen sich mit einem Klangprogramm von Module kombinieren und als Set abspeichern. Tipp: Sie notieren eine Akkordfolge auf einem Papier, fotografieren sie mit dem iPad und binden sie in die Liste ein. Nutzen Sie das Textfeld für Notizen für ihr Live-Spiel. Über das Plus-Symbol lassen sich weitere Einträge der Liste hinzufügen. Auf Wunsch können Sie Listen für mehrere Bands anlegen.

Im Bereich „Module“ können Sie MIDI-Dateien wiedergeben, Ideen per Audio-Recorder festhalten und auf die Plattform SoundCloud hochladen. Um Musik oder Fotos zwischen iPad bzw. Korg Module und PC zu übertragen, verwenden Sie iTunes. Auf Dauer spannend wird der In-App-Kauf bleiben („Store“): Synthogy bietet den „Ivory Mobile Grand“, eine 2 GB große Kollektion des beliebten Software-Pianos. Die Expansion „Wurley Electric Piano“ von Korg holt das Vintage Piano aufs iPad.

Guter Start, noch bessere Perspektiven

Das Soundmodul lässt sich nicht nur allein verwenden, sondern funktioniert auch sehr gut mit anderen Anwendungen auf dem iPad, vor allem mit Korg Gadget. Haben Sie Korg Module installiert und öffnen danach Korg Gadget, werden Sie gefragt, ob Sie Module in der Studio-App als zusätzliche Gadgets haben möchten. Hat ihr iPad genug Speicherplatz, sollten Sie zustimmen. Nun können Sie die fünf Instrumente Montreal (= Electric Piano), Salzburg (= Acoustic Piano), Alexandria (= Vintage Organ), Firenze (= Clavinet) und Glasgow (= PCM Synth) als Gadgets nutzen. Diese Instrumente sind voll inte­griert, selbst die Soundparameter können Sie automatisieren. Dank Unterstützung von Inter-App-Audio und Audiobus arbeitet Module auch mit Apps zusammen, die nicht von Korg stammen.

Korg Module kann sich als vielseitige Plattform für den Live-Player etablieren. Klanglich passt es, die Features wie Viewer und Audio-Player sind für eine Live-Performance nützlich. Natürlich bleibt noch Luft nach oben. Ein großer Wunsch wäre ein Combination-Modus, der in klassischer Korg-Workstation-Manier beliebige Layersounds und Keyboardsplits aus zwei oder mehreren Programmen erlaubt. So könnten Sie Synth- und Pianoklänge beliebig doppeln. Auch ein Arpeggiator, eine Chord-Trigger-Funktion und ein Sample-Player würden Module noch flexibler machen.

Bereits in der Version 1.0 können Sie sich mit Korg Module ernsthaft auf die Bühne wagen. Fest steht, dass die App durch künftige Updates immer attraktiver werden wird, ohne eine luxuriöse Hardware Workstation wie Korg Kronos zu verdrängen. Bleiben Sie also informiert, indem Sie etwa Korg iApps auf Twitter und Facebook folgen.

Tipp: Korg Gadget – die Partner-App

Klang- und Effektparameter
Klang- und Effektparameter von Korg Module lassen sich per MIDI-Controller steuern, auch innerhalb der Studio-App Korg Gadget.

Korg Module arbeit als Tandem mit Korg Gadget. Seit ihrem Erscheinen im Januar 2014 hat sich bei dieser Studio-App viel getan. Im September 2014 kamen zwei neue Instrumente als „In-App-Käufe“ hinzu: Als dynamischer Loop Slicer arbeitet das Gadget „Abu Dhabi“, das bereits mit einigen inspirierenden Elektro Drums und Akkord-Sequenzen ausgestattet ist und erfreulicherweise auch andere Samples importiert. Das Laden fremder Samples gestattet auch das Gadget „Bilbao“, von Korg als „Lightning Sample Player“ bezeichnet. Dies ist ein simpler One-Shot-Sampler mit 16 Pads, der ab Werk einige Beats mit LoFi-Charakter abfeuert. Wesentliche Neuerungen halten mit der Version 1.1 Einzug, die Ende November 2014 erschienen ist: Korg Module lässt sich als Gadget integrieren. Die mit Gadget erstellten Projekte können als Ableton-Live-Projekt über Dropbox oder iTunes exportiert werden. Dabei werden die einzelnen Spuren als Audio-Dateien (WAV oder AAC) zur Verfügung gestellt. MIDI kann seit iOS 8 über Bluetooth übertragen werden, auch dies unterstützt die App.