Workshop iPad für Musiker (28): ChordPolyPad

In diesem Workshop stellen wir Ihnen so genannte MIDI Chords Player vor: Das sind Apps, die einen einfachen und kreativen Umgang mit Akkorden ermög­lichen. Im Fokus: ChordPolyPad.

Typische Durststrecke beim Songwriting: Viele Keyboarder greifen immer wieder auf die selben, bekannten Akkorde zurück, was die eigene Produktivität bremst. Abhilfe schafft ein so genannter „MIDI Chords Player“. So eine App erlaubt den kreativen Umgang mit Akkordfolgen.

Auf der Suche nach einer Akkord-Hilfe für ihre Songs stoßen Sie auf einige sinnvolle Apps. Schon in Ausgabe 6/2014 haben wir „Chordbot“ vorgestellt, eine Art virtuelle Begleitautomatik, die sogar gratis auf iPad, iPhone und auf weiteren Smartphones läuft. Wenn es um die direkte intuitive Umsetzung von einzelnen Akkorden geht, heißt unser Tipp jedoch „ChordPolyPad“ (12,99 Euro). Diese App des französischen Entwicklers Laurent Colson punktet mit einer durchdachten Benutzeroberfläche und einem hohen Performance-Faktor.

ChordPolyPad MIDI-Controller-Daten
Neben Akkord-Noten lassen sich auch über jedes Pad beliebige MIDI-Controller-Daten wie "Expression" erzeugen und senden.

App im Einsatz

Zwei Szenarien drängen sich für den Einsatz dieser App auf: Erstens ist ChordPolyPad ein MIDI-Con­troller fürs Homestudio. Über 16 Pads triggern Sie spontan Akkorde auf dem Touchscreen, die in Form von MIDI-Noten ausgegeben und in ihrer DAW (Cubase, Logic, etc.) aufgezeichnet werden können. Mittels „Random“-Funktion lassen sich zufällig Akkorde erzeugen, was zur musikalischen Inspiration sorgt. Zweitens ist die App ein toller Performance-Assistent. Selbst komplexe Akkorde lassen sich auf der Bühne beispielsweise mit der linken Hand schnell und zielsicher abspielen, während die andere Musikerhand frei bleibt. Sie benötigen nicht einmal eine Klangquelle, denn die App integriert eine eigene Soundbank. Wir führen Sie nun an diese praktische Anwendung heran.

Anhand der relativ wenigen Presets können Sie sich einen Überblick verschaffen. Über „Presets“ (links oben) gelangen Sie zum Preset-Browser. In der Sparte „Factory“ beginnen Sie mit dem Template „C Major Chords“, das den Ansatz der klassischen Harmonielehre verfolgt: Auf jede Stufe der Tonleiter (C, D, E, F, … H) baut sich ein Dreiklang aus leitereigenen Tönen auf. Hier bekommen Sie also die wichtigsten Akkorde jeweils in Grundstellung. Auf der unteren Hälfte sind die Pads mit einem Vor­halteakkord (sus2) belegt. Für das Harmonisieren vieler Popsongs in C-Dur sind Sie damit schon gewappnet. Ein Tipp: Wenn Sie ad hoc in anderen Tonarten spielen möchten, rufen Sie einfach  „Pads Setup“ (über das Pad-Symbol rechts oben zu erreichen) auf und nutzen dann die Funktion „Real time transpose“.

Über die Pads können Sie anstelle von Akkorden auch einzelne Noten abspielen, was etwa das Preset „Chromatic Keys“ zeigt. Das Template „Geist Drums Map“ ist wiederum speziell zum Triggern von Drumsounds gedacht. Per MIDI spielen Sie externe Instrumente wie die iPad-App oder den Sampler ihrer DAW an, Drums bietet diese App dagegen nicht. Die weiteren Presets enthalten Akkorde für Pop und andere Stile moderner Elektronikmusik. Gehen Sie alle Pads einzeln durch und schauen auf die unten dargestellte virtuelle Klaviatur, die jeweilige Akkordnoten anzeigt. Auf dieser Tastatur lassen sich einzelne Noten löschen oder ergänzen und, sehr schön, auch die Anschlagsstärke pro Note einstellen – Sie werden es sicher herausfinden. Übrigens: Tippen Sie links oben auf das Pfeil-Symbol, klappt das Keyboard einfach weg und Sie bekommen 16 Pads in voller Größe („Fullscreen“) und somit besser spielbar dargestellt. Nutzen Sie die Option, Pads unterschiedlich einzufärben, was nicht nur in der Live-Situation einen noch besseren Überblick verschafft.

Neue Akkorde und musikalische Ideen

Im Reiter „Library“ wartet eine riesige Bibliothek aus einfachen Dreiklängen bis zu komplexen Ak­korden wie „Major 13th“. Wählen Sie eine Skala (Major, Minor, Penta Blues, etc.) und den Grundton aus. Die nun angebotenen Akkorde lassen sich durch einfaches Ziehen (quasi Drag & Drop) auf die Pads legen. Ein noch besserer Weg – dies ist eine Stärke von ChordPolyPad – führt zur spannenden Zufallsfunktion. Tippen Sie einfach auf „Random“ und starten Sie mit diesen Eingaben: Octave = 2, Bass-1, Create in scale = C Major (oder C Minor für Moll), Chords = simple, Velocity = fixed. Nachdem Sie dann unten auf „Rand all“ gedrückt haben, sehen Sie alle 16 Pads automatisch mit neuen Akkorden belegt.

Tipp: Suchen Sie den Grundakkord (C Dur oder Moll) heraus, der nicht immer auf dem ersten Pad liegt, und testen Sie die Akkorde an. Einzelne Chords beziehungsweise Pads, die nicht gefallen, lassen Sie nun wieder per Random neu belegen. Diesmal nehmen Sie aber „Rand selected“: Nur das momentan angewählte Pad wird bearbeitet. Nach und nach kommt so ein guter Fundus an Akkorden zusammen, der Sie zu neuen, harmonisch reizvollen Songs ermuntern sollte.

ChordPolyPad Sounds
Für passende Sounds sorgt die App bereits selber: Pad, Piano oder Streicher harmonieren gut mit den Akkorden.

Klangangebot ausprobieren

Wenn Sie die Anleitung bis hierher nachvollzogen haben, haben Sie lediglich einen der internen Klänge der App gehört. ChordPolyPad hat aber noch weitere Sounds im Angebot, die Sie ebenfalls kennenlernen sollten: Tippen Sie oben auf das MIDI-Buchsen-Symbol und danach auf „Sound“. In der Liste können Sie nun einen von über zehn Klängen (Piano, Acoustic Piano, Lead Chord, Fair Dream, Space Pad, Synth Strings, etc.) anwählen. Alle machen einen guten Job.

Wenn Ihnen diese Klangfarben für den Live-Gig nicht reichen, kommt die nächste einfache Lösung: Nutzen Sie die Sounds einer weiteren App, die Sie auf Ihrem iPad haben. Sorglos funktioniert dies mit Hilfe der App „Audiobus“. Starten Sie Audiobus, wählen für Input „ChordPolyPad“ und für Output eine verfügbare, kompatible Instrumenten-App (z.B. die Orgel „Galileo“). Im Menü MIDI des ChordPolyPad wird nun bei „MIDI out“ die aktivierte Instrumenten-App aufgelistet, die Sie anstelle von „Internal“ nun einfach anwählen müssen. Jetzt profitieren Sie von den Klängen einer weiteren App. Ein Detail am Rande: Sie können sogar jedem einzelnen Pad einen separaten MIDI-Ausgang zuweisen. Gehen Sie auf den Reiter „Pad“ und schauen unter „Pad MIDI out“.

DAW füttern

Sehr praktisch ist die App, um sie – wie oben erwähnt – als Eingabe-Medium für die DAW zu verwenden. Sie drücken also auf die Pads und spielen Akkorde zur Aufnahme in Cubase, Logic oder einer anderen DAW ein. Probieren Sie eine drahtlose Verbindung zwischen Computer und dem iPad – vermutlich nutzen beide Geräte zuhause sowieso das selbe WLAN. Bei ChordPolyPad selektieren Sie für MIDI out „Netzwerk Session1“. Auf dem Computer müssen Sie ein Hilfsprogramm verwenden: Beim Mac ist es das Dienstprogramm „Audio MIDI Set­up“, für Windows benötigen Sie einen „RTP MIDI“ kompatiblen Treiber (RTP = Real Time Protocol), den Sie im Internet kostenfrei finden. Wie Sie schon beim ersten Anspielen per WiFi merken, verläuft die Noteneingabe eher holprig. Sie müssen im Sequenzer oft die Akkorde rhythmisch korrigieren. Ist dieser zusätzliche Aufwand auf Dauer nervig, übertragen Sie die MIDI-Daten besser kabelgebunden, wozu Sie ein MIDI-Interface am iPad anschließen. Soweit die kleine Tour, die zeigt, dass „ChordPolyPad“ ein mächtiges Werkzeug für Keyboarder, Remixer und Produzenten darstellt. Mit ihm finden sie auf alle Fälle eine spielerische Herangehensweise beim Auffinden passender Akorde. Die App enthält in den einzelnen Menüs mehr detaillierte Funktionen, als Sie wohl zunächst vermutet haben. Gehen Sie noch heute auf Entdeckungsreise und lassen Sie sich mit vielen neuen und erfrischenden Harmonien belohnen.

Tipp: Noch musikalischer kontrollieren

Zwei Features, „Strumming“ und „MIDI-Control“, sind attraktive Begleiter. Sie sorgen für mehr Lebendigkeit als beim einfachen Abfeuern von Akkorden. Wie bei der Rhythmusgitarre lassen Sie die einzelnen Akkordtöne nacheinander anschlagen. So funktioniert auch das „Strumming“ bei ChordPolyPad, das Sie im Reiter „Pad“ finden. Nicht nur das Triggern von Noten, auch Controller-Daten verarbeitet ChordPolyPad individuell: Wischen Sie mit dem Finger auf einem Pad vertikal oder horizontal und steuern Sie zwei frei wählbare Klangparameter. Eine sinnvolle Belegung sind „001 Modulation“ und „011 Expression“, die Sie im Reiter „Control“ als Modulationsziele adressieren können. Mit dynamischen Bewegungen per Expression können Sie lange Akkorde gewissermaßen „atmen“ lassen – ausprobieren!

Alternative: App „Pro Chords“

Pro Chords
„Pro Chords“ schlägt passende Akkorde vor.

Akkordsuche per iPad geht auch anders, so etwa mit der App „Pro Chords“, die passende Akkorde vorschlägt. Wie ChordPolyPad versteht sich die App „Pro Chords“ (5,99 Euro) von Groundcontrol ApS als Ideenquelle beim Finden von Akkordfolgen. Allerdings gibt es klare praktische Unterschiede, die schon bei der Benutzeroberfläche auffallen: Pro Chords hilft dem unerfahrenen Musiker kompetenter bei der Akkordauswahl. Es werden Akkorde vorgeschlagen, die in fünf Stufen unterteilt sind, wodurch beliebte und passende Chords auch ohne Kenntnisse der Harmonielehre einfacher herauszufinden sind. Anstelle von Pads, die Sie spontan triggern, werden Sie bei Pro Chords öfter mit dem internen Sequencer Akkordfolgen aufnehmen und das Ergebnis als MIDI-Datei exportieren. Wenn Ihnen diese Arbeitsweise liegt, sollten Sie auch diese App einmal installieren.