Workshop iPad für Musiker (31): Arturia iSpark

In dieser Workshop-Folge steht eine Pauschallösung für Ihre selbst geschaffenen Grooves im Zentrum: der neue heiße Tipp lautet Arturia iSpark. Staunen Sie, wie einfach sich dieser leistungsfähige Allrounder beim Produzieren von Beats handhaben lässt.

Main-Screen

Auf dem Sektor der Drummachines sind bislang NI iMaschine, DM1 – The Drum Machine und Akai iMPCPro die führenden Player. Konzept und Funktionalität sind bei all diesen Apps ähnlich: Auf Pads verteilte Samples lassen sich per Step-Sequencer anspielen, mit Effekten bearbeiten und mischen, am Ende zu Grooves verarbeiten. Auch Arturia iSpark (19,99 Euro) funktioniert in dieser Weise, bietet aber beim Sound-Design (Layern eigener Samples, viele Effekte) und bei der Automation sämtlicher Parameter noch mehr Potenzial. Die App verlangt mindestens ein iPad Air oder iPad Mini 2 mit iOS 8. Dabei ähnelt sie dem großen Bruder Arturia Spark LE (ca. 199 Euro), einer Drum-Workstation aus Hardware-Controller und Software (PC/Mac).

Die App im Überblick

Schauen wir uns die wichtigsten Eckdaten an: Arturia iSpark bietet nach der Installation 40 Kits (Classic Drum Machines, Electronic und Acoustic) mit insgesamt 640 einzelnen Instrumenten. Die Sounds rekrutieren sich aus Samples, die sich schichten lassen, und sind teilweise virtuell-analoger Herkunft („TAE analog synthesis“). Alle Klangparameter lassen sich automatisieren. Im Song Mode können die einzelnen Patterns verknüpft werden. Ein 16-Kanal-Mixer inklusive Effekten (Multiband Kompressor, Delay, Reverb etc.) sorgt für ein differenziertes Klangbild. Dank einer klar strukturierten Benutzeroberfläche ist das Handling durchweg angenehm. Für die kreative Live-Performance können Sie die Grooves intuitiv auch noch per FX-Pad durch spezielle Effekte (Repeat, Filter, Tape Reverse, etc.) frisieren.

Arturia iSpark stellt keine Insel-Lösung dar, sondern unterstützt Ableton Link und Korg Wist, ist kompatibel zu Audiobus und Inter-App-Audio. Sie können die Grooves mit vielen anderen Programmen weiternutzen. Mit der großen Version Spark 2 lassen sich Projekte, Kits und Instrumente austauschen. Wer den Hardware-Controller Spark LE hat, kann damit die App steuern und die bessere Haptik genießen.

Studio
Eigene Audio-Dateien lassen sich importieren und mit anderen Samples kombinieren.

Factory Sets auf der Hauptseite

Nach der Installation verschaffen Sie sich mit den Presets einen Überblick, was iSpark rhythmisch und klanglich auf die Beine stellt. Auf der linken Seite oben finden Sie den Browser, mit dem Sie Projekte laden, speichern und beginnen können. Sie tippen auf „Open“, starten mit „80s Studio Drums“ („Load Project“) und gehen die vielen stilistisch unterschiedlichen Projekte (Bank: Factory All) bei laufendem Sequencer nacheinander durch. Schnell werden Sie hören, dass iSpark mehr kann als die Wiedergabe von Drums und Percussion. Unter den Samples sind auch Bässe, Chords und Effekte enthalten, mit denen sich ein kompletter Groove-Track erstellen lässt.

Sie befinden sich in der Main-Ansicht. Wenn Ihnen ein Projekt zusagt, stoppen Sie mit den Laufwerk-Tasten (immer auf der linken Seite oben verfügbar) und triggern die einzelnen Samples manuell mit den insgesamt 16 Pads auf der unteren Hälfte der Hauptseite. Wie beim Preset „Astral Alliance“ für elektronische Tanzmusik zu beobachten, kann ein Kit auch mit mehreren Leads, Pads nebst Synthbass ausgestattet sein. Sobald Sie alle Projekte durchgehört haben, machen Sie ein kleines Experiment: Laden Sie nochmals das Projekt „80s Studio Drums“ und laden Sie jetzt nur die einzelnen Kits („Load Kit“), während der Sequencer-Groove immer gleich bleibt. Nun hören Sie, wie stark unterschiedliche Klänge die Musik verändern können.

Über die Main-Seite können Sie bereits immens eingreifen ins Groove- und Klanggeschehen. Für die Live-Performance bietet sich vor allem das XY-Pad an, das Effekte ins Spiel bringt: Tippen Sie auf „Lowpass“ oder „BandPass“ und wischen über das Pad für effektvolle Filterfahrten. Für rhythmische „Stottereffekte“ verwenden Sie „Repeat“, während „TapeDrop“ das Stoppen analoger Tonbänder simuliert. Selbstverständlich können Sie auf der Main-Seite auch dediziert das Tempo einstellen und mit dem „Shuffle“-Regler das Pattern mehr swingen lassen.

Gleich probieren: Jedes mitgelieferte Projekt besteht aus mehreren einzelnen Pattern, die innerhalb eines Songs für Abwechslung sorgen. Tippen Sie links auf die Taste „Patrns“, haben Sie Zugriff auf vier Bänke (A bis D) mit je 16 unterschiedlichen Mustern. Erwarten Sie aber nicht, dass alle Pattern-Speicherplätze spannende Groove-Muster enthalten.

Rechts oben auf dem Hauptfenster bekommen Sie frei wählbare Klang- und Effektparameter. Markieren Sie über die Pads ein bestimmtes Instrument, das Sie mit den Klangwerkzeugen bearbeiten möchten. Kurzes Beispiel: Sie wollen den Bass des Projekts „Berlin Electro“ mit einem Phaser lebendiger gestalten. Tippen Sie auf Pad 15 (Bass) und danach auf „Effect 1“ und nehmen über „Add Effect“ den Phaser hinzu. Sie haben schon einige passende Effektparamter zur Auswahl, wenn Sie aber den Effekt intensiv bearbeiten oder nun einen anderen Effekttyp haben möchten, müssen Sie zur Studio-Seite wechseln und dort unter „FX“ (rechts zu finden) die Effekte in Angriff nehmen, was dank einiger Typen (Crush, Comp, Delay, Destroy, Leslie, Vocal Filter, etc.) und Presets viel Spaß macht.

Automation
Nicht nur Noten lassen sich im Sequencer eintippen, per Automation können Sie spannende Klangabläufe steuern.

Samples und Automation

Der einfachste Weg, an neue Sounds heranzukommen, ist der Kauf von Packs im Expansion Store, den Sie mühelos über den Browser erreichen. Der andere Ansatz für individuelle Sounds ist das Frickeln mit Samples, wozu Sie sich auf der Studio-Seite austoben können. Tippen Sie zuerst auf die „Sample“-Taste. Nun lässt sich für jedes Pad zunächst ein Sample auswählen. Über „Select“ gelangen Sie zum Browser, wo Sie die vielen mitgelieferten Samples nach Instrumenten durchstöbern, vorhören und laden können.

Doch iSpark kann noch mehr: das Layern von zwei bis sechs einzelnen Samples. Bei „Layer Select“ erhöhen Sie auf zwei Samples, für Layer Mode nehmen Sie „Stacked“. Für das zweite Sample können Sie sogar beliebige eigene Audio-Dateien verwenden, die über iTunes zu iSpark transportiert werden. Das Schichten von zwei oder mehreren Samples wirkt vor allem bei Snares oft klangliches Wunder. Nutzen Sie die tolle Option, das Sample-Angebot über den Import beliebiger Audio-Files zu erweitern.

Auch beim Sequencing sollten Sie einen Trick kennen: Die Automation ermöglicht raffinierte und lebendige Klangabläufe. Auf der Seq-Seite haben Sie für jedes der 16 Pads einen Step-Sequencer, der auch das Automatisieren von Klangparametern erlaubt. Wie sich diese Automation musikalisch verwenden lässt, erfahren Sie, wenn Sie das Projekt „The Hive“ studieren: Bei Spur 15 („Dirty Lead Synth“) werden mehrere Parameter moduliert. Effektvoll ist hier Cutoff (Filter) und auch Feedback (Delay). Schalten Sie diese Spur solo, um die klanglichen Veränderungen besser wahrzunehmen.
Auf der Sequencer-Seite finden Sie auch die „Export“-Taste. Tippen Sie darauf, wird das aktuelle Muster als Audio-Datei (WAV) aufbereitet, die Sie in einer anderen App öffnen oder in die Zwischenablage kopieren können. Tipp: Wenn Sie die mit iSpark erzeugten Audio-Dateien auf Ihren Musikrechner übertragen möchten, öffnen Sie diese Files in einer App wie „Mastering“, die SoundCloud unterstützt. Über diese Online-Plattform können Sie die Audio-Dateien relativ schnell zwischen iPad und Rechner tauschen.

Dauerbrenner auf dem iPad

Arturia iSpark kann zum Dauerbrenner auf Ihrem iPad werden. Die Praxis ist relativ simpel, die Ergebnisse sind meist verblüffend. Oft schon kommen Sie mit einem der zahlreichen Factory Presets auf den richtigen Kurs und können durch ein paar Veränderungen auf der Sequencer- und Studio-Seite und durch die Automation eigenständige Grooves zuwege bringen. Sind Sie von dieser vielseitigen Groovebox begeistert, sollten Sie upgraden oder sich Arturia Spark noch für Ihre DAW Spark LE zulegen. Viel Spaß beim Eingrooven mit Arturia!

Tipp: Von Null auf Hundert – eigene Beats erstellen

Wenn Sie sofort eigene Wege in Richtung „House“ bestreiten wollen, nehmen Sie das Projekt „NewProject“, das Sie über den Browser (Bank: Template) erreichen. Tippen Sie auf die Seq-Taste und setzen für „Bass Drum“ die Schritte 1, 5, 9 und 13 – die Kick spielt nun in Viertelnoten. Für die Snare auf der zweiten und vierten Zählzeit tippen Sie bei „Snare“ auf Schritt 5 und 13. Möchten Sie die HiHat dynamisch programmieren, gehen Sie auf die Seq-Seite und dort auf Automation mit dem Parameter Velocity: Zeichnen Sie mit dem Finger beliebige Kurven, die eine dynamische 1/16-HiHat ergeben. Nachdem Kick, Snare und HiHat stehen, finden Sie Bass und Chords dazu. Nun kopieren Sie den Basis-Groove auf die nächsten Pattern-Speicherplätze (Taste „Copy) und Variationen erstellen. In wenigen Minuten steht das Gerüst für einen Dance/House-Beat. Speichern nicht vergessen!

Tipp: Vom Pattern zum Song

Song

Die insgesamt 64 Patterns (vier Bänke mit je 16 Mustern) können Sie zu einem Song verbinden. Dies klappt auf der Song-Seite. Zunächst tippen Sie links oben auf die Song-Taste, um den Song-Modus zu aktivieren. Laden Sie das Projekt „80s Studio Drums“ als Beispiel. Alle zwei Takte wechseln die Patterns in der vorgegebenen Abfolge. Diese Reihenfolge können Sie beliebig abwandeln: Wählen Sie oben ein Pattern (z.B. Bank A, A11) und ziehen Sie es an die gewünschte Position einer Spalte weiter unten. Mit den Pads ganz unten bestimmen Sie, mit welcher Spalte der Song beginnen soll. Es lassen sich die einzelnen Spalten mit jeweils acht Mustern pausenlos wiederholen oder automatisch (Play-Pad unten blau markiert) zur nächsten Pattern-Spalte wechseln – der Song-Modus ist schnell zu durchschauen.