Workshop iPad für Musiker (7): iPad als MIDI-Controller

In diesem Workshop erfahren Sie, wie Sie das iPad für komplexe Steuerungsaufgaben einsetzen können. Die entsprechenden Apps machen diese übersichtlich verfügbar.

Set List Organizer
Alle Keyboard-Sounds, Texte und Infos für einen Song sofort abrufbar macht der Set List Organizer.

Kaum ein Tasteninstrument bietet einen so großen Bildschirm wie Apples iPad. Daher kann der Touchscreen des Tablet-Computers nicht nur als moderner Playback-Lieferant, sondern vor allem bei Steuerungsaufgaben begeistern.

Inzwischen finden sich viele und auch verschiedene Ansätze zum Einsatz des iPad als MIDI-Controller. Remote-Apps erlauben die Fern­steuerung von Digital-Audio-Workstations wie Stein­berg Cubase. Gute Beispiele sind der universell verwendbare Mixer „AC-7 Core“ (5,99 Euro), „Cubase IC“ (gratis) sowie „touchAble“ oder „Griid Pro“ (je 19,99 Euro) für Ableton Live. „MIDI-Touch“ (14,49 Euro) ist ein frei konfigurierbarer MIDI-Controller. Noch ausgeklü­gelter ist die App „Touch OSC“ (3,99 Euro), denn per Software-Editor (Win, Mac, Linux) kann man eigene Layouts entwerfen; eine Mixeroberfläche für Apple Logic und andere Schablonen sind bereits verfügbar. Die Controller-App „Omni TR“ wendet sich speziell an Benutzer des Software-Instruments Omnisphere von Spectrasonics. Mit dem Tool „SoundPrism Pro2“ von Audanika (12,99 Euro) können Sie mittels einfachem Gleiten auf dem Bildschirm verschiedene Akkorde und Kadenzen durchlaufen, wobei sich auch MIDI-Parameter steuern lassen.

Es gibt aber noch speziellere Apps, die konkret an den Bedürfnissen von Keyboardern ausgerichtet sind. Der Clou daran ist, dass die Anwendungen schnelle Zugriffe auf Funktionen und Parameter bieten, die weder am Gerät (z.B. Keyboard) selbst oder mit einem Software-Editor für PC/Mac zu erreichen sind. Yamaha hat beispielsweise eine Reihe an kleinen, aber sehr nützlichen Produkten herausgebracht; die App „Midi Out“ spezialisiert sich mehr aufs Abspielen von Dateien.

Drumsounds oder Akkordfolgen
Drumsounds oder Akkordfolgen anspielen – das iPad wird mit der richtigen App zum praktischen MIDI-Controller für Keyboarder.

Arpeggiator und mehr

„Keyboard Arp & Drum Pad“ (2,99 Euro) von Yamaha richtet sich vor allem an Keyboarder, die auch kreativ im Homestudio arbeiten. Per Touchscreen lassen sich einerseits Noten und Akkorde aus dem Keyboard eines Software-Instrument triggern. Andererseits können Sie effektvoll über eine virtuelle Tastatur raffinierte MIDI-Arpeggio-Muster erzeugen. Die App dient also als praktisches Drum-Pad, als Chord-Trigger und als inspirierender Arpeggiator bei der Eingabe von MIDI-Noten in einer DAW und auch zum Spielen von Sounds aus einem MIDI-Instrument.

Auch wenn Sie sicherlich schon ein Keyboard haben: Bietet dieses denn viele Arpeggio-Muster und eine Oberfläche mit 16 Drum-Pads an? Nein, dann probieren Sie das iPad mit der App von Yamaha. Wenn Sie unterwegs weder Tastatur noch Pads zur Verfügung haben, dient die App „Arp & Dr Pad“ als Keyboard und bringt Sie vielleicht auf Ideen, auf die Sie bei einem normalen MIDI-Keyboard nie gekommen wären. Seit Version 2.0 können Sie mit den Pads auch MIDI-Sequenzen starten oder Trommelwirbel abrufen. Mit den jeweils 16 Pads können Sie auch beliebige, bis zu fünfstimmige Akkorde triggern. Gute Vorlagen mit Akkordfolgen finden Sie auf den Speicherplätzen 09 bis 14 (Standards ,Latin, Jazz, Singer Song Writer, etc.), die Sie anhand eines E-Piano- oder Klaviersounds ausprobieren sollten. Wichtig: Fast alle Pads zeigen sich in blauer Farbe. Das bedeutet, dass nicht nur eine einzelne Note, sondern mehrere MIDI-Noten – Dreiklänge und weitere Akkorde – auf einmal getriggert werden.

Faders & Pad
Sollten die Schieberegler am eigenen Keyboard nicht ausreichen, kommt
„Faders & Pad“ mit pfiffigen Ideen zu Hilfe.

Fall XY gelöst

Nicht jedes Keyboard verfügt über acht oder mehr Schieberegler. Das ist jetzt nur noch halb so tragisch, denn bei der App „Faders & Pad“ (2,99 Euro) bekommen Sie acht virtuelle Schieberegler, denen sich 24 unterschiedliche MIDI-Controller zuordnen lassen. Insgesamt gibt es 50 Vorlagen, die sich zunächst an die Werksounds der Workstation Yamaha Motif halten. Spannend wird es, wenn die acht Regler mit virtuellen Patchkabeln den vier Seiten des XY-Felds zugewiesen werden. Mit einem Ball lenken Sie in diesem XY-Pad-Modus die Bewegung mehrerer Fader gleichzeitig. Welche effektvollen Klangveränderungen dabei in Art der Vektor-Synthese zu erwarten sind, sehen Sie am Beispiel des Yamaha Motif XF im Video, das Sie weiter unten finden.

Praktisch für den Live-Gig ist der „Set List Organizer“ (2,99 Euro) von Yamaha. Mit dieser App können Sie alle Sounds Ihrer Keyboards und Sound­module in einem Rutsch für einen Song aufrufen. Registriert und gesendet werden MIDI-Kanal, Bank-Select, Program-Nummer und Lautstärke. Natürlich können Sie eine Liste mit allen Live-Stücken anlegen. Im Memo-List-Modus lassen sich noch persönliche Notizen hinzufügen. Vermerken Sie hier, welche Sounds und Keyboards verwendet werden oder notieren Sie sich kurze Song- und Moderationstexte oder Akkordfolgen.

TNR-i
Ein innovatives Spielkonzept wird bezahl- und besser nutzbar: Die App „TNR-i“ von Yamaha bietet ein ähnliches Potenzial wie das Tenori-On für rund 16 Euro.

Innovatives Punktespiel

Wenn es etwas experimenteller sein darf, ist das Yamaha Tenori-On seit 2008 ein Geheimtipp. Dieses handliche, kastenförmige Instrument besticht vor allem durch eine 16x16-LED-Matrix, auf der Sie Noten eingeben. Die App „TNR-i“ (15,99 Euro) bildet das originale Tenori-On im Detail auf dem iPad nach. Allerdings gibt es Unterschiede zur Hardware-Version: User-Voices mit eigenen Samples fallen weg, dafür bietet aber die App eine bessere Bedienbarkeit, eine Netzwerk-Session mit anderen Usern und vor allem auch eine viel bessere MIDI-Kommunikation, die entweder über das neue Interface „i-MX1“ von Yamaha oder via WLAN zustande kommt. Nie zuvor war es leichter, die 16 TO-Layer mit ihren ungewöhnlichen Spielarten wie Draw, Bounce oder Push zur Event-Eingabe auf 16 MIDI-Spuren des Audio/MIDI-Sequencers zu nutzen.

Einen Vorteil gegenüber den Geschwistern „TNR-O“ und „TNR-W“ spielt die App mit ihrer Fähigkeit aus, dass verschiedene Layer verschiedener User ge­spielt werden können. Stichwort: Netzwerk-Session. Sie können beispielsweise auf Layer 1 bis 4 musizie­ren, während ein Kollege auf Layer 5 bis 7 spielt.

Fazit: Drehen, schieben, greifen. Nutzen Sie das iPad für spontane und meist auch effektive Zugriffe ins Klanggeschehen. Praktische Controller-Apps gibt es nicht nur für Keyboarder oder Produzenten, sondern auch für Livemusiker, die lieber Gitarren spielen. Mehr dazu in der kommenden Ausgabe.

Tipp: File-Player "Midi Out"

Midi Out

Fürs Entertainment gibt es neben den Yamaha-Apps maßgeschneiderte Anwendungen. Eine davon ist die noch relativ neue App „Midi-out“ nach dem Konzept von Frank Benz sowie mit Markus Kilga und Philipp Bogensberger als Programmierer. Diese Applikation versteht sich als komfortabler File-Player und steuert, zum Beispiel über den Alesis iO Dock, verschiedene MIDI-Soundquellen wie Keyboard oder Tonmodul. Abspielen lassen sich MIDI-Files, die in einer Playlist organisiert werden können. Die Songs sind transponierbar, einzelne MIDI-Kanäle wie Bass oder Schlagzeug können schnell abgeschaltet werden.

Die in den MIDI-Files enthaltenen Lyrics werden gut lesbar in einem separaten Fenster dargestellt. Zum spontanen Einfliegen von Jingles oder anderen Audio-Dateien gibt es vier Pads, denen MIDI-, MP3- oder WAV-Files zugewiesen werden können. Insgesamt ist die App sehr leicht zu bedienen und sollte auf dem iPad von allen Musikern, die live MIDI-Files wiedergeben, installiert werden.

Knapp 20 Euro für diese App rentieren sich langfristig: Kommende Updates bieten Features wie Kommunikation mehrerer iPads auf der Bühne via WLAN oder die Unterstützung von XF-Files; auch weitere Pads werden zeigen, dass Midi Out eine gute App von und für Praktiker ist. Geplant sind bereits auch Multi-Files, mit denen sich MP3s, Noten und Texte gleichzeitig wiedergeben lassen. So bekommen Live-Musiker alle wichtige Funktionen unter einem Dach. www.ms70.de