Bühnenpraxis Stagepiano am Beispiel des Kawai MP7

Ein Stagepiano hat mehr zu bieten, als nur gute Sounds und eine gute Tastatur. In diesem Workshop zeigen wir Ihnen am Beispiel des Kawai MP7, wie Sie mit speziellen Funktionen Ihren Auftritt noch besser über die Bühne bringen.

Wer ein Stagepiano kauft, möchte sich in der Regel wenig um Technisches kümmern und sich auf das Spielen konzentrieren. Und doch werden diese Instrumente von den Herstellern mit vielen Zusatzfunktionen ausgestattet, deren Nutzen sich nicht auf Anhieb erschließt. Wenn Sie also auch ein bekennender Handbuchmuffel sind, dann werden Sie erstaunt sein, was noch alles in Ihrem Gerät steckt.

Als Beispiel für diesen Workshop dient das Stagepiano Kawai MP7. Die Arbeitsweise bei anderen Stagepianos unterscheidet sich im Detail, einige Funktionen sind vielleicht so nicht vorhanden, Wesentliches lässt sich aber übertragen. Grundsätzlich macht es beim MP7 sehr viel Sinn, einen Sound, den man live nutzen möchte, als Setup abzuspeichern. Denn ein Setup besitzt viele Einstellmöglichkeiten für den Bühneneinsatz, die der Soundmodus nicht bietet.

Datensicherung nicht vergessen

Dazu kann es erforderlich sein, einige der Werksprogramme zu löschen. Bevor Sie das tun, sollten Sie den Speicher des MP7 sichern, so dass sie später wieder auf die ursprünglichen Einstellungen zugreifen können. Idealerweise besorgen Sie sich dazu einen USB-Stick ab 4 GB Kapazität. Wenn Sie alle Setups vorher gesichert haben, können Sie nun Platz für ihre eigenen Kreationen freimachen und jederzeit wieder auf die Werk-Setups zugreifen, indem Sie die Setups auf einen Schlag wieder laden.  Ihre eigenen, besonders gelungenen Kreationen sollten Sie vorher aber auch als einzelne Setups auf einem Stick gesichert haben. Audio-Aufnahmen, Backing-Tracks und Playalongs finden hier ebenso Platz wie System-Updates, die sich am bequemsten per Stick aufspielen lassen. Hin und wieder sollten Sie dessen Speicherinhalt zur Sicherheit auch auf Ihren Rechner kopieren.

Arbeiten mit Zonen

Dass Sie mit dem MP7 blitzschnell Splits oder Layer erstellen können, wissen Sie sicher bereits. Falls nicht: Halten Sie den Button der jeweiligen Zone gedrückt und spielen Sie nacheinander die tiefste und die höchste Note, um den Zonenbereich auf der Tastatur zu definieren. Wenn Sie in einem Song maximal vier verschiedene Sounds oder Soundkombinationen benutzen, brauchen Sie auch nicht unbedingt verschiedene Setups dafür anzulegen. Sie können auch zwischen den verschiedenen Zonen wechseln und diese wahlweise ein- oder ausschalten. Beispielsweise können  Sie mit einem Pad auf Zone „Sub2“ beginnen, später ein akustisches Piano auf Zone „Sub1“ dazuschalten und später noch den Klang mit einem String Ensemble anreichern. Im Solo aktivieren Sie dann vielleicht nur die Orgel, die sich immer in der „Main“-Zone befinden sollte, damit Sie auch von der Drawbar-Funktion profitieren können. Eine andere Möglichkeit: Sie nutzen einen Solo-Synth-Sound, den sie auf Zone „Sub3“ abgelegt haben.

Dynamik im Band-Kontext

Dynamik ist für das Solopiano eine tolle Sache, sobald Sie aber in einer Band spielen, werden Sie feststellen, dass es manchmal besser ist, keine allzu großen Lautstärkeschwankungen zu produzieren, da die leisen Passagen sich dann nicht mehr richtig durchsetzen können. In dieser Hinsicht kann man sich von Gitarristen einiges abschauen, die ihr Signal in der Regel komprimieren, um die Dynamik einzugrenzen. Das lässt sich natürlich auch am MP7, mit Hilfe der eingebauten Effekte, problemlos erledigen. Doch während ein Kompressor bei rockigen Pianos und bei manchen E-Pianos gut klingt, passt er vielleicht nicht so gut zu einem intimen Balladenflügel. Denn ein Kompressor fügt dem Signal ja auch immer eine gewisse Färbung hinzu.

Kompression ohne Kompressor müsste man also haben. Die entsprechende Funktion am MP7 heißt „Dynamics“ und findet sich im Setup-Edit-Modus. Eine „Dynamics“-Einstellung von 10 bietet den größten Unterschied zwischen laut und leise, während ein Wert von 0 einer konstanten Lautstärke entspricht. Im Bereich von 8 bis 6 finden Sie gute Ausgangswerte, bei denen man noch ein Gefühl von Dynamikkontrolle hat, aber die Lautstärkeunterschiede schon deutlich eingegrenzt sind. Das Interessante an dieser Funktion ist, dass sich die gespielten Samples aber nicht verschieben. Das heißt: Wenn Sie sehr leise spielen, werden Sie nach wie vor das Pianissimo-Sample hören, nur dass dies in der Lautstärke leicht angehoben wurde, ohne dass sich aber der eigentliche Klangeindruck ändert. Das menschliche Ohr ist aber vorwiegend auf diesen Klangeindruck gepolt, so dass es – so absurd es klingt – ein lautes Pianissimo-Sample eher „leiser“ empfinden wird, als ein physikalisch gleich lautes Forte-Sample. Die hier stärker vorhandenen Obertöne werden in ihren Frequenzen besser gehört und sorgen so für den veränderten Eindruck.

Unerwünschte Lautstärkesprünge können beim Auftritt schnell die Atmosphäre verhageln. Wenn Sie also beispielsweise dem Pianosound ein Pad zugemischt haben und dies nach dem Aufrufen des Setups etwas leiser oder lauter machen wollen, dann sollten Sie unbedingt im System-Menü die so genannte Fader-Catch-Funktion einstellen („System > Utility > Volume Fader Action“). Dabei verändert sich die Lautstärke des Faders (z.B. für die Zone „Sub1“, auf der Ihr Padsound liegt) erst dann, wenn Sie den Regler soweit bewegt haben, dass der voreingestellte Wert erreicht ist. Andernfalls springt die Lautstärke direkt auf den Wert, den Sie gerade mit dem Schieberegler einstellen. Die Catch-Funktion kann auch für die Drehregler aktiviert werden („System > Utility > Knob Action“).

Tipps für den EQ-Einsatz

Ihre Sounds klingen zu Hause super, aber in der Band zu grell oder zu kraftlos? Dann sind die „EQ-Offsets“ Ihr Mittel der Wahl. Das MP7 besitzt zwei Arten von Equalizern: einen Equalizer für Setups bzw. Sounds und einen „EQ-Offset“. Das ist kein EQ im eigentlichen Sinne, sondern eine Steuerfunktion. Den Offset kann man als eine Art globale Equalizer-Einstellung betrachten, die Einstellungen aus Setups übersteuert: Er wird entweder über das System-Menü oder per „Shortcut“ durch längeres Halten der EQ-Taste aufgerufen. Er dient dazu, den Klang an die Umgebung anzupassen, ohne alle gespeicherten Detaileinstellungen ändern zu müssen.  Wenn Sie also zu Hause gerne mit satten Bässen spielen, aber live dem Bassisten mehr Raum geben und gleichzeitig etwas prägnanter klingen wollen, dann senken Sie im EQ-Offset die Bässe bis 150 Hz ab und betonen die Mitten im Bereich von 2,5 bis 5 kHz. Auch die Höhen, die daheim schön luftig klingen, könnten live zu viel sein. Deshalb können Sie z.B. ab 12 kHz etwas absenken. Indem Sie nun zu Hause den EQ-Offset abschalten und in der Band einschalten, können Sie problemlos zwischen diesen Soundsituationen wechseln. Toll wäre es natürlich, auch mehrere EQ-Offsets speichern zu können, in der Regel sollten aber zwei Einstellungen ausreichend sein. Natürlich können Sie auf diese Weise auch den Proberaumsound für Live-Erfordernisse optimieren.

Und wenn Ihre Sounds zu Hause angenehm räumlich klingen, aber live in Hallsuppe ertrinken, dann nutzen Sie doch einfach den „Reverb-Offset“, der die Hallintensität des Geräts global verändert. Das ist enorm praktisch, wenn Sie z.B. zu Hause in einer sehr gedämmten Umgebung spielen, dann aber z.B. das Instrument in einer Kirche einsetzen wollen, die ja mehr als genug Raumklang bietet. Anstatt also den Hall in jedem Programm anzupassen, müssen Sie jetzt nur den Reverb-Offset reduzieren.

MIDI-Steuerung einsetzen

Das Kawai MP7 ist nicht nur Digitalpiano und Masterkeyboard, sondern lässt sich auch von außen als Klangquelle ansteuern. Das kann besonders interessant sein, um die eingebauten Orgelsounds des MP7 mit einer leichtgängigen externen Tastatur anzusteuern, während man gleichzeitig auf der MP7-Tastatur einen Pianosound spielt. Diese Überlegung ist gar nicht so abwegig, wie sie vielleicht auf den ersten Blick scheinen mag. Wenn man überlegt, dass Controller-Keyboards mit 61 Tasten schon ab 150 Euro erhältlich sind und diese oft auch noch bis zu neun Fader besitzen, mit denen man die eingebauten Zugriegel regeln kann. Ein zusätzlicher Orgelspezialist ist da schon kostspieliger, bietet aber zugegebenermaßen auch etwas mehr Komfort.

Ein Controller-Keyboard können Sie per MIDI-Kabel mit dem Stagepiano verbinden. Damit Sie nun mit dem Controller nur die Orgelsounds des MP7 ansteuern, müssen Sie einige Einstellungen vornehmen: Zunächst versetzen Sie das MP7 unter „System > MIDI > Receive Mode“ in den „Multi“-Modus. Ab Werk steht das Gerät im „Panel“-Modus. Hier reagiert das Gerät so, als wäre eine zweite Tastatur angeschlossen, die genau die selben Einstellungen nutzt, wie die eingebaute. Im „Multi“-Modus hingegen haben Sie die Möglichkeit, unter „Receive Channel“ für jeden MIDI-Eingangskanal eine eigene Zone zu definieren, die gesteuert werden soll. Wenn also Ihr Controller-Keyboard auf MIDI-Kanal 1 sendet, muss die „Main“-Zone dem MIDI-Empfangskanal 1 zugeordnet werden, denn nur diese kann die Drawbar-Funktionen der Orgelklangerzeugung nutzen. Als nächstes müssen Sie sicherstellen, dass keine andere Zone auf MIDI-Kanal 1 angesprochen werden kann, denn Sie wollen ja nur den Orgelsound extern spielen. Auch dies stellen Sie im System-Menü ein.

Wenn Sie jetzt noch mit den Fadern oder Drehreglern Ihres Controller-Keyboards die eingebauten Zugriegel steuern möchten, können Sie dies im „Edit“-Menü der Drawbarsounds unter „External Control“ einstellen. Dazu geben Sie an, auf welchem MIDI-Kanal die Controller senden, sowie die entsprechenden Controller-Nummern. Diese finden Sie im Handbuch Ihres Controller-Keyboards. Jedoch sollten Sie wissen, dass durch Programmwechsel beim Controller-Keyboard auch die Programme des MP7 umgeschaltet werden könnten. Weil am MP7 selbst nicht möglich, sollten Sie dies eventuell am Controller-Keyboard deaktivieren.

Ein zusätzliches GM-Modul ist im MP7 übrigens auch eingebaut. Dessen Klangerzeugung ist unabhängig von den Panel-Sounds und dient zur Wiedergabe von MIDI-Files, die Sie auch auf dem oben erwähnten USB-Stick speichern können.