Workshop Synthesizer (3): Yamaha reface

In diesem Workshop dreht sich alles um den Yamaha reface DX und seinen Bruder CS. Wir zeigen Ihnen, was Sie wissen müssen, um die FM-Synthese und die virtuell-analogen Oszillatoren zu beherrschen.

Yamaha reface DX

Ob im Homestudio, im Probenraum oder auf der Bühne: Yamaha reface ist ein Quartett aus neuen Keyboards, die Yamahas berühmte Tasteninstrumente der letzten vier Jahrzehnte intuitiv spielbar machen. Die Bezeichnung „reface“ rührt vom Konzept „reimagined interfaces of classic Yamaha keyboards“. Erste Kennzeichen der vier Mobilgeräte sind jeweils 37 hochwertige Minitasten, ein Fliegengewicht von knapp zwei Kilogramm, interne Lautsprecher sowie eine Unterstützung per App und Internet zum Speichern und Tauschen von Klangdaten. Wer dabei spontan an hippe Livestyle-Produkte denkt und entsprechende Vor­urteile hat, ist auf dem Holzweg, denn alle vier Modelle sind robust gebaut; sie lassen sich hervorragend spielen, und sie klingen vor allem richtig gut. Ein „Plastik-Gefühl“ kommt bei diesen handlichen und gleichzeitig mobiltauglichen Instrumenten jedenfalls nicht auf.

Während sich Yamaha reface CP (Piano) und reface YC (Orgel) mit 128stimmiger Sample-Klang­erzeugung auf die Rekonstruktion klassischer E-Pianos und Orgeln konzentrieren, verstehen sich die Modelle reface CS und DX als klassische Synthesizer: CS („Control Synthesizer“) basiert auf einem achtstimmigen AN-Synthesizer mit Analog-Physical-Modeling, landläufig als „virtuell-analog“ genannt. Der reface DX ist wiederum ein digitaler Synthesizer nach Vorbild des Yamaha DX7, ein Meilenstein aus den frühen 80iger-Jahren. Allerdings ist seine Frequenz-Modulation (kurz: FM) weniger umfangreich als beim erfolgreichen DX7, was aber einem höheren Spaßfaktor beim Klangschrauben zugute kommt.

Insbesondere der Yamaha reface DX hat gegenüber den anderen reface-Modellen klare praktische Vorteile: Er bietet ein grafisches LC-Display mit 128 x 64 Punkten, 32 Speicherplätze, Funktion-Menüs sowie tiefgreifende Programmiermöglichkeiten. Mit dieser Folge möchten wir Sie dazu animieren, einmal mehr die FM-Synthese anhand des reface DX zu erkunden. Die FM-Synthese wirkt so komplex, weil sich die klanglichen Ergebnisse – anders als bei analogen Synthesizern – oft kaum voraussagen lassen. Bevor wir uns ans Gerät setzen, klären wir deshalb ein paar Grundregeln der FM-Synthese.

Klanganwahl
Schon bei der Klanganwahl deutlich zu erkennen: der verwendete Algorithmus zur Verknüpfung aller vier Operatoren.

Kleines Einmaleins der FM-Synthese

Die klassische FM-Synthese sieht eine Verknüpfung von Sinus-Oszillatoren vor. Anders als bei Analog-Synthesizern treffen Sie auf mehrere Verknüpfungsmuster, die „Algorithmen“ genannt werden. Diese Muster legen fest, ob ein Oszillator, bei FM als „Operator“ bezeichnet, als Träger oder Modulator fungiert und in welcher Kombination die Operatoren aufeinander wirken. Der Modulator ist verantwortlich für die jeweilige Klangfarbe oder -charakteristik, der Träger liefert das eigentliche Audiosignal – so die einfache Faustregel. Stehen Träger und Modulator in einem ganzzahligen Frequenzverhältnis, entstehen harmonische, andernfalls disharmonische Spektren, die sich zur Erzeugung von geräuschhaften Sounds eignen. Eine Besonderheit der FM-Synthese liegt darin, dass selbst minimale Veränderungen der Parameterwerte klanglich drastische Folgen haben können. Ändern Sie beispielsweise das Frequenzverhältnis von Träger und Modulator, entstehen sofort ganz unterschiedliche Klangfarben. Meist noch radikaler verändert sich der Sound, sobald Sie von einem auf den anderen Algorithmus wechseln.

Im Unterschied zum Vorbild Yamaha DX7 mit sechs Operatoren und 32 Algorithmen ist der reface DX mit vier Operatoren und 12 Algorithmen ausgestattet. Jeder Operator hat seinen eigenen Lautstärke-Pegel (Level Setting) und kann mit einer Feedbackschleife versehen werden, die den Sinusklang in Richtung Sägezahn oder Rechteck anreichert. Neben einem LFO und einer Pitch-Hüllkurve steht für jeden Operator eine Lautstärke-Hüllkurve bereitet mit „EG Level“ und „EG Rate“. Hier ist ein wenig Umdenken nötig: Bei den meisten Synthesizern bedeutet ein hoher Wert, zum Beispiel für die Attackphase, dass ein Klang sehr lange einschwingt. Anders bei der klassischen FM-Synthese: Hier meint ein hoher Wert für „Rate“ (= Geschwindigkeit), dass der Ton schnell anspricht. Und noch ein kleiner Schock: Ein Filter mit den Parametern „Cutoff“ und „Resonance“ werden Sie nicht finden.

Genug der Theorie: Diese und andere Eigenheiten können Sie direkt am Yamaha reface DX beobachten. Einen hohen Lerneffekt bringt vor allem das Studieren der Factory Presets. Wir wollen also keine neuen Klänge basteln, sondern uns einige der vorhandenen Programme, insgesamt 32 Voices sind spielbereit, einmal näher anschauen. Mit dem Abwandeln von Preset-Klängen kommen Sie jedenfalls an eigene Soundkreationen am Besten heran.

Tipp: Yamaha reface CS – ein Oszillator für alle Fälle

Yamaha reface CS
Yamaha reface CS ist ein virtuell-analoger Synthe­sizer mit sehr flexibler
Oszillator-Sektion. Zum Speichern der Klänge ist eine App für iPhone oder iPad nötig.

Bei ihrer ersten Session mit dem Yamaha reface CS beschäftigen Sie sich bitte mit der Oszillator-Sektion. Sie bringt bewährte Raffinessen analoger Synthesizer direkt und vor allem intuitiv bedienbar auf den Punkt: Multi-Saw für fette schwebende Flächen, Oszillator-Synchronisation für scharfe Leads, Pulsbreitenmodulation für feine lebendige Klänge, Ringmodulation für experimentelle Sounds und FM für metallische Klangfarben. Genau diese Konstellation können Sie mit dem Regler „Type“ (von unten nach oben) anwählen. Sie brauchen keine großen Oszillator-Tricks zu beherrschen, sondern können mit den beiden Reglern „Texture“ und „Mod“ sehr einfach beliebige Varianten erschaffen. Lassen Sie bei ihren Versuchen zunächst den Cutoff-Regler oben und den Resonace-Regler unten stehen.

Für schmutzige rabiate Klänge beziehungsweise für Dubstep, AcidHouse und andere Stile der elek­tronischen Musik sollten Sie noch einen anderen Weg nutzen: Der Basisklang ändert sich drastisch, wenn als Effekt „Distortion“ angewählt ist. Über die Regler „Depth“ und „Rate“ können Sie den Grad und Charakter der „Verschmutzung“ individuell regeln. Unser Youtube-Video „First Session with Yamaha reface CS“ gibt entsprechende Eindrücke. Zum Festhalten und Tauschen der eigenen Soundkreationen benötigen Sie die iOS-App „Reface Capture“.

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