Workshop Synthesizer (6): Roland JP-08

In dieser Workshop-Folge dreht sich alles um das Synthesizer-Flaggschiff Jupiter-8 von Roland in Miniatur-Format. Wir zeigen Ihnen, wie einfach Sie den JP-08 in der täglichen Praxis handhaben können.

Mit dem Jupiter-8 stellte Roland anno 1981 ein grandioses Instrument vor. Bis dato ist der vielseitige Synthesizer aus Japan heiß begehrt. Gebraucht finden Sie ihn heute, wenn überhaupt, zu astronomischen Preisen. Ein neuer Lichtblick heißt Roland JP-08. Dieses kompakte und finanziell attraktive Soundmodul tritt das Erbe seines prominenten Vorbilds an.

Der Synthesizer ist nun bei der Größe eines Buchs angekommen: Boutique nennt Roland die neue Produktserie, zu der neben dem JP-08 weitere Modelle gehören wie der JX-03 (= Roland JX-3P), JU-06 (= Roland Juno-106) und jüngst auch der A-01, ein 8-Bit-CPU-Synth mit dem Sound der ersten Homecomputer aus den 80er-Jahren. Spielen lassen sich diese Module jeweils über die separat erhältliche Keyboard-Einheit „K-25m“ (Straßenpreis knapp unter 100 Euro) sowie per USB/MIDI-Verbindung.

Ähnlich wie Yamahas reface-Modelle, die legendäre Keyboard-Sounds der letzten Jahrzehnte spielbar machen, mögen die Neuen von Roland wegen ihres Bonsai-Looks scheinbar als Lifestyle-Produkte gelten. Dieser Eindruck täuscht aber ein wenig, denn aufgrund der tollen klanglichen Eigenschaften werden diese Instrumente auch hohen Ansprüchen gerecht.

Der Klang des originalen Roland Jupiter-8 hat die Popmusik der 80er-Jahre mitgeschrieben. Er wirkt subtiler als der eher brachiale wie fette Sound der damaligen Mitbewerber aus den USA, gemeint sind die Flaggschiffe von Moog, SCI und Oberheim. Der Jupiter-8 ist auf den Alben von Duran Duran, Vince Clark oder auf Michael Jacksons „Thriller“ zu hören. Auch in der Riege der Sound-Designer hat er seine treuen Fans. Einer der bekanntesten ist Rob Papen, der den Jupiter-8 mit seiner Miniatur-Ausführung verglich und beide Instrumente schätzt.

Original und Neuauflage

Das Original und die Neuauflage sind einfach mit­einander zu vergleichen. Bezüglich Klangparameter, Bedienung und Klang scheinen der alte und neue Jupiter ebenbürtig zu sein. Es gibt aber eindeutige Unterschiede zwischen den beiden Modellen: Der JP-08 kostet neu rund 420 Euro; mindestens das Zehnfache müssen Sie für einen gebrauchten Jupiter-8 (Neupreis früher bei über 12.000 DM) hinblättern, wenn Sie ein Exemplar bei eBay oder im Kleinanzeigenmarkt ergattern sollten.

Einen wesentlichen Unterschied macht die Klang­erzeugung selbst. Während der Jupiter-8 den unverfälschten Analog-Sound liefert, reproduziert sein junger Bruder mit dem „Analog Circuit Behaviour“ (ACB) den Klang digital. Es handelt sich also um Modeling, mit dem das Verhalten analoger Schaltkreise nachempfunden werden soll. Diese bewährte Technologie kommt auch in anderen Produkten von Roland, insbesondere bei der Aira-Serie (System-1, TR8, TB-3 und VT-3), zum Einsatz.

Anstelle von acht Stimmen muss ein JP-08 mit nur vierfacher Polyfonie auskommen. Per „Chain-Modus“ lassen sich aber zwei JP-08 zu einem achtstimmigen Soundmodul kaskadieren. Gegenüber dem Jupiter-8 bietet der JP-08 einen erweiterten VCO-Bereich und zusätzliche LFOs sowie einen internen Delay-Effekt und weitere Extras wie einen Step-Sequencer, der den Arpeggiator des Jupiter-8 vertritt. Die Bezeichnung „VCO“ (Voltage Controlled Oszillator) ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Es sind keine „spannungsgesteuerten Oszillatoren“ wie bei früheren Analog-Synthesizern, sondern die Tonzerzeugung arbeitet digital.

Nicht ohne USB-Verbindung

Für dauerhaften Spaß ist der USB-Port immens wichtig. Bevor Sie sich amüsieren können, sind kleine Dinge zu erledigen. Die Stromversorgung kann beim JP-08 mit vier Batterien (Typ AA) oder per USB-Bus-Power erfolgen. Die Batterie-Lösung ist von kurzer Dauer und für den Live-Einsatz zu riskant. An eine sichere USB-Verbindung kommen Sie also nicht herum. Kaufen Sie bitte ein passendes Kabel (Typ MicroB), das nicht mehr als 10 Euro kostet. Für den gleichen Betrag besorgen Sie noch ein USB-Ladegerät, um den Synthesizer auch ohne Computer pausenlos spielen zu können. Und wenn Sie schon online shoppen, legen Sie noch ein Y-Adapterkabel (Stereo-Miniklinke auf zweimal Monoklinke) für den Audio-Ausgang in den Einkaufswagen. Erst mit dem USB-Anschluss werden Sie sich den Umgang mit dem JP-08 richtig erschließen. So bekommen Sie eine MIDI- und Audio-Verbindung mit Ihrem Computer hergestellt. Installieren Sie unbedingt den aktuellen Treiber („Boutique Driver“), den Sie auf der Homepage von Roland (https://www.rolandmusik.de/products/jp-08/downloads) kostenlos herunterladen können. Bei Problemen sollten Sie bei den Treiber-Einstellungen nachschauen, wo sich etwa die Audiopuffergröße ändern lässt.

Über den USB-Port lassen sich auch Sicherheitskopien (Backups) aller internen Daten anfertigen. Mehr noch: Sie können über Backup und Restore mehrere Sets mit diversen Klangdaten anlegen, was wegen der eher knappen 64 Speicherplätze für Patches erforderlich werden kann. Nutzen Sie die Backup-Möglichkeit möglichst oft: Taste „Patch-Nummer 2“ beim Einschalten des JP-08 gedrückt halten, danach JP-08 und PC per USB-Kabel verbinden. Nun erscheint auf dem Schreibtisch der Laufwerksordner „JP-08“, der im Ordner „Backup“ Ihre momentan im Gerät befindlichen Klangdaten enthält.

Statement

Rob Papen, holländischer Sound-Designer, ist ein langjähriger Besitzer des Jupiter-8 und bekannt für seine Software-Synthesizer: „Den originalen JP-08 habe und schätze ich seit 1983. Ich bin mit diesem Instrument emotional sehr verbunden. Es war mein erster speicherbarer Synthesizer, mit dem ich einige Aufnahmen gemacht habe und der mich bis heute inspiriert als Sound-Designer. Beim JP-08 finden sich ein paar gute Presets, mit denen man ruhig einmal starten sollte. Klasse finde ich die „Manual“-Taste, mit der sich der JP-08 wie sein Bruder JP-8 entdecken lässt. Ich denke, dass viele junge Produzenten den legendären JP-8 kennen und ein Auge auf den neuen JP-08 werfen werden. Er klingt nicht nur großartig, sondern ist auch perfekt zum praktischen Verstehen der subtraktiven Synthese. So verwende ich den JP-8 auch bewusst als Referenz in meinem Buch „The 4 Element Synth“. Einmaliges Feature des JP-8 ist der ,Dual Mode’. Ich mag ihn vor allem für Flächensounds. Natürlich haben andere Flaggschiffe aus dieser Zeit, insbesondere die amerikanischen Mitbewerber Prophet-5 oder Memorymoog, ihre eigenen Stärken und unterschiedlichen Klangcharaktere, doch dieser ,Dual Mode’ ist einfach fantastisch und zum Glück auch beim JP-08 vorhanden. Wenn ich selbst Musik produziere, tendiere ich zu Software-Synths, weil sie im Studiobetrieb einfach komfortabler sind. Meine eigenen Sounds wie ,JP-8 pad’ für Blue-II oder Predator sind aber letztlich beeinflusst durch den originalen JP-8. Gleiches trifft übrigens auf mein Preset ,Pading RP’ für den Access Virus zu. Die Debatte um analoge oder digitale Tonerzeugung ist für mich unbedeutend, denn schließlich kommt es darauf an, was man mit Synthesizern macht.

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