Yamaha Disklavier Enspire: Selbstläufer

Ein Selbstspielflügel wie das Yamaha Disklavier Enspire ist weit mehr als ein Spielzeug für musikaffine Millionäre. Martin Pfeifer, tastenwelt-Autor und Klavierlehrer, hat sich die neueste Disklavier-Generation vorgenommen. Sein Eindruck: „Man lernt damit in kurzer Zeit viel über das eigene Spiel.“

Dienstag, 21. Juni 2016. Ein Besuch bei Yamaha Europe in Rellingen vor den Toren Hamburgs steht an. Produktmanager Tom Hoffarth möchte der tastenwelt-Redaktion exklusiv den neuen Yamaha-Enspire-Flügel vorstellen. Das heißt erstmal: sehr früh aufstehen und sich durch den Berufsverkehr zum Flughafen Frankfurt quälen. Danach geht alles flott: Eine knappe Stunde braucht der Flieger nach Hamburg, nach weiteren 20 Minuten Taxifahrt stehe ich vor dem Firmengebäude in Rellingen. Gerade als ich die Lobby betrete, kommt Tom Hoffarth aus seinem Büro – perfektes Timing!

„Der neue Yamaha-Enspire-Flügel ist ein Instrument mit selbstspielender Disklavier-Mechanik, der aber weit mehr kann als das Gespielte aufzunehmen und mit großer Detailtreue zu reproduzieren“, erklärt Tom Hoffarth nahezu programmatisch. Was das im einzelnen bedeutet, möchte mir der Disklavier-Experte mit einer kleinen Vorführung genauer erklären. Ich bin gespannt.

Nobel ist die Atmosphäre im Präsentationsraum: gedimmtes Licht, bequemes Sofa. Der Flügel, ein C3X mit der neuen Enspire Technik, steht vor einer Wand mit großem Flachbildschirm und hochwertiger Audioanlage. Rechts neben dem Instrument befindet sich ein Ständer mit beweglich montiertem iPad. So wird der Flügel auch bei ausgewählten Händlern präsentiert werden. „Yamaha möchte mit den neuen Enspire-Modellen nicht nur die Klavier spielenden Käufer ansprechen, sondern die Instrumente auch als Lifestyle-Objekte für technikbegeisterte Musikliebhaber interessant machen“, ist die Antwort von Tom Hoffarth auf meinen erstaunten Gesichtsausdruck beim Betreten des Raums. Mit so einem aufwändigen Aufbau hatte ich wirklich nicht gerechnet.

 

Neue Steuerungssoftware

Zunächst erklärt mir Hoffarth aber die technischen Verbesserungen an der Disklavier-Mechanik im Vergleich zum Vorgängermodell E3. Stichwort: „Accu-Play“. Damit gemeint ist eine hoch auflösende Abtastung sämtlicher Spielbewegungen der Tasten, Hämmer und Pedale, die hauptsächlich durch eine weiterentwickelte Software-Steuerung erreicht wird. Die Hammerbewegungen werden mittels einer 1024-stufigen Auflösung aufgezeichnet, die Pedalbewegungen mit 256 Stufen. Die Abtastung erfolgt über ein kontaktfreies Lichtwellensystem. Hierfür werden sehr leichte Kunststoffplättchen an verschiedenen Punkten der Mechanik befestigt. Die Plättchen haben einen fließenden grauen Farbverlauf und sind dadurch mehr oder weniger lichtdurchlässig; das durchgelassene Licht wird von Sensoren aufgefangen. Diese Informationen ermöglichen eine exakte Berechnung der Tasten- und Hammerposition sowie der Geschwindigkeit.

Das Vorgängermodell E3 zeichnete bereits - und Hämmerbewegungen exakt auf, doch zeichnet sich das neue Enspire durch eine noch genauere Wiedergabe von schnellen Passagen (Trillern) bei sehr geringer Lautstärke aus. Für die exakte Tastenbewegung bei der Wiedergabe sind DSP-Servomotoren zuständig. Die etwas klobige Bedieneinheit des E3 wurde durch eine dezente, schlanke Box ersetzt; die optische Anmutung eines rein akustischen Instruments wird dadurch kaum mehr gestört. Der Power-Button sowie die Taster zum Einstellen der Lautstärke, zum Starten und Stoppen der Wiedergabe, lassen sich unter der Box leicht ertasten und bedienen. USB-Port und Miniklinken-Kopfhöreranschluss findet man ebenfalls hier. Alle anderen Aus- und Eingänge befinden sich in einer Box unter dem Flügel.

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Info: Yamaha Disklavier Enspire - Zwei Varianten am Markt

Die Enspire-Disklaviere sind in zwei Modellvarianten zu haben. Die einfachere ST-Technik wird in die günstigeren Flügelmodelle (bis zum C2X) und in die Klaviermodelle U1 und YUS1 eingebaut. Ab dem Flügel C3X werden die Instrumente mit der Enspire-Pro Technik ausgestattet. Die ST-Modelle verfügen nicht über die hochauflösende Accu-Play-Abtastung und über einfachere DSP-Servos. Alle Modelle haben jedoch die hochwertige SH-Silent Technik mit an Bord. Über 19 Sounds verfügt das SH-Modul, darunter das hervorragende Sample des CFX Konzertflügels. Die Preise für das Disklavier Enspire beginnen bei etwas mehr als 17.000 Euro.