Zum Tod von Keith Emerson: Abschied vom Keyboard-Popstar

Die Nachricht vom plötzlichen und tragischen Tod des wohl größten Popstars an den Keyboards, Keith Emerson, hat die weltweite Tastengemeinde in tiefe Trauer versetzt.

Bob Moog und Keith Emerson
Bob Moog und Keith Emerson im Rich Stadium, Buffalo, 1973. (Foto: Mark Hockman)

Geboren wurde Emerson 1944 in Todmoreton, Lancashire (England). Und auch wenn die Live-Präsenz des Organisten, Pianisten, Moog-Spezialisten und Komponisten in den letzten Jahren sehr reduziert war, kannte jeder tastenaffine Rock- und Jazzfan seinen Namen. Seine Fans waren wie seine Musik – jenseits
aller Kategorien. Und die Presse hatte stets Probleme, ihn und seine Bands „The Nice“ und später „Emerson, Lake & Palmer“ in Schubladen zu zwingen.

Keith Emerson liebte Klassik und Jazz. Zu seinen Favoriten zählten die Musik von Johann Sebastian Bach, Aaron Copland, Dmitri Schostakowitsch, Béla Bartók sowie die Jazzgiganten Oscar Peterson, Dave Brubeck und Jimmy Smith. Nach ein paar Anläufen mit Jazz- und Blues-Bands in der Londoner Szene und unendlich vielen Auftritten im damals renommierten Marquee Club etablierte sich sein Trio „The Nice“ mit dem Bassisten Lee Jackson und dem Schlagzeuger Brian Davison sehr schnell zu einem weltweit anerkannten Act. Noch bevor die Kategorie „Fusion“ geboren war, spielten „The Nice“ bereits eine interessante Mischung aus Jazz, Rock und Klassik. Die Kompositionen, zum größten Teil Werke von Keith Emerson, hatten eine sehr frische Ausstrahlung und bildeten damals einen gelungenen Kontrapunkt zu der psychedelischen Londoner Progressive Rock Music. Ein weiterer Publikumsmagnet war sein „Stage Act“, bei dem er seine Orgel auf der Bühne herumschaukelte, auf ihr ritt, sie mit Messern traktierte und schließlich umwarf, was ihm den Beinamen „Jimy Hendrix der Orgel“ einbrachte.

Jede Schallplatte ein Meilenstein

Von der Single-Auskoppelung der Leonard-Bernstein-Komposition „America“ bis zum symphonischen Werk „Five Bridges“, aufgeführt mit den Londoner Philharmonikern in der Royal Albert Hall, war jede Platte ein Meilenstein. Emersons Improvisationen auf der Einspielung „Ars Longa Vita Brevis“ sind im höchsten Maße inspiriert. Nach der Trennung von „The Nice“ gründete er mit dem Schlagzeuger Carl Palmer und dem Bassisten, Gitarristen und Sänger Greg Lake die heute legendäre Supergroup „Emerson, Lake & Palmer“. Noch bevor ein einziger Ton gespielt wurde, hatte diese All Star Band bereits durch Vorankündigungen Weltruhm erreicht. Gleich die erste LP enthielt den Number-One-Hit „Lucky Man“ mit einem markanten Synthesizer­solo als Ausklang. Denn die Hammond-Orgel und das Klavier bekamen damals Konkurrenz: den legendären, von Bob Moog extra für Emerson konzipierten Moog-Synthesizer. Die Auswahl des Repertoires war gewaltig. Selbst vor den „Bildern einer Ausstellung“ (Mussorgsky) machte man nicht halt und landete damit in den Charts.

Die Gigantomanie des Band-Equipments übertrumpfte sogar das von Pink Floyd. 1976 wurde die Band von einem 80-köpfigen Synphonieorchester begleitet. Das damit einhergehende finanzielle Fiasko und der Burnout der drei Hauptakteure verursachte ein vorläufiges Ende der Band, die sich später noch ein paar Mal zusammenfand, aber nicht mehr den Zuspruch des Publikums erhielt. Keith Emerson wanderte weiterhin auf Solopfaden. Erwähnenswert: seine Duo-Auftritte mit Friedrich Gulda und Oscar Peterson. Ein durch einen Motorrad­unfall verursachte Verletzung der rechten Hand hinterließ einen bleibenden Schaden und zwang ihn zu mehreren Pausen. Wer sein gesamtes Leben noch einmal aufrollen möchte, dem sei die Autobiographie „Pictures Of An Exhibitionist“ empfohlen.