Zukunft des Entertainers

Interview mit der ZAV-Künstlervermittlung

Für unser großes Special „Zukunft des Entertainers“ in der Tastenwelt 5/2021 konnten wir die Bundesagentur für Arbeit für ein Interview gewinnen. Diese verbinden wahrscheinlich viele auf den ersten Blick nicht mit „Künstleragentur“. Der berühmte „Künstlerdienst des Arbeitsamts“ dürfte aber einigen aus der Vergangenheit noch ein Begriff sein. Durch eine Neustrukturierung ist dieser Dienst seit einigen Jahren in der ZAV-Künstlervermittlung aufgegangen. „ZAV“ steht dabei für „Zentrale Auslands- und Fachvermittlung“ der Bundesagentur für Arbeit mit einer Zentralstelle in Bonn. Die Agenturen sitzen in Berlin, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart.

Vermittelt werden provisionsfrei Auftritte rund um Bühne, Fernsehen, Film, Unterhaltung und Werbung. Um in den Vermittlungspool aufgenommen zu werden, muss man den „marktüblichen Auswahlkriterien“ gerecht werden. Es gibt richtige Auswahlverfahren mit Castings, Vorsingen und so weiter. Entsprechend reichen die Vermittlungen vom dauerhaften Engagement bis zum Abendgala-Auftritt.

kuenstler gestern heuteBild: pixabay.comGibt es den klassischen Alleinunterhalter aus Ihrer Sicht überhaupt noch? Wie haben sich die Anforderungen an diesen in den letzten Jahren verändert, was muss er heute bieten, um erfolgreich vermittelt werden und auf dem Markt bestehen zu können?

Künstlervermittlung: Ja, es gibt ihn noch, den klassischen Alleinunterhalter mit Gesang, Keyboard oder Playback, Moderation, Spiel und Spaß – allerdings wird er in dieser traditionellen Form immer mehr zum seltenen Exoten. Aktuelle Solo-Entertainer/innen (was im Übrigen nur ein anderes Wort für Alleinunterhalter ist) kommen vielfältiger daher: Es sind die Solo-Musiker mit Loop-Station, die Singing DJane mit Keytar, der Quetschn-Spieler in Tracht mit Löffeln und Goaßln im Gepäck oder der singende Zauberer. Alleinunterhalter/innen müssen heute nicht mehr die Show moderieren, sondern selbst die Show sein! Um erfolgreich vermittelt werden zu können, müssen sie nicht nur ein breit gefächertes Genre an Musikrichtungen abdecken, sondern dieses Spektrum mit dem besonderen Etwas rüberbringen. Da sollte der erwähnte Quetschn-Spieler dann zum Beispiel nicht nur bayerische Stimmungslieder im Repertoire haben, sondern vielleicht auch „Highway to Hell“. Perfekt dazu wäre noch, wenn er oder sie zusätzlich zwischen den Live-Sets mit Musik „vom Band“ als DJ fungieren kann. Solo-Musiker/innen müssen neben Showtalent – reines musikalisches Können reicht nicht aus – einer möglichst breiten Instrumentierung sowie dem entsprechenden Equipment außerdem Mobilität und Flexibilität mitbringen.

Können Sie uns etwas über die Altersstruktur der Musiker/innen verraten, die sich als Alleinunterhalter bewerben? Wie viele Jüngere (sagen wir unter 30) sind darunter und wie viele gibt es nach Ihrer Erfahrung, die in dieser Branche in den letzten Jahren neu angefangen haben?

Künstlervermittlung: Auf den traditionellen Alleinunterhalter bezogen (Gesang und Keyboard), ist der Zugang von neuen Künstlerinnen und Künstlern verschwindend gering. Entsprechend hoch ist der Altersdurchschnitt. Der älteste Alleinunterhalter in unserer Kartei ist Jahrgang 1935. Nachwuchs im Bereich des modernen Solo-Entertainments gibt es allerdings schon. Dieser spielt allerdings in der Regel schwerpunktmäßig in größeren Formationen und betreibt seine Solo-Aktivitäten nebenbei, sodass die Zahl der ausschließlichen Solo-Entertainer/innen einen ganz geringen Prozentsatz ausmacht.

Wenn wir auf die Zeit nach der Pandemie blicken, wie sehen Sie die Entwicklung der Nachfrage nach Alleinunterhaltern wie auch Duos und Trios? Oder ganz provokativ gefragt: Braucht es Alleinunterhalter in Zukunft noch?

Künstlervermittlung: Wie bereits dargestellt, wird sich der heutige Solo-Musiker den neuen Anforderungen anpassen müssen. Generell wird sich der künstlerische Markt für Musiker/innen nach unserer Einschätzung wieder erholen, nur mit zeitlicher Verzögerung, das heißt die Betriebe und Veranstalter müssen sich selbst erst einmal wieder betriebsbereit aufstellen, bevor sie an die Planung von Veranstaltungen, Feiern und Festen denken. Die breite Masse der Bevölkerung „giert“ gerade jetzt förmlich nach Live-Musik.

Wie schätzen Sie die aktuelle Marktsituation ein? Wäre für Musiker jetzt ein guter Zeitpunkt, einzusteigen und ihre Dienste anzubieten?

Künstlervermittlung: Der derzeitige Sommer, der viele Außenveranstaltungen und -aktivitäten zulässt, sowie die noch geringen Inzidenzwerte haben dazu geführt, dass sich die Auftragslage langsam etwas bessert. Die meisten Veranstalter sind zwar willig, aber unsicher, ob eine vierte Welle die Pläne durchkreuzt. Ein Karrierestart zum jetzigen Zeitpunkt wäre daher mit einem hohen Risiko verbunden.

Das gesamte Special „Zukunft des Entertainers“ lest ihr in der Tastenwelt 5/2021.

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