KORG PaX5 Einfach immer besser

Sieben Jahre ist es schon her, dass das Pa4X von KORG auf den Markt kam. Eine lange Zeit, die sicherlich auch der Pandemie zuzuschreiben ist. Jetzt ist es endlich so weit, mit dem Pa5X stellt KORG die nächste Generation der beliebten Entertainer-Keyboardserie vor.

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Es geisterte schon vor dem offiziellen Erscheinen das ein oder andere Bild des neuen Pa5X durchs Internet, manches war offensichtlich ein Fake, anderes schien doch recht echt auszusehen. So wuchs unsere Neugier auf dieses neue Keyboard und nun ist es endlich so weit: Wir können heute das Pa5X in der 61-Tasten-Version mit der Betriebsversion 1.0 auspacken, spielen und testen. Der Hersteller verspricht in seinem Slogan „Einfach. Besser“ und ob das auch so ist, finden wir heraus.

Tastaturen

Die Besonderheit vorweg: Gleich in drei Tastaturvarianten kommt das Pa5X daher: 61, 76 und jetzt auch mit 88 Tasten. Wohingegen die erstgenannten Modelle eine sehr gut spielbare, leicht gewichtete Tastatur besitzen, kommt im 88er Modell eine Hammermechanik-Tastatur zum Einsatz. Alle Tastaturen stammen aus dem Hause Fatar. Hier ist übrigens spannend, welche Lücke KORG damit schließt: Pianisten, die auch Workstation-Funktionen nutzen möchten, oder Keyboarder, die pianistisches Spielgefühl bevorzugen? Wir hoffen, bald einmal in den Genuss zu kommen, ein 88-Tasten-Modell zu testen.

korg pa5x 88

International und lokal

Parallel zum Pa5X „international“ wurde auch gleich schon der Pa5X MUSIKANT – ebenfalls in drei Tastaturvarianten – vorgestellt, das für Deutschland, Österreich und Schweiz lokalisierte Modell. Hier liegen allerdings noch keine Informationen über den Inhalt vor. Der MUSIKANT bekommt jedoch als besonderes Merkmal eine andere Farbe, das Gehäuse ist dunkelblau.

KORG betont, dass es sich beim Pa5X nicht um eine Weiterentwicklung der Pa1/2/3/4X-Reihe handelt, sondern um eine komplette Neuentwicklung, also „das erste Keyboard einer neuen Generation“.

Oberfläche und erster Eindruck

Auf den Fotografien sieht das Pa5X bereits sehr hochwertig aus, aber in natura ist es noch viel eindrucksvoller. Das schwarz eloxierte Aluminiumgehäuse ist mit den schicken Holzseitenteilen ein wirklicher Hingucker. Das Holz gefiel schon am Pa2X gut.

Mittig prangt ein 8-Zoll großes, neigbares Touch-Display, dieses kann man in mehreren Positionen arretieren und sogar noch mit einer kleinen Stütze dermaßen verriegeln, dass auch bei heftigem Druck aufs Display nichts wackelt oder nachgibt. Die Displayoberfläche bzw. die dargestellten Elemente sind auf den ersten Blick sehr aufgeräumt. Deutlich ins Auge fallen eine 4x4-Pad-Matrix sowie ein neues Zeilendisplay unter den bekannten Lautstärke-Fadern.

Der Bootvorgang geht mit ca. 40 Sekunden noch in Ordnung, die kurze Zeit vertreiben wir uns damit, die hochauflösende Grafik des Boot-Bildschirms zu bestaunen… und dann wird’s bunt. Auch, wenn man die Vorgänger Pa3X und Pa4X recht gut kennt, wird man feststellen: so farbenfroh war ein KORG-Keyboard noch nie. Viele Taster (die übrigens alle größer und weiter im Abstand sind als beim Pa4X) besitzen farbige LEDs, die je nach Status die Farbe ändern. Für Licht- und Farb-Fans auf jeden Fall spektakulär und ein Hingucker, aber selbst, wem das zu viel sein sollte, der wird das, was zunächst farbig zu erschlagen scheint, bald als pfiffige Idee zu schätzen wissen, mit Farbcodes durch das Keyboard zu ziehen. Dazu später mehr.

Neue Struktur in bunt

KORG hat mit dem Pa5X die Modus-Struktur aufgehoben, das heißt die Spielmodi „Style Play / Song Play“ existieren nicht mehr. Dafür kann der KORG-typische Doppelsequenzer nun alle Formate spielen, Styles, Midifiles und MP3-Dateien. Das ist wirklich neu und die Möglichkeit, in beiden Playern nun alles abspielen zu können, schafft völlig neue kreative Ideen.

Kommen wir zurück auf die Idee des Farb-Konzepts. Der Player 1 wird im Display gelb dargestellt, eine große gelbe LED leuchtet über den Start/Stop-Tasten, die Taste des jeweils aktiven Style-Elements leuchtet ebenfalls gelb. (Anmerkung: Die 15 Tasten für die Style-Elemente sind je nach Typ in der gleichen Farbe beleuchtet, also zum Beispiel haben je drei Intros die gleiche Farbe, drei Endings usw.). Alles, was also irgendwie mit dem Player 1 zu tun hat, ist gelb dargestellt, auch ein Pad leuchtet gelb, wenn es aktiv ist. Beim Überblenden von Player 1 zu Player 2 ändert sich die Farbe in beeindruckender Weise. Im Display wird nun der gelbe linke Player ausgegraut und es erscheint der rechte Player 2 in Blau. Alles andere Vorgenannte ist nun ebenfalls blau. Man behält so immer die beste Übersicht, in welchem Player man sich gerade befindet. Vor allem in dunkler Umgebung erweist sich diese Farbgebung als äußerst hilfreich. Nach dem ersten Eindruck „ganz schön bunt“ erkennt man schnell eine klare, logische und hilfreiche Farbstruktur, dafür Daumen hoch. Eine Möglichkeit, alle LEDs zu dimmen, wurde im Test bislang noch nicht entdeckt, aber KORG ist bekannt für Updates seiner Betriebssysteme, das kann also noch kommen.

Dann fällt noch eine dritte Farbe auf: Die Klangzusammenstellungen, deren Namen KORG vor einiger Zeit von STS zu „KeyboardSet“ geändert hat, werden in Grün dargestellt. Grüne Rahmen sind im Display zu sehen, LEDs leuchten grün bei Anwahl eines KeyboardSets. Die KeyboardSet-Speicher-Tasten haben ebenfalls eine neue Funktion erhalten: Mit einem Umschalter erreicht man die FAVORITE-Plätze, dort kann man elf Lieblings-KeyboardSets speichern, die immer zur Verfügung stehen, egal, was gerade im Keyboard stattfindet. Mit einem langen Druck auf eine der Tasten kommt man ins Belegungsmenü, sehr praktisch.

Neben dem farbenfrohen LED-Design sind aber auch die fotorealistischen Abbildungen im Display zu erwähnen. Passend zu jedem Sound und Style gibt es nun Icons, die geschmackvoll den Sound/Style im Bild unterstreichen. Selbst kleinste Instrumentendetails sind sichtbar.

Auffällig ist auch der von außen verschraubte (und mit LEDs versehene) Joystick. KORG versichert hierzu den schnellen Austausch des Joysticks im Servicefall.

Strip Display

Des Weiteren springt ein neues Zeilen-Display – KORG nennt es „Strip-Display“ – ins Auge. Dort werden diverse Werte angezeigt, die aktuell an den Tastern und Fadern anliegen. Das kommt uns sehr bekannt vor, denn der große Mitbewerber hat ebenfalls ein Zeilen-Display zur besseren Kontrolle. Das ist äußerst praktisch und zeitgemäß. Ein Umschalter muss betätigt werden, um die Funktion des Faders oder Tasters zu sehen. (Allerdings ist die jeweilige Funktion eines Tasters auch dann aktiv, wenn der Umschalter nicht auf „Taster“, sondern auf „Fader“ steht.)

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Vertraute Bedienelemente wie die vier Pads, die Upper/Lower-Auswahltaster, das SongBook und die vier KeyboardSets finden sich ebenfalls wieder auf dem Bedienfeld. KORG-Spieler werden sich also sofort wieder zurechtfinden.

Anschlüsse

Nicht unerwähnt bleiben sollen die Anschlüsse auf der Vorder- und Rückseite. Neu im Vergleich zum Vorgänger sind vier Einzelausgänge (vorher zwei), dreimal USB 3.0 (vorher zweimal 2.0) sowie ein HDMI-Videoausgang. Ein Sustain-Pedal-Anschluss sowie zwei weitere Anschlüsse für Schalter/Taster sind ebenfalls dabei. Der Anschluss für das (fünffach mit Schaltern belegte) EC5-Pedal ist jedoch nicht mehr zu finden. Warum man das entschieden hat, erschließt sich zunächst nicht. Gerade dieser Fünffach-Fußtaster war/ist für einige Spieler unverzichtbar. Vermuten wir mal, dass bereits eine andere Lösung in der Schublade schlummert. Neu ist dafür ein zusätzlicher Gitarren-Eingang mit eigenem Gain. Wer für eine Probe oder einen kleinen Auftritt einmal kein Mischpult bemühen möchte, kann am Pa5X folgendes gleichzeitig anschließen: Mikrofon, Gitarre, zweites Keyboard sowie Tablet oder Mobiltelefon (Line 2).

pa5x audio input

Bedienung

Wie gesagt, der neue Werbeslogan lautet „Einfach. Besser“. Ist das so? Besser geworden ist auf jeden Fall schon einmal die aufgeräumte Oberfläche. Wenn man das Pa4X im direkten Vergleich sieht, muss man fast ein wenig lächeln über die vielen Linien und gedrungenen Beschriftungen auf der Oberfläche des Vorgängers. Hier beim Pa5X hat man sich mehr Platz verschafft, die Taster größer und griffiger gestaltet und weiter voneinander entfernt positioniert. Die zum Teil mehrfarbigen LEDs helfen ebenfalls, sich auf der Oberfläche rasch zu orientieren.

Aber: Während beim Pa4X die Beschriftung der Anschlüsse der Rückseite noch auf der Frontseite zu lesen war, fehlt diese beim Pa5X gänzlich. So mussten wir uns im Test, um zum Beispiel ein Sustain-Pedal anzuschließen, erst hinter das Keyboard bemühen, um den Anschluss zu finden. Das empfindet man spontan nicht direkt als Verbesserung.

Spielpraxis – Doppelsequenzer

Nun wollen wir aber endlich spielen. Unsere Neugierde geweckt hat spontan der neue Doppelsequenzer, den wir sofort mit Styles füttern. Links neben dem Startknopf des Player 1 finden wir die Taste STYLE, mit der wir zur Style-Auswahl gelangen. (Anmerkung: Früher waren die Stylegruppen auf der Oberfläche aufgedruckt). Ein Style wird angetippt und wir landen sofort im Player 1. Das Gleiche machen wir noch einmal für Player 2. Die Taste STYLE rechts neben dem Startknopf gedrückt – die gleiche Auswahl.

Jetzt sind wir gespannt: Player 1 wird gestartet, X-Fader nach links geschoben, der Style läuft. Wir starten Player 2 und blenden den Fader nach rechts – es wird sauber übergeblendet ohne irgendwelche Sound-Artefakte wie Sound- oder Effekt-Stolperer. Das haben wir so in einem Entertainer-Keyboard noch nicht gehört. Man kann in seiner Vorstellung nun weiterspinnen, was beim Überblenden von Style zu Midifile, Midifile zu Midifile oder MP3 passiert: Alles läuft „smooth“ und butterweich von einem Player zum anderen. Wir haben recherchiert, wie das geschieht: In jedem Player werkeln 13 Effekt-Slots, aufgeteilt in je drei Master- und zehn Insert-Effekte. Jeder Player bringt also eigene Effekt-Slots mit, die beiden Player sind somit unabhängig voneinander. Das ist ein Novum für ein Arrangerkeyboard. Die offerierten 160 Stimmen Polyphonie sind dabei offenkundig völlig ausreichend, im Test haben wir nie einen Aussetzer bei Sounds oder Effekten wahrnehmen können.

Saubere Fill Ins

Eine weitere Besonderheit aus der Praxis: Beim Style-Spiel ist uns aufgefallen, dass die Fill-Ins im Gegensatz zum Pa4X weicher und „musikalischer“ einsetzen. Hierzu ergab die Recherche, dass das vollständige Fill (alle Spuren sind beteiligt) nur bis ungefähr Zählzeit „2“ erklingt. Drückt man später als „2“ die Fill-Taste, machen nur noch Drums und Bass ein Fill, die ACC-Spuren klingen wie die aktuelle Variation. KORG berichtet dazu von User-Feedback, dass Fills oft „unsauber“ einsetzten. Diese Rückmeldung ist hier offenbar eingeflossen, mit dem Pa5X ist dies absolut nicht mehr der Fall, alles klingt sehr musikalisch und „rund“.

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KeyboardSets

Als Nächstes möchten wir die Klangzusammenstellungen, genannt „KeyboardSets“, unter die Lupe nehmen. Hier darf man nicht dem Irrtum unterliegen, die aufgedruckten Soundkategorien seien die einzelnen Sounds. Dem ist nicht so. In den aufgedruckten Gruppen befinden sich Zusammenstellungen von Klangfarben, dies können Soloklänge sein, aber auch Piano & Strings, mehrere Brass-Sounds oder gemischte Synth-Flächen. Ein KeyboardSet besteht demnach aus Upper 1, Upper 2, Upper 3 und Left. Die einzelnen Klangfarben zum Zusammenstellen eines KeyboardSets findet man in einer anderen Übersicht auf der Seite, die im Display mit „Keys“ betitelt ist.

Die Auswahl der KeyboardSets und/oder der einzelnen Klangfarben funktioniert nach dem gleichen vertrauten Prinzip wie die vorgenannte Style-Auswahl: Links sieht man die Ordner/Kategorien, rechts deren Inhalt.

Weiche Übergänge

In der Beschreibung des Pa5X taucht der Begriff „Smooth Sound Transition“ auf. Diese Funktion ist schon bekannt aus dem KRONOS und NAUTILUS. Machen wir zwei Proben aufs Exempel: Wir wählen ein KeyboardSet mit einem markanten Effekt, spielen diesen Klang und schalten rasch zu einem anderen KeyboardSet: Der Hall des ersten Klangs bleibt stehen und es klingt gleichzeitig der Effekt des neuen Klangs. Auch wenn wir einen Sound spielen und ein Midifile laden, wird der Master-Effekt nicht abgeschnitten, denn sowohl Player als auch KeyboardSet bringen eigene Master-Effekte mit. Auch hier stehen in doppelter Anzahl für die KeyboardSets drei Master- und drei Insert-Effekte zur Verfügung. Der zweite Test: Wir spielen und halten einen Flächensound, schalten um zu einem anderen Klang: Der Flächensound klingt weiter, bis wir ihn loslassen.

Mixer

Für die Bearbeitung von Midifiles und Styles stellt KORG einen neu gestalteten Mixer vor, der über die Schaltfläche Mixer/FX erreichbar ist. Gleich auf der ersten Seite fallen auch hier die erwähnten Foto-Icons auf, von denen gleich acht nebeneinander dargestellt sind und auch ohne Lesen des Soundnamens sofort zeigen, was sich auf der Spur verbirgt. Einen „Track Select“ des Vorgängers, um weitere Spuren anzuzeigen, sucht man vergebens, bis man unten rechts im Display einen kleinen grauen Soft-Button entdeckt. Dort ist nun die Umschaltfunktion für die Trackspuren. Zugegeben, einen echten Taster hätten wir bevorzugt.

Die Mute-Funktion für Spuren gab es schon beim Vorgänger, neu ist hier die Solo-Funktion, sehr praktisch. Weitere Displayseiten im Mixer sind EQ, Insert-FX, Master-FX, Send und Tuning. Alle Seiten wurden grafisch neugestaltet und die Buttons sehen dank des hochauflösenden Displays recht plastisch aus.

Die Effektauswahl sowie die Darstellung der Effekte (zum Beispiel „Bodentreter“) wurde ebenfalls grafisch aufgearbeitet, die plastischen Darstellungen erinnern an eine DAW.

Die letzte Seite des Mixers heißt „Finalizer“ und lässt aufhorchen. Hier ist es möglich, mittels eines vollparametrischen 4-Band-EQs, eines Hi-Pass- und Lo-Pass-Filters sowie eines Limiters Styles und Files im Sound und in der Lautstärke einander anzugleichen. Ein cooles Feature! Man stelle sich vor, von einem kräftigen Midifile zu einem ruhigeren Style überzublenden. Beiden Elementen kann man mit dem Finalizer die gleiche „Energie“ geben, eventuell das Midifile etwas begrenzen, dafür den Style etwas aufpumpen. Jede Finalizer-Einstellung ist je Style/File speicherbar.

Matrix

Die frei programmierbare 4x4-Matrix wurde im Test unser neues „Spielzeug“. Eigentlich sind das „nur“ 16 weitere Pads zu den sowieso schon vier vorhandenen. Auf den Pads kann man alles Mögliche an Klängen speichern: melodische Phrasen, Rhythmus-Loops, Geräusche, On-Shot-Samples oder eigene Pads. Alles, was mit den normalen vier Pads auch schon geht. Nur arbeitet diese Matrix vertikal, das heißt man kann vier Pads nebeneinander spielen, aber nicht untereinander. Klingt ein Pad in der ersten Spalte und man drückt das Pad darunter, wird das erste ausgeschaltet. Wir haben in die erste Spalte vier Rhythmusmuster gelegt, in die zweite vier Bass-Loops, in die dritte und vierte melodische Elemente. So kann man ganze Arrangements bauen, indem man zwischen den Pads hin und her schaltet. Das ist doppelt „cool“, denn die melodischen Pads reagieren auch noch auf die Akkorde der Begleitautomatik. Damit nicht genug: Die vier „klassischen“ Pads spielen in gleicher Weise mit, so dass man Arrangements aus 20 Pads bauen kann! Was für Ableton- und Novation-Anwender eine bekannte Vorgehensweise ist, stellt in einem Arrangerkeyboard eine progressive Art der Performance dar.

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Drei Bänke à 16 Pads stehen zur Verfügung, diese bleiben dauerhaft gespeichert, egal, was drumherum aufgerufen wird (zum Beispiel Songbook). Leider fanden wir keine Möglichkeit, mehr als drei Pad-Bänke zu speichern.

Die Bank 4 enthält eine Mute-Funktion für Styles und Midifiles. Je nach dem, ob ein Style oder Midifile im Player steckt, leuchten 8 oder 16 Tasten der Matrix. Drückt man eine der Tasten, beginnt diese zu blinken und die entsprechende Spur wird stumm geschaltet. So kann man sehr schnell einen Style ausdünnen oder mit gehaltener SHIFT-Taste eine Spur solo schalten. Spielt man drei Minuten mit einem ausgedünnten Style, blinken diese Tasten ebenfalls 3 Minuten.

Auf die Pads zu drücken, war jedenfalls schöner Spieltrieb und automatisch entstehender „schöner Zwang“ zugleich. Die so abrufbaren Phrasen sowie Drums und einzelnen Geräusche können jede Darbietung unerhört „aufmischen“.

Menüs

Sämtliche Menüs wurden neugestaltet. Sehr erfreulich ist eine große und deutliche Darstellung der Menüs und Untermenüs. Hier spielt das Display seine Stärken aus. Die Grafiken und Schaltflächen sind auch ohne Lesebrille sehr gut zu erkennen.

Song Edit / Style Edit

Klänge tauschen, Lautstärken und Effekte ändern, Equalizer-Einstellungen, all das kann man in der normalen Spielebene tun und muss nicht den EDIT-Bereich bemühen. Man ändert bei laufendem Song oder Style die Parameter und speichert die Änderungen gleich wieder im Song oder Style. Erst detailliertere Änderungen werden im EDIT-Menü vorgenommen.

Harmonizer

Zunächst die Überraschung, dass auf der Oberfläche kein „TC-Helicon“-Logo zu finden ist. Hier schreibt der Hersteller, dass die Firma SHIFT-Audio für den neuen Harmonizer verantwortlich ist. Auf der Seite von SHIFT-Audio ist wiederum zu lesen, dass die Gründer dieser Firma wohl alle bei TC gearbeitet haben. KORG hat nun in Kooperation mit SHIFT-Audio einen neuen und extrem gut klingenden Vocalisten – Entschuldigung – Harmonizer entwickelt, der den TC-Produkten wirklich in nichts nachsteht. Der vierstimmige Harmonizer ist nun auch nicht mehr ein weiteres Bauteil im Pa5X, sondern Bestandteil des Systems, was bedeutet, dass er sich all der Effekte bedienen kann, die das Pa5X bietet, selbst der Gitarrenverstärker-Simulation (wir haben es ausprobiert). Viele Presets sind bereits im Harmonizer, eigene Presets zu speichern ist ebenfalls möglich. Die Auswahl der Presets reicht von Einzelstimmen, die zum eigenen Gesang hinzukommen, bis hin zu vollen Chören inklusive Doppler-Funktion. Die Qualität der Chorstimmen können wir nur mit „hervorragend“ betiteln.

KORG nennt explizit einen neuen Autopitch-Effekt, mit dem der immer noch beliebte „Cher-Effekt“ produziert werden kann. Tatsächlich packt der Autopitch in der extremen Einstellung derart heftig zu, dass modernste Vokallinien (Dance, Rap, Pop) damit möglich sind. So zu singen, macht einen riesigen Spaß! Auch sind die „normalen“ KORG-Effekte wie Hall, Delay, Chorus usw. von Top-Qualität, hier gibt’s wirklich nichts zu meckern.

Die Oberfläche des neuen Harmonizers wurde neugestaltet, große und unmissverständliche Icons helfen, die richtigen Effekte zu finden.

Waves

Am Ende der Signalkette finden wir noch die „MAXX“-Audio-Suite der Firma WAVES, dies sind diverse hochwertige Mastering-Effekte für die Finalisierung des Gesamtsounds. Ein vollparametrischer 7-Band-EQ sowie vier weitere Module (Bass, Treble, Stereo und Volume) sorgen zum einen für druckvollen Sound und gestatten eine akustische Anpassung an Räumlichkeiten. Hier sind ebenfalls eigene Presets speicherbar.

Sound

Eine leise Vorahnung hatte man, wie es wohl klingen wird, denn KORG kündigte groß die Sounds von KRONOS, NAUTILUS, SV2, wavestate und ARP2600 an. Die Erwartungen wurden allerdings noch übertroffen. Nicht nur ein einzelnes „Vorzeige-Piano“, sondern gleich mehrere Flügelsounds allererster Güte, Upright- sowie Rhodes- und Wurlitzer-Pianos glänzen im Pa5X. Austrian-, Japanese-, German- und Italian-Grands mit nuanciertem Sound und bei Bedarf mit regelbaren (!) Nebengeräuschen von Hämmern und Pedal, sowas kennt man eigentlich nur aus den großen Workstations. Wie auch schon im Pa4X werden die Pianosounds gestreamt, das heißt der Ton klingt in seiner natürlichen Gesamtheit und wird nicht geloopt. Die elektrischen Klaviere liegen in gleicher detailreicher Weise vor und wenn man sich vorstellt, dass man hier nun die Samples des SV2-Stagepianos spielen kann, dann freut man sich schon auf den Test mit dem 88-Tasten-Modell!

In der Synthesizer-Abteilung geht’s ebenfalls hoch her. Sowohl bei den ausdrucksstarken Solo-Synths als auch bei den geschmeidigen Flächensounds gibt es viele aufregende Klänge. Diese beißen sich überall durch und weisen den nötigen Druck auf. Selbst aus dem Pa4X bekannte Klänge scheinen noch einmal mehr zu glänzen.

Nie Gehörtes findet sich in der SFX-Abteilung, diese gilt es unbedingt einmal auszuprobieren. Hier werkeln bis zu 24 Stereo-Oszillatoren pro Klang! Sounds mit „Seq“ oder „Melody“ betitelt, hauten uns vom Hocker. Man möchte meinen, minutenlange Melodie-, Filter- oder Effektloops zu hören. Mitunter stellten wir uns die Frage, wie groß muss der ROM wohl sein muss. Dabei reden wir nicht von zwei, drei Klängen, sondern von zig. Hier ist die genannte KRONOS- / NAUTILUS- / WAVESTATE-Herkunft deutlich zu erkennen.

Weiter hinten im Ordner finden sich „Set“-Sounds. Dies sind Klangzusammenstellungen in bester VST-Manier: Water-Set, Life-Set, Talkshow-Set und viele mehr. In diesen Sets befinden sich unzählige Samples und Geräusche, die zur Filmvertonung taugen.

Auch bei den Naturinstrumenten gibt es eine Vielzahl neuer Klangfarben. Einige haben eine neue Kennung: „Nat.“, welche wir sofort ausprobierten. Aus dem Pa4X bekannt sind bereits die DNC-Klangfarben, die neuen Sounds bedienen sich ebenfalls dieser Funktion. Legato- oder Staccato-Spiel ruft andere Samples ab, ebenso sind mit dem Joystick und den drei Tastern weitere Artikulationen möglich. Die Saxophon-Familie ist komplett neu und klingt unfassbar plastisch, angetan hat es uns das das Bariton-Sax. Ebenfalls die Solo-Streicher klingen sehr fein und nuanciert. Neue Trompeten, Posaunen und Klarinetten fallen allesamt positiv auf, vor allem die „Kletzmer Clarinet“ ist unser Highlight mit ihrem eindrucksvollen Vibrato. Probiert hier unbedingt alle Artikulationsmöglichkeiten aus!

Sound Edit

In diesem Menü kann man Klänge von Grund auf selbst bauen oder bestehende Klangfarben verändern. Allerdings sind nicht nur Veränderungen der Hüllkurve möglich, sondern man kann tatsächlich „bis an die Wurzel“ gehen: 24 Stereo-Oszillatoren Werks- oder eigene Samples zuordnen, DNC-Spielweisen bestimmen, grafische Filter- und Hüllkurvenverläufe zeichnen, Effekte editieren… hier steckt ein kompletter Synthesizer drin.

Orgel

Alle Parameter der Zugriegelorgel werden nun in einem Display angezeigt. Die Fader können nach Anwahl der Zugriegelorgel als „echte“ Zugriegel verwendet werden. Die Orgel-Effekte (Rotary- und Amp-Simulation) sind zum Beispiel auch in der VOX Continental und KRONOS zu finden. Die Orgelsounds klingen brillant und seidig, aber auch rockig und „rotzig“. Auch gibt es bei den Keyboard-Sets eine Vielzahl von Zugriegeleinstellungen, hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Drums

Bei den neuen Drumkits greift KORG auf eine von hochwertigen Sample-Libraries bekannte Funktion zurück, sogenannte „Round Robin“-Samples. Beim Abruf der Drum-Samples wird garantiert, dass niemals zweimal hintereinander das gleiche Sample folgt. Bis zu 32 Samples pro Drum-Instrument sind hier programmiert mit der Besonderheit, dass man sogar noch Einfluss auf diese Samples nehmen kann (Cycle Mode, Random Mode). So klingen diese Drumkits absolut live.

Styles

Die KORG-typischen groovy-Styles darf man im Pa5X erwarten. Mit den vielen neuen Klangfarben klingen alle Styles frisch und druckvoll. Neben kernigen Styles für Chart-Hits gibt es noch eine tolle Disco- und Dance-Gruppe, aber auch Funky, Blues und Latin, alles da. Einige Style zu persönlichen Lieblingssongs fanden wir in der Kategorie „Classic Pop“. Nahezu jede Kategorie ist hier schon bedacht, da darf man gespannt sein, was der Pa5X MUSIKANT noch zusätzlich bzw. an lokaler Färbung bringen wird.

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Die Auswahl der Styles ist ebenfalls neu und erinnert an eine Darstellung im PC. Die Stylegruppen sind nicht mehr auf dem Gehäuse aufgedruckt, sondern nur noch im Display anzuwählen. Man sieht im Display links die Stylegruppen, die den Ordnern im PC ähneln (Explorer/Finder). Tippt man auf eine Gruppe, erscheint rechts deren Inhalt. Das wirkt vertraut und lässt sich intuitiv bedienen. Wir erinnern uns: Die Auswahl der KeyboardSets und -Sounds funktioniert auf die gleiche Weise.

USER-Bänke sind nun auch nicht mehr limitiert. Beim Pa4X passten 48 Styles in eine Bank, hier ist die Bank/Gruppe offen. Auch kann man neue Bänke mit eigenem Namen anlegen, das ist sehr praktisch, wenn es gilt, sehr viele Styles zu verwalten.

Schaltet man bei einem laufenden Style zu einem anderen Style, dauert der Umschaltvorgang manchmal bis zu einem Takt. Auf Nachfrage erfuhren wir, dass es technisch gerade wohl so ist. Bei einem Medley könnte diese Verzögerung vielleicht problematisch werden, jedoch kann man da immer noch zum anderen Player umschalten.

Sampler

Wie auch schon im Pa4X ist wieder ein vollwertiger Sampler mit an Bord, mit dem man eigene WAV-, SF2- oder AIFF-Samples verarbeiten kann. Multisamples erstellen oder Time-Slice sowie das haarfeine Bearbeiten von Sample-Rohmaterial ist mit Bordmitteln möglich. Der physikalische Speicher ist 4GB groß, kann aber durch Komprimierung auf 8GB vergrößert werden.

Akkordsequenzer

Bereits im Pa4X gab es einen Akkordsequenzer, mit dem man rasch eigene Akkorde aufnehmen und zum Jammen oder Üben verwenden konnte. Im Pa5X gibt es jetzt zu jedem Style eine vorgefertigte Akkordfolge, deren Akkorde man im Display lesen kann. Bei Bedarf kann die Anzeige der Akkorde auch noch vergrößert werden, so dass auch komplexe Akkordfolgen auf einen Blick sichtbar sind. Zudem gibt es noch eine Akkordsequenzer-Library mit diversen Kategorien und vielen Akkordfolgen (zum Beispiel 12-Takt-Blues-Schema), die man auf jeden Style anwenden kann. Die vorgefertigten Akkordfolgen sind jedoch nicht transponierbar.

Gitarre

Das Pa5X besitzt zusätzlich zum Mikrofoneingang einen Gitarreneingang mit eigenem Gainregler auf der Rückseite. Hier kann sich der befreundete Gitarrist einklinken, wenn es einmal wenig Equipment sein soll. Sämtliche Effekte des Keyboards sind auf den Gitarrenklang anwendbar, bis zu vier Effekte in einem virtuellen Gitarrenrack gleichzeitig möglich. Etliche Presets sind schon vorprogrammiert und in Gruppen (Clean, Overdrive, Distortion usw.) aufgeteilt. Die Presets sind veränder- und speicherbar. Wenn man das Songbook benutzt, kann zu jedem Eintrag auch ein Gitarren-Preset gespeichert werden. Wir fragten für den Test einen befreundeten Gitarristen, ob er die Effekte einmal ausprobieren möchte. Besonders gelobt wurden die Hall- und Chorus-Effekte, aber auch die Verstärkersimulationen (zum Beispiel VOX) hatten es ihm angetan. Was ihm weniger gut gefiel, war, dass der Keyboarder mit dessen Fader Einfluss auf seine Spiellautstärke nehmen kann – uns wiederum gefiel es sehr gut.

Datenstruktur

Durch die offene Daten- und Ordnerstruktur ist das Speichern in einer SET-Datei nicht mehr nötig. SET-Dateien früherer Pa-Keyboards können aber importiert und in das neue Format umgewandelt werden. Wir konnten dies bis zum Pa2X/Pa800 prüfen. Ein weiterer Vorteil: Styles, Sounds und Files können ohne Ladevorgang von jedem angeschlossenen (oder eingebauten) Medium gespielt werden.

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Fazit

Mit dem Pa5X hängt KORG die Messlatte in Sachen Sound, Funktionen und Bedienung ganz nach oben: hochwertigste und vielseitige Samples mit ausreichendem Druck, neue Funktionen, die ihresgleichen suchen, eine hochwertige Verarbeitung und eine tolle Modellpflege. Wir können unterstreichen, dass das Pa5X – wie KORG angibt – keine Weiterentwicklung des Pa1,2,3,4 ist, sondern eine komplette Neuentwicklung. All dies wäre mit einem Software-Update nicht möglich gewesen. Mit der neuen, geänderten Bedienstruktur kommt wohl jeder KORG-Spieler sofort zurecht. Spielern anderer Fabrikate wird durch eine logische Herangehensweise und viele Vereinfachungen der Umstieg erleichtert. Das Pa5X klingt in unseren Ohren sagenhaft neu und frisch und kann sogar aufgrund der Sound- und Effektpower und den Funktionen einen Ersatz für eine Workstation darstellen. Ist das Pa5X nun „Einfach & besser“? Ja.

Den Test und andere spannende Themen findet ihr auch in der neuen Ausgabe

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Text: Christoph Klüh

Bilder: KORG - Hersteller

Tags: TASTENWELT, Keyboard

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